Diciassette anni fa – Diciasette!!!!

Der 22. März ist kein besonderer Tag. Heute morgen, als das Datum etwas in mir hervorrufen wollte, habe ich es überprüft. Ab und an kitzelt es in meinem Magen und ich weiß nicht recht warum. Meistens ist es ein Tag mit einem Geburtstag an den ich denken sollte und fast immer, rufe ich Tage später ein Mitglied meiner großen Familie an, um mich für das erneute Vergessen zu entschuldigen. Seit wir eine WhatsApp Gruppe haben, werde ich erinnert. Dort oder bei Kollegen über XING. Bei Freunden von Facebook und für Verweigerer der sozialen Medien hängt ein Kalender im Flur neben der Tür. Heute hat niemand Geburts- oder Namenstag und auch kein Todestag jährt sich. Und doch, irgendwas war heute. Kurz bevor ich das Büro verlasse, ahne ich es. Es ist ein Tag an den ich in all den Jahren zuvor noch nie gedacht habe. Ein Tag, mit der Wichtigkeit eines Meilensteins und doch ein Tag, dessen Datum ich mir nie merkte. Dass ich dieses Jahr daran denke, wundert mich. Weiterlesen

Timing – hab ich (nicht)

 

Ein herzliches Dankeschön an all die lieben Gäste, vergangenen Samstag. Jedes einzelne Mal ist es schön, wenn die Worte einer Erzählung das Papier und die Weiten des Internets verlassen und in einem Raum gesprochen werden dürfen. Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, wenn ich lieb gewonnen Menschen vorlesen darf, die ich zuvor nur von hier kannte. Tina, Werner, Elisabeth, Uwe….wie schön Euch kennen gelernt zu haben. Elisabeth und Uwe schon das letzte Mal und Tina und Werner am Samstag das erste Mal. 

Danke für Euer Lachen, Euer stilles Zuhören und für jede Umarmung. Ich hab sie alle dort gespeichert, wo ich mich noch oft daran erinnern kann. Vielen Dank auch für das Foto, Tina. Du hast einfach einen besseren Blick als ich. Ein ebenso herzlicher Dank an alle anderen Gäste. Ihr habt mir einen wunderbaren Abend bereitet, den wir das erste Mal seit langem wieder, auf den Stufen vor dem Haus haben ausklingen lassen. Wir sind hier sehr traditionsbewusst – Getränke werden nie nach Hause getragen, sondern immer noch vor Ort „entsorgt“.

Das Timing war hervorragend, nicht wahr? Eine „Neues aus dem Vorderhaus“ Lesung ohne neues aus dem Vorderhaus. Heute endlich ist das Paket gekommen und heute endlich darf ich mich wieder fragen, wie viele verschiedene Formate ein einzelner Verlag zu Stand bring. Mindestens so viele wie Schattierungen in der Coverfarbe – ein Graus. 

Die versprochenen Pakete werden geschnürt und gleich morgen zur Post gebracht. 

Bei Amazon, bei mir und im Buchhandel, als Taschebuch und E-Book….aber das wissen Sie ja schon. 

Bis bald,
hier, im Valentinhaus oder wer weiß, vielleicht einmal in Wien. 😉

Mitzi

Übungssache

Ob es nicht ein wenig seltsam sei, alleine und ohne Begleitung nach Italien zu fahren, fragt sie und ich zucke mit den Schultern. Und wenn, warum dann nicht in ein Hotel, wo man weiß was man hat und sich ein wenig verwöhnen lassen kann, will sie wissen und ich habe keine Antwort. Keine, außer die, dass es sich richtig anfühlt. Dass ein Hotelfrühstück nicht das ist, was ich in Italien möchte und dass ich alleine fahre, weil ich nichts mitnehmen, sondern etwas finden möchte. Nach Italien fuhr ich, solange ich denken kann, alleine. Ich fuhr von München nach Elba, Mailand, Verona oder noch weiter in den Süden um jene zu treffen, die dort lebten und die ich vermisste. Eine Zugfahrt mit Umstiegen in Orten, von denen ich noch nie gehört habe, schreckte mich noch nie, sind doch Bahnhöfe eben jene Orte, die kein Wissen benötigen, weil sie überall ähnlich und ohne Erklärungen funktionieren. Und doch mag ich ihre Fragen nicht, weil es mir fremd geworden ist, alleine unterwegs zu sein. Ich bin behutsamer geworden. Unsicher und ängstlich. Nichts davon war ich früher und nichts davon passt zu mir. Als ich vor vier Wochen dem mutigsten meiner Freunde sagte, dass ich Ostern auf einen Sprung runter komme, hat er nur „ja“ gesagt. Natürlich, warum auch nicht. Einsteigen, fahren und ankommen. So war es früher und so sollte es auch heute noch sein. Ein paar Tage Verona, einen Freund besuchen und dann weiter in den Süden oder ein Stück zurück in den Norden, das würde man spontan sehen, zu ihm auf einen Café und eine Pizza am Abend. Ein bisschen konfus, ein bisschen planlos, aber das war ich immer. Er sagte nur „ok“ und „bis dann“.  Weiterlesen

4 Stunden

Follower Zahlens verfolgt man.
Twitter Erwähnung sind schön.
Verkaufte Bücher sind eine feine Bestätigung.

Kleines, großes Glück ist das hier.

Lieber Werner, die Sonne kommt raus und München zeigt sich nach den Stürmen von seiner besten Seite. Ich freue mich sehr auf Dich. Auch Dich und auf all die anderen bekannten und unbekannten Gesichter.

Bis gleich
Mitzi

Ninis Painting

Er sagt, dass man mit mir man in keine Ausstellung gehen könne. Es sei verlorene Liebesmüh und gänzlich sinnlos zu versuchen, mir auch nur eines dieser Kunstwerke näher zu bringen. Meine Arroganz sei unerträglich und meine abweisende Körperhaltung eine Beleidigung für jeden, der mir etwas beibringen möchte und….. bla, bla, bla. Ich denke es. Sage es nicht laut, weil ich weiß, dass dies nur weitere Worte, aus einem mich langweilenden Mund, zur Folge hätte. Zwanzig. Zwanzig Worte noch, darf er sagen, dann stecke ich mir die Finger in die Ohren. Oder lege mir die Hände vor die Augen. Spiele ihm pantomimisch die drei Affen vor, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen wollen. Wenn er aber die zwanzig Worte, dieses allerletzte Kontingent, das ich ihm gewähre, überschreitet, dann werde ich etwas sagen. Dann werde ich ihn anflehen, doch bitte, bitte, endlich den Mund zu halten. Oder, durchaus im Bereich des Möglichen, ihn kommentarlos niederschlagen.

Kreative Menschen, die mag er und mich mag er, weil ich schreibe. Ich mag ihn auch. Ich mag ihn, obwohl er schreibt. Dinge, die nicht zu mir durch dringen. Gedichte, die mich nicht berühren und Worte die mir austauschbar erscheinen. Banaler Schwachsinn, sagte ich zu einem, der mich gut genug kennt, um mich nicht zu verraten und weiß, dass mein Urteil erst im Laufe der Jahre so hart geworden ist. Monatlich erhielt ich die fünfunddreißig Zeilen des aktuellen Werkes und wurde gezwungen mich zu äußern. Egal wie oft ich sagte, dass Lyrik mir fremd ist. Mich befremdet, überfordert und in seinem Fall verständnislos zurück lässt. Irgendwann sagte ich gar nichts mehr. Das war besser. Stille Zustimmung, wortloses Lob, meinte er; endlich Ruhe, dachte ich und war dumm genug, mit ihm ins Museum zu gehen. Den Lepanto Zyklus von Twombly hat er mir so gründlich versaut, dass ich ganze zwei Wochen kein Wort mehr mit ihm gesprochen habe. Zwölf Bilder in einem eigens für sie konzipierten Raum die so wunderbar sind, dass das Herz bei der Vorstellung sich eines nach dem anderen in Ruhe anzusehen, freudig zu klopfen beginnt. Es klopft, bis einer anfängt zu erklären und schildert was genau da zu sehen ist. Ja, ich habe die blutige Seeschlacht von Lepanto im ersten Moment für eine pittoreske Hafen Stimmung im Sonnenuntergang gehalten. Na und? Ist etwas, das vermeintlich wunderschön ist, nicht noch viel grausamer, wenn sich seine Brutalität sich erst auf den zweiten Blick offenbart? Und könnte es nicht sein, dass die schöne Stille, die erst dann laut wird, wenn man versteht, womöglich gewollt ist? Er meint nein und erklärt mir warum ich mich täusche. Halt die Klappe, murmle ich und imitiere in Gedanken drei Affen.

Ich sei das Schaf, das mit verschränkten Armen vor Bildern steht und nichts versteht. Sagt er. Ich höre ihm nicht zu, weil ich ja ein Schaf bin und Schafe Menschen in den seltensten Fällen Gehör schenken. Ein Schaf kann sich verlaufen. Verläuft sich in ein anderes Stockwerk. Läuft davon und wartet Schafdoof 30 Minuten auf dem Klo, bis es sich in Sicherheit wiegt. Dann steht es mit verschränkten Armen  vor seinem Lieblingsbild und genießt die Stille. Das Schaf war zu doof und erinnerte sich nicht daran, dass er, der alles besser weiß, es gut genug kennt um gewartet zu haben. Ich bin wieder ich und atme tief durch als er sich neben mich stellt. Kein Wort, sage ich und korrigiere mich. Ein Wort und ich rede nie wieder mit dir. Das ist mein Bild und ich erlaube dir nicht, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Mit verschränkten Armen zieht er sich zurück. Und weil er, der mich in den Wahnsinn treibt, auch einer meiner engsten Freunde ist, sitzt er später mit mir in der Sonne und fragt erst nach einer Stunde ob er wieder sprechen darf. Er darf. Nur nicht über „Ninis Painting“ von Cy Twombly. Kreide oder Bleistift, ich weiß es nicht und es ist mir egal, bedecken die Leinwand mit schwungvollen Schlaufen, die durch ihre Zeilenartige Anordnung an sich überschneidende Worte erinnern. Mal etwas dichter, mal etwas lockerer. Man kann nichts lesen und nichts erkennen. Ich habe es über viele Stunden versucht, bis ich zu verstehen glaubte, dass es darauf auch nicht ankommt. Ich las, dass es der plötzlich verstorbenen Frau des italienischen Galeristen Twoblys gewidmet ist. Und auch die Interpretation die ich im Internet (Journal21.ch Urs Meier) fand. „Was schreibt man in einer Totengabe? Es muss die Preisung des Lebens dieser Verstorbenen sein. Ein Nachruf, verschlüsselt in einer Manifestation reiner Schönheit.“ Eine einzigartige Erinnerung an ein zu Ende gegangenes Leben. 

Es gab eine Zeit in der ich vor diesem Bild stand und darin einen Namen suchte. So verbissen und so ausdauernd und so sicher, dass es der von dem sein musste, den ich nicht mehr an meiner Seite hatte, dass es mein Bild wurde. Eines das mich davon abgehalten hat, mit selbst die Finger wund zu schreiben. Wissend, dass es nichts bringen würde. Stundenlang vor einem Bild zu stehen und darin einen Namen zu suchen, das hilft. Weißt du, sag ich dem, der neben mir sitzt, man kann ja nicht einfach losbrüllen, wenn die Welt zusammen bricht. Er nickt und sagt noch immer nichts. Deswegen mag ich ihn. Und weil er mich alleine noch mal ein bisschen nach einem Namen suchen lässt.