Mehr als Dinge – Artenschutz II

Manchmal passiert es, dass man eine Erzählung schreibt und merkt, dass etwas ganz ähnlich bereits geschrieben wurde.

Wurde es dann so schön geschrieben und mit so bezaubernden Fotos ergänzt, dann muss man es unbedingt teilen. Nicht zuletzt, weil es einem aus dem Herzen spricht.

Liebe Clara, vielen Dank für den Adoptivhund in der Waschmaschine.

Ganz oft liegen uns Dinge am Herzen, wenn sie mit einer besonderen Geschichte zu uns gekommen sind.

Artenschutz im Müllhäuschen

Man kann von meinem Nachbarn Paul halten was man will, mangelnde Hilfsbereitschaft kann man ihm nicht vorwerfen. Er gehört zu jenen Nachbarn, die man gerne um Unterstützung bietet. Neben seiner oft überraschenden Warmherzigkeit liegt das in erster Linie an seinen körperlichen Voraussetzungen. Frau Eder aus dem Hinterhaus zum Beispiel, fängt ihn einmal im Jahr vor dem Supermarkt ab und klagt über das dreckige Glas ihres Badfensters. Obwohl er das Gesicht verzieht, steht Paul dann einige Tage später in Frau Eders Badewanne und säubert die winzige Fensterlucke, die man nur erreicht, wenn man mindestens 1,85 m groß ist. Unser Hausmeister läutet grundsätzlich bei Paul, wenn es darum geht eine Leiter fest zu halten, weil er sich bei Paul darauf verlassen kann, dass dieser kräftig genug ist, eine wackelnde Leiter auch wirklich fest zu halten. Paul verzieht das Gesicht, wenn er darum gebeten wird, aber er tut es. Besonders seit er vor zwei Jahren mit ansehen musste, wie Herr Iwanow die Leiter unseres Hausmeisters hielt. Mit nur einer Hand und sich nebenbei eine seiner stinkenden Zigarren anzündend. Eigentlich lehnte Herr Iwanow gemütlich an der Leiter auf der unser Hausmeister stand. Und auch ich nehme Pauls Hilfe gern in Anspruch. In meinem Fall immer dann, wenn es um Dinge geht, bei denen der Helfende recht ins Schwitzen kommt. Denn, ganz ehrlich, wenn man schon einen schwitzenden und keuchenden Kerl in seiner Wohnung hat, zu dem man keine erotische Beziehung pflegt, dann sollte es doch wenigstens ein halbwegs attraktives Exemplar sein. Natürlich sage ich ihm das nicht. Seine Attraktivität würde durch das blöde Grinsen, das diese Information auslösen würde, zunichte gemacht werden. Weiterlesen

Ein VW Pritschenwagen T3 in Orange

Es war ein VW Pritschenwagen T3 in Orange, sage ich und einer meiner ältesten Freunde sieht mich irritiert an. Ein Blick der nicht nötig ist, denn er könnte wissen, dass es nur ein T3 gewesen sein konnte. Der wurde von 1979 bis 1992 produziert, also genau in den Jahren als wir auf ihm spielten. Das Vorgängermodel aus dem Jahr 1968 konnte es nicht sein – das sah man sofort und der völlig neu konstruierte Nachfolger kam erst 1990 auf den Markt und damit zu spät. Kein Grund mich misstrauisch anzusehen. Selbst wenn ich von Autos keine Ahnung habe, weiß ich, dass es ein VW Pritschenwagen T3 in Orange war. Und außerdem weiß ich, dass er mir noch 3,84 Mark schuldet, die ich ihm kurz vor seinem elften Geburtstag geliehen habe und die er mir nie zurück gegeben hat. Die 1,96 Euro hätte ich gerne wieder. Nicht weil ich sie brauche, sondern einfach nur so, damit keine alten Schulden zwischen uns stehen. Weiterlesen

Gefundene Sätze #45

Noch einmal in Mundart, bevor es ab morgen wieder ins Hochdeutsche geht.

„Mei Ruah will i haben! I brauch koan Burschn zum Fensterln. Wer si net zur Tür neitraut, soll ganz weg bleiben.“
„Meine Ruhe möchte ich haben! Ich brauch keinen Kerl, zum Fensterln. Wer sich nicht zur Tür rein traut, soll ganz weg bleiben.“

Lena Christ (1881-1920) Bayerische Schriftstellerin. Eine meiner Liebsten. Ich lege sie Ihnen ans Herz.

Auch weil man diese wenigen Sätze sehr gut auch heute noch sagen kann. Auch wenn keiner mehr auf der Leiter vor dem Fenster steht. Das ist heute zu gefährlich. Nicht nur, weil die Häuser höher sind, sondern auch, weil aufmerksame Nachbarn viel zu schnell die Polizei rufen. Fensterln wird kaum noch einer. Dafür werben wir heute auf andere, ähnlich umständliche und teilweise auch blöde Art und Weise, wo der direkte Weg doch um einiges unkomplizierter und zielführender währe. Und weil wir nichts dazu lernen, ruft man auch heute noch manchmal gerne: „Ach, lass ma doch mei Ruah!“

Sie müssen mir nicht meine Ruhe lassen. Im Gegenteil. Klopfen Sie ruhig an mein Fenster. Nur aufmachen kann ich heute nicht. Ich nehm mir ein Buch von Lena Christ und werden den restlichen Abend erst in der Wanne und dann im Bett liegen.

 

I ko´s ned.

I ko ned auf boarisch schreim. Zum Glück ko´s mei Mama a ned. Des is da Beweis für mi, das des ned an meim, von da Schui verhunzten, Boarisch liegt, sondan das ma´s einfach ned g´wond san. Mia ham ja nia auf boarisch g´schriem, wo ma´s schreim g´lernt ham. Und SMS oder Whats App hamma mia als Kinda ja no gar ned kend. Und drum ko i des a ned. I woas ja ned amoi ob des  a wirkle „ham“ hoast, wei´s g´schriem so deppad ausschaugt. I hob – des scho. Aber mia ham? Je länga i des oschaug umso weniger woas i wia i´s überhaupt sog. Weiterlesen

Sicher ist sicher

Es geht nicht, sagt er und steht wie so oft vor dem Fenster, vor dem es im noch grauen März nichts zu sehen gibt. Es geht nicht, wiederholt sein Rücken und ich warte bis er mir sagt, was nicht zu gehen er glaubt. Mit jemandem wie mir, könne er nicht für den Rest seines Lebens den ersten Kaffee des Tages trinken. Es sei ihm unmöglich das Leben mit jemanden zu teilen, der den ersten Kaffee des Morgens auf diese Art und Weise trinkt, murmeln seine Schultern bevor er sich umdreht und mir die Zuckerdose aus der Hand nimmt. Erst kommt der Zucker in die Tasse, mit dem sauberen Löffel, dann schüttet man den Kaffee darauf. Das sei doch nicht so schwer. Seinetwegen könne der saubere Löffel den Zucker auch in den Kaffee kippen, das sei ihm egal. Er könne es aber nicht mit ansehen, wie ich den schwarzen, noch ungesüßten Kaffee umrühre und dann den beschmutzten, vor Kaffee triefenden Löffel in die Zuckerdose tauche um mir zwei randvolle Teelöffel in die Tasse zu kippen. Ich erspare es uns, ihm zu erklären, dass der Zucker meiner Dose durch diese Technik ein besonderes Aroma hat und nicke verständnisvoll. Ja, ein solches Verhalten sei schrecklich. An so etwas würden Ehen zugrunde gehen und wir könnten uns glücklich schätzen, nicht verheiratet zu sein. Ich mag die Falte, die zwischen seinen Augenbrauen erscheint und sage es ihm. Er will es nicht hören und erklärt mir weiter, dass er es als besonders provokant empfindet, dass ich zwischen dem ersten und zweiten Tauchen des Löffels den Kaffee – völlig sinnbefreit – umrühren würde. Als wäre es nicht dämlich genug ungesüßten Kaffee umzurühren, rühre ich ein zweites Mal so sinnlos. Dieses Zwischenrühren würde ihm besonders auf die Nerven gehen. Seit Jahren. Eine Ehe könne er aus diesem Grund ausschließen. Man tritt nicht vor den Altar, wenn man weiß, sich so etwas jeden Morgen mitansehen zu müssen. Weiterlesen

Glückstag

Es gibt schöne Tage und schlechte Tage.
Auch 0815 Tage.
Und viel zu viele Montage.
Es gibt aber auch Glückstage. Tage an denen man sich freut, beim Impressum nicht geschummelt und eine Adresse hinterlegt zu haben, zu deren Briefkasten man auch Zugang hat. Tage an denen man den Besitzer des Briefkastens nicht beruhigen muss. Nicht erklären muss, dass der dämliche Anwalt, der die Bildrechte anmahnt zu vernachlässigen ist, weil man die eigenen Tulpen mit der eigenen Handschrift fotografiert hat.
Tage an denen man ganz unerwartet ein Kuvert öffnet und ein halbes Duzend herrlicher Bleistifte in der Hand hat. Verschiedene Härtegrade und Ausführungen vor sich findet und begeistert einen lieben Brief liest.

Der Blog ist gerettet – dank Bernd kann ich weiter schreiben. Herzlichen Dank!!! Sie gleiten weich und ohne zu kratzen über das Papier.

Und weil sich an Glückstagen das Glück zu verdoppeln scheint, fand ich eben im Supermarkt noch das hier:

Ist es zu fassen? Zwischen all den Schokoladentechnisch unbrauchbaren Osterhasen, steht tapfer und etwas einsam ein Schokoweihnachtsmann meiner Lieblingssorte. Ich habe ihn gerettet.

Fast…um ehrlich zu sein, habe ich ihn gekillt.