CR-Leseagentur III – Vorfreude

Da, hören Sie mal rein: Hier bitte

Haben Sie? Gut, dann noch mal bitte. Diesmal ersetzen Sie die fantastische Mina mit dem Bild der nicht minder fantastischen Petra Lewi*. Petra LewiFalls Sie Petra noch nicht kennen, dann hab ich hier ein Bild für Sie. Jetzt müssen Sie auch noch den Ton ausmachen und sich vorstellen, dass Petra singt und sich auf ihrer Ukulele begleitet. Gut, ohne sie zu kennen ist das etwas schwierig, aber Sie können das Lesen gerne kurz unterbrechen und hier reinhören: Hier bitte. Entschuldigen Sie, dass ich Sie von einem Youtube Link zum nächsten hetze, aber wenn Sie nicht ein bisschen mitmachen, dann können Sie nur halb so gut nachvollziehen, wie besonders einige meiner nächsten Lesungen sein werden. Da lese ich aus Nix mit Amore und Petra untermalt das ganze mit wunderbaren Liedern. Welche genau das sein werden, verraten wir nicht, aber Tinterella di luna mögen wir beide. Am 08.05.2020 hätten wir in der Bibliothek in Neufahrn unsere Premiere gehabt. Schweren Herzens haben wir uns heute entschlossen, den Abend zu verschieben. Von allen abgesagten oder nicht stattfindenden Lesungen tut es mir um diese am meisten leid. Wenn Sie auf Petras Youtube Video geklickt haben, dann können Sie es sicher nachvollziehen. Ich werde mich in Geduld üben. Üben müssen, wie wir alle im Moment.

Ein kleines (großes) Trostpflaster gibt es. Hier (Letzter Link, versprochen). Ein Wohnzimmerkonzert heute Abend mit Petra und Titus Waldenfels. Trotz Corona etwas schönes. Oder wegen Corona, etwas besonders schönes. Ich werde es mir anhören und mich darauf freuen, wenn ich Petra wieder live sehen und hören kann. Wenn Sie die Gelegenheit haben, dann sollten Sie sie nicht versäumen.

Wenn wir wieder könne und dürfen, liebe Petra…ich freu mich darauf!

Bis dahin umarme ich dich mit viel zu viel Abstand und wünsche dir zum heutigen Geburtstag alles, alles Gute und Liebe!  

* (VERENA GREMMER FOTOGRAFIE)

 

Corona Home Office XIV

Drei Wochen Home Office und noch immer fühlt es sich manchmal nach Urlaub an. Nicht, weil ich weniger arbeite, sondern weil sich meine Arbeitsweise völlig auf den Kopf gestellt hat. Im Moment spare ich mit die 80 Minuten, die ich morgens ins Büro brauche und sitze trotzdem schon um kurz nach 6 Uhr vor dem Rechner. Kein Wecker, sondern das Zwitschern der Vögel weckt mich – das ist schön. Schön auch, den ersten Kaffee noch im Schlafanzug zu trinken und dabei in aller Ruhe lesen, was am Abend noch reingekommen ist. Unangenehmes erledigte ich gleich dann, mir frischem Kopf. Wir alle halten die Kernzeiten ein und finden trotzdem unseren eigenen Rhythmus. Selbstbestimmt, trifft es wohl am besten. Ich vermisse die kurzen Gespräche am Kopierer, genieße aber die Sonne auf meinem Balkon, wenn ich dort eine Pause mache und die Augen schließen kann, während die Sonne meine Nase kitzelt. 

Heute am Ende der dritten Woche, sage ich zu meinem Nachbarn Paul, dass es mir wohl schwer fallen wird, irgendwann wieder ins Büro zurück zu kehren. Durch das Fenster meine Küche, sehe ihn auf seinem Balkon nicken – wir telefonieren. Ich muss ihm nicht erklären, was ich meine. Es geht nicht darum weniger zu arbeiten oder in der Lieblingsjeans und Barfuß am Schreibtisch zu sitzen. Es geht um täglich gesparte Fahrzeiten von fast drei Stunden und die Frage nach der Notwendigkeit von zu starren Arbeitsmodellen, deren Aufbrechen wider Erwarten zu mehr Lebensqualität, aber auch zu unglaublicher Effizienzsteigerung führt. Wir ziehen alle am gleichen Strang, sage ich zu Paul und wieder nickt er. Bei ihm sei es ähnlich, murmelt er und schickt mir parallel eine E-Mail. 

Obwohl wir nicht im selben Büro arbeiten, ziehen heute auch wir an einem Strang. Ich habe ihn mit Lade- und HDMI Kabeln versorgt, er mich mit Hilfe bei einer widerlichen Excelliste, die mich seit Tagen um den Verstand bringt. Danke, schreibe ich und er antwortet mit „gerne“. Beide ohne blöden Kommentar oder süffisantem Grinsen. Wir wachsen zusammen. Nach drei Wochen wir Nachbarn, wir Kollegen und vielleicht auch ein bisschen wieder wir alle. Corona brauchte kein Mensch. Etwas mehr „wir“ als „ich“, war dringend nötig. 

 

Corona Home Office XIII

„SIE MAG ES NICHT!“, brüllt mein Nachbar Paul auf dem Balkon stehend in meine Richtung. „DAS IST MIR WURSCHT“, schreie ich im Laubengang vor meiner Wohnungstüre stehend zurück und schaue das neu eingezogene Paar im ersten Stock, Hinterhaus fragend an. Was sie so schauen, erkundige ich mich, und warum sie auf dem Balkon stehend Privatgespräche verfolgen. Sie drücken ihre Zigaretten aus und verziehen sich in ihr Appartement. „SIE VERTRÄGT KEINE ZWIEBELN!“, nimmt Paul den Faden wieder auf und ich mache mit den Händen die Geste eines umgedrehten Halses. Es ist der Hals von Frau Lukaseder, den ich gerade gerne umdrehen möchte. Ich bin mir sicher, dass sie sehr wohl Zwiebeln verträgt und einfach keine Lust auf Gyros hat. Hätte ich ihr ein bayerisches Gröstl (mit Zwiebeln) vor die Tür gestellt…ich wette sie hätte es gegessen. Aber gut, gegen das Argument des „nicht vertragens“ komme ich nicht an. In etwas ruhigerem Ton informiere ich Paul, der als Sprachrohr zwischen den Balkonen des Vorder- und Hinterhauses dient, dass ich mit großem Vergnügen noch einmal losgehen werde, damit Frau Lukaseder ihren Frieden hat. Damit sie aber gleich vorgewarnt ist schreie ich so laut, dass es Paul als Verstärker nicht braucht: „ABER ICH GEHE NICHT IN DEN SUPERMARKT, SAG IHR DAS!“ Weiterlesen

Corona Home Office XII

Meine Kollegen haben sich in den letzten Tagen häufig über Microsoft Teams unterhalten und die Funktionen erörtert. Die ganze Firmen WhatsApp Gruppe war voll davon. Ich selbst hab mich – mit der mir eigenen Arroganz, die sich manchmal mit schrecklichem Desinteresse paart – rausgehalten, bis mir eine liebe Kollegin die Basics in einem persönlichen Fernmündlichen Workshop näher gebracht hat. 

Vermutlich habe ich auch da nicht besonders gut zugehört. Sonst hätte ich heute beim Versuch einen Videoanruf bei EINER Kollegin nicht gleichzeitig alle (DREIZEHN) vom letzten Jour fixe angerufen und vor lauter Schreck bei den sich öffnenden Fenstern anstelle einer Begrüßung ziemlich derb geflucht. 

Damit ich es endlich lerne, hab ich es gleich noch mal probiert und wollte das ganze auflockern, indem ich die EINE Angerufene fragte ob es (um 13:30 Uhr) wohl zu früh für ein gemeinsames Glas Wein sei. Mein Chef (keine Ahnung wo der herkam) meinte, dass es eindeutig noch zu früh sei. Vier andere widersprachen. 

Da ist noch viel Luft nach oben. 

Übrigens auch bei meinem Nachbarn Paul. Der hat heute Mittag die Sonne auf seinem Balkon genossen und dabei die gestern eingezogene neue Nachbarin begrüße. Momentan muss er dafür von Balkon zu Balkon brüllen. Ich hör hier alles – spätestens Donnerstag hat er sich mit diesem dilettantischen Flirtversuchen die Hauptrolle im nächsten Home Office Kapitel gesichert. 

 

CR-Leseagentur II – eine Frau für alle Fälle

„Willkommen, im Irrenhaus. Was willst du?“ So kann man nur wirklich sehr, sehr wenige Menschen am Telefon begrüßen. Eigentlich ausschließlich die, die dann herzhaft zu lachen beginnen und mit einem knappen: „Frag mal“, antworten und dann zum Grund des Anrufes kommen. Es ist dieses „Frag mal“, das an anstrengenden Tagen sofort meine Laune hebt und der Schwung in ihrer Stimme, der mich mitreißt. Die Frau, zu der Stimme und Schwung gehörten ist Chuck Norris kleine Schwester, ein Colt für alle Fälle und Mitarbeiterin in der Agentur. Marion. Meine Marion, den die geb ich nicht mehr her!

Falls Sie sich hier auf meiner Seite fragen, wann es neues von Herrn Mu, Herrn Meier und Paul gibt….sobald die nach der Ausgangssperre wieder raus dürfen. Ich kann nicht jeden Tag quer durch den Innenhof brüllen und neue Erzählungen aus dem Vorderhaus provozieren. Außerdem würde Ihnen allen Marion auch gefallen. Die Frau ist der Hammer. Gut, Paul müsste ich sofort zurück pfeifen, aber Herrn Mu, dem würde sie gefallen. Der würde sie gar nicht mehr weglassen, der mag nämlich Menschen die gerade heraus sind und trotzdem ein feines Gespür haben. Solche gibt es nicht viele, sagt er und hat Recht.  Weiterlesen

Corona Home Office XI

Zwei Wochen daheim – man neigt dazu empfindlich zu reagieren, wenn Leute nicht ans Telefon gehen.

HALLOHO?!? Ich weiß, dass du zu Hause bist. Wo auch sonst? Bei dem Sauwetter sicher nicht beim „erlaubten Sport an der frischen Luft“.

Dann halt nicht.
Merk ich mir. 
Für nach Corona. 

Ok, so langsam wird´s auch mir zu still. Ich, die es sonst so gern mag, wenn das Telefon nicht klingelt. Wenn die Kneipe unter mir ruhe gibt und wenn kein Radio, kein Fernsehen und überhaupt gar nichts zu hören ist. Ich dreh ihn an den Radio. Spotify ist heute zu gefährlich. Könnte ja was kommen, das mich an meine Freunde erinnert, die ich heute wirklich sehr vermisse.

Blöder Tag. 
An blöden Tagen bin ich knatschig….das tue ich Ihnen nicht an. 

Bis morgen.

 

 

Corona Home Office X

Gestern Mittag habe ich gegen die Wand geklopft, um zu sehen, ob nebenan noch einer ist. Es war ein wenig arg ruhig in meiner Wohnung. Nach zwei Wochen fast ein wenig zu ruhig. Nach 14 Tagen bin ich soweit zuzugeben, dass mir der Krach einer Kollegin fehlt. Einer, die ich sonst im Türrahmen meines Büros stehend frage, ob sie noch alle Tassen im Schrank hat und ob es wirklich nötig ist, die Schubladen in der Kaffeeküche des Büros mit einer Hüftbewegung zu zuknallen. Sie muss gespürt haben, dass sie mir fehlte, den genau zu dem Zeitpunkt wo sie sich sonst ein Brot in der Küche schmiert hat sie mich angerufen und mir die grundlegenden Funktionen vom Teams Videoanruf erklärt.

  1. Die Küchentür im Hintergrund hat geschlossen zu sein, wirkt professioneller.
  2. Die Kamera am Laptop muss ich nicht mit dem „zum direkten Verzehr geeignet“ Aufkleber der Avokado zupappen – sie hat einen Schieber vor der Linse.
  3. Lässt sich die Küchentüre hinter dem Schreibtisch aufgrund des über zwei Wochen gesammelten Altpapiers nicht mehr schließen, kann man den Hintergrund weichzeichnen lassen.
  4. Punkt 3. gilt nur für den Hintergrund und leider nicht für die Person die vor dem Laptop sitzt.

Danke. Auch für das laute Lachen am anderen Ende der Stadt. Nachdem ich die Schubladen und Schranktüren in meiner Küche alle drei Mal laut scheppernd zugeschmissen haben, vermisste ich sie gleich etwas weniger. Ich mag sie nämlich wirklich, weil ich Menschen ohne Filter grundsätzlich sehr gerne habe. Die Kollegen sind noch da. Das ist schön. Um Teile meines Freundekreises mache ich mir mehr Sorgen.

Der beste meiner Freunde ist gerade auf Facebook online und teilt seine neusten Erkenntnisse. Er schreibt, dass er ein Sonnenstrahl an einem bewölkten Tag ist. Er ist wie das Meer, schreibt er, aufregend anzusehen, aber gefährlich, wenn man ihn wütend macht. Es ist kurz vor neun und ich teile unter seinem Post meine neuste Erkenntnis: „Die Ausgangsbeschränkung verleitet uns dazu seltsame Dinge zu tun.“ Anders ist es mir nicht zu erklären, dass auf Facebook gerade Stadt-Land-Fluss mit dem Anfangsbuchstaben des Namens gespielt wird. Ohne zu googeln steht da. Man muss schon ein bisschen nachdenken, damit einem ein Name mit dem Anfangsbuchstaben des eigenen Vornamens einfällt. Geschenkt, wir haben einfach zu viel Zeit. Zeit genug um „Klicke auf deine Geburtsperle und offenbare deinen dominantesten Chrarakterzug“ auf Facebook zu spielen. Ok, der seine ist Stärke. Und er ist ein Sonnenstrahl an einem bewölkten Tag. Das stimmt sogar. Für mich ist er das. Auf meine Geburtsperle (am Rande….was für ein herrliches, bescheuertes Wort….Geburtsperle. Ob man damit bei Scrabble durchkommen würde?) klicke ich nicht, sage ich dem der ab und zu mit einem Glas Wein vor meiner Türe steht am Telefon. Er gähnt und zuckt mit den Schultern (Facetime…) Ich kann ruhig klicken, sagt er. Seit ich Oliver Pocher bei Instragram folge, sei eh schon alles zu spät. Er schläft noch eine Runde und ich denke über seinen letzten Satz nach. Oliver Pocher….das ist nur noch einen Klick von Mario Barth entfernt. Zwei Wochen….langsam wird es eng. Meine Geburtsperle würde mich nun doch interessieren. Kann man da anklicken, ohne das die anderen das sehen?