Sonntagmorgen um kurz nach sieben ist es noch still. Die meisten in der Pineta, dem kleinen Ort zwischen zwei nicht viel größeren Ortschaften, schlafen noch. Bis vor zehn Minuten auch ich. Jetzt stehe ich vor dem Herd, kneife verschlafen die Augen zusammen und konzentriere mich, um die kleinste der vier Gasflammen am Herd, anzuzünden. Im Normalfall erfordert das keine Konzentration. Nur bei der Flamme unten rechts. Die springt nur an, wenn sich der nach innen gedrückte Schalter exakt zwei Millimeter neben dem Symbol der großen Flamme befindet. Man muss ihn länger als gewöhnlich drücken und darf dabei seine Stellung – exakt zwei Millimeter neben dem Symbol der großen Flamme – kein bisschen ändern. Sechs oder sieben Mal klackt es leise beim Funkenschlag, der das ausströhmende Gas entzündet, erst dann flammt der kleine Ring am Herd auf. Den Schalter dann mindestens drei weitere Sekunden gedrückt halten und beim Loslassen genau zwei Millimeter zurück auf das Symbol der großen Flamme drehen. So und nicht anders – unten rechts. Bei den anderen, geht es blind und ohne Fingerspitzengefühl. Langweilig. Ich mag die Herausforderung des kleinen Flämmchens unten rechts. Italienische Entschleunigung. Oder verbissene Sturheit meinerseits.
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