Neunuvierzig

Es heißt, sie sind vom Aussterben bedroht. Die Münchner Originale. Wenn man an Rudolph Mosshammer, Karl Valentin und den einen oder anderen berühmt, berüchtigten Wiesnwirt denkt, dann ist das sicher richtig. Der Gedanke an die schwindenen Unikate und ihre deutlich blasseren Nachfolger, stimmt ein wenig traurig und lässt einen fast sentimental auf die vergangenen Jahrzehnte mit all ihren schillernden Persönlichkeiten blicken. Wenn Sie mich fragen, dann ist die Sorge dennoch unbegründet, weil es sie natürlich noch gibt – die Münchner Originale. Jene, die man nicht im Fernsehen sieht, die – etwas moderner – kein Instagram und Twitter haben und all die, denen kaum ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird. Das wirkliche Münchner Original ist unsichtbar und verschwindet solange in der Masse, bis es seinen Auftritt hat. Erst dann breitet der zunächst unscheinbare Paradisvogel seine Schwingen aus, landet – oft unbeabsichtigt – auf der Bühne und kann sich eines aufmerksamen Publikums sicher sein. Geklatscht wird am Ende selten, getratscht schon mehr und geschaut ganz sicher immer. Großes Theater ganz umsonst. Der Spielplan nicht zu erahnen, aber selten enttäuschend. Nur ein wenig Geduld muss man haben und etwas Zeit, die kann man sich bei einem Kaffee und einem Stück Kuchen vertreiben kann.

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Giesing – bin ich!

In regelmäßigen Abständen erzähle ich meinem Vater, welche unserer ehemaligen Nachbarn noch immer im Haus meiner Kindheit leben. Obwohl wir dort schon lange nicht mehr wohnen, ist es noch immer unser Haus. Vor allem meines. Ich wuchs dort auf und kenne den Hof, das Treppenhaus und jeden Winkel im Keller vermutlich besser als meine Eltern. Dennoch ist es auch für sie noch immer „unser Haus“ oder zumindest das Haus, in dem sie vor vielen Jahren eine Familie gründeten. Auch wenn wir behaupten, dass es egal ist – wir freuen uns, dass sich einige Namen auf den Klingelschildern über all die Jahre nicht geändert haben. Es wäre seltsam, wenn in „unserem Haus“ nur noch Fremde wohnen. Und das obwohl uns selbst die vertrauten Gesichter von früher, längst fremd geworden sind. Das Haus ist nicht schön. Schlicht, unspektakulär und mit einem scheußlichen Hof, der während unserer Zeit aus Garagen und Beton bestand und erst lange nach unserem Auszug begrünt wurde. Als Kind war es mir egal. Über die Dächer der flachen Garagen konnte ich in die anderen Höfe klettern und das Grau wurde durch die Menschen, die in ihm lebten bunt genug. Außerdem hatten wir eine Hecke. Für meine Mutter ein Witz, für mich völlig ausreichend, um den Wechsel der Jahreszeiten vom Fenster meines Kinderzimmers aus zu beobachten. Zumal man in Untergiesing die Isar ihre weitläufigen Grünanlagen vor der Nase hatte und jede Gelegenheit nutzte das Blickfeld der Eltern zu verlassen. Wenn ich heute vor dem schmalen Haus stehe und in den Hof blicke, dann ahne ich, dass dieses Viertel mich mehr geprägt hat, als ich mir selbst eingestehen möchte. Mehr als einmal hätte sich die Gelegenheit ergeben, in ein anders Viertel zu ziehen. Eines das schicker, aufregender oder moderner war. Ich bin geblieben. Und war ich doch einmal weg, dann bin ich zurück gekommen. Heute vermute ich, dass das Kind in mir, trotzig gegen neues protestierte und stur auf das Vertraute und Bekannte bestand. Es bekam seinen Willen. Damals wie heute. Das Viertel betreffend. Meine Eltern zogen erst um, als ich meine erste eigene Wohnung mietete.

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Abgestaubt

Nur mein Nachbarsjunge darf es. Er ist der einzige, dem ich es nicht übel nehme, wenn er bäuchlings auf dem Boden liegt, mit der Taschenlampe unter mein Sofa leuchtet und mir dann mitteilt, dass es dort unten so dreckig ist, dass er auf die kleine, darunter gerollte Playmobil Figur verzichtet. Falls ich jemals dort unter sauber machen würde, könne ich sie gerne behalten. Für einen Fünfjährigen sind das schön formulierte Sätze. So ausgewählt drückt er sich nur aus, wenn etwas seinem ästhetischen Empfinden widerspricht. Ein Empfinden, das bei diesem kleinen Menschen erstaunlich ausgeprägt ist. Ohne ihn würde ich wahrscheinlich noch immer nicht einmal monatlich auch die Unterseite des großen Tisches im Wohnzimmer putzen. Seit Ludwig aber auch unter dem Tisch nach verloren gegangenen Lego- oder Playmobilteilen sucht, wische ich regelmäßig auch unten und entsorge bei der Gelegenheit mögliche Ansätze von Spinnweben. Wie gesagt – er darf das, bei anderen reagiere äußerst empfindlich darauf, wenn man mich auf Defizite meiner hausfraulichen Qualitäten hinweist. Mal ehrlich, was bitte reitet Gäste, ungefragt aber höchst erfreut mitzuteilen, dass die Wohnung für ihr empfinden durchaus etwas ordentlicher sein könnte? Das weiß ich selbst und nicht umsonst lasse ich das grelle Deckenlicht im Wohnzimmer aus, wenn Besuch kommt. Ludwig gab mir den Tipp. Er meinte nämlich, dass es dann bei mir manchmal fast so ordentlich wie bei seiner Mama sei. Ludwig gehört auch zu den wenigen Menschen, die ich gerne um mich habe, wenn ich krank bin.

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Passt schon

Passt schon, sagt man in München gerne, wenn gar nichts passt. Wenn so viel im argen liegt, dass man nicht recht weiß, wo man anfangen soll, dann sagt man „passt schon“. Das ist wie „wird schon“, wenn einem unklar ist, wie überhaupt irgendwas wieder werden kann. Der Sonne am heutigen Sonntag ist das egal. Sie scheint und wenigstens das ist schön. Mehr als schön – es hilft, weil Sonnenstrahlen im Frühjahr nicht nur das Gesicht, sondern auch das Herz erwärmen und es leichter machen die Gedanken zu ordnen. Sie zu beruhigen ist angesichts der Nachrichten nur schwer möglich, aber ein paar Atemzüge mit geschlossenen Augen in der Sonne sind angenehm. Den Menschen in meinem Viertel scheint es ähnlich zu gehen. Sie sitzen auf den Bänken, legen den Kopf in den Nacken, schließen die Augen und strecken die Nasenspitze in die Sonne. Das tut gut, man sieht es ihnen an. Mir wahrscheinlich auch. Das und die Ruhe, die nicht ungewöhnlich ist, da ich nicht in einem Café sondern auf einer Bank auf dem Friedhof sitze. Bei so viel Scheußlichkeit ist hier, trotz des oft traurigen Ortes, viel Schönes zu sehen.

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Endgültig löschen, bitte

Ich kann jetzt nicht, sage ich meinem Nachbarn Paul und lasse ihn selbst in meiner Küche nach all dem suchen, was einzukaufen, er vergessen hat. Anfang März gerne, vertröste ich meine Freundin und kann ihr nicht erklären, dass ich im Jahr 2001 festhänge und mir 2022 unendlich weit entfernt scheint. Meinen Freund bitte ich noch darum mir die hintersten Kartons aus dem Schrank zu holen und schüttele ihm zum Abschied die Hand, was ihn irritiert aber auch schmunzeln lässt. Ich bin irgendwo in den 90igern und da kannten wir uns noch nicht. Er verlässt das Chaos meiner Wohnung, bleibt in der Gegenwart und lässt mich und meine Vergangenheit alleine. Ich bat ihn nicht, zu gehen. Ein uraltes Mixtape hat ihn vertrieben und ich kann ihn verstehen – es ist schrecklich und nur die Erinnerung an die Person, die es mir schenkte, lässt es jetzt noch einmal meine Küche beschallen. Ein aller letztes Mal, dann kann es weg. Muss es weg, weil es mir nicht mehr wichtig ist.

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Frühling jetzt – 2022


12.02.2022. Ein schönes Datum für den Frühjahrsanfang, finden Sie nicht? Und kommen Sie mir bitte nicht mit Erklärungen, dass der Frühling nicht heute beginnt. Heute, am 12.02.2022 hat er begonnen. Vielleicht nicht bei Ihnen, aber ganz sicher bei mir. Also in München. Präzise, nach dem Überqueren der Isar und dem betreten der Viertel, die sich der Durchschnittsmünchner leider kaum noch leisten kann, da ist seit heute Frühling. Und weil das ganz München schon vor dem ersten Kaffee gespürt hat, trifft es sich auch genau dort – in der Innenstadt. Wenn eine ganze Stadt in ihr Zentrum pilgert, kann es freilich schnell ein wenig eng werden. Das stört uns aber nicht. Die Pandemie ist beendet – das ist sie ja jedes Jahr wenn es warm wird. Fünf Grad bei strahlendem Sonnenschein sind grad recht, für einen Münchner, den es nach dem Winter nach draußen treibt. Wir rutschen einfach ein wenig zusammen und sehen die Aufkleber, die um den nötigen Abstand zwischen Stühlen und Tischen bitten, eh nicht, weil die unter Unmengen von Decken verschwinden. Decken, die von Wirten, Cafés und Bars hastig vom Speicher geholt und auf die unglaublich kalten Metallstühle geworfen wurden. Der Münchner sitzt seit heute nämlich wieder draußen und blinzelt unter der Mütze in die Sonne, während er in den behandschuhten Händen den ersten Aperol Spritz des Jahres trinkt. Den ersten unter freiem Himmel und mit einem leicht arroganten Grinsen auf den Lippen, wenn sich italienische Touristen in den Innenräumen der Bars aufwärmen. Keine Ahnung vom Frühling haben die, denkt sich der Münchner und dreht seinen Stuhl in die genau gleiche Richtung wie die restliche Stadt – mit dem Gesicht in Richtung Sonne. Sonst lohnt sich die zuvor neu gekaufte Sonnenbrille ja nicht. In der Innenstadt ist die so unverschämt teuer, dass man sie ab jetzt am besten gar nicht mehr absetzt. Warum auch? Es ist ja Frühling.

Das muss man sich freilich immer vor Augen halten, sonst spürt man die herannahende Blasenentzündung überdeutlich und fragt sich am Ende noch, wie man so blöd sein konnte, sich ein Getränk mit Eiswürfeln zu bestellen. Weg mit den Wintergedanken und ein paar Bilder nach Italien zu den Freuden geschickt. Schon so warm, fragen Sie und wir schwindeln – warm ist schließlich ein nicht genau definierter Begriff – so hemmungslos, dass uns vor Scham gleich ein bisschen wärmer wird. Aber schön ist er schon, der erste Frühlingstag. Leute schauen, das ist schön, nach all den Monaten die man drinnen verbracht hat. Und wichtig. Vor lauter Homeoffice weiß man sonst ja gar nicht mehr, was man im Moment so trägt. Schick, schick. Ich auch. Glaube ich zumindest, den in der Spiegelung der Schaufenster sehe ich mich bei den vielen Leuten natürlich nicht. Heut ist wirklich die ganze Stadt auf den Beinen. Schön ist das! Vielleicht nicht überall, aber in München ist es herrlich. Heut, am ersten Frühlingstag. So schön zu sehen, dass es uns alle noch gibt. Da darf man schon ein bisschen sentimental werden, beim zweiten Spritz, der schon nicht mehr ganz so kalt wie der erste ist. Der Kellner hat die Eiswürfel vergessen, was angesichts des Windes der um die Ecke pfeift auch völlig ok ist. Außerdem rennt er sich die Hacken ab, weil er nicht nur die Sitzenden, sondern auch all die am Rand stehenden bedienen muss. Es ist ja wirklich die ganze Stadt hier. Oder zumindest ein Großteil. Die Haidhauser sind wahrscheinlich in ihrem Viertel geblieben. Das ist so gentrifiziert und hat zugleich noch so hübsche alte Häuser, dass man den Berg eigentlich wirklich nicht runter muss. Und an der Isar werden wahrscheinlich auch recht viele sein. Aber der Rest, der ist hier und blinzelt in die Sonne. Selbst wenn er im Schatten sitzt. Das muss so sein. Wenn man den Frühling Anfang Februar einläutet, dann muss man sich ein bisschen selbst anschwindeln und einreden, dass es auch an der zugigen Ecken schon so warm, wie an den sonnigen und windgeschützten Hauswänden ist. Der durchschnittliche Münchner kann das gut.

Der Nachbarsjung, schiebt die Mütze nach oben, grinst mich an und sagt, dass ich spinne. Ich zucke mit den Schultern, schaue ob mein Schal noch richtig über seinen Schultern liegt und erkundige mich ob die heiße Schokolade und die warme Suppe gut sind. Er nickt und sieht nicht verfroren aus. Ein echter Münchner. Die spinnen alle sagt er und meint die ganze Stadt. Ja, sage ich. Endlich wieder. Pünktlich zum Frühlingsanfang.

Bitte nur mit Bademantel

Kennen Sie das verschmitzte Grinsen von Michel aus Lönneberger in der Fernsehverfilmung des Astrid Lindgreen Romans? Dann können Sie sich vorstellen, wie mein Vater gut vierzig Jahre später schmunzelte, als ich ihn fragte wo zum Henker wir hier eigentlich gelandet waren. Eine halbe Stunde zuvor beobachtete ich am Beckenrand stehend, wie mein Vater im Wasser einer Therme – halb treibend, halb schwimmend – von mehreren Frauen gleichzeitig langsam eingekesselt wurde. In dieser, eines Dokumentarfilms würdigen Szene, war mein Vater ein putziges, aber durchaus stattliches Tierchen, das sich, keiner Gefahr bewusst, genüsslich im Wasserloch räkelt, während sich die Hyänen langsam aber stetig von allen Seiten nähern. Am Beckenrand stehend hatte ich einen guten Überblick und beobachtet, leicht verstört das Jagdverhalten der Badegäste. Verstört, da sich in der Regel sich nur meine Mutter an meinen Vater heran pirscht und das meist weder raffiniert unauffällig, noch schleichend und schmeichelnd, sondern schlicht und einfach durch das Betreten eines Raumes ihrer gemeinsam genutzten Wohnung. Hier aber rotteten sich Frauen zusammen, bei denen sofort meine Alarmglocken schrillten. Weniger weil ich mir Sorgen um die Standhaftigkeit meines Vaters machte, sondern vielmehr weil ich Frauen, die solche Badekappen tragen, alles zutraue. Auch einen Kampf um Leben um Tod. Und genau das spielte sich in den Becken dieser Therme ab: Kämpfe. Die Weibchen balgen sich um die wenigen Männchen, die es geschafft hatten Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder zu überleben und jetzt noch ohne fremde Hilfe in die Becken steigen konnten. Viele waren es nicht Der Anteil an Männern dürfte in etwa so hoch wie in einem Hebammenlehrgang im vorherigen Jahrtausend gewesen sein. Meinen väterlichen Michel aus Lönneberga, im Wasserloch schien es nicht zu stören.

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Alles ganz normal

Laut der Studie einer Partnervermittlungsbörse, streiten sich Paare am häufigsten über herumliegende Kleidungsstücke, die Unordnung in der Küche oder die Lautstärke von TV und/oder Radio. Ich halte diese Studie für nicht sonderlich repräsentativ, da ich erstens selbst Teil eines Paares bin und mich über diese Dinge noch nie ernsthaft gestritten habe und zweites, in einem hellhörigen Mietshaus lebe und damit die Beziehungen von gut einer Handvoll anderer Paare unangenehm nah miterleben darf. Bei dem einen oder anderem würde ich mir wünschen, dass sie den Fernseher lauter drehen und es mir so ersparen ihre Konflikte fast wörtlich mitzuerleben. Vielleicht könnte man sich aber darauf einigen, dass es am Ende aber tatsächlich die banalen und alltäglichen Dinge sind, die eine Beziehung killen. Mein Freund und ich, wir sind ein sehr durchschnittliches Paar. Kreativ werden wir nur wenn wir uns streiten – genau gesagt bei den Gründen. Die sind weder banal, noch erscheinen sie in Statistiken. Ein Grund stolz zu sein, ist das vermutlich aber nicht. Stolz könnten wir allenfalls darauf sein, seit über einer dreiviertel Stunde über ein – für einen der Beteiligten sehr schmerzhaftes – Thema zu diskutieren ohne uns Türen knallend anzubrüllen. Das betreiben meine Nachbarn über mir nämlich zeitgleich und jedes Mal wenn oben eine Tür zugeschlagen wird und gleichzeitig „dann verpiss dich doch“ geplärrt wird, fühlen wir uns sofort etwas besser. Kultivierter – wir brüllen nicht. Wir streiten ja nicht mal richtig. Wir diskutieren.

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Saustall

Ob das noch passt, steht im Betreff und in der Mail ein paar Sätze, die ich in- und auswendig kenne. Klar, passt, tippe ich ohne sie wirklich zu lesen und drücke auf senden. Ich bin ich – noch immer und meine Vita hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert, schreibe ich einer Buchhändlerin, die sich – angesichts der Pandemie – ungewöhnlich hartnäckig nach Autoren erkundigt. Ich tippe es salopp und schnell, weil wir uns seit langem kennen, duzen und ab und an auf einen Kaffee treffen. Kurz darauf ruft sie mich an. Im Ernst, beginnt sie, bitte eine Vita und nicht zwei belanglose Sätze. Und – weil wir uns seit langem kennen – google dich bitte mal selbst, das ist ein einziger Saustall. Mein Stirnrunzeln äußert sich telefonisch durch ein undefinierbares, aber mit eindeutig hörbar beleidigtem Unterton, Atemgeräusch. Für google fühle ich mich nicht verantwortlich. Ich solle nicht google aufräumen, sondern meine Vita, wird erklärend hinterhergeschoben und die Ausrede, dass mich schließlich keine Sau kennt, wird ersatzlos gestrichen. Das würde zwar stimmen, aber wenn man ein so unverschämtes Glück hat, dennoch öffentlich lesen zu dürfen, dann bitte richtig. Neues Foto, neue Vita und aufräumen. Podcast rein, Blog raus. Was auch immer, aber so bitte nicht. Nach fünf Jahren sollte es doch möglich sein, etwas vernünftiges über sich selbst sagen zu können und seine eigenen Daten ein wenig zu pflegen. Danke und schönen Sonntag. Aufgelegt. Ja, danke auch und ebenfalls einen schönen Sonntag.

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Schande hoch 2

Der Mann an sich ist ein wunderbares Wesen. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, aber alles in allem, sind es doch herrliche Geschöpfe. Ich persönlich bevorzuge jene Exemplare, die deutlich größer als ich sind und gerne auch etwas mehr Kraft als ich selbst besitzen dürfen. Das mag oberflächlich klingen und es wahrscheinlich auch sein, aber ganz ehrlich….andernfalls, kann ich mich auch selbst um die Entsorgung meines Christbaums kümmern. Das ich das kann, steht außer frage und wurde hier in vielen Jahren dokumentiert. Dieses Jahr kann ich es nicht. Mein rechtes Handgelenk ist verknackst, tut weh und der Baum muss weg. Mein Nachbar Paul wird sich darum kümmern. Mein Nachbar Paul ist groß, stark und sehr lieb ist, schrieb ich ihm in einer SMS und erwähnte den Christbaum nicht. Dein Nachbar Paul ist groß, stark, lieb und nicht bescheuert, antwortete er und wusste genau, dass es um das grüne Nadelding geht. Mein Nachbar Paul und ich schreiben uns gerne SMS.

„Dein Nachbar Paul findet es traurig, dass du ihn für so simpel gestrickt hältst.“
„Mein Nachbar Paul sollte wissen, dass ich seine körperlichen Attribute durchaus zu schätzen weiß.“
„Dein Nachbar Paul fragt sich ob sich dieser – grenzwertige – Dialog noch um die Entsorgung des Baumes dreht.“
„Selbstverständlich!“



„Hast du das Ding in den Laubengang geschleppt, damit du mir leid tust?“
„Ja! Funktioniert es?“
„Nein.“
„Mist.“

….
….
„Mitz…im Ernst, was zum Henker machst du da?!?“
„Das kleine Beil von mir ist lose. Ich hab Judiths Hackmesser genommen. Geht fast genauso gut.“



„Scheint nicht zu gehen ;). Lass ihn liegen. Ich hol ihn später ab.“


„Danke. Und sorry – ich bin eine Schande für die Emanzipation!“


„Und ich für die Nachbarschaft 🙂 – siehe Foto.“


Falls Sie sich fragen ob dies das Endstadium der Entsorgung durch Paul war…ja.