Alltag XI – Zeit

Ich würde so wenig schreiben, sagt er, dass er das von mir nicht gewohnt sei und ob alles in Ordnung wäre. Logo, sage ich und schiebe ihn aus dem Türrahmen, in dem er steht. Eigentlich kommen wir da gut zu zweit durch, nur heute nicht, weil ich einen Karton mit Büchern im Arm halte und darauf eine übervolle Tasse Milchkaffee balanciere. Da will ich kein Risiko eingehen. Ich schreibe schon, teile ich ihm nuschelnd mit und er zieht die Stirn in Falten weil er mich nicht versteht. Nachdem er mir die Kontoauszüge, die ich zwischen meine Zähne geklemmt hatte aus dem Mund nimmt, wiederhole ich es noch einmal. Doch, ich würde schon schreiben, fast so viel wie immer, nur im Moment eben nur im Kopf. Der Karton mit den Büchern – meinen eigenen – kommt in den Flur. Zur Auer Dult brauche ich sie. Die beginnt zwar erst am 19. Oktober aber wenn sie schon jetzt da stehen, dann kann ich das schon mal nicht vergessen. Wie man im Kopf schreibt, möchte er wissen und ich schiebe den Karton ein Stück unter die Kommode. Nur so weit, dass er mich täglich stört und ich ihn sicher nicht vergessen werde. Nun, ich schreibe eben in Gedanken. Schreiben ist für mich ja nachdenken und damit hört man nicht auf, nur weil die Zeit mal etwas knapper wird. Knapper, fragt er schmunzelnd, schiebt den Karton ein Stück weiter unter die Kommode und rettet den Milchkaffee, der gefährlich wacklig noch immer darauf steht. Wir teilen uns den Milchschaum und weil sein Rücken so schön breit ist, lehn ich mich kurz dagegen. Weiterlesen →

Randnotiz

Endlich hätte ich in den letzten 30 Jahren meines Lebens lernen sollen, dass es überhaupt nichts bringt mir ganz besonders wichtige Dinge auf den Handrücken zu schreiben. Was bei den Spickzettel in der Schulzeit schon nicht funktioniert hat, versagt als Erinnerungsfunktion völlig.

„N!“ War eine wirklich wichtige Erinnerung. Soviel weiß ich noch. Auch dass ich hier unbedingt etwas machen muss. Heute! Nur was es war, das fällt mir beim besten willen nicht mehr ein.

Hashtag #U-Bahngedanken

In der S-Bahn sitzt einer neben mir. Einer, den ich nicht mag, ohne dass ich ihn kennen würde. Ich mag keine Menschen, die ein Gespräch mit den Worten: „Warte, ich muss das liken, sonst vergisst mich der Algorithmus“, unterbrechen. Ernsthaft? Man bittet einen realen Menschen zu warten, damit einen irgendein technischer Schnickschnack nicht vergisst. Ein Schnickschnack, von dem ich bezweifle, dass er des Denkens – nach meiner Definition – überhaupt fähig ist. Vielleicht, wenn er gesagt hätte, dass er eben einem Bekannten ein Like dalassen möchte, weil ihm das auf Instagram hochgeladene Foto gefällt. Dann vielleicht. Vielleicht auch, wenn er vorher noch einmal aufgesehen und bemerkt hätte, dass man ihm gerade einen Apfelschnitz hinhält und er den, zwischen dem Liken und dem Kauen mit eine dankenden Lächeln honoriert hätte. Wenn aber einer, die Schönheit und den Seltenheitswert eines selbst geschnittenen und gereichten Apfelschnitzes nicht wertzuschätzen weiß, dann halte ich ihn für einen respektlosen und oberflächlichen Menschen. Weiterlesen →

So etwa vierzig Jahre

In meine Küche scheint die Sonne. Sie hat nur ein kleines Fenster und wenn sich an einem Herbsttag eine Wolke vor die Sonne schiebt, wird es sofort dunkel in meiner Küche. Eine Wolke die das wenige blasse Licht eines Herbsttages vertreibt, erinnert mich noch immer an dich. Wenn du wirklich wütend warst, wurde es immer ein wenig dunkler und ein paar Grad kälter. Ich kenne und kannte niemanden, der so kalt und abweisend wie du sein konnte. Wenn du wütend warst, dann wurde es auch im August kalt. Dann braucht es keine Wolken um neben dir zu frieren. Weiterlesen →

Lesung – 19.10.2019 München, Valentinhaus

„Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens.“ Jean Paul

Liebe Münchner, jetzt trinken‘ S zwei Wochen lang g‘scheid Bier auf der Wiesn. Danach dann, kommen‘ S zum Südsehen auf ein Glasserl Wein. Am 19.10. wird es von mir serviert.

„Rot oder blau, die Giesinger Gretchenfrage.“ 18:00 Uhr im Valentinhaus. Eintritt frei.

 

Und wie versprochen, wage ich mich mit der wunderbaren Unterstützung von Christine Rothwinkler (www.cr-leseagentur.de) Schritt für Schritt aus München heraus. Ich freue mich schon ein paar Termine nennen zu können:

20.01.2020 Lesung – Nix mit Amore „Andreas Glücksmasche“ 19:30 Uhr
Eintritt: 8 Euro Eintrittskarte, ab 1.12.2019 im Strickcafé oder unter 05234 8797570
Ort: Strickcafé Andrea’s Glücksmasche, Allee 4, 32805 Horn – Bad Meinberg
Infos hier

14.02.2020 Lesung – Nix mit Amore Café Max II in Feldafing
Ort: Bahnhofsplatz 1, 82340 Feldafing
Infos folgen

08.05.2020 Lesung – Nix mit Amore Gemeindebibliothek Neufahrn 20:00 Uhr
Eintritt: 7,00 Euro, Reservierung erbeten unter 08165-9751600 / bibliothek@neufahrn.de
Ort: Marktplatz 21, 85375 Neufahrn
Infos hier

21.06.2020 Lesung und 3 Gänge Menü – Nix mit Amore Hotel am Badersee, Grainau
Einlass 16.30 Uhr | Beginn 17.00 Uhr
Preis: 59 Euro, inkl. Lesung, 3-Gänge-Menü, exkl. Getränke, Reservierung unter info@hotelambadersee.de
Ort: Hotel am Badersee, Am Badersee 1-5, 82491 Grainau
Infos hier

 

 

Ich – unausstehlich

Wenn mir kalt ist, bin ich unausstehlich. Oft auch wenn ich Hunger habe und meistens, wenn ich zu wenig Schlaf bekomme. Ausnahmslos immer aber, wenn ich morgens feststelle, dass das Zuckerdöschen leer ist und irgendein Depp vergessen hat, das große Zuckerglas aus dem das Döschen gespeist wird, aufzufüllen. Blöd, dass er Depp meistens ich bin und ich niemanden verantwortlich machen kann. Dann bin ich unausstehlich und strecke meinem Spiegelbild beim Zähneputzen die Zunge raus. Das hat es verdient. So blöd, sich mindestens einmal monatlich den morgendlichen Kaffee zu versauen, kann auch nur die verschlafene und zerzauste Blondine im Spiegel sein. Momentan sei ich wie die Axt im Walde, sagt mir einer, der heute morgen ebenfalls gerne etwas Zucker in seinem Kaffee gehabt hätte und ich drossle meine Unausstehlichkeit ein wenig, weil ich ahne, dass die Kombination aus unausgeschlafen, verfroren und zuckerlos, vor sieben Uhr morgens, selbst für den geduldigsten Mann eine zu große Herausforderung darstellt. Bei meinem Nachbarn Paul, den ich kurze Zeit später im Müllkeller treffe, drossle ich gar nichts. Paul hat – als durchlaufenden Posten – Freundinnen, die halb so alt wie er sind und die haben mit Anfang zwanzig noch nicht gelernt, sich zusammen zu reißen. Ein weiteres motzendes Weib dürfte also nicht ins Gewicht fallen und ich pampe ihn zur Begrüßung erst einmal an, weil er mir den versifften und widerlich klebrigen Deckel der Mülltonne nicht auf hält.  Weiterlesen →

Grazie per tutto

Das sind sie, sagt er und deutet auf den prallen Mond, dessen Licht sich auf der Oberfläche des Meeres spiegelt. Ich bin mir nicht sicher was er meint, aber alte Männer aus Neapel haben sicher meistens Recht. Das sind sie, wiederholt er, erklärt und schenkt mir noch einmal nach. Er meint, dass das – der Mond, der Moment und der eiskalte Weißwein – die wirklich wichtigen Momente im Leben sind. Seinen Namen habe ich leider vergessen, aber er ist auch nicht wichtig, weil wir uns vermutlich in diesem Leben nicht wieder sehen werden. Nicht vergessen werde ich aber die Stunde in der ich mit einem Fremden auf einer Terrasse über dem Meer bei Genua saß und mich verabschiedete. Weil ein Abschied vom Meer, so sagte der, der zufällig neben mir wohnte, alleine doch viel zu traurig sei, setzte ich mich gerne noch ein bisschen zu ihm.

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Acht Tage VII

Ein halbes Leben fast, dass ich ganz in der Nähe am Strand bei Genua saß und fest davon überzeugt war, in 468 Tagen nach Italien zu ziehen.

8.426 Tage später weiß ich, wenn ich hier bin, noch immer, warum ich es wollte. Und warum ich es tat. Man macht in einem Leben ja viele Fehler…das war keiner.