Wenn Sie können, springen Sie!

Manchmal muss man springen. Über die Alpen. Ins kalte Wasser. In die Arme eines guten Freundes.
Manchmal muss man fortgehen, um anzukommen. Und zurück kehren, um zu wissen wie wertvoll die Heimat ist.

Wenn Sie die Möglichkeit haben ein paar Jahre im Ausland zu leben, dann tun Sie es. Es ist ein Abendteuer, das Sie mit etwas Glück nicht bereuen werden. Holen Sie sich Tipps von jemanden, der das bereits getan hat. Nur bitte nicht von mir. Meine Auswanderung stellt selbst die größten Idioten auf VOX in den Schatten. Sie war wie ich – chaotisch, kompromisslos und am Ende wider Erwarten erfolgreich. Am 11.11 erzähle ich Ihnen wie es war und verrate Ihnen auch, in wie vielen Tagen ich wieder zurück gehe. Obwohl, das kann ich Ihnen heute schon sagen. 9.786.

Wenn Sie das nicht interessiert, dann schaun´S sich halt Kabale und Liebe oder ein anderes Stückerl vom Südsehen an. Die aktuellen Termine auf der gleichnamigen Homepage.

Ich freu mich auf Sie.

Nur ein Freund

Manche verstehen es nicht. Verstehen nicht, was Menschen verbindet, wenn ihre Herzen im gleichen Takt schlagen. Nur Freundschaft, fragen sie und ich erspare ihnen und mir eine Erklärung, die sie nicht begreifen würden. Wer dem Wort Freundschaft ein banales „nur“ aufdrängt, dem kann ich nicht begreifbar machen, was mir manch guter Freund bedeutet und will es gar nicht erst versuchen. Manche verstehen auch nicht, dass es Orte gibt, die ich erst dann wieder sehen möchte, wenn neben mir einer steht, mit dem ich sie das erste Mal gesehen habe. Sinnlos zu erklären, dass es alleine anders und nur halb so schön wäre. Es kümmert mich nicht, ob sie es verstehen. Mir reicht es, wenn es einer versteht, auch wenn ich ihm nur zu gerne den Hals umgedreht hätte, als ich nach Jahren wieder auf das Meer geblickt habe, an dessen Strand wir vor langem einmal gesessen sind. Weiterlesen

Glücklich motzend

Eine gute Reisebegleitung zeichnet sich dadurch aus, dass sie mich auf den letzten Metern vor der Grenze nach Italien erträgt. Die ersten paar hundert Kilometer bin ich entspannt, ruhig und gelassen. Aber kurz vor der Grenze sage ich nichts mehr, wippe mit den Füßen auf und ab und kaue an den Fingernägeln. Ich laufe nicht ganz rund, wenn es um Italien geht. Sie haben es sicher schon bemerkt. Ich kann nichts dafür. An weit über dreihundert Tagen im Jahr bin ich mit Leib und Seele Münchnerin und liebe meine Heimatstadt von ganzen Herzen. Wenn ich aber in der Nähe der alten, der zweiten Heimat bin, beginnt das kleine Loch in meinem Herzen zu schmerzen. Dann und nur dann spüre ich es. Ich bin ja selbst schuld. Hab mir selbst ein kleines Stückchen Herz rausgerissen als ich zu schnell und zum falschen Zeitpunkt damals zurück nach München ging. Fast alle Herzteile habe ich wieder, nur das eine, kleine nicht. Es ist in der Hosentasche des mutigsten meiner Freunde. Längst habe ich begriffen, dass es dort bleiben und er es für mich aufbewahren muss, damit ich meine Sehnsucht nicht verliere. Ich mag sie, die Sehnsucht. Es gibt wenig schöneres, als sie zu stillen. Der Preis für dieses Gefühl ist ein kleines Loch im Herzen das weh tut, wenn ich mich der Grenze nähere und mich in eine Furie verwandelt, wenn einer 50 Kilometer vor dem Grenzübergang noch auf die Toilette möchte. NEIN, sage ich dann und versuche zu erklären, dass ich ersticke und gleichzeitig ertrinke, wenn ich nicht sofort nach Hause komme. Weiterlesen

nine eleven #2

nine eleven    …..Am 11. September, kurz vor meiner Abreise, schwamm ich schon am frühen Vormittag einige Bahnen im Pool. Chuck, ein Nachbar, kam dazu.  Wir  hatten geplant gemeinsam raus aus San Francisco zu einem Weingut zu fahren, dort den Tag zu verbringen und abends für Marie und andere Nachbarn zu kochen. Es kam anders. Wir fuhren nicht zu dem Weingut. Die kommenden Stunden saßen Chuck und ich sprachlos vor dem Fernseher und sahen fassungslos immer wieder die gleichen schrecklichen Bilder der brennenden und später einstürzenden Türme. Mittags stieß Marie zu uns. Ihr Büro in der Innenstadt hatte die Mitarbeiter nach Hause geschickt. Renaldo kam am Nachmittag. Er wohnte nebenan und wollte nicht alleine sein. Seine Schwester arbeitete in New York und er konnte sie nicht erreichen. Renzo trafen wir am Abend in seinem Restaurant. Im Fernseher an der Wand liefen noch immer die gleichen Bilder. Nicht nur bei uns – überall. Bei Renaldos Familie in Brasilien, bei Maias Großmutter in Russland, bei Chucks Eltern wenige Straßen weiter, in Spanien bei Renzos Brüdern und bei meiner Familie in Deutschland.

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Post Problem

Jedes mal, wenn ich auf den Nachbarsjungen aufpasse, spielen wir Post. Schnell hat der Knirps begriffen, dass ich für Ninjago  zu dämlich bin (googeln Sie es, ich kann Ihnen beim besten Willen nicht sagen, worum es geht) und ihm bei Memory so hoffnungslos unterlegen bin, dass es keinen Spaß macht. Unsere Schnittstelle ist die Spielzeugpost, die heute noch genauso aussieht, wie in meiner Kindheit. Da kenn ich mich aus und da kommen wir uns nicht in die Quere, weil ich gerne Kunde und er gerne Postbeamter ist. Postbeamter will ich nicht mehr sein. Nicht mehr, seit ich im echten Leben Kunde und mit dieser Gattung des Beamten konfrontiert bin. Wenn Sie selbst schon mal ein Paket aufgegeben haben oder – bei weitem schlimmer – eines abholen wollten, dann wissen Sie warum. Es ist mir unverständlich, dass ich mit Vierjahren überzeugt davon war, eine Karriere im Postamt einzuschlagen. Ich war ein schlaues Kind und hätte ahnen müssen, dass man mich dort nicht gewollt hätte und ich nie eingestellt worden wäre. An der Hand meiner Mutter, in der langen Schlange stehend, hätte es mir klar sein müssen. Schon damals, konnte ich nämlich nicht langsam gehen. Springen, hüpfen und rennen – das waren meine Fortbewegungsarten. Heute springe und hüpfe ich weniger und renne nur noch, wenn ich den Bus erwischen oder drei Kilo abnehmen muss. Langsam gehen oder gar schlendern kann ich aber noch immer nicht und das ist Einstellungsbedingung für einen künftigen Postler. Auf der Homepage steht das nicht, aber ich habe mich schlau gemacht. Letzte Woche betrieb ich eine knappe Stunde lang Feldforschungen und habe begriffen – schlendern und nur schlendernd darf sich ein Postbeamter fortbewegen. Weiterlesen