Herr Mu ist Fritz

Herr Mu, der nicht Herr Mu ist, heißt jetzt Fritz. Obwohl ich mir sicher bin, dass er nicht wirklich Fritz heißt, passt der Name zu ihm. Zu Herrn Mu passen viele Namen und sie alle wurden ihm von Menschen gegeben, die ihn zufällig trafen, während sie auf den Bus warteten. Dort sitzt Herr Mu an vielen Tagen und wartet. Auf vieles, nur meistens nicht auf den Bus. Wenn ich ihn treffe, dann wartet er darauf, dass um sieben Uhr der Supermarkt öffnet. Geduldig raucht er eine Zigarette auf der Bank des Bushäuschens und lässt sich überraschen, mit wem er ins Gespräch kommen wird. Mit mir fast immer. Herr Mu und ich kennen uns nun schon einige Jahre und weil es sich noch nie ergeben hat, dass wir uns mit Namen vorstellten, gaben wir uns der Einfachheit selbst welche. Ich taufte ihn Herrn Mu, weil er so oft von der Muschi, seiner Katze erzählte. Er nennt mich, Mädchen, Madl oder manchmal auch sein junges, hübsches und hochgeschätztes Fräulein aus der Nachbarschaft. Dann grinst er charmant und verschmitzt und ich will ihm gar nicht sagen, dass ich die Mitzi bin. Wenn man über 40 ist, dann ist es schön, wenn einen noch einer ein Mädchen nennt. Die Frau die seit dem Spätherbst immer öfter neben ihm  auf der Bank sitzt, nennt Herrn Mu Fritz. Einige Wochen lang dachte ich, dass er wirklich so heißt. Bis er mir einmal, als ich gerade in den Bus stieg, zuzwinkerte und ich genauer hinzuhören begann. Weiterlesen

Wurfsendung und Weinschorle

Den besten meiner Freunde erkenne ich immer. In rauchgeschwängerten, dampfigen und unübersichtlichen Clubs; mitten in einem Rapsfeld stehend; im Fasching mit eine tief ins Gesicht gezogenen Hutkrempe und am Marienplatz zwischen tausenden von Touristen. Selbst wenn er gestern nicht alleine vor dem Kino am Sendlinger Tor gestanden wäre, hätte ich ihn trotz Sonnenbrille und Mundschutz erkannt. Seine 193 Zentimeter sind mir vertraut und es braucht mehr als zehn Corona-Wochen um sich fremd zu werden. Am 15. März lag er auf meinem Sofa als ich spät abends eine E-Mail las, die von Kollegen zu Kollegen geschickt wurde und deren Inhalt uns an diesem Sonntag vor zehn Wochen noch erstaunte. Der beste meiner Freunde lümmelte neben mir, als wir überraschend und sehr konsequent ins Home Office geschickt wurden. Passend und stimmig, dass ich die erste Weinschorle „draußen“ mit ihm trinke. In den vergangenen 25 Jahren haben wir uns schon öfter zehn Wochen lang nicht gesehen. Das Leben kam dazwischen, das kann passieren. Dass wir uns zwei Monate lang nicht sehen konnten und durften, war neu. Neu auch, dass wir uns zur Begrüßung nicht umarmten. Auch wenn es bei ihm und mir vermutlich ungefährlich ist. Meine Wange (mit Sommerflachen Schuhen) wäre bei ihm gerade mal auf Brusthöhe und wenn man kurz die Luft anhält, dann…..wir haben es gelassen.  Weiterlesen

Corona Home Office XXII

Rosa mit weißen Sternen, grau mit weißen Punkten oder hellgrün mit winzigen, bunten Blümchen, was meine Sie? Was passt am besten zu Jeans, FlipFlops und einem weißem T-Shirt? Die hellgrünen Blümchen? Ja, das würde ich auch sagen. Mein tägliches Corona Home Office Outfit ist so schlicht, da beißt sich nichts mit dem etwas auffälligeren Stoff meines Mundschutzes. Zum Einkaufen morgen also die. Das passt ganz gut, dann habe ich den Grauen für den Dienstag wenn ich ins Büro fahre. Der passt zu allem und zur Jeansjacke sogar richtig gut. Der mit den rosa Sternen muss am Dienstag trotzdem mit, falls der Graue nicht schnell genug trocknet. Ich werde ihn gleich nach der Ankunft im Büro mit kochendem Wasser übergießen, abkühlen lassen und dann zum Trocken an den Gummibaum im Büroflur hängen. Aber Baumwolle, im Falten genäht….da nehm ich lieber einen zweiten Mundschutz für den Heimweg mit. Wie gesagt, rosa passt ja auch zur Jeansjacke. Abends daheim kann ich dann beide bei 80 Grad für 30 bis 60 Minuten in den Backofen legen, falls mir die Milch ausgeht und ich in den Supermarkt muss. Die Handschuhe sind einfache, da zieh ich einfach ein Paar aus dem Beutel und habe nicht die Qual der Wahl. Alle sind weiß, alle sind aus dünner Baumwolle und alle wandern nach der Benutzung in die Wäsche. Mundschutz und weiße Handschuhe – mein Gott, wenn das Michael Jackson noch erlebt hätte. Ganz Bayern verkleidet sich ab Morgen und wirkt wie eine Hommage an diesen schrecklich traurigen, vielleicht pädophilen und unheimlich talentierten Mann.  Weiterlesen

Andersostern

Dieses Jahr fällt Ostern aus, schreibt mir eine und ich ärgere mich über die Engstirnigkeit dieses Satzes. Es fällt nicht aus, weil es gar nicht ausfallen kann und es ihm, dem Osterfest wahrscheinlich herzlich egal ist, ob man große Teile der Weltbevölkerung unter Hausarrest gestellt hat. Natürlich wäre es schön heute mit den Eltern zusammen zu sein. Die meinen vermisse ich an diesem Ostersonntag sehr. Und ganz sicher werde ich es morgen bedauern nicht mit den Geschwistern, Nichten und Neffen und dem beständig wachsendem Anhang der Heranwachsenden einen Tag familiären Chaos und übersprudelndem Familiengefühls zu genießen. Dennoch…Ostern ist auch dieses Jahr. Anders. Vielleicht, ganz sicher sogar, nicht so schön, aber es ist. Hier in München hat es Nachsehen mit uns und schenkt uns einen Frühlingstag der schöner nicht sein könnte. Freilich wäre es an der Isar, im Wald oder in den Bergen noch etwas schöner, aber heute muss man eben nehmen was man hat. Löwenzahn an Häuserecken und blühende Bäume und Büsche. Aus Sturheit optimistisch? Ja und dieses Jahr auch aus Trotz. Weiterlesen

Guarnizioni – grazie Maria!

Googelt man München erfährt man, dass München am 48. Breiten- und am 11. Längengrad liegt. Dem Durchschnittsmenschen sagt das wahrscheinlich nichts, trotzdem könnte man meine Heimatstadt theoretisch recht gut geographisch verorten. Viel besser und richtiger beschreibt es aber Thomas Grasberger. Der hat in seinem Buch „Gebrauchsanweisung für München“ nämlich recht gut erkannt, dass München dazu neigt, seine Lage und Größe – abhängig von der Jahreszeit – zu verändern. Jetzt in den Osterferien zum Beispiel, erstreckt sich München bis an den Gardasee. Befinden sich kurz vor Weihnachten die meisten Münchner am Nachmittag in der Nähe des Marienplatzes sind sie jetzt im April in Riva, Torbole, Garda oder Bardolino zu finden. Das Zentrum Münchens liegt also am Ostufer des Gardasees. Da kann der Italiener noch so sehr darauf pochen, dass es sich bei den genannten Orten um italienische Dörfer handelt – spätestens wenn er die Uferpromenade entlang schlendert, muss er zugeben, dass Bayern in den Sommermonaten beträchtlich an Fläche gewonnen hat. Normalerweise. Dieses Jahr nicht. Dieses Jahr, Corona sei Dank, bleibt München bei seiner Fläche von etwa 311 Quadratkilometern. Da kann´s schon mal a bisserl eng werden, jetzt wo die Grenzen zu sind. Nicht einmal mehr nach Garmisch, Mittenwald oder Kufstein können wir ausweichen. Und bevor Sie mich korrigieren, ich weiß, dass Kufstein in Österreich liegt, aber eben auch nur theoretisch. Ab Frühling (vor Corona) ist es ein Vorort von München. Der Österreicher sieht es anders, aber mei…es ist wie es ist. Daheim bleiben sollen wir, heißt es, und wir fragen uns wie das gehen soll, wenn daheim am April doch erst nach dem Brenner so richtig anfängt. Weiterlesen

Corona Home Office XV

Die vierte Woche ist besser als die dritte. Mein Nachbar Paul behauptet, es sei die bisher beste. Jetzt gerade in diesem Moment empfinde ich es auch so. Es ist eine gute Woche, wenn es einem gelingt auszublenden, dass uns die Heimarbeit von unseren Firmen nicht als Geschenk, sondern als Schutz vor einer unsichtbaren Gefahr verordnet wurde. Die dritte Woche war unschön. Fast alle die ich kenne, empfinden es so. Die erste Woche surreal, die zweite ganz ok, die dritte aber in dem Bewusstsein, dass die Einschläge dichter werden und näher kommen. In Italien starb ein Vater von einer, hier in München liegt die Mutter von einem auf der Intensivstation und es fällt einem schwer tröstende Worte zu schreiben. Längst ist Corona nicht mehr weit weg und egal wie sehr die Augen zusammen gekniffen werden, man spürt, dass man mitten drin hockt. Besonders bedrückend waren die Mittagspausen, die man – auch in Bayern noch erlaubt – draußen verbrachte, um alleine durch das stille Viertel zu laufen. Blühende Büsche, zartgrüne Bäume und knallgelbe Löwenzahnblüten zwischen Gehwegritzen verhießen einen schönen Frühlingstag. Gegen die unzähligen Schilder an Türen und Schaufenstern kamen sie nicht an. Wegen Corona geschlossen, klärten sie auf und fast auf jedem wurde dem Vorbeigehenden gewünscht, dass er doch bitte gesund bleiben möge. Imperativ. Bleiben Sie gesund! Wir versuchten es. Die dritte Woche war unangenehm.  Weiterlesen

CR-Leseagentur III – Vorfreude

Da, hören Sie mal rein: Hier bitte

Haben Sie? Gut, dann noch mal bitte. Diesmal ersetzen Sie die fantastische Mina mit dem Bild der nicht minder fantastischen Petra Lewi*. Petra LewiFalls Sie Petra noch nicht kennen, dann hab ich hier ein Bild für Sie. Jetzt müssen Sie auch noch den Ton ausmachen und sich vorstellen, dass Petra singt und sich auf ihrer Ukulele begleitet. Gut, ohne sie zu kennen ist das etwas schwierig, aber Sie können das Lesen gerne kurz unterbrechen und hier reinhören: Hier bitte. Entschuldigen Sie, dass ich Sie von einem Youtube Link zum nächsten hetze, aber wenn Sie nicht ein bisschen mitmachen, dann können Sie nur halb so gut nachvollziehen, wie besonders einige meiner nächsten Lesungen sein werden. Da lese ich aus Nix mit Amore und Petra untermalt das ganze mit wunderbaren Liedern. Welche genau das sein werden, verraten wir nicht, aber Tinterella di luna mögen wir beide. Am 08.05.2020 hätten wir in der Bibliothek in Neufahrn unsere Premiere gehabt. Schweren Herzens haben wir uns heute entschlossen, den Abend zu verschieben. Von allen abgesagten oder nicht stattfindenden Lesungen tut es mir um diese am meisten leid. Wenn Sie auf Petras Youtube Video geklickt haben, dann können Sie es sicher nachvollziehen. Ich werde mich in Geduld üben. Üben müssen, wie wir alle im Moment.

Ein kleines (großes) Trostpflaster gibt es. Hier (Letzter Link, versprochen). Ein Wohnzimmerkonzert heute Abend mit Petra und Titus Waldenfels. Trotz Corona etwas schönes. Oder wegen Corona, etwas besonders schönes. Ich werde es mir anhören und mich darauf freuen, wenn ich Petra wieder live sehen und hören kann. Wenn Sie die Gelegenheit haben, dann sollten Sie sie nicht versäumen.

Wenn wir wieder könne und dürfen, liebe Petra…ich freu mich darauf!

Bis dahin umarme ich dich mit viel zu viel Abstand und wünsche dir zum heutigen Geburtstag alles, alles Gute und Liebe!  

* (VERENA GREMMER FOTOGRAFIE)

 

Corona Home Office XII

Meine Kollegen haben sich in den letzten Tagen häufig über Microsoft Teams unterhalten und die Funktionen erörtert. Die ganze Firmen WhatsApp Gruppe war voll davon. Ich selbst hab mich – mit der mir eigenen Arroganz, die sich manchmal mit schrecklichem Desinteresse paart – rausgehalten, bis mir eine liebe Kollegin die Basics in einem persönlichen Fernmündlichen Workshop näher gebracht hat. 

Vermutlich habe ich auch da nicht besonders gut zugehört. Sonst hätte ich heute beim Versuch einen Videoanruf bei EINER Kollegin nicht gleichzeitig alle (DREIZEHN) vom letzten Jour fixe angerufen und vor lauter Schreck bei den sich öffnenden Fenstern anstelle einer Begrüßung ziemlich derb geflucht. 

Damit ich es endlich lerne, hab ich es gleich noch mal probiert und wollte das ganze auflockern, indem ich die EINE Angerufene fragte ob es (um 13:30 Uhr) wohl zu früh für ein gemeinsames Glas Wein sei. Mein Chef (keine Ahnung wo der herkam) meinte, dass es eindeutig noch zu früh sei. Vier andere widersprachen. 

Da ist noch viel Luft nach oben. 

Übrigens auch bei meinem Nachbarn Paul. Der hat heute Mittag die Sonne auf seinem Balkon genossen und dabei die gestern eingezogene neue Nachbarin begrüße. Momentan muss er dafür von Balkon zu Balkon brüllen. Ich hör hier alles – spätestens Donnerstag hat er sich mit diesem dilettantischen Flirtversuchen die Hauptrolle im nächsten Home Office Kapitel gesichert. 

 

Corona Home Office X

Gestern Mittag habe ich gegen die Wand geklopft, um zu sehen, ob nebenan noch einer ist. Es war ein wenig arg ruhig in meiner Wohnung. Nach zwei Wochen fast ein wenig zu ruhig. Nach 14 Tagen bin ich soweit zuzugeben, dass mir der Krach einer Kollegin fehlt. Einer, die ich sonst im Türrahmen meines Büros stehend frage, ob sie noch alle Tassen im Schrank hat und ob es wirklich nötig ist, die Schubladen in der Kaffeeküche des Büros mit einer Hüftbewegung zu zuknallen. Sie muss gespürt haben, dass sie mir fehlte, den genau zu dem Zeitpunkt wo sie sich sonst ein Brot in der Küche schmiert hat sie mich angerufen und mir die grundlegenden Funktionen vom Teams Videoanruf erklärt.

  1. Die Küchentür im Hintergrund hat geschlossen zu sein, wirkt professioneller.
  2. Die Kamera am Laptop muss ich nicht mit dem „zum direkten Verzehr geeignet“ Aufkleber der Avokado zupappen – sie hat einen Schieber vor der Linse.
  3. Lässt sich die Küchentüre hinter dem Schreibtisch aufgrund des über zwei Wochen gesammelten Altpapiers nicht mehr schließen, kann man den Hintergrund weichzeichnen lassen.
  4. Punkt 3. gilt nur für den Hintergrund und leider nicht für die Person die vor dem Laptop sitzt.

Danke. Auch für das laute Lachen am anderen Ende der Stadt. Nachdem ich die Schubladen und Schranktüren in meiner Küche alle drei Mal laut scheppernd zugeschmissen haben, vermisste ich sie gleich etwas weniger. Ich mag sie nämlich wirklich, weil ich Menschen ohne Filter grundsätzlich sehr gerne habe. Die Kollegen sind noch da. Das ist schön. Um Teile meines Freundekreises mache ich mir mehr Sorgen.

Der beste meiner Freunde ist gerade auf Facebook online und teilt seine neusten Erkenntnisse. Er schreibt, dass er ein Sonnenstrahl an einem bewölkten Tag ist. Er ist wie das Meer, schreibt er, aufregend anzusehen, aber gefährlich, wenn man ihn wütend macht. Es ist kurz vor neun und ich teile unter seinem Post meine neuste Erkenntnis: „Die Ausgangsbeschränkung verleitet uns dazu seltsame Dinge zu tun.“ Anders ist es mir nicht zu erklären, dass auf Facebook gerade Stadt-Land-Fluss mit dem Anfangsbuchstaben des Namens gespielt wird. Ohne zu googeln steht da. Man muss schon ein bisschen nachdenken, damit einem ein Name mit dem Anfangsbuchstaben des eigenen Vornamens einfällt. Geschenkt, wir haben einfach zu viel Zeit. Zeit genug um „Klicke auf deine Geburtsperle und offenbare deinen dominantesten Chrarakterzug“ auf Facebook zu spielen. Ok, der seine ist Stärke. Und er ist ein Sonnenstrahl an einem bewölkten Tag. Das stimmt sogar. Für mich ist er das. Auf meine Geburtsperle (am Rande….was für ein herrliches, bescheuertes Wort….Geburtsperle. Ob man damit bei Scrabble durchkommen würde?) klicke ich nicht, sage ich dem der ab und zu mit einem Glas Wein vor meiner Türe steht am Telefon. Er gähnt und zuckt mit den Schultern (Facetime…) Ich kann ruhig klicken, sagt er. Seit ich Oliver Pocher bei Instragram folge, sei eh schon alles zu spät. Er schläft noch eine Runde und ich denke über seinen letzten Satz nach. Oliver Pocher….das ist nur noch einen Klick von Mario Barth entfernt. Zwei Wochen….langsam wird es eng. Meine Geburtsperle würde mich nun doch interessieren. Kann man da anklicken, ohne das die anderen das sehen?

Andrá tutto bene

Eigentlich suchte ich etwas anderes. Gelandet bin ich bei alten Kalendern, deren Einträge mich heute sentimental machen, berühren und mit ziemlicher Wucht durch die Jahrzehnte schleudern.

22.03.2000 
11:00 Uhr – Katrin Strand Enfola
15:00 Uhr – Catharina Portoferraio
23.03.2000
10:30 Uhr – Micha, Carmen, Katrin Rom 

Verdammt. 20 Jahre?!? 20 Jahre ist es her, dass ich mit Katrin am Strand von Enfola auf Elba saß. Wahrscheinlich ist es richtig, denn es steht in meinem Kalender. Irgendwo habe ich ihre Nummer und werde sie anrufen. Nach acht Jahren seltsam. Momentan völlig normal. Wir erkundigen uns nach dem Verbleib von Menschen, die es aus unserem Alltag gespült hat. Jetzt wo der nicht mehr existent ist, bleibt die Zeit nachzufragen. Sie müsste in Norddeutschland sein. Noch immer mit segelnd. Wie damals, als wir uns in diesem verrückten, verrückten Sommer kennen lernten. Dem Sommer in dem mein Freund nach Italien zog und ich zu pendeln begann. Vielleicht der schönste Sommer meines Lebens. Und Catharina…das Kindermädchen bei der lustigen Familie. Facebook hält mich auf dem Laufenden. Sie ist in Kanada. Wie es dort wohl mit Corona ist? Ich schreibe ihr zwischen Home Office und Wäsche aufhängen. Ob sie noch weiß wie sehr wir gelacht haben, heute vor 20 Jahren. Wir lachten – mein Freund nicht. Der hatte Angst, dass wir uns bei unseren Fahrkünsten auf der kurvigen Küstenstraße den Hals brechen würden. Es war schon warm, das weiß ich noch. Aber noch mehr erinnere ich mich an das Lachen. Heute fehlt es – das Lachen. Weiterlesen