Tante Ellas Yukata

Die Antwort auf meine Frage, wie ich aussehen würde, war ein tiefes Einatmen. Danach Stille. Die Dauer der Stille war der Maßstab für die Unzufriedenheit mit meinem Aussehen. Ballerinas, die ich in allen Farben und Ausprägungen besitze, wurden in der Regel mit einem kurzen Schnauben honoriert. Trug ich im Winter meine nierenwärmenden, ausgewaschenen  Wollstrumpfhosen in Kombination mit einem knielangen Kapuzenpullover ertönte vom Sofa ein schmerzvoll lang gedehnter Atemzug.  Weiterlesen →

Die Erotik von Hülsenfrüchten

Wie der Titel erahnen lässt, handelt dieser Text von Hülsenfrüchten. Ich bin Ihnen nicht böse, wenn Sie jetzt aufhören zu lesen. Im Gegenteil, ich verstehe Ihre berechtigte Sorge von Nährwerten und unerwünschten Nebenerscheinungen dieser Gemüsegattung lesen zu müssen. Ich kann Sie aber beruhigen – beides interessiert auch mich nur am Rande. Um Sie ein wenig zu locken, habe ich die Erotik in den Titel einfließen lassen. Dennoch ist es vielleicht ganz gut, wenn diesen Beitrag nicht allzu viele Personen lesen. Er wird nämlich nicht freiwillig, sondern unter Zwang geschrieben. Weiterlesen →

Heute nur noch Birken

Die Stille hat mich angeschrien. Ich weiß nicht ob es ich war, die diesen Satz irgendwann gedacht habe, oder ob ich ihn gelesen und mir heimlich zu eigen machte. Es ist nicht wichtig. Dass Stille sehr laut werden kann, ist eine Erfahrung, die nicht nur einer Person gehört. Besonders laut war es an einem Nachmittag im März vor zwei Jahren, als ich fröstelnd in einem Birkenwäldchen stand und auf den breiten Rücken meines Vaters blickte.  Weiterlesen →

Pflücken Sie ruhig mal dreiblättrige Kleeblätter

Auf die Frage, ob ich glücklich bin, antworte ich mit einem klaren Ja. Ja, klar! Bin ich! Es ist ja Pflicht geworden, glücklich zu sein. Wer es noch nicht ist, der soll sich gefälligst anstrengen danach zu streben. Bücher mit idiotischen Tipps gibt es schon für wenige Euro an jedem Kiosk zu kaufen. Ich antworte auf die Frage nach dem Glück nickend, weil es mir zu blöd ist, auf eine so dumme Frage ernsthaft einzugehen. Ihnen kann ich es ja sagen. Ich glaube nicht, dass ich glücklich bin. Weiterlesen →

Verschonen Sie mich mit Silvester-Vorfreude!

Freuen Sie sich auf den heutigen Silvester-Abend? Sind Sie schon gespannt was er bringen wird?  Laufen Sie aufgeregt und hibbelig durch die Wohnung und überlegen Sie, was Sie anziehen können? Dann laufen Sie mal schön weiter. Ich würde Ihnen die Laune verderben. Bei mir bekommen Sie heute nur ein Glas lauwarmen Weißwein. Nicht später. Später ist er kalt – gerade ist er noch lauwarm, aber ich brauche ihn jetzt. Wenn Sie bleiben, müssen Sie ein Glas davon mit mir trinken. Anders ist die Silvester-Euphorie nicht zu ertragen. Weiterlesen →

Erwartungen

Geht es um übertriebene Erwartungen, bin ich ganz vorne mit dabei. Ich erwarte grundsätzlich Großes. Dass dieser Wunsch vermessen ist, meistens nicht realisierbar und fast immer in die Hose geht, ist mir dabei egal. Wüsste ich morgens schon, dass mich ein absolut durchschnittlicher Tag erwartet, hätte  ich keine Lust aufstehen. Großes zu erwarten  ist bei mir normal. Ebenso wie die fast immer darauf folgende Ernüchterung. Ich kann gut damit leben. Einen kleinen Rückschlag stecke ich leicht weg. Der nächste Tag verspricht schließlich erneut Großes. Weiterlesen →

Manchmal seufze ich leise Miststück

Vor 25 Jahren, am 21 Dezember wurde Tim von Claudia verlassen. Mit Tim habe ich nie gesprochen. Nicht vor 25 Jahren und nicht in den Jahren danach. Aber Claudia kannte ich ganz gut. Sie saß in der Schule neben mir weil man mich von Nicole getrennt hatte. Die Trennung von Nicole war eine unschöne Sache gewesen. Sie und ich waren beste Freundinnen und in etwa gleich schlecht in der Schule. Sie etwas schlechter als ich. Vor allem in Stenographie. Dem einzigen Fach, das mir leicht fiel. Minus mal Minus ergibt Plus. Soviel hatte ich in Mathe verstanden und ging daher am Anfang der siebten Klasse dazu über, die Stenoprüfungen sowohl für mich als auch für sie zu schreiben. Weiterlesen →

16 Tage

Heute morgen ist es still bei mir. Kein Radio und keine Musik läuft. Nur ein bisschen Straßenlärm schwappt durch das gekippte Schlafzimmer-fenster. Ich schließe die Augen und rutsche tiefer unter die Decke. Heute ist Samstag und mein zweiwöchiger Urlaub beginnt.  Wenn man das Wochenende mitzählt sind es ganze sechzehn Tage. Natürlich zähle ich das Wochenende dazu. Zwei Wochen Urlaub über Weihnachten, das haben viele. Sechzehn Tage dagegen,  sind schon fast unverschämt lange.  Unter meiner Bettdecke ist es herrlich warm. Nur die Nasenspitze, die an der Luft ist, friert. Das mag ich. Nur warm wäre mir zu langweilig. Um die Wärme zu genießen und zu schätzen, muss ein kleiner Teil – zum Beispiel die Nase – kühl sein. Weiterlesen →

Sanft und gelassen brüllend

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch. Da können Sie jeden fragen. Ich bin auch eine ausgesprochen gelassene und in sich ruhende Person. Auch hier können Sie sich gerne erkundigen. Man wird Ihnen bestätigen, dass ich das bin. Im größten Chaos bin ich der Fels in der Brandung. Im Jahresendspurt wissen das vor allem meine Kollegen zu schätzen. Ich sorge für den nötigen Weihnachtsfrieden im Büro. Weiterlesen →