Lesen Sie das nicht!

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Windspiele an Balkonen in der Stadt aufgehängt werden? Möchte sich der Besitzer am zarten Klang erfreuen oder hat er eine diebische Freude daran, seine Nachbarn mit dem penetranten Geschepper in den Wahnsinn zu treiben? Ich habe mich das gestern Abend gefragt. Da schrieb ich auf der Heimfahrt in der Bahn „das dumme Windspiel, die ungeöffnete Flasche Wein, das bekloppte Eichhörnchen und Herr Meier  von nebenan“ in mein Notizbuch. Weiterlesen

Feig und wütend

Jeden Morgen macht er mich wütend. Egal ob das Wetter schön ist oder schlecht. Unwichtig ob ich mit guter Laune in die S-Bahn eingestiegen bin oder sowieso schon mit dem Tag haderte. Es reicht, ihn zu sehen und ich werde wütend. Einem ungeschriebenen Gesetz zu Folge, steht man täglich an genau der gleichen Stelle am Bahnsteig und setzt sich brav an seinen angestammten Platz. Weiterlesen

Ein Pfirsich für Annette

„Schreib weiter.“ Steht in ihrer SMS und ich sehe das Ausrufezeichen dort, wo der Punkt  am Ende des Satzes steht. Ein Fragezeichen wäre angebracht gewesen. Und überhaupt eine Frage und nicht eine Aufforderung. Mein Einwand, dass ich die letzten beide Tage schon etwas geschrieben habe, wird mit einem „Na und? Schreib weiter!“ weggewischt. Sie musste es genauso wenig tippen, wie ich meinen Einwand anbringen musste. Ungeschrieben und ungesagt, hängt es in der Luft und hat seinen Weg zum Empfänger gefunden. Weiterlesen

Distanziertes Flattern

Er sagt ich flattere. Er, der immer Zeit für mich hat, wenn ich ihn anrufe.  Seit uns einige hundert Kilometer trennen führen wir eine Fern-Freundschaft. Die Weite zwischen uns hat uns sensibilisier die Nuancen  in der Stimme des anderen zu erkennen. Er ist darin viel besser als ich. Wenn er sagt ich flattere, dann meinte er, dass meine Stimme ungeduldig klingt. Um das zu erkennen reicht ihm ein kurzes Hallo am Telefon. Weiterlesen

Lassen Sie es!

Gehen Sie nie in einen Kiehl´s Store! Mehr Text braucht dieser Artikel im Grunde nicht. Lassen Sie es einfach. Sie werden mir dankbar sein. Oder auch nicht, nachdem Sie es doch getan haben und wissen worüber ich spreche. Dann sind wir Leidensgenossen. Sie und ich. Lassen wir das mit der Höflichkeitsform, ich schreibe ja doch mehr als die einleitenden Worte und es hört sowieso niemand auf mich. Weiterlesen

So, bitte nicht!

Versucht sich ein Liebespaar darin, nach Beendigung der Liebe, ein Freundespaar zu werden, geht das meistens gründlich schief. Der klügste meiner Exfreunde und ich, können davon ein Lied singen. Wir trennten uns, blieben aber einfach weiter in der gemeinsamen Wohnung  hocken. Beide. Man ist ja erwachsen. Man hat sich ja noch sehr gerne. Man möchte ja Freunde bleiben. Ich weiß nicht wie er es sieht, aber der Entschluss nach einer Trennung die Wohnung nicht aufzulösen, ist die schnellste und wirkungsvollste Methode eine Freundschaft zu zerstören. Weiterlesen

10.000 Dinge #2

Goethe und ich sind nicht so dicke. Allenfalls ist meine Beziehung zu ihm eine lockere Bekanntschaft, ohne die Anteilnahme und die Zuneigung einer Freundschaft. Die Schönheit mancher Sätze und die Klugheit einiger Gedanken bleiben mir dennoch nicht verborgen. „Wer besitzt, der muss gerüstet sein“,  heißt es zum Beispiel in Torquato Tasso einem Stück von Goethe. Weder Alfons, der die Worte spricht, noch Goethe, sein geistiger Vater, dachten hier wohl an die Bügel-Perlen-Topfuntersetzer die ich heute bei meiner herbstlichen Inventur gefunden habe. Weiterlesen

10.000 Dinge #1

Ich habe gelesen, dass der durchschnittliche Deutsche etwa 10.000 Dinge besitzt. Selbst wenn man jede Gabel und jeden Strumpf einzeln zählt, erscheint mir die Zahl sehr hoch. Angeblich ist es uns schier unmöglich, unseren Besitz zu reduzieren. Obwohl es mir eigentlich egal ist, möchte ich wissen wie viele Dinge ich tatsächlich besitze. Weiterlesen