Grazie per tutto

Das sind sie, sagt er und deutet auf den prallen Mond, dessen Licht sich auf der Oberfläche des Meeres spiegelt. Ich bin mir nicht sicher was er meint, aber alte Männer aus Neapel haben sicher meistens Recht. Das sind sie, wiederholt er, erklärt und schenkt mir noch einmal nach. Er meint, dass das – der Mond, der Moment und der eiskalte Weißwein – die wirklich wichtigen Momente im Leben sind. Seinen Namen habe ich leider vergessen, aber er ist auch nicht wichtig, weil wir uns vermutlich in diesem Leben nicht wieder sehen werden. Nicht vergessen werde ich aber die Stunde in der ich mit einem Fremden auf einer Terrasse über dem Meer bei Genua saß und mich verabschiedete. Weil ein Abschied vom Meer, so sagte der, der zufällig neben mir wohnte, alleine doch viel zu traurig sei, setzte ich mich gerne noch ein bisschen zu ihm.

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Acht Tage VII

Ein halbes Leben fast, dass ich ganz in der Nähe am Strand bei Genua saß und fest davon überzeugt war, in 468 Tagen nach Italien zu ziehen.

8.426 Tage später weiß ich, wenn ich hier bin, noch immer, warum ich es wollte. Und warum ich es tat. Man macht in einem Leben ja viele Fehler…das war keiner.

Acht Tage V

Falls Sie sich fragen, was ich heute gemacht habe. Wahrscheinlich nicht, wir kennen uns ja nun schon eine Weile.

Allerdings war ich nicht ganz so entspannt, wie man vermuten könnte. Vor dieser herrlichen Kulisse googelte ich, wann genau ein Auto in Italien noch mal abgeschleppt wird. Weil ich keine schlüssige Antwort fand, fragte ich die Italiener am Strand neben mir. Wir sind dann etwas schneller zurück zum „Parkplatz“. Die sind aber auch pingelig hier….

Acht Tage III

Eine Freundschaft zählt keine Jahre, Monate oder Wochen. Meist ist sie weit geduldiger als die Freunde selbst, und weiß, dass es weniger auf die Summe, als auf die Qualität gemeinsam verbrachter Stunden ankommt. Und doch….eine Handvoll Stunden in einem Jahr sind zu wenig. Dann wird es irgendwann anstrengend. Dann, wenn man nicht mehr einschlafen möchte, weil es vor der nächsten Abreise noch zu viel zu erzählen gibt.

Dieses Jahr habe ich Zeit und kann schlafen. Vieles erzählte ich schon im Juni und manches im April. Jetzt im September bin ich, sind wir, so geduldig wie unsere Freundschaft es schon immer war. Was ich mache, fragt er und ich antworte entspannt, dass ich gar nichts mache, noch nicht angezogen bin und noch ein oder zwei Stunden das Meer anschauen möchte. Es kommt ihm gerade recht. Dann kann er noch schlafen. Bis halb vier. Hätte ich keine acht Tage, würde ich ihn fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Schlafen, wenn er und ich uns treffen können?!? Vermutlich hätte ich das nicht gesagt, sondern beleidigt gefaucht. Bei acht Tagen schlage ich halb fünf vor. Reicht ja auch und ich brauche noch etwas.

Am späten Abend sage ich: „Bis morgen.“ Ein kleiner, winziger Satz. Aber so viel schöner als: „Bis nächstes Jahr.“