Elite im Schnee

Der, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht, durfte die Wohnung heute gar nicht betreten. Rot oder weiß, fragte er noch als ich ihn gleich wieder nach draußen schob. Mir egal, heute morgen lag Schnee, informierte ich ihn und der Wein müsse heute warm und in einem funkelnden Lichtermeer getrunken werden. Er mag sie nicht, die Märkte. Auch die Adventszeit mag er nicht. Er sagt mir nicht warum, und weil ich weiß, dass er es mir nicht sagen möchte, frage ich ihn nicht. Weil man aber, wenn man sich gerne hat, ab und zu etwas macht was man eigentlich nicht mag, ziehe ich ihn durch die Straßen zu einem besonders kleinen und hübschen Christkindlmarkt. Es ist ok, das weiß ich, weil er sich nicht ziehen lassen würde, wenn es nicht so wäre. Er mochte auch die einzelne dunkelgrüne Christbaumkugel nicht, die ich ihm schenkte und doch hing sie letztes Jahr vier Wochen an seiner Küchenlampe. Weil ich mich über das hässliche Ding freute, sagte er damals. Ich vermute er begleitet mich heute Abend auch aus diesem Grund. Als wir uns eine Tüte heiße Maronen teilten fragte er mich was wir mit diesem Abend anfangen würden. Wir werden Fragen beantworten, sagte ich und hielt ihm mein Handy unter die Nase, auf dessen Display die Beantwortung einiger Fragen des Elite Awards von wordBUZZz zu lesen waren.

Er würde ihre Antworten mögen, meinte er. Während ich zwei Tassen Feuerzangenbowle hole um den Weihnachtsmuffel milde zu stimmen, hat er einige Seiten von  wordBUZZz  Blog gelesen. Es gefällt ihm, was da steht, sagt er und fragt nicht nach dem Namen meines Blogs, weil er weiß, dass ich ihn ihm lieber nicht verraten möchte. Ich gestehe ihm nur, dass er dort der ist, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht und heute einen etwas weniger sperrigen Namen bekommen wird. Heute wird er C sein. Er hätte sich zumindest einen Buchstaben verdient und und ich würde mir heute mit ihm eine Handvoll Fragen teilen, die uns zur Elite machen würde.

Meine tägliche Einstellungen zu Menschen, wer mir missfällt der soll gefälligst sich einen anderen Ort und andere Luft zum atmen suchen. Steht dort als erste Frage. Wir sind uns nicht sicher, ob es sich hier um eine Frage handelt oder um eine Aussage die jemand trifft, wenn er einen wirklich miesen Tag hat. Wir hoffen Letzteres. Sollte es eine generelle Einstellung zum Leben sein, dann wird sie nicht funktionieren. Das Handeln der andern kann man nur selten beeinflussen. Wenn uns jemand missfällt, dann werden wir schon selbst gehen müssen und uns reinere Luft zum Atmen suchen. Es ist ja wie am Ende einer Liebe. Der, der sie verloren hat, muss gehen. Er kann nicht erwarten, dass der, der noch in ihr fest steckt, den entscheidenden Schritt machen wird.

Welches Lied wäre der Soundtrack des Buches, das dein Leben schreibt? Weil wir heute ein „wir“ sind, müssen wir uns einen Soundtrack suchen, der uns beschreibt. Etwas das unsere Geschichte erzählt. Bei der zweiten Feuerzangenbowle versuche ich krampfhaft mir ein Lied zu überlegen, das zu uns beiden passt. Mir fällt nichts ein. C versucht es gar nicht erst. Sinnlos, sagt er. Es wäre dumm, den Soundtrack zur Verfilmung eines Buches festlegen zu wollen, wenn man das Ende noch gar nicht gelesen hat. Er hat nicht unrecht. Und weil es so ist, über lasse ich ihm auch die zweite Frage.

Wenn du ein Protagonist wärest, wovon würde deine Geschichte handeln? Von dem Versuch, etwas das einem wichtig ist, nicht an die Wand zu fahren. Er antwortet ohne zu überlegen. Ob wir noch bei dem Buch sind, dessen Ende wir noch nicht gelesen habe, möchte ich wissen. Er nickt.

Welche deiner Passionen würdest du am wenigsten deinen Arbeitskollegen erklären wollen würden? Passion lateinisch, erkundigt er sich und ich schüttele den Kopf. Nein, wahrscheinlich im Sinne von Leidenschaft. Die seinen würde er weder seinen Arbeitskollegen noch meinem Blog verraten, spielt er mir den Ball zu und ich zucke mit den Schultern. Also gut.
Das jahrelange exzessive Schreiben von Robbie Williams Fan-Fictions. Ich sage es ohne nachzudenken und sehe an seinem entsetzten Blick, dass ich langsamer trinken sollte, dann zu viel Ehrlichkeit verträgt kein gutes Gespräch.

Was sind die drei erstaunlichsten oder interessantesten Tiere, denen du begegnest bist.  Hund, Katze, Maus. Wir hätten eine kreativere Antwort finden können, aber es ist wirklich kalt und wir müssen unsere Finger an einer letzten, einer aller letzten Feuerzangenbowle wärmen.

Schreibe eine Geschichte in nur sieben Worten. C lehnt sich gegen die Holzwand der Bude und macht eine ausladende Geste. Die Autorin sei ich und er würde die nächste Frage übernehmen. Ok.
Die grüne Christbaumkugel hat er noch immer.

Was sind deine Lieblingslebensmittel für jede Farbe des Regenbogens? Nach einem beherzten „so ein Schmarrn“, deutete C auf die Feuerzangenbowle. Wegen der Flamme, erklärt er. Die Flamme sei bunt und wenn darin auch nicht alle Farben enthalten wären, so würde man sie nach einer nur ausreichenden Menge des Zeugs, ganz sicher erkennen.

Welches Künstlerische/ Handwerkliche Geschick besitzt du nicht, würdest du aber gerne? Ich würde unheimlich gerne Klavier spielen können. Das C es kann, erfahre ich bei den letzten Schlucken der Bowle. Er hat die Hände eines Klavierspielers. Das sage ich ihm aber nicht. So wie er mich schmunzelnd ansieht, muss ich das aber auch gar nicht. Er sieht an meinem Blick woran ich denke und das ist nicht gut.

Wir müssen uns jetzt an die Regeln halten erinnere ich ihn und sehe den neben mir nur grinsen. Nach diversen Feuerzangenbowlen, halte ich keine Regeln mehr ein. Auch mein Handy halte ich nur noch mit vollster Konzentration. Er nimmt es mir aus der Hand und liest mir die Regeln vor:

  • Danke der Person, die Dich für den Elite Award nominiert hat und verlinke sowohl ihren Blog als auch die Webseite der Elite in Deinem Artikel.

    Wer ist das, fragt er mich und erzähle ihm, dass  wordBUZZz ein toller Blog ist und diese, meine Einschätzung nichts, mit den vorangegangenen Feuerzangenbowlen zu tun hat. Das wüsste er schon, erinnert er mich. Nein, die Elite. Über die kann ich ihm nichts sagen, die kenne ich erst seit dem Award. Ob wir sie trotzdem verlinken fragt er und ich nicke. Unbedingt. Ohne die Elite hätten wir jetzt nicht so schön einen sitzen. Wir verlinken, denn heute Abend ist mein Blog ein „wir“. Dass er meinen Blognamen dabei sieht, ist mir jetzt egal. Wir lesen gemeinsam ein Buch, da ist das auch schon wurscht.

  • Schreibe diese Regeln in Deinen Elite Award Blog Artikel.

    Wie in der Schule murmelt er und ich bin froh, dass mir gerade einer das Tippen abnimmt.

  • Beantworte die 5 fixen Standard-Elite-Fragen zu Verschwörungen (nachzuhören in Folge 22 von Die Elite), sowie die 7 variablen Fragen, die der Blogger, der Dich nominiert hat, stellt.

    Nein! Er streikt. Einen 31 Minuten langen Podcast würde er sich jetzt nicht anhören. Auf gar keinen Fall. Es ist arschkalt und überhaupt. Wir lesen wordBUZZz Antwort und stellen fest, dass wir sie leider nicht klauen können. Es würde auffallen. Im Zweifel Area 51. Warum? Wenn, dann das. Wir sind uns einig, dass wir nicht an Verschwörungen, sondern eher an die Dummheit und die Naivität der Menschen glauben. Unten stehen die Fragen trotzdem noch mal.

  • Nominiere mind. 5 max. 13 weitere Blogger für den Elite Award

    Diesmal streike ich. Ich folge so vielen Blogs und ich kann mir weder die Liebsten noch die Elite rauspicken. Ein Urteil zu fällen mag ich nicht.  Sie werden mich rausschmeißen, aus der Elite, meint C, als ich das Handy an mich nehme und kurzerhand die letzten Regeln lösche. Ich fürchte er könnte Recht haben. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur zum Wiederholten Male die Feuerzangenbowle anführen. Falls Sie an Verschwörungen glauben… bitte nehmen sie die nachstehenden Fragen und toben Sie sich aus. C und ich gehen nächste Woche wieder an den Feuerzangenbowlenstand und würden uns (wirklich, hier ist keine Ironie zwischen den Zeilen) freuen Ihre Theorien zu lesen. Und lassen sie uns wissen, was an der 23 mystisch ist. Es ist unser beider Geburtstag und wir mögen die Zahl. Wir könnten natürlich googeln, aber ehrlich gesagt, nach drei (vier – C behauptet es waren vier) Feuerzangenbowlen überfordert uns selbst die Spracheingabe mit Siri. Von einem Beitragsbild ganz zu schweigen.

Die 5 Standard-Elite-Fragen:
  • 1. Was ist Deine Lieblingsverschwörung?
    2 Warum?
    3. Wenn Du einen Tag die Weltherrschaft hättest, was würdest Du tun?
    4. Wie hat die Erkenntnis, dass es tatsächlich eine geheime Weltverschwörung gibt, Dein Leben nachhaltig verändert?
    5. Wenn es eine Zahl gibt, der Du etwas mystisches anhaften dürftest (außer den Klassikern 5, 7, 11, 13, 23,42, 666), welche wäre das und warum?

21 Gedanken zu “Elite im Schnee

  1. Von dem, was ich hier las, liebe Mitzi, erscheint es mir, dass ihr euch nicht nur in Bezug auf Intellektualität (gibt es das Wort so, oder gibt es nur Intelligenz – du siehst, ich kann gar nicht Elite sein) ein wenig oder ein wenig mehr oder sogar viel ähnlich seid.
    Ich schreibe so konfus, als hätte ich die 4 Gläser Feuerzangenbowle getrunken.
    Lieben Gruß

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  2. Christkindlmarkt und Feuerzangenbowle klingen verlockend. Ein Glück, dass du so einen geduldigen Freund an deiner Seite hattest, liebe Mitzi, der dir half, die nervigen Fragen zu beantworten. Leider habe ich keinen Christkindlmarkt vor der Haustür, der auf dem Lindener Berg öffnet erst am 1. Advent, und die einzige Bloggerin, mit der ich die Fragen beim Glühwein besprechen könnte, ist z.Zt. auch in München. Ganz nüchtern: Die Dreiundzwanzig ist die Zahl der Illuminaten.

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  3. Als bisher stille Mitleserin von „oben am Berg“ würde mich nun brennend interessieren, welcher hübsche kleine Christkindlmarkt gemeint ist, ich kenne nur welche auf der anderen Isarseite ?

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      1. Oooh, vielen lieben Dank.
        Die Existenz des Marktes am Weissenburger Platz hatte ich wohl tatsächlich komplett verdrängt 🙂
        Na, dann ist ja klar wo ich heuer hingehe.
        Eine wundervolle Adventszeit wünscht aus Obergiesing
        miss ada

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  4. Ähm, das Erste war tatsächlich keine Frage… Wie ist die Aussage in die Fragen gerutscht? Ich denke, da muss jemand nochmal das Layout ändern…

    Sehr geehrter Herr C. sie sind der erste Mensch der bei dem Wort „Passion“ an Leid oder Krankheit denkt 😀 und die Passion Christi lasse ich mal ganz außen vor, sonst werde ich wieder zu einem Mini-Hulk.

    Och, wenn die Fanfiktions gut geschrieben waren. Es war die Hauptbeschäftigung eines Großteils der Mädchen in meiner alten Klasse.

    Ist Herr C Feuerschlucker? 😉

    Aber sehr schön, dass mal eine zweite Person ins Spiel gekommen ist. Das Konzept mag mich. Es freut mich auch, dass er meine Antworten mag. Man gibt sich ja auch nicht umsonst so viel Mühe

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    1. Ich bzw wir haben das Erste nicht ganz verstanden. An dem Layout lag es wohl nicht. Eher am winzigen Display und den Heißgetränken. Deinen Fragen und Antworten hat man die Mühe und die sorgfältige Auswahl angemerkt. 🙂

      Keine Sorge, nicht die Passion Christi. Der Herr ist Mediziner und die Assoziation so vielleicht etwas verständlicher ;).

      Noch mal danke für die Gelegenheit, den Abend ganz anders als geplant, aber zugleich viel schöner zu verbringen.

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