U-Bahn Gedanken in Kategorien

 „Halten Sie Abstand zu anderen Fahrgästen“ bittet der Münchner Nahverkehr und spricht das aus, was sich die meisten Fahrgäste auch schon vor Corona täglich dachten. Kaum einer wird sich die strikten Ausgangsbeschränkungen zurück wünschen, aber wenn man die Pendler fragt, dann würden sie beim Gedanken an Bus und U-Bahn zu Corona Zeiten vermutlich verklärt lächeln. Es war schon schön…so leer. Ok, eigentlich war es gruselig, aber zurück schauend erinnert man sich meistens nur an das schöne. Beim MVG an die Leere. Damit ist es jetzt wieder vorbei und die Anweisung, doch bitte Abstand zu halten ist schlicht unmöglich. In Bus und Bahn herrscht wieder Normalität. Sie sind wieder da. Alle. 

Kategorie 1 – der Durchschnitts-Depp Weiterlesen

Corona Home Office XXIV – Nachschlag (ein schöner)

Vor etwa vier Wochen erhielt ich eine E-Mail von Oliver Pötzsch. Ob ich Zeit habe kurz zu telefonieren. Er hätte da eine Frage. Erst mal ganz theoretisch.

28 Tage später ist aus der theoretischen Frage ein Buch geworden. „Auf den Spuren der Henkerstochter“ ein persönlicher Reiseführer zu den Schauplätzen der Romane von Oliver Pötzsch erscheint Mitte Juli im Hirschkäfer Verlag. Weiterlesen

Herr Mu ist Fritz

Herr Mu, der nicht Herr Mu ist, heißt jetzt Fritz. Obwohl ich mir sicher bin, dass er nicht wirklich Fritz heißt, passt der Name zu ihm. Zu Herrn Mu passen viele Namen und sie alle wurden ihm von Menschen gegeben, die ihn zufällig trafen, während sie auf den Bus warteten. Dort sitzt Herr Mu an vielen Tagen und wartet. Auf vieles, nur meistens nicht auf den Bus. Wenn ich ihn treffe, dann wartet er darauf, dass um sieben Uhr der Supermarkt öffnet. Geduldig raucht er eine Zigarette auf der Bank des Bushäuschens und lässt sich überraschen, mit wem er ins Gespräch kommen wird. Mit mir fast immer. Herr Mu und ich kennen uns nun schon einige Jahre und weil es sich noch nie ergeben hat, dass wir uns mit Namen vorstellten, gaben wir uns der Einfachheit selbst welche. Ich taufte ihn Herrn Mu, weil er so oft von der Muschi, seiner Katze erzählte. Er nennt mich, Mädchen, Madl oder manchmal auch sein junges, hübsches und hochgeschätztes Fräulein aus der Nachbarschaft. Dann grinst er charmant und verschmitzt und ich will ihm gar nicht sagen, dass ich die Mitzi bin. Wenn man über 40 ist, dann ist es schön, wenn einen noch einer ein Mädchen nennt. Die Frau die seit dem Spätherbst immer öfter neben ihm  auf der Bank sitzt, nennt Herrn Mu Fritz. Einige Wochen lang dachte ich, dass er wirklich so heißt. Bis er mir einmal, als ich gerade in den Bus stieg, zuzwinkerte und ich genauer hinzuhören begann. Weiterlesen

Nur der Mai II

Schön nicht war? Eine kurze Blog Postkarte. Wer so viel von Sehnsucht und Italien schreibt wie ich, der sollte ruhig ab und zu zeigen, dass es sich um Jammern auf hohem Niveau handelt. Bayer ist schon herrlich. Und auch nicht überlaufen, wenn man einfach einmal eher abbiegt. Hier war ich auch 2000 Atemzüge lang. Schöne Atemzüge!

Nur der Mai

Schönen Urlaub, wünschen die Kollegen Montagmorgen im Firmenchat und erinnern mich daran, dass ich meinen Rechner gleich wieder runter fahren kann. Urlaub, ja richtig, da war was. Ich habe Urlaub. Muss ihn genommen haben, als noch dachte wegfahren zu können und habe ihn in den letzten Wochen komplett vergessen. Eine Antwort an mein Team: Danke, ihr könnt euch vorstellen, wie nötig ich eine Woche zu Hause in den eigenen vier Wänden und der näheren Umgebung habe – da war ich in den letzten Monaten viel zu selten. Schief grinsender Smiley und ein letzter Gruß, bevor ich das Notebook runter fahre und in den Schrank stelle. Urlaub also. Unschlüssig stehe ich  um sieben Uhr morgens auf dem Balkon und nippe am Milchkaffee. Einzelne Margeriten sind verblüht und gehören abgezupft. Die Tomaten müssen nach oben gebunden werden. Aber sonst….nein, hier gibt es nichts zu tun. Im Schlafzimmer auch nicht und im Flur war noch nie etwas zu tun gewesen. Aber der Kaffee schmeckt gut. Auch noch in der Küche, wo ich vor dem Fenster stehe und mir die Balkone im Hinterhof ansehe. Pauls Sonnenschirm ist in der Nacht umgekippt. Sonst hat sich seit gestern nicht viel verändert. Meine Nachbarin geht am Fenster vorbei und hält eine Tüte vom Bäcker nach oben. Ich antworte mit einem nach oben gestreckten Daumen. Ja, ein Croissant wäre heute tatsächlich nett. Das gibt es sonst nicht, aber ich habe ja Urlaub. Weiterlesen

Wurfsendung und Weinschorle

Den besten meiner Freunde erkenne ich immer. In rauchgeschwängerten, dampfigen und unübersichtlichen Clubs; mitten in einem Rapsfeld stehend; im Fasching mit eine tief ins Gesicht gezogenen Hutkrempe und am Marienplatz zwischen tausenden von Touristen. Selbst wenn er gestern nicht alleine vor dem Kino am Sendlinger Tor gestanden wäre, hätte ich ihn trotz Sonnenbrille und Mundschutz erkannt. Seine 193 Zentimeter sind mir vertraut und es braucht mehr als zehn Corona-Wochen um sich fremd zu werden. Am 15. März lag er auf meinem Sofa als ich spät abends eine E-Mail las, die von Kollegen zu Kollegen geschickt wurde und deren Inhalt uns an diesem Sonntag vor zehn Wochen noch erstaunte. Der beste meiner Freunde lümmelte neben mir, als wir überraschend und sehr konsequent ins Home Office geschickt wurden. Passend und stimmig, dass ich die erste Weinschorle „draußen“ mit ihm trinke. In den vergangenen 25 Jahren haben wir uns schon öfter zehn Wochen lang nicht gesehen. Das Leben kam dazwischen, das kann passieren. Dass wir uns zwei Monate lang nicht sehen konnten und durften, war neu. Neu auch, dass wir uns zur Begrüßung nicht umarmten. Auch wenn es bei ihm und mir vermutlich ungefährlich ist. Meine Wange (mit Sommerflachen Schuhen) wäre bei ihm gerade mal auf Brusthöhe und wenn man kurz die Luft anhält, dann…..wir haben es gelassen.  Weiterlesen

Randnotiz – München lächelt

Selbst wenn man gerade bis zur Nasenspitze in Arbeit steckt und alles nach hinten schiebt – Vatertag ist Vatertag. 

Von dem unseren hab ich für Sie zwei Postkarten aus München. Aufgenommen vor wenigen Stunden. Durch diese Straßen schieben sich normalerweise Unmengen von Touristen und der Hauch der Jahrhunderte geht im Trubel unter. Heute nicht. Heute schläft mein München noch. Obwohl…nein, es ist wach und lächelt. Lächelt die Münchener an und lädt sie ein, durch seine Straßen zu schlendern. Mit Abstand können wir wieder draußen sitzen und wir tun es. So viel Platz nur für uns. Gleich hinter der Frauenkirche ein freier Platz am schönsten und sonnigsten Tisch. Auch am Jakobsplatz viele freie Tische und sogar auf der Terrasse vom Rischart am Viktualienmarkt. Nichts kann die Schönheit dieser Stadt zerstören. Ein Virus schon gleich gar nicht. Ruhig angehen lassen, flüstert mein München und sagt mit einem Augenzwinkern, dass es so unter uns doch auch mal schön ist. Erinnert lachend daran, dass wir uns das doch immer mal gewünscht haben – einmal die Stadt ein bisschen leerer und ruhiger. Bitte sehr – dieser Vatertag gehört euch. 

Die anderen Städte sehen das vermutlich ähnlich. Bald besuchen wir uns wieder. Aber heute, heute bleiben wir noch daheim und genießen. Genießen und geben viel Trinkgeld für die, denen die leere Stadt im Magen liegt. Trotzdem lächeln auch sie. An einem so schönen Tag muss man das einfach. 

 

Schade ist es schon

Ich würde Ihnen so gerne erzählen, was ich gerade mache. Machen darf. Aber es könnte sein, dass ich noch nicht darf. Also, man hat mir nicht direkt gesagt, dass ich nicht darf, aber das ist eigentlich auch nicht nötig. Manchmal möcht ja der, der was macht, es selber erzählen und findet es gar nicht schön, wenn aus der zweiten Reihe schon einer – eine, also ich – wild mit dem Finger schnippst und plärrt, dass sie was zu erzählen hat. Ich versteh es, aber schade ist es schon. Weil´s grad so gut passen würde. Und damit Sie es auch schade finden, erzähle ich Ihnen, dass es gerade wirklich schade ist. 

Ich muss es auch Ihnen erzählen, weil ein anderer es nicht mehr hören will. Auch der weiß von nix, weil ich – wenn ich schon nix sagen will, lieber gar nix sag und mich still freue. Also nicht ganz still. Ich erzähl dem, der jetzt wieder mit einer Flasche Wein vorbei kommen darf einiges. Nur interessiert ihn das nicht. Er will, dass ich, wenn ich schon nix sag, auch wirklich nix sag. Also ganz still bin. Freuen darf ich mich aber, sagt er. Nur ein bisschen stiller, wäre nett. Auch das ist schade. Er könnte sich ruhig ein bisschen mehr freuen, dass ich jetzt wieder weiß (ohne nachzuschlagen) wann genau der Dreißigjährige Krieg war. Sparen Sie sich den Witz mit „wie lange er dauerte“. Das wusste ich schon vorher. Er könnte auch etwas mehr Interesse an den Öffnungszeiten des Schlosses Hohenschwangau zeigen. Da er das nicht tut, setze ich auf Sie. 

Damit dieser zugegeben etwas wirre (weil ich noch nix erzählen darf) Artikel für Sie wenigstens einen kleinen Mehrwert hat…Das Schloss ist täglich von 7.30 – 17.00 Uhr geöffnet (von Januar bis April von 8.30 – 15.30 Uhr). Die Jahreszahlen des Dreißigjährigen Krieges wissen Sie sicher selbst. 

 

Randnotiz

Wenn Sie einem Autoren (mehrfach) versichern, dass die letzten seiner acht Bücher eine Breite von 13 cm haben. Der sich irgendwann erkundigt welche Spezialausgabe man denn da bitte im Regal stehen hätte und Sie dann feststellen, dass 7+5 schon immer 12 und noch nie 13 war.

Verdammtes Geodreieck!

Mama sagt nein – nix neues von der Klofrau in Nizza, aber ich arbeite daran.

Meine Mutter hat mir explizit verboten über sie zu schreiben. Sie hätte ich rauszulassen und sie würde ganz sicher nicht zum Thema irgendeiner meiner Erzählungen werden. Keine Bitte, eine Feststellung. Mein Vater hat das nicht. Vermutlich weil er lange Zeit von der Existenz meiner Homepage nichts mitbekam und es schlicht und einfach versäumt hatte, auf seine Persönlichkeitsrechte zu pochen. So wie meine Nachbarn, meine Bekannten und meine Freunde auch. Jetzt ist es zu spät und meine Mutter kann sich über ihre Weitsicht freuen. Von ihr findet sich nichts im Internet. Ok, sie hat sich vor Jahren versehentlich (fragen Sie nicht) bei Facebook angemeldet, aber auch dort kann man nichts über sie finden. Ihre Privatsphäre ist ihr wichtig und Dinge die ihr wichtig sind, die behütet und beschützt sie. Mich zum Beispiel. Weiterlesen