Danke

Bevor Sie alle ins neue Jahr stolpern, fallen, taumeln und sinken….

Danke für das Begleiten meiner Gedanken, dem geduldigen Zuhören meines Geplappers, den aufmunternden Worten, den Denkanstößen, dem Teilen Ihrer Gedanken.
Danke für das Abonnieren meines Blogs, dem Kaufen und Weitersagen meines Buches,  den Rezensionen, die ausnahmslos besser als mein Klappentext sind und danke für jedes einzelne Like und für die Kritik im richtigen Moment.
Danke auch denen die mich persönlich kennen und….lassen wir das, Sie wissen, was ich sagen will.
Hinter mir lacht sich einer kaputt. Steht mit einer Teetasse hinter dem Stuhl, tippt sich  gegen die Stirn und erkundigt sich, was das soll. Es würde nach der Neujahrsansprache einer alternden Hollywood Diva klingen. Man wird doch mal danke sagen können, oder? Ich sag Ihnen das viel zu selten. Dass ich wirklich sehr glücklich bin, hier mit Ihnen….er hat ja recht, der hinter mir. Das klingt schrecklich.
Und ausnahmsweise lasse ich mir in meine Texte reinreden. Der hinter mir hat nämlich recht. Danke ist ein Wort, das am besten für sich alleine steht und keinerlei Begründung braucht.

….DANKE. Ist schön mit Ihnen.

 

 

 

Mustis Schatz

Mustafa, der Inhaber des kleinen Kiosk an der Kreuzung, grüßt mich heute morgen mit einem „Guten Morgen“. Das ist ein Wort mehr als sonst, aber deutlich weniger Herzlichkeit, die sonst in seiner Begrüßung mitschwingt. Normalerweise werde ich mit einem „Schatzi“ und drei Ausrufezeichen begrüßt. Bei Mustafa sind alle Frauen zwischen 15 und 75 Schatzi. Besucherinnen die dieses Alter deutlich sichtbar überschritten haben, sind Omi. Die Kundenansprache in Form von Koseworten ist ein kluger Schachzug. Ich habe zwei Jahre gebraucht, bis ich begriffen habe, dass ich nicht das einzige Schatzi bin und Mustafa vermutlich einfach keine Ahnung von meinem wirklichen Namen hat. Mir ist es egal. Wenn mich einer morgens so freundlich anstrahlt, dann darf er mich auch gerne Schatzi nennen. Dass ich es heute nach zwei Jahren, das erste Mal nicht bin, fällt daher auf. Ich frage ihn ob er schöne Weihnachten hatte und ernte ein Stirnrunzeln. Nein, hatte er nicht. Wie mir sicher aufgefallen sei, ist er Türke, klärt er mich auf. Um seinen Hals baumelt kein Kreuz und ich könne daraus schließen, dass er Muslime ist und Weihnachten etwas sei, das ihn weder interessierte noch betreffe.
Alles gut, Musti, frage ich ihn und verkneife mir den Hinweis, dass um meinen Hals auch kein Kreuz baumeln würde und er die letzten vier Wochen fast täglich betonte, dass er sich dieses Jahr ganz besonders auf Weihnachten freuen würde, weil er es das erste Mal in seinem Leben feiern würde. So richtig. In einer christlichen Familie. Als Muslime in Bayern könne man den Advent und Weihnachten eh feiern, verkündete er. Nicht unbedingt wegen Christi Geburt, eher wegen der schönen Lichterketten, dem Baum und der heimeligen Stimmung – ganz so wie auch 75 % der getauften, aber längst gleichgültigen Katholiken. Er hatte sich darauf gefreut, das weiß ich.  Musti? Ich schaue ihn lange an und gebe den Geldschein für meine Zeitung nicht aus der Hand, bis er sich auf den Tresen lehnt und mit der Sprache rausrückt.

Das dann auch mit Nachdruck. Ersten sei sein Name Mustafa und nicht Musti. Und zweitens würde er Weihnachten ab sofort aus seinem Wort- und Gedankenschatz verbannen. Die drei Feiertage hätten ihn um zehn Jahre altern lassen und in dieses Minenfeld würde er sich nie wieder begeben. Die spinnen doch, die Christen. Er nimmt mir den Schein aus der Hand und streicht ihn glatt. Nicht alle Christen, korrigiert er sich, um mich nicht ungewollt zu beleidigen, aber die in der Familie seiner Freundin. Die würden wirklich spinnen. Weil Musti, den ich heute Mustafa nennen muss, so in Fahrt ist, nehme ich den Pappbecher den er mir reicht, ohne ihn darauf aufmerksam zu machen, dass ich weder die Filterkaffee noch den Müll in Form von Pappbechern sonderlich mag. Manchmal muss man den Mund halten. Dann, wenn einem einer vordergründig wütend, etwas sehr trauriges erzählt. Musti erzählt, dass er sich auf alles eingelassen hatte. Sogar in die Christmette war er mitgegangen und hatte gefallen daran gefunden, weil das was Religionen verbindet am Ende mehr zählt als das was sie trennt. Und musste feststellen, dass Eltern und Großeltern seiner Freundin dort nur hingingen, damit die Nachbarn sich nicht das Maul zerrissen. Beim Essen nannte er die Neunzigjährige Großmutter „Omi“ und erntete entsetzte Blicke, die nur von denen übertroffen wurden, als er die Schwester der Freundin „Schatzi“ nannte. Wer Musti kennt, weiß, dass er sich keine Namen merken kann und wer sich ein bisschen Zeit nimmt, sieht an seinem warmen und herzlichen Lächeln, dass er alle seine Omis und Schatzis sehr wohl auseinander halten kann. Nur eben nicht namentlich. Besinnlich sei außer den Kerzen am Tisch nichts gewesen. Die Kinder wollten nur Geschenke und bekamen so viele, dass sie kaum Zeit hatten sich darüber zu freuen. Gestritten hatten sich seine Gastgeber schon bei der Vorspeise und noch vor dem Dessert musste er mit seiner Freundin die Wohnung der Eltern verlassen, weil die Generationen sich so in die Haare bekamen, dass eine Versöhnung an diesem Abend ausgeschlossen war.

Noch immer streicht er meinen Geldschein glatt. Als er ihn endlich in die Kasse schiebt, lacht er leise und schüttelt dann traurig den Kopf. All das gäbe es in seiner Familie auch. Man tappt in Fettnäpfchen, benimmt sich daneben, streitet und versöhnt sich oder versöhnt sich auch nicht. Die Familie macht es einem manchmal nicht leicht, aber von seiner Freundin, von der ist er sehr enttäuscht. Das von ihm überreichte Geschenk hat ihr nicht gefallen. Er sah es an ihrem Blick, als sie das Papier und die Schleifen löste und bekam die Bestätigung, als sie ihn am nächsten Morgen um den Kassenzettel bat, um es umzutauschen. So ist das, sagt er und lächelt tapfer. Geschenke müssen ja gefallen und es ist gut, dass sie so ehrlich war. Und jetzt raus mit mir, er müsse weiter arbeiten.

Draußen trinke ich den scheußlichen Kaffee. Nein, es ist nicht gut, dass sie ehrlich war. Ich und viele andere Schatzis haben in den letzten Wochen das zarte, filigrane Goldkettchen gesehen, dass er für sie schon im November gekauft hat und es aufgeregt wie ein kleines Kind den Stammkunden zeigte. Es ist wunderschön. Und selbst wenn man es nicht wunderschön findet. Wenn Mustis Augen nur halb so sehr geleuchtet haben, wie an dem Tag als er es mir zeigte, dann verstehe ich nicht, wie man sich nicht darüber gefreut haben kann. Es gibt Geschenke, die lieblos und herzlos ausgesucht werden. Ob man sie umtauschen darf, will ich gar nicht beurteilen. Etwas, das aber mit so viel Liebe ausgesucht wurde, das darf man nie, nie, nie einfach umtauschen. Selbst wenn man es scheußlich findet. Und nie, nie, nie, darf man einem Schatz wie Musi so vor den Kopf stoßen.

Loslassen – buon viaggio, Mutiger.

Als ich eben die Tür aufsperrte, roch es nach Italien. Ein feiner Hauch nur, aber ganz eindeutig, hing der Duft des Landes, in dem ein Teil meines Herzens für immer wohnen bleibt, in der Luft. Im Bad ganz besonders. Da hängt ein noch feuchtes Handtuch zum Trocknen über der Türe und verströmt den ganz eigenen Geruch einer kleinen Mittelmeerinsel. Sie, die Insel, riecht ein wenig nach einem Boss After Shave, aber ich erkenne darin ganz eindeutig Italien. Auch am Duft des Sofa- und Kopfkissen erahne ich mein Sehnsuchtsland. Das Sofakissen verströmt Mailand, im Schlafzimmer riecht es nach Verona. Ich spinne, würde mir der mutigste meiner Freunde vermutlich attestieren und hat trotzdem nur kurz gegrinst als ich ihm mit dem Kissen im Arm nachlief und ihn bat, mir etwas von Italien da zu lassen. Jetzt hängt es hier zwischen den Nadeln meines Christbaums und flackert zwischen den Flammen des Adventkranzes. Am 25.12 eines jeden Jahres macht mich Italien ein wenig traurig, weil es mich an den Abschied erinnerte. Einen, den wir jedes Jahr haben und von dem man meinen könnte, dass man sich längst an ihn gewöhnt haben müsste. Wir verabschieden uns, seit wir uns kennen, ein halbes Leben lang, und müssten uns längst daran gewöhnt haben. Mir fällt es schwer und ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob der Preis in Form beständiger Abschiede nicht ein wenig zu hoch ist. Weiterlesen

Eigentlich….

Ihnen allen Frohe Weihnachten. Eigentlich, ja eigentlich, wollte ich noch antworten und schreiben und und und….jetzt stoße ich beim traditionellen Champagner Brunch auf Ihr Wohl an!

Fühlen Sie sich umarmt!

Gjjn

Babbo Natale muss sterben

Mit der Strenge einer, über Jahre ausgebildeten Domina sage ich: „Nein.“ Ohne Ausrufezeichen und ohne Erklärung sage ich das schlichte Wort in einer einschüchternden Ruhe und bleibe bewegungslos vor der Türe meiner Nachbarn stehen. Die beiden Studenten sehen mich fragend an und weil sie  eine solche, fast wortlose Strenge angesichts ihrer jungen Jahre wohl noch nicht deuten können, zeige ich nachsichtig lächelnd zu dem Raum, der sich genau über meinem Schlafzimmer befindet.  Noch einmal sage ich klar und deutlich nein und wende mich ab. Ich spüre ihren Blick deutlich in meinem Rücken und drehe mich noch einmal um, weil sie wirklich schwer von Begriff sind. Nein, oder ich tue ihm weh, sage ich und ob sie das verstanden haben, frage ich. Auch das sage ich ganz ruhig und mit einem Lächeln auf den Lippen. Meine Nachbarn lächeln nicht, aber sie nicken. Wenn ich kurz davor bin, jemandem den Hals umzudrehen, dann lächle ich ein Lächeln von dem meine engsten Freunde behaupten, dass sie davon eine Gänsehaut bekommen. Weiterlesen

Tschuko

Ich liege unter dem Tisch. Nicht die ganze Zeit. Aber ab und zu. Denn das ist Tschukos aktueller Lieblingsplatz. Auf meinem Laminat rutschen ihm die Pfoten weg und dort ist einer der wenigen Plätze mit einem Teppich. Warm muss er es nicht haben. Als Husky ist er mir dankbar, dass ich die Heizung nicht ganz aufdrehe. Weil ich aber nicht frieren will, lege ich mich unter den Tisch, zu Tschuko. Er legt sich dicht vor mich, während ich lese und ich bin ganz froh, alleine zu wohnen. In meinem Alter ist es komisch, sich zum Lesen unter den Tisch zu legen. Tschuko und ich finden das völlig normal. Ab und zu leckt er mir über das Gesicht, wenn ich mich nicht schnell genug wegdrehe. Er weiß, dass ich das nicht mag und grinst mich dann an. Doch! Hunde können grinsen.

Nachts liegen wir nicht unter dem Tisch. Da gehe ich dann doch lieber in mein Bett und er liegt davor. Es wäre äußerst gemütlich, wenn er ebenfalls in meinem Bett liegen würde, aber ein Hund bleibt ein Hund und für mich gehören sie nicht ins Bett. Punkt. Aber davor. Die tiefen Atemzüge eines großen Hundes sind nämlich äußerst meditativ und mit einer solchen Fellkugel vor dem Bett, weiß man, dass einem nichts passieren kann. Weder Chucky die Mörderpuppe, noch die irren Nachbarn oder ein Großbrand können einen im Schlaf überraschen. Ob es stimmt? Unwichtig, wenn man mit der Gewissheit einschläft. Weiterlesen

S´Wuggerl

„Schau, des Wuggerl do“, hat mich mein Nachbar Herr Meier eben auf dem Heimweg aufgehalten und mit einer Kopfbewegung auf ein kleines Kind gedeutet. Schaut lieb aus, sage ich und werfe einen Blick über meine Schulter zu dem Wuggerl, dem kleinen Mädchen, das mitten auf dem Gehweg sitzt und in seinem rosa Schneeanzug und der Bommelmütze fast verschwindet. Ich nicke Herrn Meier, der neben Herrn Mu an der Bushaltestelle in der Sonne sitzt zu und wende mich ab um nach Hause zu gehen. Herr Meier hält mich zurück. Ich soll nicht nur blöd schauen, sondern mich um das Kind kümmern, blufft er mich an und Herr Mu nickt. Ja, das wäre angebracht. Ich sei schon die fünfte die an dem Mädchen einfach vorbei geht und es ignoriert.  Heute Nachmittag habe ich frei und viel zu erledigen. Im Gegensatz zu meinen Nachbarn sind Nachmittag ohne Büro für mich ein Luxus, der genutzt werden möchte. Ich frage die alten Herren, warum sie selbst denn nur blöd schauen würden, aber in der Sonne hocken blieben. Der alte Meier holt Luft, aber Herr Mu kommt ihm zu vor. Mit einer Strenge, die ich an ihm noch nicht gekannt habe, schickt auch er mich zu dem Kind. Genervt mache ich kehrt und gehe die zwanzig Meter bis zum rosa Wuggerl zurück. Weiterlesen

Ich kann das!

Ich bin die Tochter eines Handwerkers. Das erkennen Sie, wenn Sie einen Blick in meine Werkzeug-Blechkiste werfen, sofort. Nur die Tochter eines Handwerkers hat gleich drei Wasserwaagen und nur bei der Tochter eines Handwerkers sind diese sechseckigen, L-förmigen Geräte in acht Größen vorhanden. Sie wissen schon, diese Dinger, die man für etwas braucht, das mir gerade nicht einfällt. Die, die in jedem guten Werkzeugkasten zu finden sind und die immer in so einen Stofffetzen eingeschlagen sind. Sie wissen schon. Obwohl es sich um einen Lumpen handelt und das Päckchen mit einem schäbigen Gummiband zusammen gehalten wird, schnalzen die Männer meines Freundeskreises immer mit der Zunge wenn sie es sehen und sind erstaunt, dass ich diese sechseckigen Dinger in allen Größen besitze. Als Tochter meines Vaters weiß ich natürlich auch was eine Hilti ist. Nicht weil ich eine besitze, sondern weil einer mal ein Auto hatte, von dem es hieß, es wäre Hilti-rot. Ich habe den Farbton damals nachgeschlagen. Richtig scharfe Teppichmesser besitze ich auch. Weil ich keinen Teppich in der Wohnung habe, schneide ich damit Chillischoten. Überhaupt bin ich der Meinung, dass man sein Werkzeug regelmäßig benutzen sollte. Zumindest das, von dem man weiß, wozu es nötig ist. Mit dem kleinen Beil, das mir der beste Freund meines Vater überließ um den Stamm des Christbaumes zurecht zu schnitzen, zerhacke ich zum Beispiel besonders gerne Hokaidokürbisse und mit einem meiner vier Hammer hacke ich die Walnüsse von Herrn Meier. Den Stamm des Christbaums habe ich damit natürlich auch zerhackt und weiß seit dem, dass man da leicht abrutschen kann und ein handelsüblicher Laminatboden wirklich nichts verzeiht. So gefährliche Arbeiten verrichte ich seit dem auf dem Balkon. Dort hört und sieht man mich und die Nachbarn können notfalls den Krankenwagen rufen. Weiterlesen

peinlICH

Ich bin peinlich, wurde mir letztes Jahr von einem attestiert, dem ich peinlich war. Ich war peinlich berührt, weil ich an achtundzwanzig von dreißig  Tagen versuche eben nicht peinlich aufzufallen. An achtundzwanzig gelingt es mir, an einem kann ich nun wirklich nichts dafür und an einem ist es mir scheissegal. 
Ja, ich habe „vom Winde verweht“ umgeschrieben, mir ein alternatives Ende für Rhett und Scarlett ausgedacht und die 106 Seiten ausgedruckt in einer Schublade liegen. In einer privaten, der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Schublade. Es ist nicht meine Schuld wenn das einer auf der Suche nach der Bedienungsanleitung für den Rauchmelder findet und auch noch liest.  Weiterlesen