Verschonen Sie mich mit Silvester-Vorfreude!

Freuen Sie sich auf den heutigen Silvester-Abend? Sind Sie schon gespannt was er bringen wird?  Laufen Sie aufgeregt und hibbelig durch die Wohnung und überlegen Sie, was Sie anziehen können? Dann laufen Sie mal schön weiter. Ich würde Ihnen die Laune verderben. Bei mir bekommen Sie heute nur ein Glas lauwarmen Weißwein. Nicht später. Später ist er kalt – gerade ist er noch lauwarm, aber ich brauche ihn jetzt. Wenn Sie bleiben, müssen Sie ein Glas davon mit mir trinken. Anders ist die Silvester-Euphorie nicht zu ertragen.

Sie sind noch da? Na gut, dann erzähle ich Ihnen von meinem Silvester das dieses Jahr ganz ohne Erwartungen und überzogene Wünsche auskommt.  Um acht kommt eine Freundin vorbei. Eine die ich besonders gern mag. Eine die genau an der Stelle im Leben steht, an der ich mich auch gerade befinde. Nicht in den letzten sechs Monaten vor der 40, sie ist etwas jünger. Wollen Sie auch noch einen Schluck? Ich brauche noch einen. Verdammt, ich werde tatsächlich nur noch sechs Monate 39 sein. Das wusste ich gestern auch schon, aber da war es mir egal. Nun geben Sie mir schon Ihr Glas, wer heute hier mit mir sitz muss ein wenig Mitgefühl und Trinkfestigkeit zeigen. Das war nur ein kurzer Gedanke. Schon wieder vorbei. Sehen Sie mich an. Ich rutsch mal ans Licht. Und? Genau – ich sehe nicht aus wie 39 und mein Leben ist ähnlich amüsant wie mit 29. Alles ok. Also, um acht kommt sie. Eine die weiß wann es an der Zeit ist den Mund zu halten und die zweite Flasche Wein zu öffnen.  Eine mit der man ein paar Minuten tief traurig, sentimental und verzweifelt sein kann.  Und eine mit der man nach 10 Minuten zu lachen beginnt, weil Tränen eine Frau nicht unbedingt hübscher macht und Verzweiflung eine Frau nicht unbedingt intelligenter wirken lässt.  Wir machen uns keinen Stress dieses Jahr. Bis vorgestern hatten wir noch gar keinen Plan. Heute haben wir einen Plan. Raclette Essen bei mir und dann weiter. Weiter ist noch offen.  Das Raclette steht. Sie weiß nicht, dass das Raclette  von dem ich dachte das ich es habe, im Keller nicht mehr zu finden ist. Sie schrieb mir eben, dass sie den Raclette Käse  und alle sonstigen Zutaten schon gestern besorgt hat. Ich kann kein Raclette-Set mehr besorgen, die Läden haben schon geschlossen. Man kann es bestimmt auch im Ofen machen.  Wird bestimmt nett. Zwei Frauen Ende 30 sitzen auf den Küchenfliesen vor dem geöffneten Backrohr und beobachten wie der Käse auf ihrem Raclette Pfännchen schmilzt.
Ich habe erfahren, dass sie danach noch einen hübschen Ort aufgetan hat an den man gehen kann. Ich kenne die wenigsten ihrer Freunde, aber die paar ich gesehen habe waren ziemlich sympathisch  und die Frauen hatten diese ganz besondere Attraktivität. Es sind Frauen, die egal was sie anhaben, immer fantastisch aussehen. Nie übertrieben, nie gewollt, aber immer gut. Das Gegenteil von mir.  Ich war noch nie eine der Frauen, die im Raum sofort aufgefallen sind.  Damit ich jemanden positiv auffallen, muss ich ihn zunächst dazu bringen dass er sich mit mir unterhält. Die meisten die mit mir reden, fällt mich ganz gut. Sie kämen nur nicht von alleine darauf  sich in einem Raum voller Menschen gerade mich als Gesprächspartner auszusuchen. Meine einzige Chance ist es jemanden umzurennen oder ihm ein volles Glas über die Hose zu kippen. Bei Frauen ist es leichter. Frauen mögen mich, weil ich keine Konkurrenz bin. Soll ich Ihnen was verraten? Ich bin durchaus eine Konkurrenz. Sobald sich ein Mann mit mir unterhält merkt er das ich eigentlich was ganz feines bin. Für heute Abend habe ich mich vorsichtshalber trotzdem erkundigt was man anziehen könnte. Die Antwort etwas silvestermäßiges kann alles bedeuten. Eigentlich egal, ich kann nämlich überhaupt nichts anziehen. Kein Kleid, weil ich vergessen habe mir Strümpfe zu kaufen und die Läden jetzt geschlossen haben. Keine Jeans, weil  die einzige Jeans die ich anziehen möchte gestern Abend mit Rotwein übergegossen wurde und ich zu faul war sie zu waschen. Irgendetwas werde ich anziehen, aber ich weiß schon jetzt, dass ich es nicht mögen werde.  Ich habe versucht das Glätteisen, das mit mir zum Geburtstag geschenkt hat, dazu zu verwenden um wenigstens meinen Haaren einen seidigen Schimmer zu verleihen.  Damit das Ding die Haare glättet bedarf es wohl einer besonderen Handhabung, die ich nicht kenne. Meine Haare schimmern seidig, aber das haben sie eigentlich auch vorher schon getan. Jetzt haben sie noch komische Knicke. Vielleicht werden sie glatt, wenn  wir auf dem Boden vor dem Ofen sitzen und der Käse-Dampf meinen Kopf einhüllt. Dann ist es auch nicht mehr schlimm, dass mein Parfüm ausgegangen ist. Ich werde herrlich nach leicht verbrannt im Käse riechen. Zum anbeißen werde ich sein.

Und was machen Sie so? Erzählen Sie es mir bitte nicht. Lassen Sie uns einfach schweigend noch ein Glas trinken, der Wein ist schon eine Spur kühler und damit besser. Und dann muss ich Sie bitten, zu gehen. Ich muss ein Raclette auftreiben, die Haare waschen und meine Nachbarin um Strümpfe anbetteln. Ich glaube dann wird´s ganz nett.

 

34 Gedanken zu “Verschonen Sie mich mit Silvester-Vorfreude!

  1. Bisher gabe es kurz vor dem Wechsel ein schwarzes Kleid—Tüllzeugs—Ketten und Schmuckbehang an Ohr und Hals.Gamaschen an den Handgelenken und schwarze Federboa bei hochgesteckten Haaren und guter Schminke. Aber dieses Jahr käm es einem Gewaltakt gleich wenn ich mich verkleiden würde. Ich bin wie Tausend andere Menschen mit einer Rotznase und Schwindel im Stadium der abklingenden Erkältung. Deswegen halte ich es aus im warmen Jogginganzug und werde ein Bier in den Hustenhals kippen und meine drei Familienmitglieder knuddeln.Dir einen guten Rutsch in das neue Jahr.

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  2. Mein Silvester war eigentlich wie die meisten der letzten Jahre (außer Silvester wurde mit allen Kindern verbracht): Am PC sitzen, nebenher TV laufen lassen oder Musik, bis auf eines waren alle Kinder aus dem Haus (bei Freunden). Die zwei erwachsenen Kinder blieben jeweils zuhause und hatten da Spaß. War gemütlich, so ganz alleine … 😉 Weihnachten und Silvester Stress? Nicht (mehr) mit mir. LG Anne

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  3. Liebe Mitzi,
    ich habe ja in letzter Zeit ein wenig Blogabstinenz betrieben… jetzt im Nachhinein gebe ich es zu: Silvester war ich bei Dir *grins* und kein Scherz. Warum auch immer, warf ich einen kurzen Blick in den Reader und das Einzige, was ich anklicken wollte, war in dem Moment Dein Beitrag…das sollte wohl so sein und es hat mir den Abend versüßt, auch wenn mein Prosecco ganz und gar nicht süß war 😉 (das wäre ja auch fürchterlich gewesen). Hab mich also hier rumgetrieben und den Beitrag gelesen, hätte aber nur ein Nicken (das im Kommi schlecht sichtbar ist) dalassen können. Danach war ich noch entspannter als vorher und überzeugt, dass meine Wahl – den Abend alleine zu verbringen – richtig war. Ich habs genossen…und bin sehr gut reingekommen 😀 . Ich denke, das traf auch auf Dich zu 😉 …
    Ach ja, noch was: mach Dir keinen Kopf wegen der kommenden 0 …bis zu meinem Doppel-Vierer sinds nur noch eine Handvoll Tage und sich zu stressen lohnt sich nicht (gibt Falten 😉 ) …Ab besagtem Nuller wirst Du sowieso entspannter. Nichts ist schlimmer, als die 3-4 Jahre vorher.
    Also ein schönes Jahr wünsch ich Dir und uns im Blogland sowieso…schön, dass Du weitermachst 😀
    Liebe Grüße von
    Andrea

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  4. Andrea, das freut mich sehr, dass du Silvester vorbei geschaut hast und dich beim lesen wohl fühltest. Man kann den Jahreswechsel hervorragend alleine verbringen. Nur alleine sein müssen, dass ist unschön.
    Schön, dass du mich mit der blöden Zahl beruhigst. Man weiß ja, dass es Blödsinn ist und sich nichts ändert. Trotzdem bin ich froh, wenn es mir ab und zu einer sagt. :-*,
    Entspannte und herzliche Grüße
    Mitzi
    Und ein gutes 2016!

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