Die Erotik von Hülsenfrüchten

Wie der Titel erahnen lässt, handelt dieser Text von Hülsenfrüchten. Ich bin Ihnen nicht böse, wenn Sie jetzt aufhören zu lesen. Im Gegenteil, ich verstehe Ihre berechtigte Sorge von Nährwerten und unerwünschten Nebenerscheinungen dieser Gemüsegattung lesen zu müssen. Ich kann Sie aber beruhigen – beides interessiert auch mich nur am Rande. Um Sie ein wenig zu locken, habe ich die Erotik in den Titel einfließen lassen. Dennoch ist es vielleicht ganz gut, wenn diesen Beitrag nicht allzu viele Personen lesen. Er wird nämlich nicht freiwillig, sondern unter Zwang geschrieben. Und mit der Erotik bringe ich mich womöglich noch in ungeahnte Schwierigkeiten.

Es ist meiner arroganten Überheblichkeit geschuldet, dass Sie und ich uns jetzt mit diesem  Thema herum schlagen müssen. Arrogant war ich, als ich schulterzuckend behauptete, dass man zu jedem Thema einen sinnvollen Text schreiben könne. Überheblich, als ich – ebenfalls schulterzuckend – behauptete, dass es mir selbst nicht nicht sonderlich schwer fallen würde. Die Quittung für mein Schulterzucken bekam ich heute Nachmittag in Form einer E-Mail. Dann solle ich doch am Abend spontan etwas sinnvolles, im besten Falle auch reizvolles, über  das eben angebrochene internationale Jahr der Hülsenfrüchte schreiben. Mein Antwort „Ernsthaft?“ wurde mit einem knappen „das bleibt dir überlassen“ beantwortet. Weiter wurde angefügt, dass man gespannt sei unter welcher Kategorie ein Text über Hülsenfrüchte abgespeichert werden würde. „Man“ ist in diesem Fall ein Mann und er sollte wissen, dass die überwiegende Mehrheit seiner Fragen, Sätze und Anmerkungen unter der Kategorie „ich mag´s“ gespeichert werden. Er gehört zu den Menschen, die selten etwas unüberlegtes sagen und denen ich selbst die Aufforderung über Hülsenfrüchte zu schreiben großmütig verzeihe.

Ich warne Sie vor. Erotik streife ich in meinem Blog nur am Rande und nie auf mich selbst bezogen. Irgendwo müssen die Grenzen ja gezogen werden. Bei Hülsenfrüchten verschwimmen sie. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass es unmöglich ist über diese herrlichen Früchte zu schreiben, ohne ihrem erotischen Reiz zu erliegen. Schwer zu glauben? Ich bitte Sie, bedienen Sie sich Ihrer Phantasie. Ich helfe Ihnen ein wenig dabei. Nehmen wir zum Beispiel die Wolfsbohnen mit dem hübschen Namen Lupine. Die  hellgrünen, frisch auf dem Markt gekauften, sind besonders schön. Nehmen Sie sie eine Schote (die Vorstellung reicht) in die Hand und halten Sie sie in die Sonne. Woran erinnert Sie der feine Flaum? Geben Sie sich Mühe – sind die feinen Härchen nicht identisch mit jenen, die sich auf der Haut am Steiß, dicht über dem Bund eines Bikinihöschens befinden? Eine der schönsten Stellen am weiblichen Körper überhaupt. Nehmen Sie eine Hand voll Lupine mit nach Hause und vergleichen Sie.
Er mag keine Bohnen. Der, der mir das eingebrockt hat. Ihm etwas reizvolles zu bieten ist schwerer aber nicht unmöglich. Wie erwähnt, es ist ein Mann. Ich  werde ihn zum Essen einladen müssen und wir werden bis zum Sommer warten. Dann kaufe ich uns frische, wunderschöne Erbsen. Sie werden noch in ihren Hülsen sein und er wird mir Recht geben, dass Schönheit, die leicht verpackt und anfangs nur zu erahnen ist, an Reiz gewinnt.  Ich bitte ihn, sie zu öffnen. Eine nach der anderen, ganz langsam. Ich werde ihm dabei zusehen und es genießen. Leichtsinnig erwähnte ich vor langem, dass ich seine Hände mag. Ich sagte ihm, dass sie das Schönste an ihm seien. Noch schöner, als der feine Flaum am Steiß, der mir besonders gut gefällt, wenn die Sonne die gebräunte Haut nach dem Schwimmen getrocknet hat. Das Salz, das auf dieser Haut dann eine feine Kruste gebildet hat, würde ähnlich gut schmecken, wie das Fleur de sel, das wir zu den Erbsen geben werden. Es gibt nur die Erbsen. In einer großen Schüssel werden sie zwischen uns stehen. Besteck brauchen wir nicht. Wir werden sie mit den Fingern herausfischen und sie uns genüsslich in den Mund stecken. Die letzte und schönste werde ich ihm zwischen die Lippen schieben und ihn fragen, ob Hülsenfrüchte nicht ausgesprochen reizvoll sein können.

Um dann die Kurve zu bekommen, werde ich ihm ganz schnell und ganz ernsthaft etwas über den Nährwert der eben genaschten Erbsen erzählen müssen. Lachend wird er sich auf den Rücken fallen lassen, die Hände vors Gesicht schlagen und sich über meine Sprunghaftigkeit beschweren. Ein bisschen ärgerlich wird er  auch sein, weil ich nie bei einem Thema bleiben kann. Nicht lange. Er weiß ja, dass ich das die Dinge gerne aus dem Zusammenhang reiße und eine ausgeprägte Phantasie habe. Letzteres ist auch nötig um ihn und mich gedanklich in das Erbsenbild zu pressen.

2016 – das internationale Jahr der Hülsenfrüchte. Machen Sie etwas daraus.

 

 

39 Gedanken zu “Die Erotik von Hülsenfrüchten

  1. Wer nach diesen Zeilen nun nicht versucht ist, außer den wunderbaren Lupinen sich sämtliche Hülsenfrüchte genauer anzusehen, dem kann nicht geholfen werden. 🙂
    Zudem, man muss die guten Hülsenfrüchte gar nicht verzehren, wenn die Begleiterscheinungen störend sein könnten…man gebe sich Mühe und komme auf feinste Ideen… 🙂

    Liebe Grüße aus der Silbenkemenate,
    der Hülsenfrüchtemix liebenden Silbia

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      1. Liebe Mitzi,
        ganz ehrlich denke ich, du würdest immer etwas finden, wenn es auch nicht so ruckzuck aus der Feder flösse, aber ich schätze, deine Kreativität kann nicht so schnell ausgebrmst werden! 😉

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  2. dass Hülsenfrüchte erotisch sein können…….wer hätte das gedacht….! Damit hast Du neben der Sicht auf meine Büchersammlung nun auch meine Sicht auf Hülsenfrüchte auf immer verändert;-) Danke für beides!

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  3. Sich irgendein Thema geben zu lassen, ist ein ergiebiges kreatives Verfahren. Den Beweis hast du hier angetreten, liebe Mitzi. Und indem Essen der Sex des Alters ist, wie mir mal ein Blogfreund schrieb, fiel mir spontan ein, dass ich mal wieder gebackene Bohnen kaufen sollte. Als ich die spätere Mutter meiner Kinder kennenlernte, war sie gerade in London gewesen und schwärmte von den Baked Beans, die sie dort gegessen hatte. In den letzten Jahren waren mir gebackene Bohnen echt entfallen. Über „die schönste Stelle am weiblichen Körper“ könnte man streiten. Ich bin aber mit dir eins: Eine attraktive Frau ist überall schön, und eine schier wunderbar weiche Haut hat bei näherer Betrachtung hauchfeinen Flaum.

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    1. Ergiebig und es macht Freude. Bestes Beispiel, sind deine aktuellen Texte für das schöne Projekt bei Wortmischer. Baked beans gab es heute in der Kantine. Mein Schreibtisch Gegenüber, das deinen Kommentar vor mir gelesen hatte, hat mich gleich darauf aufmerksam gemacht.

      Gefällt 1 Person

  4. „Erbsen Bohnen Linsen bringen den Arsch zum grinsen“, war einer der Lieblingssprüche meines Vaters, wenn er seine Gase an die freie Luft ließ, gegenüber uns Kindern hatte er da keine Hemmungen. Bei uns gab es oft Erbsen- und Bohnensuppen, ich esse sie heute noch sehr gern. Mit Erotik habe ich sie allerdings nie in Verbindung gebracht. Die feinen Härchen dicht über dem Bund des Bikinihöschens? Nicht schlecht, doch. Allerdings intensiver, wenn das Bikinihöschen nicht mehr da ist …
    Ich finde aber die Halskuhle erotischer, wenn ich ihr nahe komme, merkwürdigerweise besonders die linke (von mir aus gesehen). Das ist übrigens völlig ungefährlich. Die Halskuhle hat gegenüber dem Rücken den Vorteil, daß man eine Erbse hineinrollen lassen kann. Dann noch ein paar Tropfen Champagner darauf, voilà – den Rest überlasse ich Deiner Fantasie.
    Eigentlich mag ich keinen Champagner, aber ich kann einer Angebetenen schlecht Bier auf den Hals gießen, oder? Das tötet jede Erotik sofort.;-)

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    1. Gibt es die Werbung für Bier noch, in der einer Frau, mit französischem Akzent murmelte …das so herrlisch at geprickelt in meine Bauchnabel…? Ich glaube absolut alles, kann im richtigen Moment oder mit der richtigen Person erotisch sein. 😉
      Die Kuhle am Hals…ja….die unbedingt.

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