Derfs a bisserl Werbung sein?

Liebe Münchner, haben´S schon an rechten Wiesn-Katarrh? Für alle Nicht-Münchner, der Wiesn-Katarrh ist die Erkältungswelle, die während der zweiten Woche des Oktoberfestes beginnt und ihren Höhepunkt am ersten Werktag nach Beendigung des Spektakels erreicht. Hartnäckig ist er und sehr ansteckend. Denn selbst wenn man gar nicht auf der Wiesn war, einer der neben einem steht oder stand und herzhaft nieste war es sicher. Selbstverständlich verbieten sich jegliche Krankmeldung während oder unmittelbar nach der Wiesn. Sie wissen schon…wer feiert, der der kann auch arbeiten. Und dass man sich einen Katarrh eingefangen hat ohne das man es im Zelt oder der Festwiese hat krachen lassen, das glaubt einem eh keiner. Weiterlesen

12 Monate Rosen und Schornsteine – September

Mit etwas Verspätung – der letzte Sonntag im Monat ist bereits vorbei – die Bilder des Münchner Rosengartens. Angefangen mit der herbstlichen Farbenpracht, eingefangen im letzten Sonnenlicht des Tages. Noch immer ist er prachtvoll der Rosengarten. Wehrt sich gegen das Verblühen und verblüht auf eine ganz wunderbare Weise. So schön, dass ich nicht widerstehen konnte, die einzelnen Ecken neben des Hauptbildes einzustellen. Im Anschluss der Rosengarten im Wandel der Zeit.

Ich habe das Projekt Zeilenendes mittlerweile sehr ins Herz geschlossen und freue mich über die regelmäßigen Besuche, an einem meiner Münchner Lieblingsorte.

Den Text dazu gab es bereits gestern hier.  Weiterlesen

Kalte Kastanien

Es ist schwer, das Gefühl von Einsamkeit einem zu beschreiben, der es nie war, sagtest du. Man könne ihn bitten, sich vorzustellen er stünde in der schönsten Herbstsonne und würde trotzdem frieren. Kein Frösteln, würde der Einsame empfinden, sondern jene Kälte, die sich in den Knochen festgesetzt hat und sich nicht vertreiben liese. Um zu frieren müsse man nicht einsam sein, entgegnete dein Bruder, es würde reichen binnen weniger Monate zwanzig Kilo an Gewicht zu verlieren, weil man sich wochenlang die Seele aus dem Leib kotzte. An manchen Tagen war es eine unbeschreibliche Freude den Tag mit euch zu verbringen. Vergleichbar mit Windpocken als Erwachsener, die einen just an den letzten sommerlich warmen Tagen des Jahres heimsuchten. Ich weiß nicht mehr ob mich eure Worte juckten oder ob es die letzten tapferen Ameisen waren, die durch das Laub auf der Wiese krochen. Weil letztere vermutlich unschuldig waren, bat ich euch, den Mund zu halten und still zu frieren. Ich fror nicht und wenn bei dreien einer zu frieren hatte, dann die Frau oder mit den Männern stimmte etwas nicht. Ruhe. Es ist September, fast noch Sommer. Niemand hat zu frieren. Amen, hast du gemurmelt, die Arme vor der Brust verschränkt und die Augen geschlossen. Es ist warm sage ich, verschränke die Arme vor der Brust und schließe die Augen nicht. Es wäre eine Schande die Schönheit dieses Tages nicht zu betrachten. Weiterlesen

Gefundene Sätze #42

„Und nun, da das Dirndlgewand Allgemeingut geworden scheint, nun steht auch ihm, wenn nicht alle Zeichen trügen, eine ähnliche, wenn auch anders geartete Debauchierung bevor, wie sie einst das selige Tegernseer Chasseresse-Kleid erlebte. Nur sind es diesmal nicht die praktischen Provinzlerinnen, sondern die stillosen Mondänen, die ihre reichberingten Hände nach ihm ausstrecken, es nicht um der Anpassung oder der Bequemlichkeit willen wählen, sondern es aufputzen und aufplundern, daß es mehr an die Maskengarderobe, denn an ein heimisches Sommergewand erinnert. Nun ist schon der Rock so kurz, das Leibchen so tief ausgeschnitten worden, daß jedes bäuerliche Dirndl, dem man sie zumuten wollte, empört fragen würde:
‚Ja moanst ebba, da tat` i mi net schama?!‘
Kleid, Schütze, Brusttuch werden in  Farben gewählt, die möglichst grell gegeneinander schreien, und auf dem grünen Hütel tänzelt eine hohe, dünne rote Feder ungefähr so, wie sie auf Schmieren der Mephisto trägt.“

Man könnte glauben, diese Zeilen stammen aus dem gestrigen Merkur, der Süddeutschen oder sonst einer regionalen Münchner Zeitung. Zum Oktoberfest würde es passen. Geschrieben wurden Sie aber von Carry Brachvogel in „Im weiß-blauen Land“ und zwar schon 1923.

Gelesen habe ich vor einigen Wochen hier: https://saetzeundschaetze.com/2017/08/14/carry-brachvogel/

Die Sätze passen zur Wiesn. Das Büchlein aber, ist ein Kleinod. Die jüdische Münchner Frauenrechtlerin schrieb nach dem Tod ihres Mannes als Feuilletonistin für die Zeit und machte sich einen Namen. Sie starb 1942 im KZ.

Wahlfreiheit – U-Bahn Gedanken

Die Wahl am Sonntag wäre ihm herzlich egal, sagt er und beißt in seine, dick mit Leberkäse belegte Semmel. Stolz ist er auf seine Aussage, sonst würde er nicht Beifall heischend den Blick durch das Abteil der U-Bahn schweifen lassen. Den dunkelhäutigen Mann, der ihm gegenüber sitzt, lächelt er freundlich an. Wenn’s ein Tourist ist, dann hat der ihn vielleicht – hoffentlich – gar nicht verstanden. Ist es ein Mensch, der sein Land aus welchen Gründen auch immer verlassen musste,  dann ist das Lächeln des Essenden fehl am Platz. Denn dem, der ihm da gegenüber sitzt, wird der Ausgang der Wahl wohl nicht herzlich egal sein. Für den ging und geht es um etwas. Weiterlesen

Anstich

Dieses  Jahr nicht. Nicht am ersten Tag. Es regnet. Es ist kalt. Und überhaupt muss ich nicht am ersten Tag um zwölf in einem Zelt stehen. Ich mag kein Bier und brauche um zwölf Uhr mittags keinen Alkohol. Dieses Jahr nicht. Außerdem darf man keine Taschen mitnehmen. Heute darf man nicht, früher hat man es nicht gemacht, weil sie einen ja doch störten. Angeblich braucht man nichts außer Geld, Monatskarte und den Hausschlüssel. So ein Blödsinn. Ich brauche eine Tasche, in die Pflaster, Taschentücher, Haarspangen, Labello und flache Schuhe für den Heimweg passen. Außerdem ein Schirm weil es regnet und die Strickjacke meiner Großmutter, die perfekt zum Dirndl passt und die ich sicher nicht in den Dreck unter den Tischen legen werde. Kleine Tasche…ich bin raus. Weiterlesen

Zwischen den Zeilen 

Die Kommunikation via SMS mit dem, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht, habe ich nach zwei Monaten eingestellt. Ohne seine Stimme zu hören oder sein Gesicht zu sehen, verstehe ich ihn nicht. Eine unserer ersten SMS Dialoge kann ich noch auswendig:

„Hast du heute Abend Zeit?“
„Nein.“
„Schade.“
Wenn man verliebt ist, will man mehr als einzelne Worte. Und wenn man verliebt ist, ist man so blöd, sie unbedingt herauskitzeln zu wollen. Dann schreibt man:
„Hab mich nämlich schon an dich gewöhnt.“
„Schön.“
„Kannst du auch mehr als ein Wort auf einmal schreiben?“
„Ja ;)“
„Halleluja, Satzzeichen kann er auch!“
„Ist dir langweilig?“

Ich denke an ihn, während ich der monotonen Stimme meiner Freundin Manuela am Telefon lausche. Monoton ist ihre Stimme sonst nicht, aber gerade liest sie mir zum dritten Mal die SMS eines Mannes vor, der ihr Freund werden könnte. Sie endet mit einem: „Und? Was will er mir sagen?“ Ich weiß, dass das eine wichtige Frage ist und bitte sie, mir die SMS ein weiteres Mal vorzulesen. Sie liest: „Tut mir leid, am Mittwoch habe ich keine Zeit. LG Max.“, und ich nehme einen Schluck Wein. Beim analysieren einer SMS vom anderen Geschlecht, ist es hilfreich entweder a) emotional eingebunden zu sein oder b) eine Flasche Wein neben sich stehen zu haben. Obwohl ich a) emotional eingebunden bin, schadet ein Schluck b) bevor ich antworte nicht. Ok, sage ich. Ich glaube er hat am Mittwoch keine Zeit. Manuela stöhnt. Das hätte sie gesehen, pflaumt sie mich an, und dass sie durchaus lesen könne. Aber das zwischen den Zeilen, das würde sie interessieren und egal wie oft sie diese liest, sie kommt einfach nicht dahinter. Ich bitte um einen Screenshot, weil ich weiß, dass ich im Lesen zwischen den Zeilen nicht gut bin. Weil Manuela es auch weiß, bekomme ich ihn wenige Sekunden später auf mein Handy geschickt.

„Tut mir leid am Mittwoch habe ich keine Zeit. Lg Max.“

Ein Komma fehlt, sage ich und werde angepampt. Es geht doch nicht um ein blödes Satzzeichen. Es geht…. Manuela unterbricht sich und ich höre, wie auch sie an ihrem Wein nippt. Ach so, höre ich sie murmeln. Du meinst, wenn er sich schon bei einem simplen Satz keine Mühe gibt, dann kann man es gleich vergessen? Das meine ich nicht, freue mich aber, dass gerade ich ein fehlendes Komma gefunden habe. An Manuelas Atem höre ich, dass sie das fehlende Komma fast genauso traurig macht, wie die Tatsache das Max am Mittwoch keine Zeit hat. Ich versuche sie zu beruhigen. Du, das „G“ von „Grüsse“ hat er auch klein geschrieben, er ist einfach ein bisschen schludrig. Das hat nichts mit dir zu tun. Das G auch! Manuela zieht scharf den Atem ein und teilt mir mit, dass sie nun langsam verstehen würde, dass sie ihm – Max – wohl scheißegal ist. Eine gewagte Interpretation auf die wir erst einmal einen Schluck trinken müssen. Ich trinke, Manuela tippt eine SMS in der sie Max mitteilt, dass sie und er reden müssten. Es ist ein ungeschriebenes Gesetzt, dass beim freundschaftlichen analysieren von Kurznachrichten grundsätzlich nur jene Nachrichten auseinander genommen werden, die nicht vom befreundeten Teil der Konversation stammen. Wäre es anders, hätte ich Manuela gesagt, dass der Satz „Wir müssen reden!“, in den ersten vier Wochen einer sich anbahnenden Beziehung besser nicht verschickt werden sollte und das Ausrufezeichen synonym für „Arsch“ steht. Max antwortet umgehend. Sowohl Manuela als auch ich halten das für ein gutes Zeichen. Ich bekomme seine Nachricht weiter geleitet.

„Warum? Ich kann grad nicht. Rufe dich später an, ist das ok?“

Während ich lese höre ich wie meine Freundin sich ein weiteres Glas einschenkt. Warum, lacht sie bitter auf. Warum, würde der Idiot auch noch fragen. Kleinlaut, frage auch ich, warum sie denn mit ihm reden müsse. Ich bereue die Frage sofort. Wenn ein Mann an einem Mittwoch keine Zeit hat, wird mir mitgeteilt, dann hätte er ja wohl ganz eindeutig kein Interesse an einer ernsthaften Beziehung. Trotzdem frage ich noch einmal nach. Wenn er so offensichtlich kein Interesse hat, warum muss man dann noch reden? Blöde Kuh, ist das Letzte was ich höre, bevor der Hörer auf die Gabel geknallt wird.

Weil der Wein gerade offen ist, schreibe ich einer anderen Freundin, die sich in einer ähnlichen, aber schon mehrere Wochen andauernden Situation wie Manuela befindet, eine SMS. Vielleicht kann ich ja helfen.

„Hi. Hast du es geschafft, ihm nicht mehr zu schreiben?“
„Huhu. Ja, habe ich. Ich habe ihm geschrieben, dass ich ihm jetzt nicht mehr schreiben werde.“
„Hast du ihm das geschrieben, damit er fragt, warum du ihm nicht mehr schreiben wirst?“
„Klar.“
„Kluges Kind. Und?“
„Er hat sich nicht mehr gemeldet.“
„Idiot“
„Vollidiot. Lustig, dass du gerade jetzt fragst. Ich trinke ein Glas Wein und überlege ob ich ihm noch mal schreiben soll.“
„NEIN“

Am anderen Ende der Stadt sitzt noch eine vor ihrem Handy und überlegt ob es subtil genug sei, darauf hinzuweisen, dass eine Flasche Federweise nicht ewig haltbar sei oder ob es als drängeln auf eine Verabredung gewertet werden kann. Ich haben für die Mädels jetzt eine WhatsApp Gruppe gegründet. Ich bin der Administrator weil ich gerade Urlaub und Zeit habe und eine Beschäftigung für den brauche, der manchmal mit einer Flasche Wein vor der Türe steht. Während ich in der Badewanne liege und mich in ein begehrenswertes und unwiderstehliches Wesen verwandle, darf er die Analysen meiner Freundinnen verfolgen. Wenn er höflich und sensibel bleibe, dürfe er auch in meinem Namen kommentieren, teilte ich ihm mit und hoffte, dass ein Männerhirn vielleicht eher wisse was ein Mann den nun eigentlich meint, wenn er sagt an einem Mittwoch keine Zeit zu haben.