Bewundernswert einfach

Jetzt wo die Temperaturen morgens nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt liegen, sind die Bänke an der Bushaltestelle zu kalt für Herrn Mu geworden. Seine alten Cordhosen sind ein wenig arg abgewetzt und damit er sich auf dem eisigen Metallgitter der Sitze nicht verkühlt, hat er seit Anfang des Monats ein Sitzkissen dabei. Auf dem lässt es sich aushalten und ich bin wahrscheinlich nicht die Einzige, die sich fragt, warum er zwar ein Sitzkissen, aber noch immer keine geschlossenen Schuhe trägt. Noch immer sind es die bequemen Sandalen des Sommers, nur dass seine Füße jetzt in dicken Wollsocken stecken. Wahrscheinlich beantwortet das auch die Frage…bequem sind sie und die Wollsocken halten warm. Ich lächle, wenn ich Herrn Mu morgens an der Bushaltestelle sitzen sehe und mein Tag beginnt gut, weil er zurück lächelt.  Weiterlesen

Bist du da?

Es war das Lachen meiner Freundin, dass mir zeigte, dass ich wieder zu Hause bin. Laut, eine kleine Spur zu grell, aber so herzhaft und warm, wie kein anderes, schallte es gestern Abend durch das Telefon und hieß mich willkommen. Sie wusste, wann mein Flieger landete und ahnte, dass mir der graue Nieselregen in München nicht gefallen würde. Ein kurzes Telefonat, verbunden mit dem Vorschlag ganz bald ein Glas Wein zusammen zu trinken, würde es mir bestimmt leichter machen, meinte sie und hatte recht. Wer mit einem so schönen Lachen empfangen wird, den kümmert das Wetter nicht mehr. Den Wein bräuchte es nicht. Eigentlich braucht es eh wenig, um sich zu Hause zu fühlen. Und doch gelingt es nur wenigen Menschen, dieses ganz besondere Gefühl zu vermitteln. Bei ihr ist es das Lachen, das mir – egal wo ich bin – vermittelt, einen Menschen an meiner Seite zu haben, mit dem ich durch dick und dünn gehe. Sie lachte schon so vieles weg. Manchmal unter Tränen, manchmal schimpfend. Irgendwann aber sprudelte immer dieses ganz besondere herzhafte Lachen hervor. Ich höre es und fühle mich zu Hause. Gestern war ich wieder zu Hause. Und das obwohl ich gerade erst von dort kam.  Weiterlesen

Gurkenhobel, Kernseife und Bücher

Wikipedia behauptet, dass ein Jahrmarkt mit Volksfestcharakter im südostdeutschen Raum häufig als Dult bezeichnet wird. Anders als das Oktoberfest, das böse Zungen als Volksfest der charakterlichen, moralischen und geschmacklichen Entgleisungen bezeichnen, ist die Auer Dult wohl wirklich noch ein Jahrmarkt. Und doch so viel mehr. Die Auer Dult ist eine Institution und gehört für mich so fest zum Bestandteil Münchner Lebens, wie der Viktualienmarkt oder der Englische Garten. Etwas ganz besonderes und zugleich etwas sehr alltägliches, das weit über eine Touristenattraktion hinaus reicht. Wir Münchner aus den Vierteln Au, Giesing und Haidhausen laufen uns drei Mal jährlich auf der Dult über den Weg. Auf der Maidult, die am Samstag vor dem 1. Mai beginnt und die den Frühling in der Stadt auf das Schönste begrüßt; auf der Jakobidult, wenn die Stadt unter der schweren hochsommerlichen Hitze stöhnt und ächzt und auf der Kirchweihdult im Oktober am Wochenende vor Kirchweih wo man jeden warmen Sonnentag noch einmal mit besonders tiefen und wohligen Atemzügen willkommen heißt. Wir Münchner aus den angrenzenden Vierteln, treffen uns in diesen dreimal jährlich stattfindenden neun Tagen immer. Wir müssen nichts ausmachen, um am Dultwochenende nicht alleine durch die Gassen zu schlendern – man trifft sich. Immer. Weiterlesen

Herzlichen Dank!

Herzlichen Dank an die wunderbaren Gäste gestern Abend. 

Schon das neunte Mal durfte ich im Rahmen der Südsehen-Lesereihe im schönen Münchner Valentinhaus lesen. 

Jedes Mal anders, aber immer ein Erlebnis. 

Auf bald,
Mitzi

Permanent schlecht gelauntes Miststück

Entgegen der E-Mail, die mich vor kurzem erreicht hat, bin ich kein „permanent schlecht gelauntes Miststück“ mit Hang zu „undurchschaubaren promiskuitiven Beziehungen“. Wobei ich ganz formell darum bitten möchte, den letzten Satzteil verwenden zu dürfen, wenn ich mich jemals bei Tinder anmelden sollte. Vielleicht auch den ersten, das würde mir Nachfragen jeglicher Art ersparen und ich müsste gar nicht erst versuchen ein solches arrangiertes Beischlaf-Event der Höflichkeit halber als etwas anderes zu bezeichnen. Ok, vielleicht bin ich jetzt gerade wirklich etwas schlecht gelaunt. Jetzt. Nicht permanent. Jetzt etwas mehr, weil mich jemand der mich nicht kennt, als Miststück bezeichnet. Das dürfen nur Freunde und Familienmitglieder. Die wissen warum und denen kann ich ab und an nicht widersprechen. Die sind aber auch aus Bayern und in Bayern ist ein Miststück kein schlechter Mensch, sondern nur einer, der sich zum Beispiel aus Versehen, das letzte Stück Erdbeerkuchen genommen hat und der mit vollem Mund nicht fragen konnte ob vielleicht sonst noch jemand Milch in den Kaffee will, bevor man am Sonntag den letzten Rest in die eigene Tasse kippt. Da sagt der Bayer schon mal Miststück. Also meine Freunde zu mir. Manchmal. Aber in einer E-Mail, in der man sich darüber beschwert, dass ich permanent schlecht gelaunt bin, da möchte ich schon gerne als Mitzi angesprochen werden. Meinetwegen auch als Frau Irsaj oder „hey du“, aber eben nicht als Miststück. Weiterlesen