Kollateralschäden

Ich erspare es Ihnen und mir die ersten Worte, die ich heute morgen hörte, im Original wieder zu geben. Freundlich waren sie nicht und auch wenn ihre Derbheit in den Augen jener Person, die sie aussprach durchaus gerechtfertigt sein mochte, hätte ich gerne etwas anderes gehört. „Guten Morgen“, zum Beispiel. Das sind zwei feine, kleine Worte mit denen ich mich um kurz nach sechs Uhr morgens durchaus zufrieden gebe. Auch wenn „der Kaffee ist fertig“ schöner gewesen wären und „ich hab dir eine Tasse Kaffee auf den Nachttisch gestellt“ mich sehr glücklich gemacht hätte – ein „Guten Morgen“ wäre völlig in Ordnung gewesen. Ich dagegen hörte heute morgen einen derart lauten und derben Fluch, dass ich reflexartig die Badezimmertür von innen verschloss. Nicht das ich Angst vor dem Fluchenden hatte, das nun wirklich nicht. Die letzten Wochen haben mir aber gezeigt, dass es besser ist, wenn mich der Fluchende in diesen hochemotionalen Momenten, in denen er zu solch verbalen Entgleisungen fähig ist, für ein paar Minuten nicht sieht. Besser für ihn und seinen Blutdruck, denn natürlich – wie sollte es auch anders sein – bin ich die Verursacherin der morgendlichen Unruhe. Das zumindest würde der Mann behaupten, der ab und zu mit einer Falsche Wein vor meiner Tür steht und jetzt gerade an die Badezimmertür hämmert, hinter der er den erste Hilfe Kasten vermutet. Übrigens…falls Sie keinen Arzt im Familien- oder Freundeskreis haben….sagen Sie einem solchen nie, wirklich nie, dass ein Schnitt an der Fingerkuppe nun wirklich keinen solchen Aufstand rechtfertigt. Weiterlesen

Ein zweites Türchen

09.12.2016 – Stadt Atem oder wie alles begann

Eine Inzidenz von über 200 bedeutet für mich als Münchnerin, dass ich heute ab 21.00 Uhr zu Hause bleiben muss. Kein großer Unterschied zu einem anderen Mittwochabend und nur der Begriff der Ausgangssperre ist hässlich, ungewohnt und ein wenig gruselig.
Der Gedanke, dass meine Heimatstadt heute Abend sehr still, so still wie sonst selten ist, gefällt mir trotzdem. Heute ist eine jener klaren Winternächte in denen man die Stadt atmen hört. Und heute, wenn wir alle zu Hause bleiben müssen, klingen die Atemzüge in den leeren Straßen bestimmt noch schöner. Wie das klingt, habe ich versucht Ihnen in der obigen Aufnahme zu beschreiben. Den Stadt Atem und den Abend, heute vor vier Jahren, an dem ich das erste Mal überhaupt vor Publikum gelesen habe. Wenn Sie reinhören möchten, dann erzähle ich Ihnen auch davon. Weiterlesen

Randnotiz Star Wars

Wenn der beste Freund zum Essen vorbei kommt und sich im Auto daran erinnert, dass man (er mit mir) doch schon immer mal alle Star Wars Filme ansehen wollte.

Das sind die Momente, in denen man verflucht, dass vermutlich alle Teile über Amazon Prime verfügbar sind. Drücken Sie mir die Daumen dass ich diese Nacht überstehe.

Das 1. Türchen

Jetzt ist er da – der letzte Monat dieses seltsamen Jahres. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe mich auf meine Art mit 2020 ausgesöhnt. Am Sonntag noch, dem ersten Advent, war es seltsam. Überall im Radio liefen die Weihnachtslieder rauf und runter und auf meinem Tisch brannte die erste Kerze am Kranz. Eine Stimmung die ich in jedem Jahr sehr gerne habe und die einen für mich immer besonderen Monat einläutet. Kein anderer Monat steht so sehr für Freundschaft wie der Dezember. Für mich. Denn in diesen Monat packen meine Liebsten und ich seit Jahrzehnten all das, für das die restlichen elf Monate keine Zeit bleibt. Bescheuert, denn es artet jedes Jahr in eine einzige Rennerei und Stress aus.  Weiterlesen

Halloween? – Doch nicht morgen

Da Halloween morgen sowieso zu großen Teilen ausfällt und mir hier in der Quarantäne (damit Sie nicht fragen müssen…der Test war negativ, aber ich muss noch ein paar Tage bleiben) die Decke auf den Kopf fällt schon heute eine kleine Erzählung die sie vielleicht schon kennen, die aber immer noch aktuell ist. Morgen ganz besonders.

Halloween kommt mir immer etwas ungelegen. Es liegt einfach blöd. Gerade heute, passt es mir gar nicht. Früher war das egal, da gab es Halloween bei uns noch gar nicht. Da ist am 31.10. eh nicht ausgegangen, weil der darauffolgende Feiertag ein „stiller Feiertag“ ist und man nun wirklich keine zehn Mark Eintritt bezahlt hat, nur damit man miterleben konnte, dass die Musik um Mitternacht abgestellt wurde. Es kam mir also schon immer gelegen, dass der 31.10. bei uns zum Geburtstag meines Vaters erklärt wurde. Meine Großmutter hat Weitsicht bewiesen und ihren Sohn so zur Welt gebracht, dass er ein Leben lang am Tag nach seinem Geburtstag nicht in die Schule und nicht zur Arbeit musste. Noch besser wäre Ende April gewesen, dann hätte man den darauffolgenden Tag ausschlafen können und hätte sich nicht an den Gräbern die Beine in den Bauch stehen müssen. Vermutlich haben ihr die wenigen Hafturlaube meines Großvaters einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mein Vater wurde Ende Oktober geboren und daran ändert auch Halloween nichts. Weiterlesen

Herbstputz – da müssen Sie jetzt durch

Ich mag es nicht, wenn mir jemand beim Schreiben über die Schulter schaut. Da ich einzelne Sätze, Absätze oder ganze Erzählungen immer wieder lösche, ruft ein kurzer Blick auf meinen Bildschirm viel zu oft ein Stirnrunzeln hervor, weil das was da steht keinen oder noch keinen Sinn ergibt. Eigentlich runzelt aber nur einer die Stirn, weil meist nur einer hinter mir steht, wenn ich schreibe. Und das auch nur, weil er an mir vorbei muss, wenn er sich etwas aus der Küche holen möchte. Heute runzelte er so oft die Stirn, dass ich mich verpflichtet fühlte ihm zu sagen, dass dieses Runzeln einer der Hauptgründe für die zwei dünnen, immer breiter werdende Falten über seinen Augenbrauen ist, die ich seit längerem schon beobachte. Er zieht die Stirn jetzt weniger in Falten und grinst dafür. Auch das verursacht Falten, aber das teile ich ihm nicht mit, weil mir die feinen Linien um die Augen bei ihm durchaus gefallen. Nicht zuletzt, weil ich selbst welche habe und großen Wert darauf lege langsamer oder maximal mit gleicher Geschwindigkeit wie mein Partner zu altern. Mindestens genauso wichtig ist mir ein halbwegs aufgeräumter Ordner mit den Entwürfen meiner Erzählungen. Die letzten fünf Jahre war er mir herzlich egal, seit ich gestern aber etwas suchte, geht er mir gewaltig auf die Nerven. Er enthält gefühlte 458 Entwürfe „Ohne Titel“ und ich frage mich, wann zum Henker ich die geschrieben habe. Am 01.03.2016 zum Beispiel. Da schrieb ich: „Limes!!!“ Ob ich damit die römischen Grenzwälle oder den Erdbeerlikör meinte, kann ich heute beim besten Willen nicht mehr sagen. Im März 2016 aber schien ich einen ganz wunderbaren Einfall  für eine Erzählung gehabt zu haben. Anders lassen sich die drei Ausrufezeichen nicht erklären. Die fehlen bei etwa 200 Entwürfen ohne Titel. Das macht allerdings nichts, weil in denen auch sonst alles fehlt. Nicht ein einziges Wort steht darin und ich frage mich ob man fünf Jahre lang so blöd sein kann, versehentlich einen komplett leeren Entwurf zu speichern. Man kann. Ich habe sie gestern Nacht alle gelöscht. Weiterlesen

Lesungen im Herbst 2020

Mit einer einer kleinen Portion Optimismus, dem einen oder anderen Fragezeichen, vor allem aber mit unbändiger Vorfreude habe ich Ihnen die Termine meiner Lesungen im Herbst zusammen gestellt. Der eine oder andere kommt vielleicht, hoffentlich, eventuell noch dazu…aber die folgenden stehen. 

Nach den letzten Wochen ist es ein besonders schönes Gefühl wieder in den Zug zu steigen und sich gespannt auf die Vorstellungen zu freuen. In diesem Herbst übrigens nicht nur in Bayern. 

 

26.09.2020 Lesung – Nix mit Amore  Wartenberg 19:30 Uhr
Eintritt: 5 Euro
Ort: Aula der Marie-Pettenbeck-Schule in Wartenberg

03.10.2020 Lesung und 3 Gänge Menü – Nix mit Amore
Hotel am Badersee, Grainau 

Einlass 17.30 Uhr | Beginn 18:30 Uhr
Preis: 59 Euro, inkl. Lesung, 3-Gänge-Menü, exkl. Getränke, Reservierung unter info@hotelambadersee.de
Ort: Hotel am Badersee, Am Badersee 1-5, 82491 Grainau
Infos hier

10.10.2020 Lesung – Münchner Geschichten  Knittlingen 18:00 Uhr
Lesung inkl. Getränke und kleiner Speisen
Eintritt: 15 Euro info@schweizer-blume.de
Ort: Stuttgarter Straße 9, 75438 Knittlingen

16.10.2020 Lesung – Mitzi aus der Vorderhaus, Weilheim 19:30Uhr
VHS Weilheim
Eintritt: 10 Euro, info@vhs-weilheim.de
Ort: Obere Stadt 66, Seminarraum, 3. Stock, 82362 Weilheim i. OB

17.11.2020 Lesung – Nix mit Amore – PEP Torgau
Infos folgen

 

Immer – nur nicht 2020

Es gibt Tage, die sind immer gleich. Egal wie alt man ist, egal wie das restliche Jahr sich gestaltet, an diesen wenigen Tagen im Jahr ist alles wie immer. Es sind Tage, auf die man sich verlassen kann. Tage, die seit Jahrzehnten vielleicht nicht identisch, aber doch sehr ähnlich verlaufen und einem durchschnittlich verrückten Leben das Minimum an Planungssicherheit und Verlässlichkeit geben, das es braucht. In diesem Jahr gibt es sie nicht. Im Jahr 2020 werden selbst jene Tage, auf die man sich sonst felsenfest verlassen konnte, einfach weggespült. Heuer kann man sich auf nichts verlassen und heute spüre ich es auf unangenehme Weise überdeutlich. Weiterlesen