Hör´n Sie mal VIII

Manchmal bleibt Frauen gar nichts anderes übrig als zu schreiben. Früher, weil man sie sonst nicht hörte oder weil man ihnen sprechend den Mund verboten hat. Dann taten sie es heimlich. Oder aber sie versuchten zu beweisen, dass sie es ebenso gut wie ihre männlichen Kollegen konnten. Oft nahm man sie nicht ernst und sie hatten es wohl alle um einiges schwererer als wir heute.

Mein Schreiben wird von niemandem beschränkt. Im Gegenteil, ich kenne einen der mag das besonders gerne. Vor allem, wenn es dazu führt, dass ich ihm ein kleines bisschen weniger erzähle. Er mag es zum Beispiel gar nicht, wenn ich kurz vom Einschlafen noch zu erzählen beginne. Dann wünscht er sich, ich würd´s halt aufschreiben und ihn nicht vom Schlafen abhalten. Oft mach ich das, aber manchmal muss ich es ihm erzählen, weil es ein ganz wichtiger Gedanke ist. Dann sag ich zu ihm:

Und wenn auch Sie nicht wollen, dass ich erzähle und es schön fänden, wenn ich es aufschreibe….hier bitte.

Hör´n Sie mal VII

Bevor Ulli in unserer Adventslesung aus dem Büchlein der von Reventlow „Von Pedro zu Paul“ las, erkläre ich dem Publikum ganz unverblümt, dass es gefälligst zu erzählen lernen solle.

Jedenfalls dann, wenn es zu jenen Menschen gehört, die gerne in Bus und Bahn telefonieren und ihre Mitfahrer zum Zuhören verdammen. Wer mit lauter Stimme öffentlich telefoniert, der muss bitte auch etwas interessantes zu erzählen haben. Gerne von Amouresken. Wer hört nicht gerne von Liebschaften anderer?

Allerdings, nicht jeder kann es. Zum Üben eigenet sich das Buch „Von Pedro zu Paul“ von Franziska zu Reventlow. Es eignet sich auch zum Lesen ;). Es ist herrlich.

Und wenn Sie so ungerne zuhören, wie ich manchmal morgens im Bus, dann können Sie hier in aller Ruhe und Stille nachlesen.

Hör‘n Sie mal VI

Bei der angedachten Adventslesung gab es eine kleine Erzählung, die Ulli gelesen hätte, in der es um Kameradschaft innerhalb einer Beziehung geht. Letztendlich darum, dass es die kleinen Dinge sind die zwei Menschen manchmal am stärksten aneinander binden.

Ab und an, so glaube ich, können es auch die Eigenarten des anderen sein. Man muss diese nicht einmal besonders mögen. Viel wichtiger ist es am Ende doch, dass man trotz allem gut mit ihnen leben kann. So ist es auch besonders schön wenn einem einer sagt, dass man ihn in den Wahnsinn treibt, er trotzdem aber keinesfalls den Wunsch verspürt zu gehen. Damit das auch so bleibt und sich nicht ändert, habe ich für einen ganz besonderen Menschen eine zweite Zuckerdose in die Küche gestellt.

Und wie immer hier zum Lesen.

Hör‘ n Sie mal V

….Teil 2 der erzählenden Frauen in meiner Familie.

Meine Großmütter haben mir in meiner Kindheit viel erzählt. Geschichten um Geschichten aus dem Fundus ihrer Erinnerungen. Keine von beiden dachte sich je etwas aus oder las mir ein Märchen vor.  Die Erzählungen meiner Großmütter bestanden ausschließlich aus ihren Erinnerungen. Beide berichteten am liebsten von ihren großen Lieben. So weiß ich, dass der Martl, der Martin, die erste große Liebe meiner Großmutter mütterlicherseits war. Sie hat uns Kinder oft von ihm erzählt. Ich kann mich an ihre leuchtenden Augen und das warme Lächeln erinnern, wenn sie von ihm berichtete und erzählte wie schwer es mit einem ledigen Kind war. Er ist ihr weggestorben noch bevor sie ihn heiraten konnte, auch das wusste ich, und dass sie ihn nie vergessen konnte, war mir leicht zu verstehen. Sie hat uns so oft von ihm erzählt und doch nicht alles. Oder ich kann mich nicht mehr richtig erinnern. Seltsamer Weise verschwinden die Details bei Erzählungen, die man besonders oft hört, am leichtesten. Gestern Abend hat sie es mir noch einmal erzählt. Ganz in Ruhe und ganz ausführlich. Hat erzählt und sich erinnert:

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Hör`n Sie mal IV

Ich bleib noch ein bisschen bei den erzählenden Frauen in meiner Familie. Lange bevor ich angefangen habe, habe sie das schon gemacht – das Erzählen. Und weil ich jeder von ihnen zugetraut hätte, mehrere Buchbände an Erzählungen zu füllen, habe sie alle einen Platz in einer Lesung gefunden. Einer, die ich gemeinsam mit der wunderbaren Ulrike Dostal leider erst einmal aufgeführt habe. Im Valentinhaus lasen wir einen Abend unter dem Titel: „Und ewig schreibt das Weib.“ Ulli übernahm es Erzählungen von ganz wunderbaren deutschen, meist bayerischen, Schriftstellerinnen zu lesen. Über die Kameradschaft von Emma Haushofer-Merk, aus der Geierwally von Wilhelmine von Hillern (das Buch hat kaum etwas mit dem oder den Filmen zu tun), den Juhschroa von Emerenz Meier und von Lena Christ und der Gräfin Franzika von Reventlow. Wie unglaublich schön sie das gemacht hat, kann man wahrscheinlich nur erahnen, wenn man Ulli schon einmal auf der Bühne erlebt hat. Im Internet finden Sie unter ihrem Namen so einiges. Hier zum Beispiel.

Ich übernahm es meine Tanten und Großmütter erzählen zu lassen und steuerte selbst noch ein wenig bei. Da unsere zweite Lesung mit diesem Programm leider abgesagt wurde (so ganz rund läuft es nach Corona leider immer noch nicht), habe ich die einzelenen Erzählungen hier mit aufgenommen. Wir finden, sie passen ganz gut in den Advent. Die Ulli hören Sie hier nicht, aber meine Teile habe ich für Sie zusammen gestellt. Üben muss ich sie eh noch und es ist an der Zeit, dass die Weiber meiner Familie mal wieder gehört oder gelesen werden.

Und hier zum Nachlesen:

Tante Mitzi hieß wie ich. Mitzi Irsaj. Früher einmal hieß sie Maria. Nicht lange, denn auf der väterlichen Seite meiner Familie, gab man sich große Mühe schöne Namen gründlich zu verhunzten.  So wurde aus Maria die Mitzi, Valerie nannte man Walli und Anna hörte auf Ansch. Alle Namen wurde zudem recht hart ausgesprochen und passte zu den stattlichen drei Frauen, die aus den Mädchen mit den hübschen Namen wurden. Nur Erna, die jüngste von ihnen, hatte mit Ernestine einen Taufnamen bei dem sich Original und Koseform nicht viel schenkten. Maria, Valerie, Anna und Ernestine vier Schwestern, mit einem Bruder, der um so viel jünger war, das ihn von Valeries Sohn (meinem Vater) nur sechs Jahre trennten. Obwohl ich meine Großmutter und ihre Schwestern nur als reife Frauen erlebte, glaube ich die Mädchen und jungen Frauen, die sie einmal gewesen sind, genauso gut zu kennen. Mitzi, Walli und Erna versorgten mich seit ich denken kann mit Geschichten. Nie erfanden sie etwas – sie griffen einfach zu dem, was sie erlebt haben zurück und taten genau das gleiche wie ich heute. Sie erzählten Geschichten aus dem Alltag. Aber wie sie die erzählten! Wenn Sie gerne bei mir lesen, dann hätten Sie mal Erna erleben sollen. Ihre sanfte, manchmal etwas wehleidig klingende Stimme eignete sich besonders gut für Erzählungen, die eine sonst im Zaum gehalten Wut oder Leidenschaft weckten. Stellen Sie sich eine liebreizende Nonne vor, die plötzlich viel zu laut und mit zu viel Bewegung in Armen und Händen theatralisch „Halleluja!“ ruft. Das war Erna, wenn sie zum Beispiel von ihrem Vater, meinem Urgroßvater sprach. Dann wurde die ruhige Frau laut und leidenschaftlich, damit ich auch wirklich verstand was für ein unglaublicher Mann er gewesen war. In meiner kindlichen Vorstellung nahm er die Züge des Franz von Assisi an. Dem Heiligen, der mit den Vögeln sprach. So weit weg war es wohl nicht. Es gibt ein altes Foto, da sitzt auf dem ausgestreckten Arm meines Urgroßvaters ein kleiner Spatz.

Oder Mitzi, die nie sanft und ruhig war, sondern immer etwas lauter als die anderen redete. Die erzählte! Herrlich. Leider fiel ihr manchmal mittendrin ein, dass ihr einziger Zuhörer  ein gerade mal sechsjähriges Mädchen war. Dann unterbrach sie sich urplötzlich und machte eine so abrupte Kehrtwende, dass sogar mein sechsjähriges Ich, die Finte roch und bettelnd auf das Ende bestand. Sie erzählte es mir immer. Zum Beispiel von der Leiche der toten (klar, eine Leiche. Aber sprechen Sie es wie Tante Mitzi flüsternd aus, dann wird ihnen klar, dass es so viel dramatischer klingt. Die LEICHE der TOTEN…) Frau. Der hatte ein übler Grabräuber den Finger abgeschnitten, um an den Ehering zu kommen. Ein großes Glück. Die Frau war nämlich nicht tot, sondern nur scheintot. Und weil sie wegen des verlorenen Fingers zu weinen begann, hat man den Irrtum noch rechtzeitig bemerkt und sie aus der Leichenhalle geschafft. Der Grabräuber wurde angesichts des Schocks wahrscheinlich zu einem besseren Menschen. Unnötig zu erwähnen, dass ich schon mit sechs Jahren beschloss, mich nach meinem Tod verbrennen zu lassen. Lieber verbrannt und mausetot als scheintot unter drei Metern Erde begraben zu liegen und keiner merkt`s.

Und natürlich Walli, die ich aber nie so nannte, sondern immer nur Oma. Moosacher Oma. Ich hatte ja zwei und die eine wohnte im Münchner Stadtteil Moosach. Zusammen mit Opa und Muschi, der Katze. Gespielt hat sie nur selten mit mir. Warum hätte sie das auch tun sollen. Ihr Kästchen mit Modeschmuck, ein paar Kissen und Decken zum Bauen einer Höhle und ein nie endender Fundus an Geschichten, waren alles was es für kindliches Glück brauchte. Oma musste am meisten und vor allem immer wieder erzählen. Wie Erna sich den Daumen brach. Oder wie die Kartoffelsuppe kalt wurde, als sie binnen Minuten ihr Elternhaus verlassen mussten und nie wieder zurückkehren durften. Oder eine andere Variation der Scheintoten. Die war noch grausiger als die von Mitzi, weil sie das Finale nie erzählte sondern mitten im Satz endete. Das klang etwa so „Und dann rannen ihr Tränen…..“ Ende. Sollte das Kind ruhig seine Phantasie bemühen und sich ausdenken ob die Scheintote nun im Sarg erstickt war oder ob der Grabräuber barmherzig genug war, sie vorher endgültig um die Ecke zu bringen.

Hör´n Sie mal III – heute mit Oma

Meine Großmutter tanzte für ihr Leben gern. Das tat sie bis ins hohe Alter. Selten freilich, weil die Beine nicht mehr so wollten, aber manchmal hat es sie noch gepackt. Um genau zu sein packte sie ihr Enkel. Ein Brackel von einem Kerl. Kräftig genug um die winzige Frau in seinen Armen über das Parkett zu heben und ein so guter Tänzer, dass meine Großmutter nicht widerstehen konnte. Dann staunten die Urenkel und wenn sie erschöpft zurück auf den Stuhl sank. Verlegen hob sie dann die Hände und meinte, dass sie nun wirklich zu alt dafür sei. Aber sie strahlte und in ihren Augen spiegelte sich eine Jugend, die ich nur von Erzählungen kannte. Ihren jugendlichen Übermut hat sie nie verloren meine Großmutter. Selbst kurz vor ihrem Tod im Krankenbett liegend, wies sie mich noch schmunzelnd auf einen hübschen Pfleger hin. Der hätte ja gar so schöne Schneckerl. Dunkle Schneckerl, die ihr so gut gefielen. Hatte sie doch immer eine Vorliebe für Männer mit dunklen Locken. Das war ihr so lieb wie ein guter Tänzer. Ihr Mann, der Schorsch, war plattert und konnte überhaupt nicht tanzen. Aber das war nicht wichtig. Sie hat ihn ja so gern gemocht, ihren Schorsch. Auch den Martl, die erste große Liebe, die starb bevor er sie heiraten konnte und ihr den ersten Sohn schenkte. Leicht war es nicht mit einem ledigen Kind und dem Hof den sie übernommen hatte. Der Krieg, das Gerede, die Eltern und die nie endende Plackerei. Aber manchmal, da tanzte sie. Davon erzählte sie gerne mit leuchtenden Augen. Auch vom Schorsch, der ihr Mann und der Vater von einem Buben und einem Mädchen wurde. Es muss ein feiner Mann gewesen sein. Plattert (kahlköpfig) und kein Tänzer, aber eben ihr Schorsch. Im Krieg war er und als er aus war, der Krieg, da hatten sie nicht viel Zeit. Der Krebs hat ihn sich geholt und alleine zurück gelassen mit dem Hof und drei Kindern. Es hat sie hart gemacht und auch ein bisschen ungerecht. Aber als Enkelin spürte ich davon nichts. Freilich hat keine so schimpfen können wie sie. Auch grantig war sie, wenn es nicht nach ihrem Kopf ging. Nicht lang, dann waren die Wolken verflogen. Greißlich schmeckten die überreifen Kiwis, die sie extra für mich gekauft hat. Dass ich sie unreif lieber mochte hat mir nichts geholfen. Allzu gut schmeckte alles andere. Die Dampfnudeln, die Fingernudeln, das Knödlgröstl und die Schnittlauchbrote. Den Hefezopf mochte der Hund am liebsten. Das war ein schönes Gespann. Die kleine Frau und das Kalb von einem Hund, der sie mehr als einmal vor Freude zu Boden gerissen hat. Sie schimpfte über ihn und mochte ihn doch so gern. Als er alt war und Magenprobleme hatte waren sie Leidensgenossen, weil auch sie immer Magengeschwüre hatte. Dann bekam auch der Hund eine Rollkur und am letzten Tag, bevor er eingeschläfert wurde einen ganzen Hefezopf – eingetauchte in Malzkaffe. Ein Malzbier bekamen die Enkelinnen gebracht, weil das den Milchfluss nach der Geburt anregt. Und ich die Wange getätschelt, wenn´s wieder einmal mit dem vermeintlich richtigen nicht geklappt hat. Auch gute Ratschläge. „Jetzt bi staad. Des war a rechter Halodri. Der hätt da doch nia aloar kead.“ Verstanden hat sie mich aber doch. Weil doch der meine dunkle Schneckerl hatte und tanzen konnte.

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Hör´n Sie mal II

Alles andere als objektiv ist einer meiner Lieblingstexte bei Lesungen. Der über den Atem von München. Ich schrieb ihn an einem saukalten Abend an dem ich nach einem Essen mit Freunden nach Hause gelaufen bin und auf dem Heimweg mehrere Umwege gemacht habe, weil meine Stadt so schön ist.

Viele Städte sind schön, keine Frage. Besonders schön werden sie aber, wenn man in ihnen aufgewachsen ist, sie irgendwann langweilig und älltäglich fand, sie verlässt und dann beim „Heimkommen“ merkt, dass sie doch schön sind. Schön, vertraut und mit dem Gefühl von „Daheim“ verbunden.

Sollten Sie von außerhalb nach München kommen und die Gelegenheit haben, die Stadt nachts zu erkunden…machen Sie es. Und wenn Sie in München wohnen und die Stadt in und auswendig kennen…dann biegen Sie in der Altstadt einfach mal wieder ab. In die kleinen Gassen und…aber das wissen Sie ja eh.

Und auch diesmal hier zum Nachlesen.

Hör´n Sie mal I

Weihnachten liegt dieses Jahr so ungünstig, dass ich mir keinen Urlaub genommen habe. Behaupte ich. Die Wahrheit ist, dass ich kaum noch einen habe und den, der noch übrig ist, lieber in ein Wochenende Italien im Frühjahr investiere. Ich werde also durcharbeiten. Das ist ok. Der Jahresendstress macht mir nichts aus. Überhaupt bin ich nur selten gestresst und am durchdrehen bin ich nie.

Da können Sie wirklich jeden fragen. Ich bin…. ok, fragen Sie vielleicht doch lieber nicht. Oder erst nach den Feiertagen. Gerade erreichte mich die bitte meiner Kollegen, mir wenigstens ein paar Tage frei zu nehmen. Ihnen zuliebe.

Und wenn Sie über meine Ruhe und Gelassenheit lieber lesen, als sich diese ins Ohr brüllen zu lassen, dann können Sie das hier.

Mein Rechner mag WordPress nicht. Szenen einer zerrütteten Beziehung. Also nicht meine, sondern die von meinem Rechner und WordPress. Ein Drama.

Nachdem die dritte Lesung in Folge und die letzte in diesem Jahr abgesagt wurde, und überhaupt bei mir in diesem Jahr der Wurm drin ist, mache ich jetzt nur noch worauf ich Lust habe. Der Wurm ist nämlich ein ganz schön ärgerlicher. Das ganze Jahr über schon streikt mein Rechner immer wieder wenn ich die WordPress Seite aufrufe.

Die automatische Speicherung speichert so lange, dass ich ihr Ende nicht erwarten kann. Wir sprechen hier von Stunden… Während dieses Speichervorgangs, kann ich den Text auch nicht anderen Ort kopieren und dann wieder einfügen. Nein, mein Text wird unendlich gespeichert und irgendwann schließe ich die Seite ohne ihn gespeichert zu haben. Auch die Möglichkeit die Zwischenschritte oder Entwürfe wieder aufzurufen funktioniert nicht. Mache ich das kommen nur Sonderzeichen. Mehrere Freunde, die sich durchaus mit Rechner auskennen haben sich diesem Problem bereits angenommen. Sie scheiterten alle. Die allgemeine Überzeugung lautet nun, dass mein Rechner diese Internetseite einfach nicht mag. Die Erklärung ist so bescheuert, dass sie mir tatsächlich am wahrscheinlichsten erscheint. Zumal ich mich an fremden Rechnen durchaus mit meinem Account anmelden kann und dort alles wunderbar funktioniert.

Dieses Jahr hat mich wirklich geschafft. Etwa jeder fünfte Beitrag ist mir irgendwann flöten gegangen. Ich hätte mir natürlich einen neuen Rechner kaufen können, da aber alles wunderbar funktioniert und nur diese eine Seite nicht, habe ich bis jetzt nicht aufgegeben. Ich schreibe dies übrigens gerade über das Handy, wie so viele andere Artikel in diesem Jahr auch. Das macht aber keinen Spaß und ich habe das Gefühl dass ich anders denke und unrunder schreibe und formuliere wenn ich es über dieses kleine Display mache.

2022 war ein mieses Blog Jahr. Während ich das schreibe klingt es so unglaublich bescheuert wegen technischer Probleme zu behaupten weniger geschrieben zu haben. Es ist aber so, da ich in diesen Dingen ein wahnsinnig ungeduldiger Mensch bin. Ich werde den getippte Blog jetzt einfach vorzeitig beenden. Nase voll, keine Lust mehr. Nächstes Jahr werde ich dafür eine Lösung finden. Ganz sicher sogar. Muss ja, denn ich würde wirklich gerne wieder in Ruhe schreiben, in Ruhe andere Artikel lesen, kommentieren und nicht mehrfach in der Woche an der Technik verzweifeln.

Und damit der Blog in den letzten vier Wochen des Jahres nicht völlig verweist, mache ich das was mir letztes Jahr schon großen Spaß gemacht hat. Wenn die Lesungen abgesagt werden, dann lese ich Ihnen eben hier etwas vor. Für den Rest des Jahres gibt es hier also keine Buchstaben sondern nur noch gesprochene Wörter.

Und nächstes Jahr werden sich WordPress und mein Rechner zusammenraufen müssen. Ansonsten steht die Scheidung an! Eine von beiden wird ausziehen müssen, und WordPress bzw mein Blog ist es sicher nicht.

Ohne ihn brennt´s nur halb so schön

„Iljana, komm raus“, fordert der alte Säufer mit rauer, noch nachtschwerer Stimme. Iljana, die mazedonische Aushilfe des vietnamesischen Schönheitssalons schüttelt lächelnd den Kopf. Sie kennt den Alten seit bald einem Jahr und hat sich daran gewöhnt, dass er morgens vor dem Laden sitzt und nach ihr ruft. Er ist eine treue Seele. Und wie man die meisten treuen Seelen gern hat, so mag man auch ihn. Man hat sich an seine kratzige Stimme und seinen schwankenden Schritt gewöhnt. Nach den ersten Schlucken aus der kleinen Jägermeisterflasche geht er gerader und man versteht ihn besser. Die meisten. Iljana nicht. Sie spricht noch immer kaum Deutsch, braucht es aber auch nicht. Letztes Jahr stand Iliana an der Kasse des vietnamesischen Backshops. Seit er schließen musste arbeitet sie im vietnamesischen Schönheitssalon. Iljana ist eine treue Seele. Ihr ist es egal, ob sie Semmeln abkassiert, oder Geld für frisch manikürte Fingernägel in die Kasse wirft. Ihre Arbeitgeber versteht sie noch schlechter als den Säufer, weil der ihr wenigstens nur einzelne Worte um die Ohren haut. Der vietnamesische Singsang dagegen gleicht einem nicht zu verstehenden Gemurmel. Auch für mich.

„Iljana“, schreit der Alte, „es brennt!“ Solange es draußen brennt, ist es nicht ihr Problem, sagt Iljana – glaube ich – und füllt meinen Becher mit heißer Milch. Weil die Kaffeemaschine aus dem Backshop noch nicht abgebaut ist, gibt es im Schönheitssalon morgens warme Getränke zu erwerben. Warum auch nicht. Der Säufer hat sich selbst etwas mitgebracht und öffnet im Türrahmen stehend den zweiten Jägermeister. Ich stell mich mit meinem Kaffee neben ihn und trinke draußen, weil es drinnen nicht mehr nach Gebäck sondern nach Lacken riecht. Seine Fingernägel sind gepflegter als meine. Es wundert mich, das einer, der so riecht, so schöne, alte Finger hat. „Schau, Iljana“, sagt er und meint mich. Ihm ist es egal,mit wem er spricht. So egal, wie ihm der Laden ist, vor dem er sitz. „Schau, Iljana, es brennt. So schön brennt es.“ Ich nicke und rufe nach Iljana. Auf der anderen Straßenseite steht eine Pappel. Ihre gelben Blätter brennen im Sonnenlicht des Herbstmorgens. Der Baum ist wunderschön. Zu schön um ihn nicht anzusehen.

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