Stecker ziehen

Ob ich den Stecker gezogen habe, erkundigt sich eine meine Freundinnen beiläufig und stutzt, als ich nicke statt lache. Ja, so in etwa muss es auf meine Freunde und Bekannte in den letzten beiden Wochen gewirkt haben. Ich war da, bin nicht weg gewesen und habe trotzdem für zwei Wochen das Licht gedimmt und alles etwas leiser gestellt. Das Bild gefällt mir, weil es passt. Am 16 Januar war es noch hell und laut. Nicht unangenehm laut und überhaupt nicht grell, aber voller Leben und voll Neuem und Schönen. Ein Abend im Hofspielhaus mit Felix Leibrock und Oliver Pötzsch. Eine außergewöhnliche Kombination zweier Schriftsteller, bei der einer als Blues Musiker nicht las sondern sang und ich Auszüge aus Felix Buch las. Nur ein kleiner Beitrag, aber dennoch neu, da ich sonst nur meine und nicht die Worte eines anderen gelesen habe. Man möchte sie dann besonders unverfälscht und schön erzählen und ich habe mich gewundert, wie anders das laute Lesen ist, wenn es sich um nicht selbst geschriebene Worte handelt. Anders, aber anders schön. Ein letztes Glas am Ende des Abends zu dritt, als im Theater schon die Stühle nach oben gestellt und die Küche geputzt wurde. Als an diesem Abend im Hofspielhaus die Lichter ausgingen, habe ich wohl meinen Stecker gezogen. Irgendwann als ich spätabends zu Fuß durch die noch weihnachtlich beleuchtete Maximilianstraße ging und mich freute, ein Teil dieses schönen Abends gewesen zu sein. Weiterlesen

Wegen Hochzeitsfülle im Januar geschlossen

Eigentlich wollte ich Ihnen heute von Gisela erzählen und warum sie Herrn Mu seit einigen Wochen Fritz nennt. Das hätte ich locker noch geschafft. Und auch, bei zwei meiner Lieblingsblogs etwas nachzulesen und zu kommentieren. 

Allerdings hätte ich die anderen Lieblingsblogs (und das sind einige) wieder nicht angesehen und die Geschichte von Herrn Mu etwas arg schnell erzählt. Beides hätte mich genervt, wenn ich morgen im Zug nach Knittlingen gestiegen wäre um dort eine Lesung zu halten. Halbe Sachen mag ich nicht. Und erzählen unter Zeitdruck kann ich nicht. Und nur halbherzig bei Ihren so schönen Blogs zu kommentieren und zu lesen ist eine Schande. 

Deshalb mache ich jetzt Urlaub. Blog- und Erzählurlaub. Das hätte ich schon im Dezember machen sollen, anstatt dem einen oder anderen von Ihnen immer wieder zu erzählen, dass ich „in eine paar Tagen wieder da bin“. Bin ich nicht – ich bin jetzt in Urlaub. So! Auf zwei Hochzeiten tanze ich locker, drei geht auch noch, aber vier….da komme ich aus dem Takt. 

Ich mache jetzt Urlaub bis 01.02.2020. Mit meinem kleinen Notzibuch in dem ich das aufschreibe, was mir schon die ganze Zeit im Kopf herum geht. Und in zwei Wochen, wenn all das Neue, das Spannende und schöne erlebt ist, dann erzähle ich es Ihnen. Dann plappere ich Ihnen tippend in alter Manier die Ohren zu. 

Ich freu mich drauf, den ich vermisse Sie im Moment schon recht arg. 

Bis Februar und wenn Sie Herrn Mu sehen, dann verraten Sie ihm bitte nicht, dass Gisela ihn Fritz nennt. Das würde ihn verwirren. 

Herzliche Grüße
Ihre Mitzi

Russische Entsorgung

 

Verdammt, fluchte ich leise als ich den Müllraum unseres Hauses betrat. Verdammtes Hinterhaus, ergänzte ich in Gedanken und blieb unschlüssig zwischen all den Tonnen stehen. In den letzten Monaten sind einige Studenten ins Hinterhaus  eingezogen. Man bekommt sie kaum zu Gesicht, aber anhand der musikalischen Dauerbeschallung kann man erahnen, dass die neuen Bewohner zur Jahrtausendwende noch Windeln trugen. Ich habe nichts gegen junge Mieter und wenn ich ehrlich bin, bekomme ich aus dem Hinterhaus sowieso recht wenig mit. Was mich aber wirklich stört ist, dass diese jungen Menschen teilweise saublöde Ideen haben. Die mögen ihnen selbst vielleicht ganz clever erscheinen, sind bei genauerer Betrachtung  aber hirnrissig und dämlich. Welcher Vollidiot kommt denn auf die Idee seinen Christbaum über die Biotonne zu entsorgen? Für so etwas gibt es Sammelstellen. Da muss man seinen Christbaum nur 2 bis 3 km zur nächsten Sammelstelle tragen und dann ist man ihn schon los. Wem das Tragen und Schleppen zu blöd ist, der kann ja auch den Bus oder die U-Bahn nehmen. Das ist wirklich kein großes Problem. Als ich so alt wie die war, hab ich das auch machen müssen. Da hatte ich auch kein Auto und musste meinen Baum eben auch zu Sammelstellen bringen. Aber in der Biotonne eines doch recht großen Hauses, das ist rücksichtslos und bestimmt auch verboten. Mist, fluchte ich noch einmal leise und hörte es hinter mir lachen. Weiterlesen

Ein Schatz II

106 Jahr wäre sie heute geworden, meine Großmutter. Ein stolzes Alter, aber das hatte sie auch, als sie mit weit über 90 von uns gegangen ist. Immer an hl. Drei König, wenn bei uns Feiertag ist, denke ich an sie und seit sie nicht mehr da ist, würde ich so gerne an diesem Tag zu ihr fahren und mich auf das alte Kanapee in ihrer Stube setzen. Kaum ein Ort strahlte je so eine Gemütlichkeit aus, wie dieser Raum. Immer roch es nach feinem Essen, warmen Kaffee und dem unverwechselbaren Duftgemisch, der auf Bauernhöfen in der Luft liegt. Ein bisschen Stall, ein bisschen Heu, manchmal frisch gemähtes Gras und immer ein Hauch Lavendel, der in kleinen Säckchen in ihren Schränken hing. Meist lag eine Katze auf einem der vielen Kissen und oft der Hund mitten im Raum. Gelassen stieg sie über ihn hinweg und saß jahrein jahraus, auf immer dem selben Stuhl. Dampfnudeln…das würde ich mir zu essen wünschen. Für mich mit Vanillesauce, für sie mit Hollerrzel, von dem ich mal weiß, wie er auf Hochdeutsch heißt. Hollunderkompot vielleicht, aber ein Rezl ist ja doch was anderes. Etwas viel feineres und der von der Oma….einen kleinen Löffel davon wollte ich immer in meine Vanillesauce. Aber nur einen winzigen und den erst ganz zum Schluss. Ja Oma, das wär schön, heut noch einmal bei dir sitzen zu können. Dann könntest du noch einmal von deiner Geburt erzählen.  Weiterlesen

2020 …. na dann

Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr und einen fantastischen start in das neue Jahrzehnt.

Mein Nachbar, Herr Meier, winkt auf obigen Foto fröhlich in meine Richtung. Auch wenn man ihn nicht sieht, er hat gewunken. Übrigens, Sie müssen sich keine Gedanken machen, Herr Meyer hat den Funkenregen gut überstanden. nur seinen Hut, der im Treppenhaus zum Lüften liegt, riecht etwas angebrannt.

Spring!

Spring, höre ich dich leise flüstern und schüttle den Kopf. Noch nicht. Noch ist es hell und nur vereinzelt hört man es krachen. Spring, flüsterst du noch einmal und ich nicke. Bald. Bald springe ich. Springe wie an jedem 31.12. seit den Neunzigern, als Irgendeiner unseres Freundeskreises es für eine gute Idee hielt, den Imperativ als Motto für eine Silvesterfeier auszurufen. Wir kannten uns nicht, als wir uns das erste Mal begegneten und sprachen in dieser Nacht kein Wort miteinander. Aber wir müssen uns gesehen haben, in dieser Nacht in den Neunzigern. Auch wenn das Haus damals hoffnungslos überfüllt war, sich bestimmt fünfzig bis sechzig Teenager darin befanden, vor der einzigen Toilette oder auf der Terrasse wo die Getränke gekühlt wurden, müssen wir uns irgendwann begegnet sein. Die „Spring“ war noch Jahre später legendär und jeder damals dabei war, erinnert sich. Nicht an alle Gesichter, aber doch an den Moment als …naja, als es etwas aus dem Ruder lief. Noch heute bekomme ich an Silvester Nachrichten, die nur ein Wort enthalten „Spring!“. Damals sind wir gesprungen, nicht miteinander, aber auf den gleichen 120 qm in irgendein neues Jahr der Neunziger. Weiterlesen