Gedankenleser gesucht

Nie würde ich mir von einem Mann den Mund verbieten lassen. Völlig ausgeschlossen, dass ich es tolerieren oder akzeptieren würde, dass mich ein Mann bittet den Mund zu halten. Trotzdem, und das ist erstaunlich, bin ich in vielen Momenten sehr, sehr froh wenn mir einer, und nur dieser eine, mit einem Blick signalisiert dass ich genau das bitte tun soll. Den Mund halten.

Würde ich die obigen Sätze nicht für Sie aufschreiben, sondern im Kreis meiner engsten Freunde laut aussprechen, dann würden sich drei Männer ansehen und sich fragen, bei wem bitte, ich schon jemals aufgrund eines Blickes verstummt wäre. Nicht bei ihnen, da wären sie sich sicher. Ganz im Gegenteil, wenn man gerade hofft, dass ich nichts mehr sagen werde und sich entspannt zurück lehnt, dann schieße ich gerne noch einmal nach und man kann sich sicher sein, dass Menschen die mich nicht kennen, spätestens dann davon überzeugt sind, eine komplette Idiotin vor sich sitzen zu haben. Meine engsten Freunde, befinden sie sich in einem Raum, beginnen dann gerne Anekdoten von mir zu erzählen. Die sind für alle, außer für mich, auch lustig. Besonders lustig, weil Bekannte und weniger enge Freunde, nicht wirklich ernst nehmen, was sie hören und deshalb hemmungslos lachen. Man hat mir geraten, das besser nicht richtig zu stellen und einfach mit zu lachen. Weiterlesen

Danke

Wenn Sie wüssten, wie oft ich heute schon eine Erzählung über die gestrige Lesung begonnen habe…. Vier mal bestimmt. Es wird einfach nichts. Es gelingt mir nicht humorvoll darüber zu berichten, dass just in dem Moment, in dem ich zu lesen begann ein Handy klingelt. Nicht ein Handy, sondern meines. Dabei könnte man da was draus machen. Eine bessere Steilvorlage um über eine Lesung zu berichten ist schwer zu finden.

Es soll nicht sein. Ich belasse es bei einem DANKE.

DANKE, Papa, für das auswechseln der Glühbirnen und dem heimlichen Austauschen des von mir gekauften Weines – der Deine war eindeutig besser ;). Und danke Mama fürs Flaschen und Stühle schleppen.

DANKE, für das Lachen und den Applaus.

DANKE, an meine Nichte und meinen Neffen, die 90 Minuten auf einem Fensterbrett saßen und sich die Waden von einem Heizkörper verbrennen ließen.

DANKE, an alle die hinten standen und ohne Stuhl durchgehalten haben.

DANKE, an alle die ihre Gläser selbst gespült und weitergereicht haben, weil sie uns längst ausgegangen waren.

DANKE, für die Umarmungen meiner Freunde, deren reservierte Plätze im Chaos vor Beginn verschwunden waren und die ich im Trubel kaum begrüßt hatte.

DANKE, das Publikum, das weit mehr als ich den Überblick behielt und lachend selbst die restliche Bestuhlung des Raumes übernommen hatte.

DANKE, an „Uwe, mit den Winterreifen & Co“ – mit das schönste an diesem Abend, vier Menschen kennen zu lernen, die mich schon ein bisschen kannten und die Grenzen von virtuellem zu realem verschwinden ließen. Es tut mir so leid, Euch nicht mehr gefragt zu haben. In all dem Trubel hätte ich das gerne gemacht und ich war froh, dass Ihr so früh schon da gewesen seid. Es war wirklich schön Euch kennen zu lernen! Vielleicht bis nächstes Mal, ich würde mich sehr freuen.

DANKE, an Robert und das Theater Südsehen. Ich freue mich noch immer bei jeder Lesung über das Glück Euch kennen gelernt zu haben. Längst nicht mehr nur wegen der Möglichkeit auftreten zu können, sondern weil es einfach schön ist mit Euch. Ein dickes Bussi!

DANKE, Michi. Es ist ja keine Selbstverständlichkeit die Zustimmung zu einem Buch zu geben in dem man vorkommt und das man selbst noch nicht gelesen hat.  

Und DANKE an meine Kollegen, die mir den Urlaubstag heute ermöglich haben.

Es war ein wirklich toller Abend! Herzlichen Dank.

 

Fremder Alltag

Blöd ist er nicht, der, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht. Auch nicht schwer von Begriff. Er versteht sofort, was ich meine als ich ihm kurz nach Mitternacht eine SMS schreibe: „Hey, ich schnuppere gerade in deinen Alltag hinein.“ Warum ich in einer Klinik sei, will er wissen und ich schicke ihm ein Foto des hübschen Nachthemds, das ich tragen muss und das nicht mir gehört. Und das Wort „Idiot“, weil ich seinen Alltag in meinem nicht wirklich brauchen kann. Nicht diesen Alltag. Nicht den, der nach Desinfektionsmittel, Latex und Erbrochenen riecht. Vielleicht bin auch nur ich es, die gerade so riecht und der Rest des Krankenhauses duftet fein nach den Menschen die darin arbeiten. So wie er, zum Beispiel. Und, fragt er mich und ich schreibe ihm, dass es seltsam ist so plötzlich im Alltag eines anderen aufzuwachen. Er ist so anders als der meine. Tippen geht also noch, antwortet er mir und fügt einen Smiley, der die Augen verdreht, bei. Ja, schreibe ich und konzentriere mich wieder auf die vielen Geräusche vor der Türe. Ob hier alle Schuhe mit quietschenden Sohlen tragen, frage ich mich und ihn, ob das in einem Krankenhaus Einstellungsvoraussetzung ist. Sie kriegen den Job, aber nur, wenn ihre Sohlen ordentlich laut quietschen. Quietschen deine Sohlen, frage ich ihn und weiß, dass er beim Lesen nicht lächelt sondern die Augen verdreht, weil ich ihm noch immer nicht gesagt habe, warum ich in seinem Alltag herumliege. Weiterlesen

Winterproblem

Jedes Jahr, wenn der warme, goldene Herbst, zum grauen, kalten Herbst wird, bin ich heilfroh, kein Auto zu besitzen. Gestresste Kollegen, die verzweifelt versuchen, beim ersten Schneefall auf die Schnelle einen Werkstatttermin zum Reifenwechseln zu bekommen, schaue ich mitleidig an. Auch jene, die es versäumt haben, sich für den Winter einen Tiefgaragenstellplatz zu besorgen, dürfen sich bei mir im Büro ausweinen. Gerne schenke ich beruhigenden Kamillentee aus und stelle denen, die morgens die Windschutzscheibe abkratzen mussten, Handcreme auf den Schreibtisch. Bei all der Jammerei bin ich sehr geduldig und habe ein offenes Ohr. Der Winter kommt, wie jedes Jahr überraschend. Man könnte meinen, dass man in Bayern im Laufe der Jahre ein Gefühl dafür bekommen hätte, dass er meistens direkt nach dem Herbst kommt, stellt aber fest, dass Frost und Schnee einen immer wieder aufs Neue überraschen. Nicht auszudenken, wenn man sich auf die Kälte zu früh vorbereitet und dann wie ein Depp mit Handschuhen morgens vor einem Auto mit Winterreifen stehen würde. So weit lassen wir es nicht kommen. Die Bayern stehen am ersten richtig kalten Tag grundsätzlich mit leichter Jacke vor ihrem Auto und fragen sich wie der Winter so schnell, fast über Nacht, kommen konnte. Und dann, erst dann, kümmert man sich um Werkstatttermine und Tiefgaragenstellplätze. Oder, wie meine Nachbarn und ich, um Balkon und Heizung. Weiterlesen

Tram G´schicht – need vo mir

Wissn`S, Geschichten erzählen, ist eine Kunst. Eine seltene Kunst und eine noch viel größere sie in Mundart zu verfassen. Ich kann´s nicht. Aber AWTchen, der kann es. Und weil seine G´schichten zu schön sind, als das sie nur in einer Kommentarspalte stehen hab ich sie für Sie da raus geholt.

Ich hoff ich darf das. Weil´s ja eh schon drin steht, werd er nix dagegen haben. Hoff ich.

Schaun`S, die Verspätungen des Münchner Nahverkehrs sind doch begründet. A Lebakaas is schuld.

Griaß di, Mitzi!

Du, zuafällig hood ma d’Moosederin gestan auf da Treppn vazoid,
dass‘ letzte Wocha beim Viktualienmarkt Katoffen und Würschtl
einkafd hood und mied da Trambahn wieda hoamfahn woit.
Danna kimmt de ned und kimmt ned. De andern Leid hom scho
grantig gschaugt und gweddad, weil de sonst imma kimmt.
A kloana frecha Bua hods dann a no an Orsch einezwickt.
„De Kinda san a so vazoong. Friaha häda a gscheide Waatschn
von da Muada griagt, aba de hod bloß ins Häändi gschaugt“,
hoods gsagt. Auf jädn Foi is de Tram einfach ned kema und
biesln häds a miassn. Danna hood a no a so debbada Dackl oiwei
an ihra Taschn rummagschnuppad, weila d’Würschtl g’rocha hood.
Schpäda is danna rauskemma, daass ajämand an herrnlosn
Rucksoogg in da Tram mitm Häandi da Bolizei gmeid hood und
desweng danna de Tram fast a hoibe Schtund gschtanna is.
Im Rucksoogg homs koa Bombm gfunna, aba zwoa Lebakaassemmen
und an Schpäze. „A so a Gschiess wega an Lebakaas! Greizgruzefünfal!“,
hod ma d’Moosederin no naufplärrt, wias schon fast untn im Kella war.

Wos ois so gibt in dera Woid, Mitzi..;-)

Dank da recht herzlich für die G´schicht. Sogst da Moosederin, des Gschiess werd no schlimmer. Wenn´s ned a Bombmdrohung is, dann is boid wiada da Schnee, der Schuld is das nix fahrt.

 

Ran an den Speck U-Bahn Gedanken

Wir sind zu fett. Sie vielleicht nicht, aber die Deutschen in ihrer Gesamtheit. Wir sind zu mopsig und das ist ein Problem. Eines, das Politik und Krankenkassen seit Jahren in den Griff zu bekommen versuchen. Erfolglos, wenn ich mir die Hinterteile meiner Sitznachbarn im Bus so anschaue. Kein Wunder also, dass man sich prominente Unterstützung sucht. Nachdem Heidi Klum kläglich versagte und ihr Engagement nur zu Frustessen oder Suzidversuchen minderjähriger Mädchen führte, versucht man es nun mit einem etwas seriöseren Partner und hat die Deutschen Bahn auf den Speck der Bürger ansetzt. Die kennen sich mit schweren Fällen aus und haben versprochen künftig Gitter an den Gleisen anzubringen und so pünktlich zu sein, dass Fressattacken aus Langeweile der Vergangenheit angehören. Ein erster Feldversuch wird seit Freitag am Münchner S-Bahnhof Harras durchgeführt. Weiterlesen

Sie rennt

Sie läuft. Die etwa vierzig jährige Frau in der U-Bahn läuft davon. Obwohl sie sich langsam und keineswegs hektisch durch die dicht an dicht stehenden Körper schiebt, rennt sie davon. In einer vollbesetzten U-Bahn ist es schwer davon zu laufen. Diese Frau kann es. Sie ist geübt darin. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen bahnt sie sich zielstrebige ihren Weg und wirkt dabei nicht unfreundlich. Sie muss sich durch die Menschen schieben um zur Tür zu kommen. Das ist leichter, wenn man lächelt. Dann beachtet einen niemanden und sie läuft nicht Gefahr, dass einer sie zu lange ansieht. Blickkontakt mag sie nicht, das sieht man, denn sie vermeidet ihn eine Spur zu bedacht.
Würde man dieser Frau nur für fünf Sekunden die Hand auf den Unterarm legen, sie würde zusammen brechen. Ein Mensch, der sich so sehr konzentriert gerade zu stehen, der hat kein Rückrad mehr. Weiterlesen