Lesung am 16.03.2019

Nehmen Sie Platz

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Ich verspreche Ihnen auch, dass die Stühle am 16.03.2019 weniger eisig und zahlreicher als auf dem obigen Fotos sein werden. 
Die Münchner…das ist reichlich schwammig als Ankündigung. Ich würde Ihnen schon mehr verraten, wenn ich es heute schon wüsste. Wie fast immer müssen Sie sich überraschen lassen. Aber unter uns….es wird gut. Das traue ich mich mittlerweile zu behaupten. Sie und ich wir haben die gängigen Katastrophen schon durch. Klingelndes Handy der Autorin, fehlende Stühle für die Zuhörer, inkontinente Hunde, Heiserkeit und ein gut zwei minütiges Suchen nach einer verloren gegangenen Erzählung, die aber unbedingt gelesen werden sollte. Was soll da noch kommen?

Obwohl….Mir fällt bestimmt was ein ;). 

Ich freu mich auf Sie!!

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Pfui, Paul, pfui!

Kennen Sie das Bedürfnis, einem Mann im Vorbeigehen einfach „Aus!“ zuzurufen? Ich halte Männer keineswegs für Hunde, aber manchmal ist es so sinnlos mit Ihnen zu diskutieren, dass ein einfaches „Aus!“ alles beinhaltet was man sagen möchte. In scharfem, aber ruhigen Tonfall ausgesprochen, damit er es auch versteht. Der Hund. Oder eben der Mann. Mein Nachbar Paul ist so ein Hundemann. Einer, der einen in Situationen bringt, in denen man gerne nur ein Wort sagen möchte. Auch und ganz besonders um den Rüden vor einer dummen Handlung zu bewahren.  Weiterlesen

2 Jahre Glückssachen

„Festhalten. Paul!…Kruzifix…..Paul!“, plärr ich meinen Nachbarn noch an, bevor erst ich vom Leiterl und dann die Vorhangstange aus der Halterung fliegen. „Depp“, murmle ich noch und reibe mir den Ellbogen. Dann sag ich lieber nix mehr, weil der Kurzifix Depp Paul, vor meinem Karton mit Erinnerungen steht und ganz blass geworden ist. „Mitzi, spinnst du“, sagt er leise und geht in die Hocke damit mit mir, die auf dem Boden hockt, auf Augenhöhe ist. Meist ein Zustand, den ich wünschenswert finde, gerade so gar nicht, weil es unangenehm ist wenn einen einer auf Augenhöhe von oben herab anschaut. „Geh“, sag ich und „…du hast es doch schon gewusst.“ Er schüttelt den Kopf und holt die Mappen aus meinem Karton. Ob er immer dabei ist, will er wissen und als ich nicke, lächelt er schief. „Schau“, sag ich, breite die Mappen aus und deute auf die Inhaltsverzeichnisse, die fast alle irgendwo seinen Namen beinhalten, „du bist fast immer dabei wenn ich lese. Und da nehm ich nur die Menschen mit, die ich wirklich mag.“ Den Herrn Mu, den Meier, meine Oma, den der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht. Den mutigsten meiner Freunde, den besten und oft den mutigsten meiner Freunde und eben ihn, meinen Nachbarn Paul. Er knabbert noch immer daran, dass ich vor über zwei Jahren vergessen habe, ihm ein Pseudonym zu schenken und er sich deshalb weit deutlicher als andere Protagonisten meiner Erzählungen erkennt. Damit er das nicht so schlimm findet, erkläre ich ihm, dass Paul eigentlich das Synonym aller Synonyme ist und zitiere aus der Erzählung die Ulli gestern gelesen hat: 

„Paul war in diesem Fall nur ein Sammelname. Er hieß gar nicht Paul – er war es nur. Es gibt eine bestimmte Art von Erlebnis, das ich Paul nenne, aus dankbarer Erinnerung an seinen ersten Vertreter. Paul ist eine Begebenheit, die immer von Zeit zu Zeit wiederkehrt. Paul kann alles mögliche sein, verheiratet oder Junggeselle, Leutnant, Ingenieur, junger Arzt, Afrikareisender, – es kommt auch vor, daß er gar keinen Beruf hat. Aber er kommt immer wieder, wenn auch jedesmal in etwas veränderter Form und Gestalt.“

Paul ist etwas ganz feines, versuche ich ihm zu erklären und hoffe dabei, dass er das Buch aus dem ich zitiere nicht kennt. Franziska Gräfin zu Reventlow schreib darin nämlich auch, dass Paul immer etwas Lustiges, Belangloses, ohne Bedenken und ohne Konsequenzen ist. Und der Paul, der gerade neben mir sitzt ist doch viel mehr. Eine Glückssache, den es ist ein großes Glück einen Nachbarn wie Paul zu haben. Auch wenn er vergisst festzuhalten. Mich und die Vorhangstange. Ein Glück ist er trotzdem, weil ich nicht mit jedem auf dem Boden hocke und ihn einen Blick in meine Erinnerungskiste der Glückssachen werfen lasse. Seit wann ich das mache, fragt er und während er wühlt, sehe ich am Datum eines Flyers, dass es genau zwei Jahre her ist. Zwei Jahre und schon damals hatte ich ihn dabei. Am 09.12.2016 war er der, mit dem Rhett Butler Lächeln und jeder wusste, dass das ein besonders schönes und unwiderstehliches Lächeln ist.Und jetzt lächelt er es gerade wieder. Arrogant, süffisant und unwiderstehlich. Das sag ich ihm aber nicht. Einem Mann wie Paul tut es nicht gut, ihm zu sagen wie schön sein Lächeln ist. Lieber erzähle ich ihm, wie schön es gestern war und wie schön es jetzt ist, ihm davon zu erzählen. 

Am Ende lese ich ihm alles vor, was ich auch gestern gelesen habe. Und dann lasse ich mir von ihm schriftlich geben, dass ich künftig sein Leben verwurschteln darf. Ich werde es eh tun, sage ich ihm entschuldigen lächelnd und mir wäre es lieber das zu dürfen und nicht einfach zu machen. Unverschämt nennt er mich und unterschreibt dennoch. Der Zettel ist jetzt im Karton mit den Glückssachen. Ich mache heute gar nichts mehr. Ich genieße nur das schöne Gefühl seit genau zwei Jahren, etwas machen zu dürfen, das mich sehr, sehr glücklich macht. 

Danke Simone!

Und danke an Ulli, Robert, Traudl und alle anderen die in den letzten zwei Jahren vorbei gekommen sind und die Abende zu etwas ganz besonderem gemacht haben. 

Für dieses Jahr haben Sie jetzt Ruhe von mir. Jetzt halt ich erst mal den Mund. (Tippen ist allerdings nicht reden…)

Gestern – mit Ulrike Dostal. „Und ewig schreibt das Weib“