Gefundene Sätze #42

„Und nun, da das Dirndlgewand Allgemeingut geworden scheint, nun steht auch ihm, wenn nicht alle Zeichen trügen, eine ähnliche, wenn auch anders geartete Debauchierung bevor, wie sie einst das selige Tegernseer Chasseresse-Kleid erlebte. Nur sind es diesmal nicht die praktischen Provinzlerinnen, sondern die stillosen Mondänen, die ihre reichberingten Hände nach ihm ausstrecken, es nicht um der Anpassung oder der Bequemlichkeit willen wählen, sondern es aufputzen und aufplundern, daß es mehr an die Maskengarderobe, denn an ein heimisches Sommergewand erinnert. Nun ist schon der Rock so kurz, das Leibchen so tief ausgeschnitten worden, daß jedes bäuerliche Dirndl, dem man sie zumuten wollte, empört fragen würde:
‚Ja moanst ebba, da tat` i mi net schama?!‘
Kleid, Schütze, Brusttuch werden in  Farben gewählt, die möglichst grell gegeneinander schreien, und auf dem grünen Hütel tänzelt eine hohe, dünne rote Feder ungefähr so, wie sie auf Schmieren der Mephisto trägt.“

Man könnte glauben, diese Zeilen stammen aus dem gestrigen Merkur, der Süddeutschen oder sonst einer regionalen Münchner Zeitung. Zum Oktoberfest würde es passen. Geschrieben wurden Sie aber von Carry Brachvogel in „Im weiß-blauen Land“ und zwar schon 1923.

Gelesen habe ich vor einigen Wochen hier: https://saetzeundschaetze.com/2017/08/14/carry-brachvogel/

Die Sätze passen zur Wiesn. Das Büchlein aber, ist ein Kleinod. Die jüdische Münchner Frauenrechtlerin schrieb nach dem Tod ihres Mannes als Feuilletonistin für die Zeit und machte sich einen Namen. Sie starb 1942 im KZ.

Gefundene Sätze #37

img_5224

„Schreib; bitte, bitte, schreib.“

Grete Weil an Walter Jokisch.

Gefunden von einer Freundin. Als Postkarte im Literaturarchiv der Monacensia in München. Ein Satz, der bei mir ein ganz bestimmtes Gefühl und unzählige Erinnerungen auslöst.