
Von wegen „Nix mit Amore“.
Amo il mare. Amo il sole. Amo ogni giorno.

Von wegen „Nix mit Amore“.
Amo il mare. Amo il sole. Amo ogni giorno.
Falls Sie sich fragen, was ich heute gemacht habe. Wahrscheinlich nicht, wir kennen uns ja nun schon eine Weile.
Allerdings war ich nicht ganz so entspannt, wie man vermuten könnte. Vor dieser herrlichen Kulisse googelte ich, wann genau ein Auto in Italien noch mal abgeschleppt wird. Weil ich keine schlüssige Antwort fand, fragte ich die Italiener am Strand neben mir. Wir sind dann etwas schneller zurück zum „Parkplatz“. Die sind aber auch pingelig hier….

Was tagsüber geht, geht auch nachts…das Meer ansehen. Den Fast-Vollmond, die Fischerboote und das Schwarz in all seinen Schattierungen.
Eine Freundschaft zählt keine Jahre, Monate oder Wochen. Meist ist sie weit geduldiger als die Freunde selbst, und weiß, dass es weniger auf die Summe, als auf die Qualität gemeinsam verbrachter Stunden ankommt. Und doch….eine Handvoll Stunden in einem Jahr sind zu wenig. Dann wird es irgendwann anstrengend. Dann, wenn man nicht mehr einschlafen möchte, weil es vor der nächsten Abreise noch zu viel zu erzählen gibt.
Dieses Jahr habe ich Zeit und kann schlafen. Vieles erzählte ich schon im Juni und manches im April. Jetzt im September bin ich, sind wir, so geduldig wie unsere Freundschaft es schon immer war. Was ich mache, fragt er und ich antworte entspannt, dass ich gar nichts mache, noch nicht angezogen bin und noch ein oder zwei Stunden das Meer anschauen möchte. Es kommt ihm gerade recht. Dann kann er noch schlafen. Bis halb vier. Hätte ich keine acht Tage, würde ich ihn fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Schlafen, wenn er und ich uns treffen können?!? Vermutlich hätte ich das nicht gesagt, sondern beleidigt gefaucht. Bei acht Tagen schlage ich halb fünf vor. Reicht ja auch und ich brauche noch etwas.
Am späten Abend sage ich: „Bis morgen.“ Ein kleiner, winziger Satz. Aber so viel schöner als: „Bis nächstes Jahr.“


Ob ich Fisch essen darf, fragen meine Freunde und ich nicke. Seit ich ab und an ein paar Stunden in der Notaufnahme verbrachte, weil mein Körper sich entschieden hat Allergien zu entwickeln, eine berechtigte Frage. Ich bin mir nicht sicher. Aber sehr sicher, dass ich das Tris von Sardellen – gebraten, eingelegt und frittiert – ganz unbedingt essen muss.
Wenn alles nach Meer riecht und wenn man nur Meer sieht, dann muss man das Meer auch schmecken. Mittags, Abends und zum….obwohl, nein, zum Frühstück vielleicht doch nicht.
Heute morgen hat das Meer mehr Farben. Grauer am Strand und tiefblau hinten am Horizont. Ein paar dunkelgraue Flecken und einige wenige silberne. Ich kann das Meer nicht beschreiben. Auch nicht das Geräusch des Windes, der heute ungewöhnlich stark durch Bäume und Büsche rauscht. Nicht einmal den Geschmack des ersten Kaffees heute morgen.
Ich kann nur sehen, hören, schmecken und riechen.
Sehen Sie mir nach, das rauher die letzten Tage so ruhig war. Ich hätte Sehnsucht nach Italien. Mit der im Bauch kann ich nur schlecht schreiben. Jetzt still ich sie. Acht Tage. Dann geht es wieder.

Die Zeit heilt alle Wunden. Finde ich einen Kalender, der diesen Spruch bereithält, werfe ich ihn weg. Egal ob er mir gehört oder nicht – Lügen darf man nicht verbreiten. Die Zeit mag vielleicht ein aufgeschlagenes Knie heilen, gegen die nicht sichtbaren Wunden aber ist sie machtlos. Die Zeit ist ein falscher Freund. Da ist eine Wunde, ein Loch im Garten des Lebens, und mit der Zeit wächst Unkraut und auch schöne Blumen über seinen Rand. Und die Zeit, der miese Freund, gaukelt einem vor, dass man nun so langsam vergessen und wieder durchatmen könne. Aber schon ein kleiner, falscher Schritt reicht, und man fällt in ein Loch das noch genauso tief und genau so scharfkantig ist wie am ersten Tag. Tut mir leid, sagt die Zeit, ich dachte ein paar schöne Blümchen, etwas Löwenzahn und feine Gänseblümchen würden es hübscher machen. Die Zeit ist ein Idiot. Weiterlesen

„….denn die einzigen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt sind aufs Leben, verrückt aufs Reden, verrückt auf Erlösung, voll Gier auf alles zugleich, die Leute die…….. brennen, brennen, brennen wie gelbe Wunderkerzen und wie Feuerräder unter den Sternen explodieren.“
Unterwegs
Jack Kerouac
Aus „Der Sommer der blauen Nächte“ – Stefanie Gregg
Wie ich nächste Woche fahre, wollte er wissen. Welche Autobahn ich nehmen würde, um ihn endlich, endlich wieder am Meer zu besuchen. Nicht über Mailand sagte ich und damit wäre die Frage für mich hinlänglich beantwortet gewesen. Jetzt ist sie das nicht mehr. Der mutigste meiner Freunde begann nämlich laut zu denken.
Also ja, Mailand nicht. Ne, Mailand nicht.
Blödsinn, natürlich nicht über die Schweiz.
Na, ne, da an Verona vorbei, musst dann Richtung Brescia, mit den ganzen LKW…geht auch nicht.
Er beendete das Gespräch mit einem „Passt schon“.
Und ich sitz jetzt hier. Nicht Mailand, nicht Schweiz, nicht an Brescia vorbei. Seit gestern denke ich darüber nach, was er meinen könnte. Und schlagen Sie mir bitte nicht vor, nachzufragen. Wenn Sie eine Frau sind, dann kennen Sie die Antwort: „Passt schon.“
Ich habe keine Angst, sagte ich meinem Vater als er mich am Vormittag nur ungern im Wald, in dem unserer Hütte liegt, zurück ließ. Ich lachte, weil die Sonne schien und hier an diesem Ort noch nie etwas böses gelauert hat. Die Welt ist voll davon, aber hier oben am Berg, da ist nichts wovor man sich fürchten muss. Ich wäre alleine, sagte mein Vater und schien sich nicht daran erinnern zu wollen, dass es nicht das erste Mal war. Alleine ist gut, erinnerte ich ihn. Ohne andere Menschen widerfährt einem meist viel weniger schlechtes, als mit. Warum er sich an diesem Tag sorgte, weiß ich nicht. Vielleicht hatte er Angst, dass meine Freunde nicht wie vereinbart am Abend kommen würden und ich die Nacht ohne Auto allein wäre. Lachend zuckte ich an diesem Tag mit den Schultern. Es ist mein Nest, diese Lichtung, und nichts macht mir dort Angst. Nicht einmal der alte Schrank am Absatz der Treppe. Weiterlesen