Fertig und jetzt Prost

Fertig! Die Lesungen für diese Jahr und am Mittwoch auch ich. Fix und fertig, aber mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen. Ein Grinsen das meine Nachbarin irritiert hinterfragt. Eine Lesung ohne Zuhörer und trotzdem ein schöner Abend? Ich nicke, stecke mir ein Stück Schokolade in den Mund und schiebe den Koffer mit einem gekonnten Kick hinter die Tür. Mhm, bestätige ich kauend, kein Zuhörer. Kein einziger und das nicht das erste Mal in diesem Jahr. Langsam werden wir echt gut darin uns während einer Lesung selbst zu beschäftigen. Ganz neues Konzept für die Agentur: Autoren lesen gegen die Wand oder vor einzelnen verlorenen Seelen, die falsch abbiegend vor die Bühne gestolpert sind. Inbegriffen im Honorar, die tröstenden Worte für verzweifelt und enttäuschte Veranstalter, die sich während der Vorbereitung ein Bein ausgerissen haben, bis zur letzten Minuten den Abend beworben haben und mit sturem Optimismus für ein warmes Willkommen gesorgt haben. Für sie tut es mir leid. Mehr als für mich. Ich lese auch für nur einen Gast oder für Autorenkollegen vor deren Bühne auch gähnende Leere herrscht. Durch die letzten Monate kommt man im Kultur- und Veranstaltungsbereich nur mit viel Humor. Sehr viel Humor. Angesichts der aktuellen Nachrichten konnte ich es den Torgauern nicht einmal verdenken, dass nur so wenige zur Lesenacht gekommen sind. Ich war mir ja selbst bis Anfang der Woche nicht sicher, ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden kann. Und dennoch…ja, es war schön. Ziemlich schön sogar.

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Überholt

Ganz leise und ohne großes Tamtam haben sie mich überholt. Zuerst der Älteste – das war zu erwarten. Er stellte schon als Winzling die meisten Fragen und hatte als ältester von vieren am schnellsten Antworten auf Fragen, die nicht oft nicht gestellt werden mussten, parat. Bei ihm bemerkte ich es das erste Mal, das Auf- und Überholen eines jungen Geistes, an dem ein mittelalter sich besser nicht misst. Gerade volljährig hätte er mich mit spielerischer Leichtigkeit an die Wand diskutiert. Vielleicht in dem er seine Meinung vertreten hätte, vielleicht aber auch indem er aus purer Neugier das Gegenteil seiner eigenen Überzeugung vertreten hätte. Nicht um zu brüskieren, vielleicht um ein wenig zu provozieren, aber in erster Linie um dem was ihm interessiert auf die Spur zu kommen. In diesen Jahren habe ich ihm gerne zugehört. Mit Tantenstolz überzeugt, dass er seinen Weg gehen wird. Er geht ihn und wird ihn weiter gehen. So wie sie alle längst ihre Wege eingeschlagen haben. Bei den jüngsten beiden weiß ich nicht in welche Richtung es gehen wird, aber jede noch so kleine Begegnung mit ihnen, lässt mich mit Gelassenheit abwarten. Gelassen und gespannt. Acht Nichten und Neffen stehen mir besonders nahe und acht mal ist es das gleiche Gefühl – gespannt und gelassen, weil jeder von ihnen noch immer so wunderbar wie am Tag seiner Geburt ist. Sie müssen beachten, dass ich das große Glück der Tante habe. Sämtliche Diskussionen und Pubertätsbegleiterscheinungen blieben mir erspart. Ich darf einfach nur genießen und die Rosinen aus den Kinderkuchen picken. Ich sehe Kinder, die zu Erwachsenen werden und bei einem nach dem anderen kommt der Tag an dem ich merke, dass sie mich überholt haben. Das ist ein wunderbares Gefühl und macht mich stolz. Tantenstolz – die fehlgeleitete Annahme, dass diese Kinder alle auf wundersame Weise von mir etwas mitbekommen haben. Irgendetwas, das mich berechtigt, mir ihre so wunderbare Entwicklung mit auf die Fahne schreiben zu dürfen. Es sind kluge Kinder, denn sie widersprechen mir nicht, wenn ich behaupte, dass sie das eine oder andere von mir haben. Kinder, die keine mehr sind.

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Autunno und Herbst gut gemischt

„Was?“ fragt der Nachbarsjunge als er mich in der Türe unseres Laubenganges stehen sieht und reibt sich verschlafen die Augen. „Wie bitte, heißt das.“, korrigiere ich ihn automatisch und übergehe die Antwort. Nach fast zwei Wochen wäre es mir unangenehm, wenn das erste was er von mir hört, ein beherztes „Scheiße“ ist. „Merda“ das italienische Pendant versteht er nicht, kann es sich aber denken. Er grinst, zuckt mit den Schultern und verschwindet in seiner Wohnung. Dreieinhalb Meter trennen mich von seiner Wohnungstüre und drei Meter von meiner – drei Meter, die ich in den nächsten vier Stunden nicht betreten darf. So lange dauert es noch, bis erste Anstrich des gerade renovierten Laubengangs getrocknet ist. Bis dahin ist es dem Nachbarsjungen verboten aus seiner Wohnung zu treten und mir unmöglich in die meine zu gelangen. Verdammt, wiederhole ich etwas weniger derb und schiebe meinen Koffer zurück ins Treppenhaus um erst einmal blöd rumzustehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich irgendwann wusste, dass der Laubengang am 26.10.2021 für ein paar Stunden gesperrt ist. Stunden, welche die Bewohner einplanen und berücksichtigen müssen. Natürlich wusste ich es – bevor ich nach Italien fuhr und meinen Aufenthalt dort kurz vor der Abfahrt noch einmal um wenige Tage verschoben hatte. Der dämliche Flyer, der mir von der Hausverwaltung sogar persönlich in die Hand gedrückt wurde, liegt auf dem Tisch im Wohnzimmer. Da liegt er richtig, murmelt wenig später Herr Meier, der nicht am Laubengang wohnt und den ich um eine Tasse Kaffee angebettelt habe, um die Zeit des Wartens nicht im Treppenhaus hockend verbringen zu müssen. Ich nicke und wundere mich, dass Herrn Meiers Kaffee nach über eine Woche Italien trotzdem unglaublich gut schmeckt. Er grinst als ich es ihm sage und verrät mir sein Geheimnis – ein Löffel Kakao (der für Kinder) muss mit in den Filter. Meine italienischen Freunde würden die Augen verdrehen. Ich nicht. Ich bin heilfroh nicht auf den Stufen sitzen zu müssen. Weiterlesen

Müde Herbstkastanien

Schön, gell, fragt Herr Mu an der Bushaltestelle und hält mir eine Kastanie unter die Nase. Ich nicke und nehme die glatte Kugel, die mir Herr Mu in die Hand drückt. Meine Haltestellenbekanntschaft Herr Mu und ich gehören zu den Menschen, die sich auch als Erwachsene noch jeden Herbst nach Kastanien bücken und über Wochen immer mindestens eine in Hosen- oder Handtaschen mit sich herumschleppen. Weder er noch ich haben oder werden je etwas mit ihnen machen – keine Türdekoration und kein Biowaschmittel. Wir mögen es einfach, die ganz frische Frucht in der Hand zu halten und erfreuen uns an der makellos glatten Perfektion der braunen Perlen. Am schönsten ist es, wenn man eine findet, die noch in der stachligen Umhüllung steckt. Frisch entnommen, fühlt sich die Schale so schön, wie wenig anderes an. Schöner als ein Babybauch, sagt er Mu und ich nicke obwohl sich ein Babybauch zweifellos doch noch ein klein wenig schöner anfühlt. Vor allem weil der Bauch eines ganz kleinen Kindes über Monate herrlich bleibt, während die Kastanie schon nach wenigen Tagen etwas von ihrer Feuchtigkeit verliert und sich nach einer Woche schon nicht mehr frisch anfühlt. Im Zweifel also lieber ein Baby, überlege ich mit der Kastanie in der Hand und schwanke. Babys mit herrlichen Bäuchen gibt es das ganze Jahr über und frische Kastanien nur für ein paar Herbstwochen, was sie zu etwas ganz besonderem macht. Das muss man bedenken. Vielleicht im Oktober Kastanien und im restlichen Jahr ein Babybauch. Oder vielleicht doch lieber eine verschmuste Katze, da sind die Chancen, dass sie einen durchschlafen lässt höher. Ein Hund – besonders die Stelle hinter den Ohren – fühlt sich auch fein an. Mein Bus kommt, bevor ich Herrn Mu fragen kann, was sich für ihn am allerbesten auf der ganzen Welt anfühlt. Weiterlesen

Randnotiz

Corona ist offiziell beendet – also in Giesing. Wie in jedem ordentlichen Supermarkt in Deutschland waren Klopapier und Nudeln letztes Jahr auch bei uns Mangelware und wurden lange Zeit nur in haushaltsüblichen Mengen abgegeben. Der entsprechende Zettel hin bei uns noch vor vier Wochen am Regal. Jetzt ist Corona in Giesinger Supermärkten für beendet erklärt worden und wir konzentrieren uns auf das was unser Viertel in der ganzen Stadt so beliebt macht….seine charmante und etwas gewöhnungsbedürftige Konzentration auf das Wesentliche:

Pro Einkauf maximal 4 Flaschen Wodka.

Willkommen in Giesing…da wo sich haushaltsübliche Mengen anders definieren. Ich bin gern hier. Gentrifizierung ausgeschlossen. Batida de Coco und Zeus Ouzo können Sie übrigens in rauen Mengen kaufen. Ich vermute als Entschädigung für das schon zweite Mal abgesagte Oktoberfest. Da müssen zur Trauerbewältigung harte Geschütze aufgefahren werden.

Weit, aber schön

Idiot, zische ich, als einer meiner Freunde mich bittet meinen Standort via eines Screenshots von Google Maps zu beweisen. Nach einer siebenstündigen Autofahrt bin ich mir sehr sicher, dass ich Bayern verlassen und Nordrhein-Westfalen erreicht habe. Nur weil ich ab und zu Erlangen mit Erfurt verwechsle und Nürnberg und Bayreuth anhand der dort gesprochenen Dialekte nur schwer Bayern zuordnen kann, ist meine geographische Ignoranz nicht ganz so aus geprägt, wie meine Freunde mir manchmal unterstellen möchten. Auf die Frage, was ich dort denn tun würde, antworte ich erst einmal nicht. Je länger ich nämlich auf das Display meines Handys und meinen aktuellen Standort blicke, umso mehr frage auch ich mich, was zum Henker hier eigentlich gerade mache. Eine recht genaue Vorstellung dessen was ich hier zu tun habe hat dagegen meine Leseagentur. Diese dürfte auch die einzige sein, die sich sehr über meine mangelhaften Geographie Kenntnisse freut. Wahrscheinlich bin ich die einzige Münchner Autorin die für nur eine Lesung 600 km einfache Fahrt freudestrahlend in Kauf nimmt, weil sie wieder einmal keine Ahnung hatte wo sich der Ort eigentlich befindet.

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Schön war´s irgendwie doch

Stadt oder Land. Das dazwischen ist meistens Mist. Mist für mich, die mit klassischen Vororten von Städten nie warm geworden ist und sich das Leben dort beim besten Willen nicht vorstellen kann. Rund um München gibt es viele dieser schwer zu definierenden und immer etwas anonymen Vororte und fast ausnahmslos denke ich bei Besuchen daran, dass ich dort nicht leben und auf keinen Fall hinziehen möchte. Auf dem Land sieht es anders aus – das echte Land hinter den Vororten ist mir so vertraut wie die Stadt und beides kann ich mir vorstellen. Auch jenen Ort im Münchner Osten durch den ich gestern Mittag gelaufen bin. Ein kleines Dorf fast noch, dem das bäuerliche erhalten blieb und vor dessen alten und neuen Häusern in den Bauerngärten noch jene wilde Blütenpracht steht, die mich an zu Hause erinnert. Straßen mit Schlaglöchern und eine warme, gemütliche Atmosphäre – ein schöner Ort und ich verstehe, warum ihn Freunde von mir ausgesucht haben. Mir selbst ist er fremd, weil sie die ersten sind, die sich in dieser Himmelsrichtung angesiedelt haben. Die Ortsnamen beim Hinfahren kenne ich – aber nur aus den Staumeldungen im Radio. Nicht eines der Dörfer habe ich bisher besucht, weil es sich schlicht und einfach nie ergab. Stunden später schlendere ich deshalb ein wenig verloren durch die kleinen Straßen und weiche den Pfützen des Sommergewitters aus. Heimelig sehen die erleuchteten Fenster im Dunklen aus und das leise Muhen aus einem Stall verstärkt das Gefühl, in einem guten Ort zu stehen. Einem Ort dessen Anbindung an das Bahnnetz Münchens aus einem einzigen, selten fahrenden Bus besteht. Auch das kenne ich von zu Hause und empfinde es als wenig schlimm gegen halb zehn Uhr abends im Gewitter an einer verlassenen Bushaltestelle zu stehen. Auch der ältere Mann neben mir, nimmt den Regen und die sporadischen Busse als gegeben hin, grüßt bayerisch knapp und grummelig aber nicht unfreundlich. Lächeln müssen wir nicht, weil man es in solchen kleinen Orten nicht sieht – Bushaltestellen sind unbeleuchtet. Es würde sich bei den wenigen Fahrgästen wahrscheinlich einfach nicht rentieren. Wir lächeln beide, als der Bus – ohne zu halten – an uns vorbeifährt und nicken uns ein „Scheiße“ denkend zu, bevor wir die Bushaltestelle in gegensätzliche Richtungen verlassen. Ich gehe zurück zu meinen Freunden, weil der nächste und letzte Bus erst in knapp zwei Stunden fährt. Ein Kuh muht und der Ort wirkt trotz des mittlerweile kühlen Regens noch immer einladend. Doch, ja, es ist wirklich ein guter Platz um seine Kinder großzuziehen. Weiterlesen

Synchron in die falsche Richtung

„Eigentlich ist es ziemlich bescheuert, dass ich Ihnen hier auf einem Schiff am Staffelsee etwas über Münchner Freibäder erzählen möchte….“ sage ich und denke dabei weder an das Schiff auf dem ich gerade stehe, noch an die Münchner Freibäder von denen meine erste Erzählung handelt. Ich denke, was für ein unglaubliches Glück es doch ist, dass genau jetzt, in dem Moment in dem das Schiff ablegt, die Sonne rauskommt. Die Sonne, mit der ich nach all den schlechten Wetterprognosen, gar nicht mehr rechnete, spiegelt sich wunderbar auf dem Wasser. Das sehe ich und weiß, dass ich es nicht sehen sollte, weil ich gerade zwar frei spreche, gleich aber zu lesen beginne. Es wundert mich, dass ich tatsächlich spreche und dabei an etwas anderes denke. So etwas kann nicht funktionieren und deshalb konzentriere ich mich jetzt wieder ganz auf das wunderbare Publikum und das was ich gerade erzähle. Das heißt, ich nehme es mir gedanklich vor und alleine der Vorsatz ist ja schon wieder ein neuer Gedanke –  verrückt, dass ich noch immer rede und gleichzeitig nicht das denke, was ich sage. Wenigstens sind die Gäste genauso fasziniert vom Wasser und der Sonne wie ich. Obwohl…der beste meiner Freunde schaut gerade ernst. Ok, ich habe noch nicht wirklich etwas lustiges gesagt, aber vielleicht….nein, ich habe nichts zwischen den Zähnen, weil ich nichts gegessen habe. Vielleicht schaut er deswegen ernst, weil er weiß, dass ich einen leeren Magen habe und mir – aus gerade nicht mehr nachvollziehbaren Gründen – statt einem Wasser einen Aperol Spritz zur Lesung bestellt habe. Ach gut, jetzt lächelt er. Ich auch…ist ja auch eine amüsante Stelle in meiner Erzählung…alles wieder gut. Nur mit dem Aperol muss ich vorsichtig sein. Ich lese stehend und ganz leicht spürt man die Bewegung des Schiffes. Oder des Aperols? Nein, ich hab bis jetzt nur genippt, alles gut. Jetzt ist erst mal Moses dran und ich frage mich wie ich die erste Erzählung lesen konnte und dabei an einen solchen Mist gedacht habe. Diese Art von Multitasking ist mehr als verstörend. Woran wohl Moses denkt, wenn er liest? Ich frag ihn lieber nicht. Erstens, weil er ja gerade spricht und zweitens habe ich das Gefühl, dass er nur an das denkt, was er gerade liest….faszinierend. Überhaupt ist der Mann großartig. Jetzt macht der Aperol auch Sinn. Einem so begnadetem Sprecher hört man wahnsinnig gern zu und ein Aperitif beim Sonnenuntergang rundet das ganze noch ab.  Weiterlesen

Giesinger Sturschädel mit Weitblick

Ein echter Münchner, so sagt man, erkennt schnell aus welchem Stadtteil sein Gegenüber kommt. Ich bezweifle, dass ich eine Haidhausenerin von einer Lehelbewohnerin auseinander halten könnte, einen echten Giesinger aber, den erkenne ich. Spätestens dann, wenn ich weiß, dass er eigentlich etwas will und trotzdem stur und ausdauernd behauptet, genau das nicht zu wollen. Einen solchen, oft an Dummheit grenzenden Starrsinn haben nur die Giesinger. Und zwar alle. Dann kommen zwei die eigentlich das gleiche wollen, nicht zusammen, nur weil der eine dem anderen beweisen will, dass seine Argumente besser sind. Im Fall von Herrn Mu und mir geht es um eine kleine Steigung vor der Stadt, von der Herr Mu behauptet, es sei ein „Bergerl“, fast schon ein Berg und ich darauf bestehe, dass es wenn überhaupt, nur ein kleiner Hügel sei. Seit über einer halben Stunde sitzen wir an der Bushaltestelle und versuchen einander die jeweils eigene Meinung aufzuzwängen. Anfangs schmunzelnd, dann lachend, nach einer Viertelstunde ungeduldig und jetzt kurz vor einem handfesten Streit stehend. Das riskieren wir sorglos, denn Giesinger streiten gerne, schnell und ohne sich Sorgen um das künftige Verhältnis zum Mitmenschen zu machen. Das können sie, weil der Giesinger zu seinem großen Glück nicht nachtragend ist. Gesten gestritten, heut schon wieder vergessen. Selten bleibt etwas hängen. Nur Herr Mu und ich bewegen uns auf dünnem Eis. Wenn der alte Mann die Ludwigshöhe weiter als Berg bezeichnet, dann kann ich ihn nicht mehr ernst nehmen. Es ist nämlich kein Berg. Wie der Name schon sagt, ist es eine Höhe. Eine Anhöhe, von der ich überzeugt bin, dass er da rauf muss. Und zwar schnell, weil jetzt der Raps blüht, das Gras gemäht wird und er genau die Luft von da oben in der Nase braucht, so blas wie er ist. Des is koa Berg. Ned amoi a Bergerl. Des ist nix und des da´schnauft der leicht! Selten war ich froher meine Nachbarin Frau Obst plötzlich neben uns zu sehen. Jetzt versucht auch sie, Herrn Meier davon zu überzeugen, dass die Ludwigshöhe kein Berg ist und der Atem von Herrn Mu leicht für den kurzen Aufstieg reichen wird. Weil zwei gegen einen unfair sind, gehe ich einkaufen und überlasse Herrn Mu seinem Schicksal. Morgen wird er im Bus Nr. 271 sitzen und Richtung Ludwigshöhe fahren. Und wenn er es nur tut, um mir und Frau Obst zu beweisen, dass er mit seinem Berg recht hat. Weiterlesen

Warum nur Padua?

Wussten Sie, dass sie erstaunlich viel über einen Menschen erfahren können, wenn er Ihnen erzählt, wie er ein und den selben Tag im Laufe der Jahrzehnte verbracht hat? Es darf natürlich kein Tag wie zum Beispiel Weihnachten sein. Kein Tag, der von außen bestimmt wird und von familiären Zwängen und Traditionen geprägt ist. Es muss ein Tag sein, der in Erinnerung bleibt und zugleich in seiner Gestaltung doch recht frei ist. Zum Beispiel ein Tag wieder gestrige. Der Tag an dem der alljährliche ESC, der Eurovision Song Contest, stattfindet. Mit etwas Glück, kann sich Ihr gegenüber an alles was an diesem Tag passiert ist ganz gut erinnern. Selbst dann, wenn er oder sie das ganze Spektakel überzogen, erbärmlich oder lächerlich findet. Mir selbst zum Beispiel, fallen unzählige Abende ein, an denen der ESC die Begleitmusik und der Hintergrund für einen Abend war, der symbolisch für das restliche Jahr stand. Weiterlesen