Stalker wider Willen

Gäbe es einen Preis für unfreiwillig blödes Verhalten in sozialen Medien, dann hätte ich ihn längst. Nicht einen, sondern alle die regional erhältlich sind, ein paar der nationalen und mindestens einen internationalen. Zu den nationalen gehört zum Beispiel der vor einigen Tagen, als ich mich lautstark über einen nicht funktionierenden Link auf einem befreundeten Blog beschwerte und erst nach Aufklärung kapierte, dass ich zu scrollen übersehen hatte. Auf dem gleichen Blog lies ich mich auch darüber aus, dass eine fehlerfreie Grammatik  bei der Kürze der Beiträge, keine Kunst sei und schaffte es, in meinem – sehr kurzem – Satz selbst einen Buchstaben zu vergessen. Ohne Probleme wischte ich in meiner kurzen Tinder-Laufbahn regelmäßig auf die falsche Seite  und schaffte es auf einer Datingseite ein Blinddate mit meinem besten Freund zu vereinbaren. Auf seinen Bildern war er nur von hinten zu sehen und ich interpretierte die Vertrautheit, die das Betrachten dieses Rückens bei mir auslöste, als gutes Zeichen. Unseren Chatverlauf nutzt er, der mich auf den Bildern von vorne sah, noch heute regelmäßig als Druckmittel. Weiterlesen

Elite im Schnee

Der, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht, durfte die Wohnung heute gar nicht betreten. Rot oder weiß, fragte er noch als ich ihn gleich wieder nach draußen schob. Mir egal, heute morgen lag Schnee, informierte ich ihn und der Wein müsse heute warm und in einem funkelnden Lichtermeer getrunken werden. Er mag sie nicht, die Märkte. Auch die Adventszeit mag er nicht. Er sagt mir nicht warum, und weil ich weiß, dass er es mir nicht sagen möchte, frage ich ihn nicht. Weil man aber, wenn man sich gerne hat, ab und zu etwas macht was man eigentlich nicht mag, ziehe ich ihn durch die Straßen zu einem besonders kleinen und hübschen Christkindlmarkt. Es ist ok, das weiß ich, weil er sich nicht ziehen lassen würde, wenn es nicht so wäre. Er mochte auch die einzelne dunkelgrüne Christbaumkugel nicht, die ich ihm schenkte und doch hing sie letztes Jahr vier Wochen an seiner Küchenlampe. Weil ich mich über das hässliche Ding freute, sagte er damals. Ich vermute er begleitet mich heute Abend auch aus diesem Grund. Als wir uns eine Tüte heiße Maronen teilten fragte er mich was wir mit diesem Abend anfangen würden. Wir werden Fragen beantworten, sagte ich und hielt ihm mein Handy unter die Nase, auf dessen Display die Beantwortung einiger Fragen des Elite Awards von wordBUZZz zu lesen waren. Weiterlesen

Bis zum nächsten Morgen

Als die letzten gingen, schloss ich die Tür hinter ihnen im Halbschlaf. Es war spät geworden. Das wird es immer, wenn ich sie einmal im Jahr alle einlade und sie in wechselnder Zusammenstellung um den großen Tisch in meinem Wohnzimmer sitzen. Die, die Platz finden, sitzen. Der Rest steht. Auf dem Balkon, in der Küche oder irgendwo im Weg. Unübersichtlich ist es dann. Bis weit nach zehn kommen die, mit denen keiner mehr gerechnet hat und die, von denen man glaubte sie würden kommen, schreiben, dass sie doch keine Zeit haben, im Urlaub sind oder die Kinder krank sind. Es ist egal. Sie kommen im nächsten Jahr und es gab eh keine Gabeln und Gläser mehr. In manchen Jahren sitzen wir zu acht am Tisch, in anderen drängen sich über fünfzig Personen auf den wenigen Quadratmetern meiner Wohnung. Man könnte es planen, dann würden die Getränke nicht entweder ausgehen und für das restliche Jahr reichen, höre ich dich schmunzeln als du einen Blick in den überquellenden Kühlschrank wirfst. Vielleicht irgendwann. Bis dahin schreiben ich jedes Jahr eine kurze Nachricht an fast alle die ich mag und lasse mich überraschen. So mache ich es schon immer. Nur in den Jahren mit dir, lud ich sie nicht ein. Sie mussten warten, weil die wenige Zeit die wir hatten zu kostbar war, als das ich sie mit anderen Menschen geteilt hätte. Nicht einmal mit den Liebsten von ihnen. Du lernst sie jetzt kennen. Mit jedem Jahr besser und jedes Jahr noch einen, der es die Jahre zuvor nicht geschafft hatte. Weiterlesen

12 Monate Rosen und Schornsteine – April

Hier im Münchner Rosengarten, stellte der, der nicht mehr bei mir ist, seine Liebe zu mir in Frage. Es war April, ein Tag ähnlich dem heutigen, und der Flieder blühte. Ich frage mich warum, ich dich liebe, sagte der, den ich mehr als mich selbst liebte, und blickte mit gesenktem Kopf auf den Boden. Es ist kein gutes Zeichen, wenn der Geliebte neben einem sitzt, sich mit Daumen und Zeigfinger die Nasenwurzel massiert und diese Frage in den Raum stellt. Dann hängt sie irgendwo im Flieder fest und man atmet den faden Beigeschmack mit jedem Atemzug ein. Mit jedem Luftholen atmet man den grausamen Satz ein und spürt wie er wächst, denn atmen muss man ja. Anfangs hält man vielleicht noch die Luft an und hofft, dass ein anderer Satz den bitteren ein wenig verwässern möge. Aber dann, wenn keiner kommt, dann schnappt man nach Luft und senkt ebenfalls den Kopf. Man atmet die Zweifel des anderen ein und sie sickern durch die Lunge und den Magen bis ganz tief in den Bauch und nisten sich dort ein. Zweifel und Liebe vertragen sich nicht. Eine Weile mögen sie still und ruhig nebeneinander existieren, früher oder später aber, gewinnt einer von ihnen. Selten ist es die Liebe. Weiterlesen

Bei leisem Schnurren gibt es nur eine richtige Antwort

Meine Nachbarin Judith kann Paul nicht ausstehen. Das weiß ich, weil sie es mir gesagt hat. Das ist kein großes Unglück, denn mein Nachbar Paul kann mit Judith auch recht wenig anfangen. Das wiederum weiß ich, weil er wenn sie am Lift steht, grundsätzlich die Treppen benutzt nur um nicht mit ihr sprechen zu müssen. Bei jeder Treppenbenutzung Pauls steigt Judiths Abneigung. Aktuell befindet sie sich auf dem Level eines missbilligen Schnaufens, wenn er an ihr vorbei läuft. Mitte des Jahres wird sie ihr Schnaufen durch ein Schnalzen der Zunge ersetzten. Dann fehlt nicht mehr viel und nächstes Jahr läuft Paul Gefahr, dass sie ihm im Vorbei gehen ein Bein stellt. Judith ist nachtragend. Seit sie mit Paul vor zwei Jahren anlässlich unseres Hinterhof Flohmarktes einen Kaffee getrunken hat und er sie fragte wann das Kleine den kommen würde, spricht sie nicht mehr mit ihm. Das Kleine war zu diesem Zeitpunkt bereits vier Monate alt und lag schlafend im Kinderwagen neben ihr. Weiterlesen

Wein und ein Award

Guten Morgen und herzlichen Dank für den schönen Abend gestern. Fast wären mir die Blumen ausgegangen und ich bin froh, dass die Pasta für alle gereicht hat. Es ist spät geworden und wie so oft, bleiben am Ende ein oder zwei übrig, die sich nicht vor die Tür setzen lassen. Als müder Haufen sitzt man in der Küche, kann die Augen kaum noch offen halten und steht nur nicht auf, weil man selbst dafür schon zu müde ist. Gestern Abend waren wir zu dritt. Eigentlich nur zu zweit, denn nicht Chris, sondern seine Fragen, die er mir im Rahmen des „Liebster Awards“ gestellt hatte, lagen vor mir auf dem Tisch. Weiterlesen

Jetzt mal ehrlich….die Fragen des „Liebster Award“ am Schreibtisch beantworten

Ach herrje. Da mogelt man einmal ein bisschen und bekommt sofort eine auf den Deckel. Ob ich mir die Regeln des Liebsten Awards nicht durchgelesen hätte. Ob ich mich aus Faulheit oder Ignoranz über die Regeln hinweg gesetzt habe? Und überhaupt, ob da nicht der ursprüngliche Gedanke des Awards zu kurz käme, wenn jeder sich nur ein paar Fragen herauspickt und sie zur Beantwortung auch noch an Familienmitglieder weiter reicht? Einer meiner Freunde ist da sehr kritisch. Weiterlesen