Elite im Schnee

Der, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht, durfte die Wohnung heute gar nicht betreten. Rot oder weiß, fragte er noch als ich ihn gleich wieder nach draußen schob. Mir egal, heute morgen lag Schnee, informierte ich ihn und der Wein müsse heute warm und in einem funkelnden Lichtermeer getrunken werden. Er mag sie nicht, die Märkte. Auch die Adventszeit mag er nicht. Er sagt mir nicht warum, und weil ich weiß, dass er es mir nicht sagen möchte, frage ich ihn nicht. Weil man aber, wenn man sich gerne hat, ab und zu etwas macht was man eigentlich nicht mag, ziehe ich ihn durch die Straßen zu einem besonders kleinen und hübschen Christkindlmarkt. Es ist ok, das weiß ich, weil er sich nicht ziehen lassen würde, wenn es nicht so wäre. Er mochte auch die einzelne dunkelgrüne Christbaumkugel nicht, die ich ihm schenkte und doch hing sie letztes Jahr vier Wochen an seiner Küchenlampe. Weil ich mich über das hässliche Ding freute, sagte er damals. Ich vermute er begleitet mich heute Abend auch aus diesem Grund. Als wir uns eine Tüte heiße Maronen teilten fragte er mich was wir mit diesem Abend anfangen würden. Wir werden Fragen beantworten, sagte ich und hielt ihm mein Handy unter die Nase, auf dessen Display die Beantwortung einiger Fragen des Elite Awards von wordBUZZz zu lesen waren. Weiterlesen →

12 Monate Rosen und Schornsteine – November

Die ersten Schneeflocken fallen. Als ich nach Hause ging, waren es noch ganz wenige. Als ich das Foto schoss noch gar keine und jetzt schneit es vor meinem Fenster dicke Flocken. Munter wirbeln sie im Wind und die ersten, ganz mutigen, bleiben bereits auf den Holzfließen meines Balkons liegen. Ich hätte sie gerne auf dem Bild eingefangen, aber der Schnee kommt ja nur selten, wenn man auf ihn wartet.

Ich frage mich, ob sie frieren. Die beiden zankenden Jungen, die im Rosengarten für alle Ewigkeit mitten in der Bewegung in Stein gefangen sind. Sie tragen ja kaum etwas am Leibe und jetzt wo der Schnee fällt, ist es bitter kalt. Auch die Liebenden müssen jetzt tapfer sein und ihre Körper aus Stein mit warmen, ja feurig lodernden Gedanken wärmen. Ob sie frieren, das fragen ich mich auch immer, wenn Beerdigungen im Winter stattfinden. Ein dummer Gedanke, aber er kommt mir ein ums andere Mal. Die Erde ist doch viel zu kalt um sich darin schlafen zu legen. Ihr beide wurdet nicht in kalte Erde gelegt. Ich weiß nicht wo ihr seid, aber dass ihr nicht in kalter Erde liegen werdet wusste ich. Es ist gut, dass es nicht so ist. So muss ich mir nicht vorstellen, dass eure Körper kalt sind und ihr den Schnee weniger freudig willkommen heißt als ich. So können wir uns gemeinsam über die Flocken freuen.

Sie frieren nicht, höre ich dich sagen, als ich vor den beiden Jungen stehe und sie das erste Mal nach all den Monaten fotografiere. Sie würden sich doch bewegen, ob ich das nicht sehen würde. Und das kein Junge friert, der sich balgt, zankt und rauft. Schau genau hin, bittest du mich und obwohl ich es nicht sehe, will ich dir glauben, dass hinter dem eingefrorenen Moment Bewegung und Leben ist. Dein Großvater hat es dir erzählt. Du musstest ihm als kleines Kind versprechen, dass du das Geheimnis für dich behältst und es niemanden verrätst. Mir hast du es dennoch verraten. An einem Tag, an dem Schnee fiel und ich mich sorgte, ob die hübschen Figuren im Rosengarten nicht arg zittern und frieren müssten. Sie frieren nicht, sagtest du auch damals. Sie würden sich bewegen, die Statuen. Alle. Nächtens, wenn keiner hinsah, würden sie von ihren Sockeln springen und sich recken und strecken und die Wärme des Mondlichts speichern. Die Geschichte deines Großvaters war kein großes Geheimnis. In vielen Büchern kann man ähnliche lesen und vielen Kindern erzählt man es. Im Schutze der Nacht wird manches lebendig, was tagsüber leblos und starr erscheint. Ich selbst glaubte, meine Stofftiere würden, kaum war ich eingeschlafen, munter durch mein Kinderzimmer streifen und ab und zu sogar einen Ausflug nach draußen wagen.

Ich weiß noch, dass du todernst genickt hast. Ja, die auch. Auch die Stofftiere. So ernst sagtest du es, dass ich lachend den Kopf schüttelte und dich darauf hinwies, dass wir mindestens zwanzig Jahre zu alt waren, um daran zu glauben. Du würdest es beweisen, hast du behauptet, bist aufgestanden und hast mir ruhig die Hand hingehalten. Wir würden jetzt einen leeren Sockel suchen. Dass wir keinen fanden, obwohl es längst dunkel war, läge an den vielen Menschen in der Stadt. Du hast behauptet, dass man Ruhe und Stille bräuchte um das so offensichtliche zu sehen. Eine Woche später hast du erklärt, du hättest es überprüft und es sei alles wahr. Du wärst mitten in der Nacht über den Zaun des Rosengartens geklettert und….die Sockel waren leer. Die zankenden Jungen, die Liebenden und selbst der säugende Wolf – sie alle waren weg gewesen. Ich musste dir glauben. Warum auch nicht.

Sorgen Sie sich nicht um die Figuren im Rosengarten. Die Kälte und der Schnee machen ihnen nichts aus. Nachts werden sie lebendig und laufen, springen und tanzen durch den Garten. So munter, dass ihnen gar nicht kalt werden kann. Woher ich das weiß? Ich habe es überprüft. Bin nächtens über den Zaun geklettert, habe die leeren Sockel gesehen und sie beim Tanzen und Toben beobachtete. Auch die heimlichen Küsse der Liebenden sah ich. Wenn Sie mir nicht glauben, schauen Sie selbst nach. Der Zaun ist nicht allzu hoch.

 

 

November

 

Oktober

September


August

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Juli

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Juni

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Mai

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April

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März
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Februar
img_3596Das Zeilenende schrieb im Februar auf seinem Blog: „Zwölf Monate lang begleite ich ein Motiv. Es springt einmal im Monat vor die Kamera und lässt den Augenblick für die Ewigkeit gefrieren. Am letzten Sonntag im Monat werfe ich einen Blick auf das Bild: Was hat sich verändert, was bleibt gleich?“ und lädt zum  mitmachen ein. 

Ich schulde einem, der es selbst nicht mehr sehen kann, die Fortsetzung einer Momentaufnahme

Weiter Teilnehmer sind bei Zeilenende aufgelistet. Alles was ich bisher gesehen habe ist sehens-, lesens- und sogar hörenswert dank eingefügter Klangbilder.

Ein Witz

Den dümmsten und unpassendsten Satz des Tages, murmelte ich heute morgen schon um kurz nach halb acht. Es handelte sich um eine Aussage, die ich weniger wegen ihres Informationsgehaltes mitteilte, als vielmehr um die unangenehme Stille die mich umgab zu überbrücken.  Leise teilte ich der vor mir hockenden Frau mit, dass ich keine Krampfadern hätte, was ja eigentlich ganz gut war, im Moment aber auch ein bisschen schade. Oder nicht? Schob ich vorsichtig hinterher, weil ich in diesem Moment bereits ahnte, dass ich mich in einer jener Situationen befand, in der man es sehr schätzte, wenn ich einfach gar nichts mehr sagte. Weil man Patienten in Arztpraxen aber selten den Mund verbietet, quälte sich die hockende Frau ein Lächeln ab und teilte mir mit, dass ich anscheinend überhaupt keine Adern hätte und das sei eigentlich gar nicht gut. Sie deutete auf meinen bereits ziemlich zerstochenen Unterarm und schob ein nicht ganz so freundliches „oder nicht?“ hinterher. Eigentlich war es sogar ziemlich unfreundlich und zum widerholten Male an diesem Morgen fragte ich mich, ob man als Arzthelferin Patienten ohne auffindbaren Blutgefäßen ab einer gewissen Anzahl von Fehlversuchen Hausverbot erteilten durfte. Falls ja, wurde es langsam eng für mich und es täte mir sehr leid, mir einen anderen Arzt suchen zu müssen. Wahrscheinlich wäre das eh sinnlos. Mittlerweile glaube ich, dass es eine Bundesweite schwarze Liste für Patienten ohne Adern gibt. Ganz oben steht mein Name und ich weiß auch wer ihn darauf gesetzt hat. Es muss dieser eine Anästhesist aus Starnberg gewesen sein. Weiterlesen →

Monotoner Mund

Grau mag ich nicht. Ich kann mit schwarzen Tagen umgehen und ich mag weiße Tage. Ich mag es nicht wenn sie sich vermischen und grau werden. An grauen Tagen bin ich unleidlich. Töne dagegen, dürfen sich für mischen, die werden schöner. Eine Melodie wird schöner wenn sie Zwischentöne hat. Ganz genau wie eine Stimme. Ich mochte die Zwischentöne deiner Stimme. Meine hat keine. Sie ist freundlich, traurig, gelangweilt oder genervt. Es gibt kein „ein bisschen fröhlich“ oder „ein wenig traurig“. Wie meine Stimmung, sagtest du und machtest dir einen Spaß daraus, den Wechsel zu provozieren.  Dann sagtest du in einem fröhlichen Moment, dass ich an die abgeschlachteten Robbenbabys denken soll und hast dabei gelacht. Du hast nicht über die getöteten Tiere gelacht, sondern über mein Gesicht, das in einem Bruchteil einer Sekunden von Lachen, zu Tränen in den Augen wechselte. Der abrupte Wechsel meines Gesichtsausdruckes, faszinierte dich. Weiterlesen →

Konzert der anderen Art U-Bahn Gedanken

Jeden Morgen bekommt man es. Ob man will oder nicht. Pünktlich zum Start in den Tag kommt man bei den Münchner Verkehrsbetrieben in den Genuss eines Konzertes der ganz besonderen Art. Je nach Uhrzeit und Strecke ist es ein anderes. Keinen Morgen klingt es gleich, variiert in den unterschiedlichen Verkehrsmitteln und passt sich kaum merklich den Jahreszeiten an. Besonders klar und vielfältig sind die Klänge in den S-Bahnen, was wohl daran liegt, dass die Musiker hier mehr Zeit verbringen und ihre Instrumente ordentlich stimmen und zum Einsatz bringen können.  Das Ensemble der Münchener Verkehrsbetrieben besteht ausnahmslos aus den Fahrgästen. Diese sind Musiker und Zuhörer zugleich. Leider zeichnen sind nicht alle von ihnen durch ausgeprägte Musikalität aus. Das lässt sich schon alleine daran erahnen, dass kaum ein Musiker auf den anderen achtet. Weiterlesen →

Randnotiz #3

Umgestellt.

Hundert mal bestimmt habe ich meine Wohnung umgestellt, weil sich etwas nicht richtig anfühlte.  Die geerbte Kommode, mit langer Geschichte, ins rechte Licht gerückt und sie mit den gerahmten, liebsten Worten aus Briefen geschmückt. Dicht bei mir musste sie sein und doch fehlte etwas. Habe Decken und Kissen auf das Raumgroße Sofa geworfen und mich glückselig ganze Tage darauf eingeigelt. Herrlich, aber etwas fehlte.

Ein großes, helles Wohnzimmer. Ein Traum. Es ist nicht vollgestellt, weil ich in drei Fluren unendlich viel Stauraum besitze. Ich habe mehr Stauraum, als materielles Leben. Ein großes Glück und pure Freude. Täglich am sehr, sehr großen Tisch zu sitzen, der aktuelle Bücherstapel Bücher genauso großherzig beherbergt wie all die unzähligen Notizen, Blöcke und beschriebenen Papierschnipsel. Aber etwas fehlt. Was mache ich nur mit all den Wänden? Ich kann sie nicht vollhängen. Das nimmt mir die Luft zum atmen. Kleine feine Stellen, dicht berahmt, sehr gerne. Aber doch nicht alles. Ich würde ersticken.

Ich habe sogar einen extra Flur für all meine Bücher. Ein kleiner Zwischenraum, in dem sie alle stehen…..

Meine Bücher ersticken in diesem Raum und ich ertrinke, auf dem Sofaschiff liegend oder am Tischfloß sitzend, in der Leere der Wände meines Wohnzimmers. Ein kleines Bücherzimmer war immer mein Traum. Jetzt habe ich es und merke, wie falsch ich doch lag. Sie müssen in das Wohnzimmer. Die fünf Meter lange Wand, bis unter die Decke füllen. Dann können wir wieder atmen, denn an Büchern ist noch keiner erstickt. An die Wände des Bücherzimmers kommt feines, dass ich seit einiger Zeit im Briefkasten finde. Und anders, dass ich im Blick haben möchte. Wann immer ich durch diesen Raum gehen werde, wird mein Blick daran hängen bleiben und mir Freude bereiten.

Manchmal muss man sieben Jahre warten, bevor man endlich weiß wie man seine Räume einzuteilen hat. Das ist ok. Manch einer findet die Lösung nie.

 

Nur ein Beutel

„Ich glaube, Männer haben ein ähnliches Verhältnis zu ihren Eiern wie Frauen zu ihren Handtaschen. Es mag zwar nur ein kleiner Beutel sein, aber ohne ihn fühlen wir uns in der Öffentlichkeit schutzlos.“

Obiger Satz von Carrie Bradshaw schlummert schon lange in meinem Notizbuch. Längst wäre er bei den „Gefundenen Sätzen“ gelandet, wenn er nicht eine der wenigen eisernen Konversationsregeln, die ich befolgte, brechen würde. Ich spreche nicht über Hoden. Wirklich….es ist mir ein Rätsel, wie etwas so nützliches von der Natur so unästhetisch hervor gebracht werden konnte. Über Hoden spreche ich nicht und Sätze, die sie thematisieren, zitiere ich nicht. Genauso wenig, wie ich über Handtaschen und Frauen schreibe. Darüber hat schon jeder versucht etwas kluges oder wenigstens amüsantes zu schreiben. Zweifellos gelingt das sogar. Erst kürzlich bekam ich Buch geschenkt, das ausschließlich darüber berichtet. Herrlich. Aber ich, ich muss nicht auch noch etwas dazu sagen. Eine Tasche ist ein Gegenstand zum Transportieren von Dingen, die nicht in die Hosentaschen passen. Oder in den BH. Zwischen Sechzehn und Einundzwanzig hatte ich nie eine Tasche dabei. Die störte beim Tanzen. Alles was ich brauchte stopfte ich mir in den BH. Eine Monatskarte, zwei Geldscheine und einen einzelnen Schlüssel kann man problemlos so unter die Brust schieben, dass es überhaupt nicht auffällt. Beim Bezahlen an der Bar natürlich schon. Da sieht es etwas seltsam aus, wenn man sich in den Ausschnitt fasst. Dafür ist es sicher. Ich habe noch nie gehört, dass einer Frau etwas aus ihrem BH gestohlen wurde. Ab einem gewissen Alter – so Mitte Zwanzig – geht das mit dem BH nur noch auf der Wiesn oder beim Laufen. Bei allen anderen Gelegenheiten hat Frau meistens eine Tasche bei sich.  Eine große.

Klar, so eine Tasche, die einen durch den Alltag begleitet, wächst ja auch. Ich zum Beispiel bin erst seit kurzem mit dem Inhalt völlig zufrieden. In den Jahren zuvor hatte ich entweder zu wenig oder zu viel bei mir. Jetzt ist es perfekt. Einen perfekten Handtascheninhalt erkennt man daran, dass man alles was darin ist, mindestens einmal im Monat (nein, keine Tampons) unbedingt braucht, also kein unnützes Zeug mit sich herumschleppt und zugleich mit dem Inhalt der Tasche ohne zu zögern ein Wochenende über die Runden kommt. Wollen Sie wissen was in eine gute Tasche rein muss? Ich verrate es Ihnen gerne. Ich entmystifiziere sicher nichts. Es gibt auch keinen Codex, der das Ausplaudern des Tascheninhaltes verbietet. Es sind Beutel, die…..siehe oben. Und ich habe eh nicht viel bei mir.

Über Geld, Kreditkarte, Schlüssel und Ausweis müssen wir nicht sprechen, das versteht sich von selbst.
Auch Tabletten. Wenn Sie nicht hundertprozentig sicher sind, dass Sie jeden morgen im eigenen Bett aufwachen, dann müssen ein paar davon im Geldbeutel sein. Amouresken oder der spontane, brennende Wunsch jetzt sofort eine andere Stadt zu besuchen, machen das unabdingbar.
Ein Paar Socken und ein Slip. Bitte….ich weiß, was Sie denken. Aber das meine ich nicht. Es ist für Spaziergänge die manchmal etwas länger dauern. Mit dem mutigsten meiner Freunde ging ich einmal in Genua spazieren. Abend wollten wir mit dem Zug zurück nach Verona. Sind wir aber nicht, wir liefen sechs Stunden immer geradeaus. Ohne Ziel und ohne Grund. In der kleinen Pension, in der wir übernachteten, vermisste ich nichts. Nichts, außer frischer Wäsche. Das passiert mir nicht noch einmal. Außerdem sind manche Wohnungen so kalt, dass man sich bei einem Besuch gerne ein zweites Paar Socken anzieht.
Ich nicht. Ich habe für solche Fälle dicke Wollsocken in der Tasche. Auch falls ich spontan auf unsere Hütte fahre. Da brauch ich nichts, außer Wollsocken.
Und eine Zahnbürste. Die ist  immer in der Tasche. Auch, falls es mittags in der Kantine etwas mit Petersilie gibt.
Und Make up. Falls ich abends noch mal direkt los möchte. Oder weil im Büro eine Kollegin, Mascara, Lipgloss, Puder, Eyliner, Abdeck- und Augenbrauenstift, tiefroten oder rosenholzfarbenen Lippenstift braucht. Ich hab es dabei.
Auch Pflaster, Und Feuchttücher. Hand-, Fuß- und Sonnencreme. Ich habe alles.
Auch den Backenzahn einer Kuh. Das ist mein Glücksbringer. Er hilft nicht, aber nach all den Jahren traue ich mich nicht mehr ihn wegzuschmeißen. Vielleicht brachte er ja doch Glück und ich hab es nur nicht bemerkt.
Buch, Notizbuch und Stifte, haben wir alle bei uns. Ich noch Briefumschläge und Briefmarken. Wer kann schon wissen, wann er dringend etwas schreiben und verschicken muss.
Die wichtigsten Fotos sind mittlerweile gottseidank auf dem Handy. Mein Kalender nicht. Da traue ich der Technik nicht.
Ansonsten habe ich eigentlich nur noch eine Kastanie, eine Pfandmarke aus einem seit zehn Jahren geschlossenen Club, drei sehr wichtige Postkarten und eine Taschenlampe dabei.
Ach ja, Pfefferspray noch. Von meinem Papa. Weil ich aber nicht weiß wie das zu entsichern ist und das lieber nicht probiere um mir selbst nicht weh zu tun, habe ich statt dessen einen alten Tannenzapfen dabei. Zum Werfen. Ok, ich bin ehrlich. Keine Ahnung warum er in meiner Tasche ist.

Sie sehen, es ist nicht viel. Das wirkliche Phänomen ist, wie eine Frau, die ohne all das oben aufgeführte nicht überleben kann, mit einer Clutch durch die Nacht kommt. Aber das kann ich Ihnen nicht verraten, das ist nun wirklich ein Geheimnis.

Sie entschuldigen mich, ich muss meine Handtaschen durchsehen. Es sind ja nur Beutel und in meinem Schrank herrscht Platzmangel. Ich werde einige aussortieren. Das fällt mir leicht. Ich brauch nicht viel.

Lauwarm

Man sollte einen Mann lieben oder zumindest bis über beide Ohren verliebt sein, wenn man mit ihm, seinen Vater und der Stiefmutter in einen Urlaub zu viert aufbricht. Das ist hilfreich. Dann lässt man sich mit einem Du und ich, Sonne, Strand und Meer locken und ignoriert den Nebensatz, der die weiteren Reisebegleiter aufzählt. Wenn ich an den Herbst vor einigen Jahren zurück denke, dann muss ich gestehen, dass ich auch die Einleitung nicht aufmerksam verfolgte. Ich hörte nur „Sonne, Strand und Meer“ und nickte, was am Telefon nur schwer zu hören war. Es war egal, denn die Frage wurde von einem gestellt, der keine Antworten erwartete und grundsätzlich davon ausging, dass eine Frau ihm zustimmte. Tat sie es einmal nicht, dann mutmaßte er, dass sie ihn akustisch wohl nicht verstanden hatte. Sonne, Strand und Meer waren genau das Richtige für diesen trüben Oktober, der sich nun schon seit fast einem Jahr hinzog und nur selten goldig glänzte. Weiterlesen →

Wegen des Clowns. Und wegen dir.

Er weiß es noch nicht, aber er wird heute Nacht heute bei mir bleiben. Ich fasse den Entschluss, als wir das Kino verlassen. Noch aber sage ich es ihm nicht.  Zu offensichtlich ist es, zu gewollt und ich schäme mich ein wenig. Ich lade ihn auf einen Drink ein. Ein Absacker nach dem Film. Rede und lache seinen Einwand, morgen früh raus zu müssen, einfach weg. Es ist leicht, ihn zu einem weiteren Glas zu animieren. Zu leicht, denke ich mir auf dem Weg zur Bar und frage mich kurz ob es schon immer so leicht war. Vor leeren Gläsern sitzend, bitte ich ihn, mich nach Hause zu bringen. Meine Wohnung liegt auf deinem Heimweg und meine Straße ist mir heute zu dunkel. Er kann nicht ablehnen. Dunkle Straßen sind ein Argument, dem man sich nach Jahren der Freundschaft nicht erwehren kann. Vielleicht kann man sich als Mann einem solchen Argument auch nie erwehren. Ich habe nicht gelogen. Heute ist mir die Straße zu dunkel und ich könnte sie nicht alleine gehen. Nicht wegen der Dunkelheit und nicht, weil ich weiß, dass irgendetwas nicht stimmt. Weiterlesen →