Schön war´s irgendwie doch

Stadt oder Land. Das dazwischen ist meistens Mist. Mist für mich, die mit klassischen Vororten von Städten nie warm geworden ist und sich das Leben dort beim besten Willen nicht vorstellen kann. Rund um München gibt es viele dieser schwer zu definierenden und immer etwas anonymen Vororte und fast ausnahmslos denke ich bei Besuchen daran, dass ich dort nicht leben und auf keinen Fall hinziehen möchte. Auf dem Land sieht es anders aus – das echte Land hinter den Vororten ist mir so vertraut wie die Stadt und beides kann ich mir vorstellen. Auch jenen Ort im Münchner Osten durch den ich gestern Mittag gelaufen bin. Ein kleines Dorf fast noch, dem das bäuerliche erhalten blieb und vor dessen alten und neuen Häusern in den Bauerngärten noch jene wilde Blütenpracht steht, die mich an zu Hause erinnert. Straßen mit Schlaglöchern und eine warme, gemütliche Atmosphäre – ein schöner Ort und ich verstehe, warum ihn Freunde von mir ausgesucht haben. Mir selbst ist er fremd, weil sie die ersten sind, die sich in dieser Himmelsrichtung angesiedelt haben. Die Ortsnamen beim Hinfahren kenne ich – aber nur aus den Staumeldungen im Radio. Nicht eines der Dörfer habe ich bisher besucht, weil es sich schlicht und einfach nie ergab. Stunden später schlendere ich deshalb ein wenig verloren durch die kleinen Straßen und weiche den Pfützen des Sommergewitters aus. Heimelig sehen die erleuchteten Fenster im Dunklen aus und das leise Muhen aus einem Stall verstärkt das Gefühl, in einem guten Ort zu stehen. Einem Ort dessen Anbindung an das Bahnnetz Münchens aus einem einzigen, selten fahrenden Bus besteht. Auch das kenne ich von zu Hause und empfinde es als wenig schlimm gegen halb zehn Uhr abends im Gewitter an einer verlassenen Bushaltestelle zu stehen. Auch der ältere Mann neben mir, nimmt den Regen und die sporadischen Busse als gegeben hin, grüßt bayerisch knapp und grummelig aber nicht unfreundlich. Lächeln müssen wir nicht, weil man es in solchen kleinen Orten nicht sieht – Bushaltestellen sind unbeleuchtet. Es würde sich bei den wenigen Fahrgästen wahrscheinlich einfach nicht rentieren. Wir lächeln beide, als der Bus – ohne zu halten – an uns vorbeifährt und nicken uns ein „Scheiße“ denkend zu, bevor wir die Bushaltestelle in gegensätzliche Richtungen verlassen. Ich gehe zurück zu meinen Freunden, weil der nächste und letzte Bus erst in knapp zwei Stunden fährt. Ein Kuh muht und der Ort wirkt trotz des mittlerweile kühlen Regens noch immer einladend. Doch, ja, es ist wirklich ein guter Platz um seine Kinder großzuziehen. Weiterlesen

Leider nicht meine

Die besten Geschichten schreibt das Leben. Das behaupte ich schon immer und mache es mir seit Jahren recht bequem, in dem ich einfach nur das aufschreibe und erzähle was ich selber erlebe. Ausdenken muss ich mir, dank des unerschöpflichen Archivs an Alltagsbegegnungen kaum etwas. Auch heute Abend und überhaupt seit ein paar Wochen erzählt das Leben eine ganz fantastische Geschichte. Nicht ganz so fantastisch allerdings für die direkt Beteiligten. Für die es doch ein wenig anstrengend, da sie sich in einer Geschichte befinden deren Ende noch in den Sternen steht. Die Protagonisten durchleben derzeit ein Wechselbad der Gefühle und erfreuen sich an ihren Emotionen, die gleich einem Pendel zwischen hoch erfreutem Kribbeln und zu tiefst verstörenden Unverständnis – das andere Geschlecht betreffend – schwanken. Leider neigen emotionale Pendel dazu, den Ruhepunkt der gefühlsmäßigen Ausgeglichenheit schlicht und einfach zu überspringen. Phasen der Erholung gibt es in der Regel nicht. Phasen der emotionalen Erholung. Selbst ich, als unbeteiligter Beobachterin und hochinteressierte Zuhörerin, befinde mich in einem Zustand ständiger Anspannung und kann es kaum erwarten bis das nächste Kapitel aufgeschlagen wird. Zweifelsfrei ist es also wirklich so, dass das Leben die aller besten Geschichten schreibt. In diesem Fall, ist es nur leider nicht mein Leben und es verbietet sich mir, Ihnen diese Geschichte zu erzählen. Sie gehört mir nicht. Leider. Oder vielleicht auch zum Glück. Das Ende ist ja noch offen. Obwohl, genau das ist doch eigentlich das schöne an diesen Erzählungen. Die Phase, in der man nicht weiß was daraus wird, aber noch voller Hoffnung ist und sich voll und ganz auf das herrliche Kribbeln konzentrieren kann. Sie wissen schon, dieses ganz besondere Kribbeln, das nur dann zustande kommt, wenn ein bisschen Unsicherheit darin mitschwingt.

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Gratulation schwierig

Heute am 1. August hat meine große Schwester Geburtstag. Das weiß ich, seit ich heute morgen aufgewacht bin. Und auch, dass ich sie unbedingt anrufen muss. Erstens, weil es ein runder Geburtstag ist und zweitens, weil ich unheimlich stolz auf mich bin, dass ich noch vor den ersten Hinweisen in der Familien-WhatsApp-Gruppe daran dachte. Dass ich es dennoch nicht tue, hat mehrere Gründe. Zum einen bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich ein runder Geburtstag ist. Also nicht zu 100 Prozent. Eigentlich schon, denn mein Geburtstag plus ein Jahr und dann zwei Mal zwei Jahre, sollte der ihre sein, aber angesichts der grenzenlosen Toleranz und Nachsicht meiner Familie ist es nicht ausgeschlossen, dass diese Rechnung seit Jahren nicht aufgeht und man mich der Einfachheit halber nie korrigiert hat. Zum anderen, ist mir seit heute morgen latent schlecht. Nichts wildes…ich habe mich gestern einfach nur hoffnungslos überfressen und das hört man meiner Stimme an. Sinnlos das dem Geburtstagskind zu erklären. Ich bin die kinderlose Jüngste und man würde mir auch heute noch unterstellen, dass ich schlicht und einfach verkatert bin. Verkatert darf ich aber nicht sein, weil ich meine Eltern seit Wochen erzähle, momentan von früh bis spät zu arbeiten und man kennt die immer wieder erschreckend kurzen Kommunikationswege innerhalb einer Familie wenn es um banalen Mist geht. Erstaunlich dagegen, dass sich wichtige Neuigkeiten kaum verbreiten. Nicht das ich welche hätte, das fällt mir nur gerade ein. Eine WhatsApp zum Runden kann ich ihr aber auch nicht schreiben, dafür habe ich sie zu lieb. Weiterlesen

Verpasste Stimme – U-Bahn Gedanken

Nein, sagt die Stimme hinter der Maske, er würde sie nicht verstehen. Der Besitzer der Stimme lacht, ergänzt, dass er es künftig auch nicht mehr versuchen würde. Sie sei seine Schwester, ja…aber – so leid es ihm tut – er sei der Letzte, der ihre Handlungen nachvollziehen könne. Das Lachen klingt warm, ein wenig rau und schön. Ein Lachen, bei dem man sich die Mimik gut vorstellen kann. Ein aufmunterndes Lächeln, mit verzogenen Mundwinkeln, weil das worüber man lacht, im Grunde gar nicht zum Lachen ist. Das Telefon am Ohr, tief in den Sitz der S-Bahn gerutscht, lümmelt mir gegenüber ein Mann unbestimmten Alters. Seit FFP2 Masken einen Großteil des Gesichtes verstecken, ist das Alter an sommerlichen Sonnenbrillen-Tagen schwer zu schätzen. Eine Nasenspitze alleine reicht nicht und mehr als ein flüchtiger Blick wäre dem Telefonierendem gegenüber aufdringlich. Ne, sagt er und setzt sich etwas gerader hin. Ne, echt nicht, er beugt sich nach vorne und man hört seiner Stimme an, dass er – wahrscheinlich generell – aber besonders in der vollen S-Bahn nur ungern über eine Beziehung spricht, die nicht die seine ist. Lass sie, murmelt er und schüttelt den Kopf. Das bringt jetzt nichts, beschwichtigt seine Stimme und sagt, dass es schon wieder werden wird. Sie passt zu seinem Lachen. Ähnlich warm, auch etwas rau und mit jener Spur Humor, die man an den Tag legt, wenn reines Mitgefühl dem Gegenüber zu deutlich zeigen würde, dass wenig Hoffnung besteht. Die Sonnenbrille fällt ihm von der Nase, weil Kopfhörer, Maskenbänder und Brille zu viel für ein normales Paar Ohren sind und er tastet zwischen den Beinen der Fahrgäste danach. Murmelt ein: nein, wirklich nicht, und lehnt sich mit geschlossenen Augen wieder zurück. Weiterlesen

Künstler mit Namen – aus dem Archiv 01/2029

Meine Eltern haben sich etwas dabei gedacht, als sie mich auf den Namen Tanja Nicole taufen ließen. Jeder für sich, hatten sie sich Gedanken gemacht und dem jeweils anderem kurz vor der Entbindung das Ergebnis präsentiert. Nicole, sagte meine Mutter, weil so das kleine, süße Mädchen ihrer Aupair Familie in Südfrankfreich hieß und deren wenige Fotos sie wie einen Schatz hütet. Tanja, sagte mein Vater und so wie ich ihn kenne sagte er nur das und begründete die Wahl mit keinem weiteren Wort. Musste er auch nicht. In meinem Geburtsjahr gehörte Tanja zu den Top 10 Namen und wenn einem nichts besseres einfiel, dann war man damit auf der sicheren Seite. Beide Namen gehörten zu den Top 10 und mit Tanja Nicole war ich in etwa so individuell wie der durchschnittliche Helene Fischer Fan es heute ist. Ab Ende der 80iger Jahre wurden beide Namen seltener und wenn sie heute eine Tanja oder eine Nicole treffen, dann müssen Sie nicht nach dem Alter fragen. Beide sind altmodisch geworden und ich bin heute so etwas wie die Helgas und Inges als ich ein Teenager war. Glückwunsch, liebe Eltern – es ist ein Kackname. Verbunden mit meinem Nachnamen kratze ich nicht mal mehr am Mittelmaß sondern laufe ganz eindeutig unter ferner liefen. Verstehen Sie das?

Der Mitarbeiter des Kreisverwaltungsreferates in München, verstand es nicht. So wie er mich ansah, war er schon beim Aupair Aufenthalt meiner Mutter in Südfrankreich ausgestiegen. Meine Vornamen hatte er sich aber gemerkt und fragte jetzt, ob ich sie ändern wollte. Natürlich nicht. Es sind meine Namen, ob sie mir nun gefallen oder nicht. Nur in Kombination mit dem Nachnamen, da….. Ja, da könne man etwas machen, wurde der Beamte munter. Heirat zum Beispiel. Und da gingen sie hin, die Jahrzehnte der Emanzipation und der letzte Rest Romantik, an den man sich in der zweiten Lebenshälfte klammert. Nein, auch nicht heiraten. Zumal der letzte Irsaj in München, meines Wissens in den frühen Achtziger Jahren verstorben ist und ich einen Umzug aus Gründen der  Namensänderung ausschließe, weil Tanja Nicole Irsaj nun wirklich bescheuert klingt. Er nickt und ich ahnte, dass ich diesem Mann nicht erklären kann, was mit meinem Namen nicht stimmt. Ich bin gegangen ohne es versucht zu haben. Das hab ich erst wieder am Freitag vor Weihnachten. Und diesmal knallhart, ohne Eingangsgeschichte und in einem anderen Stadtteil.

„Grüß Gott. Ich will Mitzi Irsaj als Künstlernamen in den Ausweis eintragen lassen.“   
„Kennt man Sie?“
„Schon.“
„Ich nicht.“
„Dann haben´S was verpasst.“
Er grinst und Sie ahnen gar nicht, wie wichtig es auf dem Münchener Einwohnermeldeamt ist, wenn einer grinst. Ohne ein Grinsen können Sie gleich wieder gehen, wenn Sie sich sich einen Künstlernamen eintragen lassen wollen. Die Genehmigung ist nämlich eine Sache des Ermessens und das ist gerade in Bayern etwas ganz und gar vertracktes. 
„Aha.“ Aha, ist weniger gut als ein Grinsen und ich übernehme es für ihn – das Grinsen. Und weil das nicht reicht schiebe ich die Mappe mit allem, was es über mich gibt in seine Richtung. Diesmal war ich vorbereitet. Ich wusste es ja selbst nicht, aber man kennt mich – und wie man mich kannte, zeigte diese Mappe. Die Zeitungsartikel schob er mir gleich wieder zurück. Mir völlig unverständlich. Ok, die beiden Schülerzeitungen sind vielleicht nicht für überregionale Bekanntheit repräsentativ, aber die Kritik über meine Lesung im Bruchbichler Baumarkt, die erschien in Franken und das ist für einen Münchner definitiv nicht mehr regional. Die Flyer haben mehr geholfen. Das sind mittlerweile einige und ich habe beim Sitzen und Warten drei Kreuze geschlagen, dass die vom Theater Südsehen so toll aussehen. Nachhelfen musste ich trotzdem. Ich tippte auf einen von ihnen. „Da, mit Ulrike Dostal….sehen´S? Und hier….der Robert Ludewig.“ Er nickte anerkennen. Das musste er auch. Spätestens als ich beide als großartige Künstler bezeichnete (was sie auch sind, damit wir uns hier nicht missverstehen) und er sich nicht zuzugeben traute, dass er sie vermutlich nicht kannte. Und ich wäre da….. ja, freilich, unterbrach ich ihn. Schauen´S, hier hinten, da stehts…die Mitzi. Bedeutungsvolle Pause und dann noch den Flyer vom Hofspielhaus auf den Tisch gelegt. Das kennt er aber, oder? Direkt am Platzl, hinterm Schuhbeck. Eine Münchner Institution. Lächeln und wirken lassen. 

Ich hätte es mir sparen können. Der freundlich Grinsende und interessiert Aha-Sagende musste Rücksprache halten und verschwand für die nächste Dreiviertelstunde um sich mit seinem Kollegen zu beraten. Nicht ohne mir noch zu sagen, dass eigentlich alle Anträge abgelehnt werden. Aber wenigstens auch mit meinem Buch unterm Arm. Was am Ende den Ausschlag gegeben hat, weiß ich nicht. Aber geklappt hat es. Sie hören hier zum letzten Mal von Tanja, ich bin jetzt wirklich Mitzi. Steht im Ausweis und das fühlt sich schön an. Und wichtiger….es fühlt sich richtig an. Ich bin´s nämlich. Die Mitzi. Mein Buch hab ich ihm da gelassen. Dem, der so nett gelacht hat und der sich so viel Mühe gegeben hat sich durch den Berg an Flyern und Artikeln zu wühlen. Vorne hab ich ihm reingeschrieben, dass er im Januar mal hier auf die Seite schauen soll. Dann würde er sehen, wie meine Geschichten entstehen und wieviel davon echt und was womöglich erfunden ist.

Tante Mitzi

Wenn ich meine Eltern besuche stehen seit einigen Jahren am Klingelschild zwei Namen. Der Name meiner Eltern und der Name der Tante meines Vaters. Das ist ungewöhnlich, weil diese schon seit vielen Jahren nicht mehr lebt. Dass er nun deutlich sichtbar am Briefkasten, der Klingel und der Tür steht, ist meine Schuld und ich freue mich jedes einzelne Mal, wenn ich ihn sehe. Sie müssen wissen, dass meine Großtante eine der wundervollsten Frauen war, die unser Familie zustande brachte und seit ich mir ihren Namen geklaut habe, ist ein Teil von ihr noch immer bei mir. Besonders dann, wenn man mich fragt, wie eine echte Münchnerin wie ich, zu diesem Namen gekommen ist. Dann erzähle ich nicht meine, sondern ihre Geschichte. Mitzi ist die Abkürzung für Maria – in Bayern eher ungewöhnlich, im Sudentenland aber ganz normal und von da stammt dieser Teil meiner Familie. Irsaj freilich hieß Tante Mitzi nicht immer. Den Namen hat sie erst bekommen, als sie sich nach dem Krieg unsterblich in Mischko oder Michl (in unserer Familie neigen wir dazu jeden Vornamen gewaltig zu verhunzen) einen Serben verliebte und diesen geheiratet hat. Er war nach dem Krieg in München geblieben und dorthin hatte es, nach einem Zwischenstopp in einem Lager für Vertriebene, auch Mitzi verschlagen. Ein großes Glück, den wenn ich mich richtig erinnere, mochte ich Mischko unheimlich gerne. So ganz genau weiß ich das nicht mehr, weil er viel zu früh starb, aber auf dem Foto von mir und ihm, grinse ich als Baby recht zufrieden. Das erzähle ich meistens nicht, nur, dass ich am Grab meiner Tante Mitzi plötzlich wusste, dass mir ihr Name viel besser gefällt als mein eigener und ihn mir kurzerhand  zu eigen machte. Mittlerweile gehört er so sehr zu mir, dass er offiziell (auf der Rückseite) in meinem Ausweis steht, im Impressum angegeben werden darf und ich ein Konto mit ihm eröffnen konnte. Viel wichtiger als die damit verbundene Anonymität und der schöne Klang ist aber, dass ich Tante Mitzi immer bei mir habe. Weiterlesen

Synchron in die falsche Richtung

„Eigentlich ist es ziemlich bescheuert, dass ich Ihnen hier auf einem Schiff am Staffelsee etwas über Münchner Freibäder erzählen möchte….“ sage ich und denke dabei weder an das Schiff auf dem ich gerade stehe, noch an die Münchner Freibäder von denen meine erste Erzählung handelt. Ich denke, was für ein unglaubliches Glück es doch ist, dass genau jetzt, in dem Moment in dem das Schiff ablegt, die Sonne rauskommt. Die Sonne, mit der ich nach all den schlechten Wetterprognosen, gar nicht mehr rechnete, spiegelt sich wunderbar auf dem Wasser. Das sehe ich und weiß, dass ich es nicht sehen sollte, weil ich gerade zwar frei spreche, gleich aber zu lesen beginne. Es wundert mich, dass ich tatsächlich spreche und dabei an etwas anderes denke. So etwas kann nicht funktionieren und deshalb konzentriere ich mich jetzt wieder ganz auf das wunderbare Publikum und das was ich gerade erzähle. Das heißt, ich nehme es mir gedanklich vor und alleine der Vorsatz ist ja schon wieder ein neuer Gedanke –  verrückt, dass ich noch immer rede und gleichzeitig nicht das denke, was ich sage. Wenigstens sind die Gäste genauso fasziniert vom Wasser und der Sonne wie ich. Obwohl…der beste meiner Freunde schaut gerade ernst. Ok, ich habe noch nicht wirklich etwas lustiges gesagt, aber vielleicht….nein, ich habe nichts zwischen den Zähnen, weil ich nichts gegessen habe. Vielleicht schaut er deswegen ernst, weil er weiß, dass ich einen leeren Magen habe und mir – aus gerade nicht mehr nachvollziehbaren Gründen – statt einem Wasser einen Aperol Spritz zur Lesung bestellt habe. Ach gut, jetzt lächelt er. Ich auch…ist ja auch eine amüsante Stelle in meiner Erzählung…alles wieder gut. Nur mit dem Aperol muss ich vorsichtig sein. Ich lese stehend und ganz leicht spürt man die Bewegung des Schiffes. Oder des Aperols? Nein, ich hab bis jetzt nur genippt, alles gut. Jetzt ist erst mal Moses dran und ich frage mich wie ich die erste Erzählung lesen konnte und dabei an einen solchen Mist gedacht habe. Diese Art von Multitasking ist mehr als verstörend. Woran wohl Moses denkt, wenn er liest? Ich frag ihn lieber nicht. Erstens, weil er ja gerade spricht und zweitens habe ich das Gefühl, dass er nur an das denkt, was er gerade liest….faszinierend. Überhaupt ist der Mann großartig. Jetzt macht der Aperol auch Sinn. Einem so begnadetem Sprecher hört man wahnsinnig gern zu und ein Aperitif beim Sonnenuntergang rundet das ganze noch ab.  Weiterlesen

Endlich, endlich darf ich wieder…

Mit Italien im Herzen bin ich gewappnet für einen randvollen Terminkalender. Bis Ende September alleine sind es sieben Veranstaltungen. Unterbrochen von einer kleinen Verschnaufpause in Italien versteht sich. Recherche sage ich in meiner Agentur. Aber unter uns….Sie wissen, was ich da unten treibe.

Falls Sie die Gelegenheit haben, dann möchte ich Ihnen die Veranstaltungen mit Moses Wolff ans Herz legen. Ein Münchner, der so vielseitig, so unheimlich sympathisch und humorvoll ist, dass ich mich wahnsinnig auf die Abende mit ihm freue. Nicht ganz uneigennützig. Zu zweit hat man weit mehr Zeit zu genießen ;).

Kommende Veranstaltungen:

20.09.2021 Lesung – Erzählungen Andreas Glücksmasche“ 19:30 Uhr

Uhrzeit: 19:30 Uhr
Kosten: 10 Euro Eintrittskarte, ab 1.2.2021 im Strickcafé oder unter 05234 8797570
Ort: Foyer des Badehaus, Wällenweg 50, 32805 Horn – Bad Meinberg

17.09.2021 Lesung – Nix mit Amore gemeinsam mit Petra Lewi Gemeindebibliothek Neufahrn 20:00 Uhr
Eintritt: 7,00 Euro, Reservierung erbeten unter 08165-9751600 / bibliothek@neufahrn.de
Ort: Marktplatz 21, 85375 Neufahrn

11.09.2021 Lesung – Mitzi & Moses Wartenberg 19:30 Uhr bis 21:30
Nähere Infos folgen
Marktplatz 10
Wartenberg

15.08.2021 Lesung und 3 Gänge Menü – Mitzi & Moses
Hotel am Badersee, Grainau 

Einlass 17.30 Uhr | Beginn 18:30 Uhr
Preis: 59 Euro, inkl. Lesung, 3-Gänge-Menü, exkl. Getränke, Reservierung unter info@hotelambadersee.de
Ort: Hotel am Badersee, Am Badersee 1-5, 82491 Grainau

Infos hier

24.07.2021 Lesung – Münchner Geschichten  Knittlingen 18:00 Uhr
Lesung inkl. Getränke und kleiner Speisen
Eintritt: 9 Euro info@schweizer-blume.de
Ort: Stuttgarter Straße 9, 75438 Knittlingen

18.07.2021 Mitzi & Moses auf dem Staffelsee

Mitzi und Moses

Die Münchner Mitzi Irsaj und Moses Wolff bieten eine überaus erfrischende Literaturshow voller Satire, Übermut und Tiefe. Zwei Münchner, die nicht immer einer Meinung sind, sich aber
hervorragend ergänzen. Geboten wird einwandfreies Textgut aus eigener Feder. Die beiden Autoren lesen eine Auswahl ihrer jeweiligen Lieblingstexte und gewähren dem Publikum einen Einblick in die Herzen und Köpfe eines freigeistigen, klugen Schriftstellers und besonders hellem Stern am Kabaretthimmel und einer aufmerksamen, humorvollen Beobachterin die besonders gerne von der Komik des alltäglichen berichtet.

Mitzi und Moses – gute Laune mit Herz. Lassen Sie sich überraschen.

EINLASS SCHIFF 18.30
ABFAHRT 19.00
ENDE DER FAHRT 21.00
TITEL DER VERANSTALTUNG:
EINTRITT: 38.- EURO

Infos unter https://www.staffelsee.org/charter/lesung.php

14.07.2021 Lesung – Nix mit Amore – Buch 7, Langweid – inkl. einem italienischen 3 Gänge Menü
Infos unter http://www.buch7.de
Bahnhofstraße 23, 86462 Langweid am Lech

Großmarktschule

Als ich im Schlafwagen des Zuges nach Italien aufwachte, erkannte ich die Gegend sofort. Die Zypressen, das Licht der aufgehenden Sonne und die sanften Hügel: Verona. Ein Zufall und doch hat es mich nicht gewundert, dass ich genau dort aufwachte, wo ich einige Jahre gelebt habe. Egal um welche ich Uhrzeit ich mit dem Zug durch Verona fahre – immer wache ich dort auf. Ein wenig, als würde mich die Stadt daran erinnern, dass ich hier, am Ufer der Etsch endgültig erwachsen wurde und man das Wiedersehen mit einer alten und vertrauten Lehrerin nicht einfach verschläft. Die Stadt im frühen Licht der aufgehenden Sonne erwacht und ihr Murmeln klingt nach einer Kollegin, die es sich vor Jahren zur Aufgabe machte, die junge Deutsche immer wieder daran zu erinnern, welche Werte es zu erhalten und zu pflegen gilt. Eine mütterliche und fürsorgliche Kollegin, die alles daran setze, dass ich die Flüche der italienischen LKW Fahrer verstand aber nicht selbst benutzte. Beim ersten Kaffee, noch im Zug, denke ich zufrieden lächelnd an sie. Nie werde ich ihr verraten, dass ich einen recht großen Teil der Schimpfworte und dialektgefärbten Ausdrücke durchaus benutze und mich sehr gut erinnere. Sie würde sich aber sicher freuen, wenn sie wüsste, dass ich es nie, nicht einmal versehentlich, in Anwesenheit meiner Freunde und Bekannten in Italien mache. Und glauben Sie mir, mit Ausdrücken, meine ich nicht harmlose Flüche wie „Scheiße“ oder „Mist“ – Großmarkthändler und LKW Fahrer haben anderes auf Lager. Wahrscheinlich nicht nur in Italien sondern überall auf der Welt. Mir tat es gut in diese Becken ungefilterter Sprache und ungeschliffener, aber herzlicher Umgangsformen geworfen zu werden. Kaum eine andere Rosskur hätte mir schneller zu dem nötigen Selbstbewusstsein in einem fremden Land verholfen und ich hätte mich wohl deutlich länger darauf verlassen, dass ich bei Problemen auf die Hilfe von Familie und Freunden zählen kann. Heute kann ich das noch immer, aber ich weiß, dass ich mich im Zweifel auch alleine in den kalten Wind stellen kann. Dann, wenn es rauer wird, kommt manchmal noch die Zwanzigjährige zum Vorschein, die mit einem LKW Fahrer oder Großhändler diskutieren muss. Dann wundere ich mich, wie sehr einen wenige Jahre prägen können, wenn sie nur zur richtigen Zeit, an der Schwelle zum Erwachsenwerden stattgefunden haben. Weiterlesen

IV – VII

Das erlernen einer neuen Vokabel….Mittelohrentzündung. Aber mit Blick aufs Meer, Salzgeruch und Schlafen am Strand. Fotos erspare ich Ihnen. 🙈

Oder doch eines…

Krankenbesuch

Selbst ein pochender Kopf ist hier schön. Sturer Optimismus vorausgesetzt. 😊☀️