Chick lit

Einmal davon abgesehen, dass der Begriff Frauenliteratur an sich schon ganz häufig Schwachsinn und eine völlig unnötige Eingrenzung ist, gibt es hier ein Subgenre, dessen Begrifflichkeit mir jedes Mal Brechreiz verursacht: Chick lit. Schon mal gehört?
Neben Liebesgeschichten, Romantic Crime, historischen Frauenromanen (am Rande…kennen Sie historischen Männerromanen?) gibt es seit einigen Jahren Chick lit.  Bis vor einigen Jahren gerne freche Frauenliteratur genannt. Auch nicht unbedingt pauschal treffend, aber wenigstens wurde die Protagonistin noch als Frau wahrgenommen und nicht als Chick. Ein Chick ist ein Hühnchen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Diese Romane haben durchaus ihre Berechtigung. Mondscheintarif – selten so gelacht. Bridget Jones – unfassbar lustig. Es ist völlig legitim, wenn sich ein Buch einzig damit beschäftigt, dass die Protagonistin ihren chaotischen Alltag bewältigt und als einziges Lebensziel eine glückliche, gerne oberflächliche Beziehung mit einem im besten Fall super reichen, mindestens aber gut situierten und zwingend umwerfend aussehenden Mann anstrebt. Wenn es gut geschrieben ist, meinetwegen. Es gibt Momente, da will man genau in eine solche Geschichte abtauchen. Es mag im Leben einer Frau sogar Momente geben, in denen man genau das als Lebensziel definiert. Über Tagträume und Situationen geistiger Umnachtung sollte man nicht urteilen. Aber Chick lit? Hühnchen Literatur? Und glauben Sie nicht, dass die wörtliche Übersetzung nicht angebracht ist. Sie ist besser als die gängigen Umschreibungen. Anspruchslose oder seichte Literatur für Frauen.  Weiterlesen

Schön gedacht

Eine Hummel brummt. So dicht neben meinem Ohr, klingt sie wie ein kleiner, dumpfer, nicht müde werdender Motor. Ein Geräusch, das nach Sommer klingt obwohl es erst Anfang April ist. Das vergesse ich leicht, weil Beine und Arme das erste Mal in diesem Jahr ohne Kleidung in der Sonne liegen und mir so warm ist, dass ich den Gedanken an ein Aufstehen schon seit über einer Stunde immer wieder verschiebe. Es schläft sich so leicht, hier in der Sonne. Es schläft sich so schön oberflächlich unter all den Geräuschen, die neben der Sonne wie eine zweite, ebenso schöne Decke sind. Eingehüllt in Wärme und Geräusche liege ich besonders gerne vor der Hausbank unserer Hütte im Wald. Im nahen Wald raschelt etwas, aber das ist keine Grund die Augen zu öffnen. In der Stille ist selbst ein Vogel oder eine Maus, die durch das Laub laufen so laut, dass man oft versucht ist an einen Menschen, der auf die Lichtung tritt, zu glauben. In all den Jahren kam noch nie ein Mensch durch den Wald zu unserer Hütte. Die kommen den Weg herauf und klingen ganz anders. Und doch glaubt man es jedes Jahr wieder: Da kommt einer durch den Wald. Kein Grund die Augen zu öffnen. Wenn einer kommt, dann wird er sich schon bemerkbar machen und nach dem Weg oder einen Schluck Wasser fragen. Die Bank auf der ich liege ist hart und das Holz drückt unangenehm an mein Schulterblatt. Kein Grund aufzustehen. Es ist zu warm und das Brummen der Hummeln dicht am Ohr, lädt ein, noch ein wenig zu schlafen und zu dämmern. Weiterlesen

Erinnert wider Willen

Sicher würde ich mich gerne an den 4. April vor einigen Jahren erinnern, vermutet Facebook und präsentiert mir ein Foto, unter dem mein Name verlinkt ist. An dieses besondere Ereignis, möchte ich mich doch sicher erinnern und es vielleicht mit meinen Freunden teilen, schlägt Facebook vor und weiß nicht, dass ich dieses Bild sicher nicht mit meinen Freunden teilen werde. Es weiß auch nicht, dass seine simple programmierte Software, mich tatsächlich an ein besonderes Ereignis erinnert hat und will nicht wissen, dass ich daran dennoch nicht erinnert werden möchte. Seit Jahren schon kratzt Facebook am Schorf des Zurückdenkens. Es weiß nicht, wie lange es gedauert hat, bis sich diese dünne Kruste gebildet hat und wie leicht sie durch ein dummes Foto wieder Risse bekommt. Es hat keine Ahnung, wie schwer man lernt, Erinnerungen zu steuern und wie vorsichtig man wird, wenn man ihnen noch misstrauisch begegnet und noch nicht gelehrt hat mit zurück gebliebenen Andenken umzugehen. Weiterlesen

Kaum verändert

Ich gehöre zu den Menschen, die andere googeln. Asche auf mein Haupt. So etwas macht man nicht. Man springt nicht wie ein Stalker durch das Internet. Neben dem moralischen fragwürdigem Zeitvertreib, ist es auch ein recht sinnloses Verhalten. Es ist auch reichlich dämlich, was man weiß, weil man sich von einem Menschen kein vollständiges Bild machen kann, den man nicht von Angesicht zu Angesicht erlebt hat. Ich mache es trotzdem und ersparen Ihnen die Ausflüchte, mit denen ich mein latent schlechtes Gewissen zu beruhigen versuche. Zugleich bin ich wirklich sehr, sehr froh, meine ersten Beziehungen zu einer Zeit erlebt zu haben, in denen man das noch nicht machen konnte. Das Googeln. Weiterlesen

Mehr als Dinge – Artenschutz II

Manchmal passiert es, dass man eine Erzählung schreibt und merkt, dass etwas ganz ähnlich bereits geschrieben wurde.

Wurde es dann so schön geschrieben und mit so bezaubernden Fotos ergänzt, dann muss man es unbedingt teilen. Nicht zuletzt, weil es einem aus dem Herzen spricht.

Liebe Clara, vielen Dank für den Adoptivhund in der Waschmaschine.

Ganz oft liegen uns Dinge am Herzen, wenn sie mit einer besonderen Geschichte zu uns gekommen sind.

Artenschutz im Müllhäuschen

Man kann von meinem Nachbarn Paul halten was man will, mangelnde Hilfsbereitschaft kann man ihm nicht vorwerfen. Er gehört zu jenen Nachbarn, die man gerne um Unterstützung bietet. Neben seiner oft überraschenden Warmherzigkeit liegt das in erster Linie an seinen körperlichen Voraussetzungen. Frau Eder aus dem Hinterhaus zum Beispiel, fängt ihn einmal im Jahr vor dem Supermarkt ab und klagt über das dreckige Glas ihres Badfensters. Obwohl er das Gesicht verzieht, steht Paul dann einige Tage später in Frau Eders Badewanne und säubert die winzige Fensterlucke, die man nur erreicht, wenn man mindestens 1,85 m groß ist. Unser Hausmeister läutet grundsätzlich bei Paul, wenn es darum geht eine Leiter fest zu halten, weil er sich bei Paul darauf verlassen kann, dass dieser kräftig genug ist, eine wackelnde Leiter auch wirklich fest zu halten. Paul verzieht das Gesicht, wenn er darum gebeten wird, aber er tut es. Besonders seit er vor zwei Jahren mit ansehen musste, wie Herr Iwanow die Leiter unseres Hausmeisters hielt. Mit nur einer Hand und sich nebenbei eine seiner stinkenden Zigarren anzündend. Eigentlich lehnte Herr Iwanow gemütlich an der Leiter auf der unser Hausmeister stand. Und auch ich nehme Pauls Hilfe gern in Anspruch. In meinem Fall immer dann, wenn es um Dinge geht, bei denen der Helfende recht ins Schwitzen kommt. Denn, ganz ehrlich, wenn man schon einen schwitzenden und keuchenden Kerl in seiner Wohnung hat, zu dem man keine erotische Beziehung pflegt, dann sollte es doch wenigstens ein halbwegs attraktives Exemplar sein. Natürlich sage ich ihm das nicht. Seine Attraktivität würde durch das blöde Grinsen, das diese Information auslösen würde, zunichte gemacht werden. Weiterlesen

Ein VW Pritschenwagen T3 in Orange

Es war ein VW Pritschenwagen T3 in Orange, sage ich und einer meiner ältesten Freunde sieht mich irritiert an. Ein Blick der nicht nötig ist, denn er könnte wissen, dass es nur ein T3 gewesen sein konnte. Der wurde von 1979 bis 1992 produziert, also genau in den Jahren als wir auf ihm spielten. Das Vorgängermodel aus dem Jahr 1968 konnte es nicht sein – das sah man sofort und der völlig neu konstruierte Nachfolger kam erst 1990 auf den Markt und damit zu spät. Kein Grund mich misstrauisch anzusehen. Selbst wenn ich von Autos keine Ahnung habe, weiß ich, dass es ein VW Pritschenwagen T3 in Orange war. Und außerdem weiß ich, dass er mir noch 3,84 Mark schuldet, die ich ihm kurz vor seinem elften Geburtstag geliehen habe und die er mir nie zurück gegeben hat. Die 1,96 Euro hätte ich gerne wieder. Nicht weil ich sie brauche, sondern einfach nur so, damit keine alten Schulden zwischen uns stehen. Weiterlesen