Wider die doofen Pelzpuschel auf dem Kopf (wie Jules sagt) oder – es kotzt mich an (wie Mitzi traurig hinter her schiebt)

Sehen Sie den hübschen, flauschigen Puschel auf der Mütze. Hübsch von Jules animiert und hübsch anzusehen. Ein kleiner, hübscher Bommel den man in der Münchner Fußgängerzone alle 12 Sekunden an sich vorbei laufen sieht. Genauso hübsch und flauschig sind die wunderschönen Pelzbesätze an gefühlt jeder zweiten Jacke und Mantel. Soll ich Ihnen was sagen? Es widert mich an. Die meisten davon sind nämlich aus echtem Pelz.
Kaum einer in meinem Bekanntenkreis würde sich erdreisten echten Pelz zu tragen. Das macht man nicht. Meine Generation trägt keinen Pelz. Aber die Puschel und Besätze sind ok. Da finden wir duzende von Ausreden. Angefangen von „ach komm, das kleine Ding ist doch nicht Nerz, sondern Fuchs oder Waschbär“ über „echt? das wusste ich nicht“ bis hin zu „Waschbären sind ja mancherorts auch echte Plagen geworden“. Alle diese Aussagen sind dumm und unverschämt. Wenn im Etikette nicht Kunstfell steht, dann ist es von einem Tier, das mit Sicherheit nicht totgestreichelt wurde. Plage hin oder her. Es handelt sich auch nicht um Nebenprodukte beim Schlachten von Hasen. Das wäre viel zu aufwändig und ist aus Kostengründen in den meisten Fällen gar nicht machbar.  Am erbärmlichsten und traurigsten finde ich, dass Pelz wieder normal geworden wurde. Die Frechheit sich echten Pelz auf die Mütze zu klatschen und es noch nicht einmal zu hinterfragen…dafür fehlen mir die Worte. Und deshalb halte ich jetzt auch den Mund, denn eigentlich wollte ich nur Jules sehr guten Beitrag teilen. Der schafft das, was ich nicht kann. Mit ruhigen Worten eine Aussage gegen Pelz treffen.

Ein Naturgesetz unserer Moden: Je grotesker eine Erscheinung, desto hartnäckiger. Das war schon mit den unsäglichen Hüfthosen so. Nach jetzt gut 15 Jahren klingt diese visuelle Pest gerade ab. Nun ist es schon vier Jahre her, dass mich meine damalige Freundin auf die albernen Puschel aufmerksam machte, die manche Frauen auf den Mützen tragen, womit […]

über Wider die doofen Pelzpuschel auf dem Kopf —

Danke, lieber Jules, für die Erinnerung das ich mich schon lange darüber aufregen wollte.

Alles eine Frage der richtigen Zange

Wäre T.C. Boyle mein Vater, würde ich damit klar kommen. Auch die Vorstellung Philip Roth oder Thomas Bernhard als väterliches Vorbild zu haben gefällt mir. Mit Bernhard hätte ich vermutlich massive Probleme. Probleme, die sich aber wohl weniger um das Schreiben drehen würden. Da würden wir schon klar kommen. Er und ich. Obwohl….er wohl nicht, aber ich. Väter die ein großes Talent haben stören mich nicht. Im Gegenteil, ich würde das bewundern und mich über ihren Erfolg freuen. Man könnte mich auch in eine Schauspielerfamilie einpflanzen. Es wäre mir egal ob ich ein ähnliches Talent habe oder eine totale Niete wäre. Solche Dinge betrachte ich mit der nötigen Distanz. Um die Beispiele abzuschließen, wäre es für mich auch in Ordnung wenn meine ganze Familie aus Hochseilartisten bestehen würde. Ich könnte mich damit arrangieren, die einzige zu sein, die talentfrei am Boden bleibt. So richtig einschüchternd und belastend empfinde ich eigentlich nur einen Vater. Meinen. Weiterlesen →

Falentin nicht Walentin – Herrschaftszeiten!

Du, ich hab´s g´schafft, sagte ich gestern um viertel nach zehn und setzte mich im Schneidersitz auf den Mauervorsprung der Mariahilf Kirche, hinter der ich zur Schule gegangen bin. Der mutigste meiner Freunde lehnte vor der Kirche San Zeno in Verona und saß doch irgendwie neben mir. Ohne uns zu verabreden schaffen wir es oft, an ähnlichen Orten zu sein, wenn wir uns anrufen. Dann sitze ich am Starnberger See, während er gerade am Lago Maggiore einen Parkplatz sucht. Oder wir sitzen beide am Balkon. Ich in München und er in Genua oder Neapel. Der mutigste meiner Freunde gehört zu den Menschen, die ich anrufe, wenn ich eigentlich mit niemanden reden mag und doch einem etwas erzählen möchte. Weiterlesen →

Geschenkt – U-Bahn Gedanken

Können Sie sich noch an Anna erinnern? Anna, die ich nie gesehen habe, deren Freund aber regelmäßig mit mir in der S-Bahn fährt. Die Anna, zu der vor einigen Monaten der Satz „Ich dich nicht“ gesagt wurde? Es geht ihr gut. Anna. Zumindest glaube ich, dass es ihr gut geht. Das Rauschen ihrer Stimme klingt fröhlich. Ich verstehe nicht was sie sagt, weil ich neben ihrem Freund sitze und ihre Worte durch sein Handy nicht zu erkennen sind. Aber ich höre, das die Wellen des gesagten fröhlich klingen. Es freut mich, denn ich sorgte mich um sie. Ob das „ich dich nicht“ das Gegenstück zu einem „ich dich auch“ war, werde ich nicht erfahren und möchte lieber nicht spekulieren. Lieber freue ich mich über Annas aufgeregte Stimme. Weiterlesen →

Alter!

Ich mag ja Trottel. Solche, in denen man sich wiederkennt und bei denen man froh ist, dass es einen diesmal nicht selbst getroffen hat. Einem Trottel kann ich stundenlang zusehen und mich dabei besser als beim durchschnittlichen Fernsehprogramm amüsieren. Ich mag es zum Beispiel unheimlich gerne, Kollegen beim Beseitigen des Papierstaus am High-Tech Drucker / Kopierer / Scanner zu beobachten. Nicht, dass meine Kollegen pauschal Trottel wären – auf keinen Fall. Aber ich kenne kaum einen, der die Rolle auf allen vieren kauernd und mit der Hand in einem der vielen Einzugsfächer steckend, nicht perfekt verkörpern würde. Dann suche ich mir eine Arbeit die nicht viel Aufmerksamkeit erfordert (zum Beispiel tackern – ich bin große Klasse im Tackern), lehne mich an das Sideboard und lausche den leisen Flüchen. Es versteht sich von selbst, dass ich mich an der Behebung des Papierstau nicht beteilige. Die letzten fünf Jahre habe ich ein hilfloses Lächeln perfektioniert, das es mir erspart, selbst in die Knie zu gehen. Kennt mich einer noch nicht gut genug, um zu wissen dass dieses Lächeln übersetzt „vergiss es, den Mist fasse ich gar nicht erst an“, teile ich es ihm charmant verbal mit.

Noch lieber mag ich die echten Trottel. Die, die einfach ein bisschen doof sind. Doof und dabei besonders liebenswert. Die zu beobachten ist mir eine große Freude. Verstehen sie mich nicht falsch. Ich spreche hier nicht von echten Defiziten. Ich meine den Schlag von Menschen, der gepflegt einen an der Klatsche hat und sich damit rund um wohl fühlt. Zum Beispiel Tom. Tom ist Friseur bei meinem Friseur. Von Tom würde ich mir nie die Haare schneiden lassen. Viel zu oft habe ich ein „ups“ aus seinem Mund gehört. Und ich sehe ja was er mit seinen eigenen Haaren macht. Außerdem redet er mir zu viel. Ich gehe lieber zu Hagen. Der sagt nicht „ups“ sondern eigentlich gar nichts. Hagen und ich sind meist die einzigen im Salon die sich anschweigen und lieber den Gesprächen lauschen und das Treiben um uns herum beobachten. Ich mehr als er. Er muss mir ja die Haare schneiden und sich dabei konzentrieren. Das ist gar nicht so leicht. Wenn Hagen nämlich Pech hat, dann hat Tom gerade keinen Kunden und zu viel Zeit. Was für mich ein Highlight ist, ist für Hagen eine echte Herausforderung. Zum Beispiel gestern. Gestern war mein Glücks- und Hagens Pechtag. Tom hatte Zeit. Und weil Tom ein hilfsbereiter Mensch ist, nutzt er seine Zeit. Während rechts von mir Hagen saß und meine Haare schnitt, nahm Tom links von mir Platz und zupfte die feuchten Strähnen vom Umhang. Einzeln. Es ist sehr beruhigend,  dem Schnipp-Schnapp einer Schere zu lauschen und eine Hand zu beobachten, die im gleichen Rhythmus die gefallenen Haarsträhnen einsammelt und sanft auf den Boden fallen lässt. Für mich. Für Hagen war es eher anstrengend. Das schöne Schnipp-Schnapp Geräusch seiner Schere kam aus dem Takt und verstummte wenig später ganz. Hagen sah sich gezwungen doch zu sprechen. Und Tom zu antworten.

„Was?!“
„Ich räum auf.“
„Alter! Die sitzt da noch.“ – Die war ich.

Tom verzog sich und konzentrierte sich auf die Haarsträhnen am Boden. Weil Hagen ihn gar so mürrisch ansah, traute er sich nicht zwischen meinen und Hagens Beinen zu fegen. Tom ist kreativ. Er nutzte einen Föhn. Einen Meter von uns entfernt richtete er ihn auf den Boden und blies die Haare, ganz wie Laub mit einem Laubbläser, unter dem Stuhl in eine Richtung. Es war wohl die falsche Richtung, den er umkreiste uns. Mehrfach. Ich kann ihnen nicht sagen, wie amüsant das war. Trottel Ballett. Ich lächelte, Hagen explodierte.

Während die Farbe in meinen Haaren einwirkte, kam ich noch in den Genuss zu beobachten wie Hagen mit einem Azubi die Lichterkette am Fenster anbrachte. Versuchte sie anzubringen. Ich habe keine gute räumliche Vorstellung, aber dass das Kabel zu kurz war, sah sogar ich. Ich mag Menschen, die sich von so etwas nicht einschüchtern lassen und erst einmal das ganze Schaufenster dekorieren bevor sie sich mit Banalitäten wie Stromanschlüssen beschäftigen. Selbst Hagen honorierte das Engagement verbal. Vor dem Fenster stehend, den mittig in einem Meter höhe baumelnden Stecker betrachtend murmelte er: „Alter! Du bist echt gut.“ Tom ist wirklich gut. Weil ihm langweilig war und sich kein Verlängerungskabel fand, föhnte er mir anstelle von Hagen die Haare. Ich wusste gar nicht, dass ich wie Agnetha von Abba aussehen kann. Als ich bezahlt hatte, stand Hagen vor dem Laden und rauchte eine Zigarette. Ich ging zu ihm um ihm das Trinkgeld zu geben. Er sah mich lange an, bevor er den Kopf schüttelte. Ne, das wäre nicht fair, meinte er und fügte ein „Alter, der ist echt – Pause- schönen Abend“ an.

Zu Hause setzte ich die Brille auf und murmelte: „Alter!“ Agneta sah mit etwas mehr Sehschärfe verdammt nach Dolly Parton aus.

Wir sollten uns besser kennen lernen

Finden Sie nicht?

Gelegenheit hätten wir am 09.12.2016 um 19:00 Uhr im Karl-Valentin Haus in München.
Dort darf ich aus meinen Texten lesen und Sie können sehen wer hinter der großen Klappe und dem stillen Nachdenken steckt. Ich würde mich sehr freuen! Nehmen Sie mir aber bitte Hustenbonbons mit. Ich habe die Befürchtung das 60 Minuten plappern (das kann ich sehr gut) etwas anderes ist als 60 Minuten zu lesen.

Auf der Seite des Theaters Südsehen finden Sie näheres.

Ein herzliches Danke an Simone  , die mir das zutraut.

 

 

Feiern wie 1999 – keine Lust

Lasst uns meinen Geburtstag feiern, wie damals 1999, schreibt er und ich habe keine Lust mehr. 1999 war ein anderes Jahrtausend. Mit Partys, die mir nicht im Gedächtnis geblieben sind, weil 1999 jeden Tage eine Party war. Er schreibt uns, wen er eingeladen hat und ich habe noch weniger Lust. Trotz der charmanten und humorvollen Kurzbeschreibungen, zieht es mich – die er im Text zur Erotik Bloggerin gemacht hat – nicht wirklich hin. 1999? Das war vor 17 Jahren. Es war gut. Heute ist auch gut. Aber lass uns feiern wie 1999 klingt bescheuert. Oder nicht, frage ich dich und du zuckst mit den Schultern. Die ganze Zeit schon musterst du mich und deine Mundwinkel umspielt das Lächeln, das ich manchmal nicht mag weil es mich neckt und verspottet, wenn ich trotzig auf meine Unlust und meine schlechte Laune bestehe. Weiterlesen →

Auf dich, Sabine!

Wie fühlt sich Glück an, frage ich meine Freundin, weil mein Bauch – die Quelle des physischen Glücksgefühls – mit der Verarbeitung eines herrlich heißen und scharfen Thai Currys beschäftigt ist. Das Wein Glas klirrt leise, als sie mit dem Fingernagel dagegen tippt. Heute wie schwerer Rotwein, erkundige ich mich und sie nickt. Auch für mich schmeckt Glück heute Abend wie ein Schluck kräftiger Rotwein. Das Glück lässt sich ebenso schwer beschreiben wie einfangen. An manchen Tagen prickelt es wie Ahoi Brause an anderen Tagen legt es sich schwer und warm über die Schultern. Fast immer lässt es sich mit einem Geschmack beschreiben. Wahrscheinlich, weil ich nur aus dem Bauch heraus glücklich sein kann. Glück in den Fingerspitzen liegt mir nicht. Wenn ich glücklich bin, dann strahlt es immer aus der Körpermitte heraus. Kannst du damit etwas anfangen, Sabine ? Sabine, deren Fragen ausgedruckt in meiner Tasche liegen hat mich nach dem Glück gefragt. Jetzt wo es mir wieder einfällt, weiß ich auch warum mir meine Tasche heute so schwer vorkam. Es liegt an ihren Fragen. Fragen die man zum Jahresende stellt und Fragen die gut zu einem Glas schwerem, kräftigen Rotwein passen. Weiterlesen →