Bleibst du, ja?!? oder Fußball? Genau meines.

Sie wussten es vielleicht nicht, aber ich bin Fußballfan. Hardcore. Während der Welt- und Europameisterschaften bin ich für Deutschland und komme was wolle, ich muss das Spiel sehen. Das jedenfalls vermuten man und wenn ich ehrlich bin, dann versteh ich nicht ganz, wie man auf diesen Gedanken überhaupt kommen kann. Weder besitze ich ein Trikot noch male ich mir die Landesflagge ins Gesicht. Als Kind bestückte ich keine Pannini-Sammelalben und als Erwachsene lasse ich mir von meinem Fünfjährigen Patenkind erklären, wer die Männer sind, die dort bei der Deutschen Nationalmannschaft abgebildet sind. Torwarte angeblich. Außer Neuer kenne ich keinen, aber ich ließ mir sagen, dass man wohl ein bis zwei weitere in Reserve mitnimmt, falls einer den Ball gegen das Hirn bekommt oder wegen Dreharbeiten zum neuen Cola-Werbespot spontan verhindert ist. Ich habe wirklich wenig Ahnung und lege ein ausgesprochenes Desinteresse an den Tag. Innerlich. Äußerlich muss ich mich zurück halten und vorgeben dass ich mich sehr wohl interessiere. Ich habe mir sagen lassen, dass sich das so gehört. Als Deutsche.
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Florale Peinlichkeit

Wenn du darüber etwas auf deinem Blog schreibst, wird sie dir die Freundschaft kündigen, sagte Alex, einer meiner ältesten Freunde und deutete mit ausladender Geste  in einen über und über mit Rosen dekorierten Schlossgarten, den Schauplatz einer Hochzeit zu der wir beide geladen waren. Eine Hochzeit zu der wir aus Kostengründen – wie das Brautpaar ungeschönt in die Einladung schrieb – ohne Partner eingeladen waren und ziemlich verloren und blöd herum standen, weil wir sonst niemanden kannten. Das wird sie sowieso, versicherte ich ihm, nachdem ich kurz überschlagen hatte, dass mein Geschenk für das Brautpaar angesichts dieser pompösen Feier eine lächerlich geringe Anzahl von Scheinen enthielt. Bei uns ist es üblich, das eigentliche Geschenk durch das „Mahlgeld“ zu ergänzen – einige Geldscheine im Kuvert, die in etwa dem entsprechen, was man an diesem Tag konsumiert. Ein für das Brautpaar praktischer Brauch, denn bayerische Hochzeiten zeichnen sich oft durch viele Gäste und bis zu drei Mahlzeiten aus. Da möchte man das Brautpaar ja nicht schon in den Anfangstagen der Ehe finanziell ruinieren. Wieviel, fragt mich Alex, über den Rand der Bierflasche,  ich zucke mit den Schultern und weil er nicht locker lässt, nenne ich ihm den Betrag in Höhe von 75 Euro. Er zuckt zusammen. Ohne Mahlgeld will er wissen und ich verneinen. Es könne doch keine ahnen, dass die hier schon nach der Kirche mit Lachs und Kaviar anfangen und den Champus raushauen als wäre es Wasser. Von letzterem sollte ich dann besser die Finger lassen, werde ich schmunzelnd angewiesen. Der sei bei meinen 75 Euro nun wirklich nicht mit drin. Ich nicke und nehme ihm die Bierflasche aus der Hand. Bevor er protestieren kann lege ich los. Weiterlesen

Uiuiui

Man sagt, dass es wichtig ist über sich selbst lachen zu können. Mag sein. Viel wichtiger aber ist es, sich seiner eigenen Blödheit bewusst zu sein, denn das ist lebensrettend. Im Ernst, Sie ahnen gar nicht, wie leicht es ist sich selbst umzubringen. Ohne jeden Vorsatz, einfach nur, weil man sich so saudumm angestellt hat, dass man sich fragt – sofern man überlebt – wie blöd man eigentlich sein kann. Ich selbst unterstreiche besonders dumme Aktionen gerne mit einem gemurmelten „uiuiui“. Bis vor einigen Jahren dachte ich, dass ich dieses Geräusch von mir gebe, wenn ich urplötzlich in eine brenzliche, mit etwas Glück aber zu überstehende Situation gerate. Zum Beispiel, wenn man bei leichtem Nebel etwas zu schnell – oder wie mein Vater sagen würde, völlig hirnlos – einen Skipiste nach unten brettert und aufgrund der schlechten Sicht versehentlich in die Buckelpiste abbiegt. Das ist ein „uiuiui-Moment“. Andere brüllen „Fuck“ ich murmle uiuiui und lache hysterisch wenn ich stehend unten ankomme. Uiuiui sage ich auch, wenn es mal eng wird. Beim Autofahren zum Beispiel. Da gibt’s schmalen Straßen, die richtig eng werden wenn noch ein LKW am Rand steht. Ich fahre dann langsam durch, hoffe das beste und murmle leise mein Mantra. Das zumindest dachte ich lange. Bis vor ein paar Jahren mein Freund neben mir saß, als es eng wurde. Ich murmelte und als ich ihn das nächste Mal ansah war er weiß im Gesicht und sagte betont ruhig, dass ich unverzüglich rechts ranfahren soll. Weiterlesen

Sommerräume

Mein Balkon und mein Laubengang sind mir heilig. Ich habe sie so gern wie meine Wohnung und betrachte sie von Frühling bis Herbst als zwei weitere, besonders schöne Räume. Öffentliche Räume, denn egal ob man will oder nicht, als Geheimnisträger eignen sich die Sommerräume nicht. Von allen Balkonen im Haus ist meiner der Wilde. Man sieht es von unten wenn man den Kopf in den Nacken legt und die Hausfront hinauf blickt. Bei mir ist nichts ordentlich, aber alles üppig. Schlampig nennt ihn Frau Obst, die den Kopf nicht in den Nacken legt, sondern sich täglich einmal gefährlich weit über die Brüstung lehnt um zu kontrollieren ob es vielleicht ordentlicher geworden ist.

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Weiß nicht was

Der Mann, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Türe steht, kommt nicht vorbei. Er ist, er weiß nicht was. Das ist ungewöhnlich. Ich kenne ihn wütend – kurz und heftig wie ein Gewitter. Dauerhaft bewölkt kenne ich ihn nicht. Ich kenne ihn lachend und kenne ihn ruhig, weil er selten mehr als nötig sagt. Sich Worte verkneifend kenne ich ihn nicht. Ich kenne ihn eine Antwort rigoros verweigernd und schmunzelnd den Kopf schütteln. Linkisch mit den Schultern zuckend, kenne ich ihn nicht. Ich kenne ihn angefressen und weiß, dass er es heute nicht ist. Heute ist er, er weiß nicht was und das ist ungewöhnlich.

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Kurze Frage

Wissen Sie wer dieses Bild im Original gemalt hat?

Der Junge, gemalt von meinem Vater, begleitet mich mein Leben lang schon. Leider kann sich mein Vater nicht an den Namen des Malers erinnern, von dem er es vor über 50 Jahren abgemalt hat.

Kennen Sie ihn?

Guten Start in die Woche.