Tram G´schicht – need vo mir

Wissn`S, Geschichten erzählen, ist eine Kunst. Eine seltene Kunst und eine noch viel größere sie in Mundart zu verfassen. Ich kann´s nicht. Aber AWTchen, der kann es. Und weil seine G´schichten zu schön sind, als das sie nur in einer Kommentarspalte stehen hab ich sie für Sie da raus geholt.

Ich hoff ich darf das. Weil´s ja eh schon drin steht, werd er nix dagegen haben. Hoff ich.

Schaun`S, die Verspätungen des Münchner Nahverkehrs sind doch begründet. A Lebakaas is schuld.

Griaß di, Mitzi!

Du, zuafällig hood ma d’Moosederin gestan auf da Treppn vazoid,
dass‘ letzte Wocha beim Viktualienmarkt Katoffen und Würschtl
einkafd hood und mied da Trambahn wieda hoamfahn woit.
Danna kimmt de ned und kimmt ned. De andern Leid hom scho
grantig gschaugt und gweddad, weil de sonst imma kimmt.
A kloana frecha Bua hods dann a no an Orsch einezwickt.
„De Kinda san a so vazoong. Friaha häda a gscheide Waatschn
von da Muada griagt, aba de hod bloß ins Häändi gschaugt“,
hoods gsagt. Auf jädn Foi is de Tram einfach ned kema und
biesln häds a miassn. Danna hood a no a so debbada Dackl oiwei
an ihra Taschn rummagschnuppad, weila d’Würschtl g’rocha hood.
Schpäda is danna rauskemma, daass ajämand an herrnlosn
Rucksoogg in da Tram mitm Häandi da Bolizei gmeid hood und
desweng danna de Tram fast a hoibe Schtund gschtanna is.
Im Rucksoogg homs koa Bombm gfunna, aba zwoa Lebakaassemmen
und an Schpäze. „A so a Gschiess wega an Lebakaas! Greizgruzefünfal!“,
hod ma d’Moosederin no naufplärrt, wias schon fast untn im Kella war.

Wos ois so gibt in dera Woid, Mitzi..;-)

Dank da recht herzlich für die G´schicht. Sogst da Moosederin, des Gschiess werd no schlimmer. Wenn´s ned a Bombmdrohung is, dann is boid wiada da Schnee, der Schuld is das nix fahrt.

 

Gefundene Sätze #45

Noch einmal in Mundart, bevor es ab morgen wieder ins Hochdeutsche geht.

„Mei Ruah will i haben! I brauch koan Burschn zum Fensterln. Wer si net zur Tür neitraut, soll ganz weg bleiben.“
„Meine Ruhe möchte ich haben! Ich brauch keinen Kerl, zum Fensterln. Wer sich nicht zur Tür rein traut, soll ganz weg bleiben.“

Lena Christ (1881-1920) Bayerische Schriftstellerin. Eine meiner Liebsten. Ich lege sie Ihnen ans Herz.

Auch weil man diese wenigen Sätze sehr gut auch heute noch sagen kann. Auch wenn keiner mehr auf der Leiter vor dem Fenster steht. Das ist heute zu gefährlich. Nicht nur, weil die Häuser höher sind, sondern auch, weil aufmerksame Nachbarn viel zu schnell die Polizei rufen. Fensterln wird kaum noch einer. Dafür werben wir heute auf andere, ähnlich umständliche und teilweise auch blöde Art und Weise, wo der direkte Weg doch um einiges unkomplizierter und zielführender währe. Und weil wir nichts dazu lernen, ruft man auch heute noch manchmal gerne: „Ach, lass ma doch mei Ruah!“

Sie müssen mir nicht meine Ruhe lassen. Im Gegenteil. Klopfen Sie ruhig an mein Fenster. Nur aufmachen kann ich heute nicht. Ich nehm mir ein Buch von Lena Christ und werden den restlichen Abend erst in der Wanne und dann im Bett liegen.

 

Zettelwirtschaft #2

Etwas platt und ausgelutscht ist es. „You can´t buy happiness!“ Wissen wir. Duzende Ratgeber leben von dieser banalen Weisheit.  Und trotzdem. Dieser Zettel, wie im vorbei gehen an die Plakatwand geheftet, gefällt mir.

Wahrscheinlich, weil ich den Lottoslogan dieser Werbung so unglaublich dumm finde. Ist der Jackpot zu groß, sind deine Träume zu klein. Ernsthaft? Für mich so blöd wie damals „Geiz ist geil“.

In diesem Sinne – kaufen Sie sich ein am Wochenende das erste Eis des Jahres. Das kostet zwar auch etwas, aber das kleine Geld führt zu großer Zufriedenheit. 

 

Gefundene Sätze #44

„Manchmal ist eine Schreibblockade für die Leser ein Segen, das wollen wir nicht vergessen.“

Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett 12/1994

Böser, alter Mann. Viele seiner Aussagen gefielen mir nicht. Die literarische Kritiker-Keule die er schwang, war mir oft zu garstig. Seine Meinung zu oft zur Doktrin erhoben. Und doch….ich mag ihn. Auch für Sätze wie diesen.