Nur Elvis lässt es ruhig angehen

Ich bin wieder daheim. Daheim in München. Daheim, wo es jetzt wieder etwas ruhiger wird und wo ich jetzt, an diesem Samstagvormittag, eine dreckige Kaffeetasse abspüle, die ich vor zwei Wochen um fünf Uhr morgens nur in die Spüle stellte, bevor ich nach Italien fuhr. Ehrlich gesagt, hätte ich die Tasse bereits vor ein paar Tagen abspülen können. Theoretisch. Praktisch, war dafür noch keine Zeit. Seit Mittwoch war für gar nichts Zeit und das ist seltsam, weil ich doch daheim bin und es daheim eigentlich ruhiger ist. Egal, jetzt ist es ruhig. Samstagmorgen ruhig und…..ok, nicht ganz ruhig. Durch das Küchenfenster sehe ich Paul stehen, der eine – für einen Münchner typische, aber auch in Italien gängige Geste in meine Richung macht. Was ist jetzt, sagt die Handbewegung und ich erinnere mich, dass ich ihm zwei Flaschen Wein mitgebracht und noch nicht übergeben habe. Ich nicke, stelle die noch immer dreckige Tasse zurück in die Spüle und übergebe das Mitbringsel im Treppenhaus.

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Sonntagmorgen

Sonntagmorgen um kurz nach sieben ist es noch still. Die meisten in der Pineta, dem kleinen Ort zwischen zwei nicht viel größeren Ortschaften, schlafen noch. Bis vor zehn Minuten auch ich. Jetzt stehe ich vor dem Herd, kneife verschlafen die Augen zusammen und konzentriere mich, um die kleinste der vier Gasflammen am Herd, anzuzünden. Im Normalfall erfordert das keine Konzentration. Nur bei der Flamme unten rechts. Die springt nur an, wenn sich der nach innen gedrückte Schalter exakt zwei Millimeter neben dem Symbol der großen Flamme befindet. Man muss ihn länger als gewöhnlich drücken und darf dabei seine Stellung – exakt zwei Millimeter neben dem Symbol der großen Flamme – kein bisschen ändern. Sechs oder sieben Mal klackt es leise beim Funkenschlag, der das ausströhmende Gas entzündet, erst dann flammt der kleine Ring am Herd auf. Den Schalter dann mindestens drei weitere Sekunden gedrückt halten und beim Loslassen genau zwei Millimeter zurück auf das Symbol der großen Flamme drehen. So und nicht anders – unten rechts. Bei den anderen, geht es blind und ohne Fingerspitzengefühl. Langweilig. Ich mag die Herausforderung des kleinen Flämmchens unten rechts. Italienische Entschleunigung. Oder verbissene Sturheit meinerseits.

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Mein Bereich. MEINER!

Das Zusammenleben mit einem anderen Menschen erfordert einen gewissen Grad an Kompromissbereitschaft. Selbst dann, wenn sich das Zusammenleben nur auf Tage oder Wochen bezieht. Ich selbst bin ein sehr kompromissbereiter Mensch – solange ich meinen eigenen Bereich habe. Sich Bad und Küche zu teilen ist kein Problem, solange sich niemand erdreistet seinen Haargummi auf MEIN Ablagebrett zu legen oder MEIN gefaltetes Geschirrtuch zu verschieben, auf dem MEIN in Benutzung befindliches Glas abgestellt ist. Im Urlaub bin ich recht unkompliziert. Zwar wäre es mir am liebsten, auf dem Balkontisch mit Kreide mittig eine Linie zu ziehen, damit wir jeder unseren Bereich haben, aber das ist natürlich albern. Es reicht völlig, die Seiten am ersten Ferientag einmalig festzulegen. Vielleicht bin ich da tatsächlich etwas pingelig, aber ich glaube, dass es kaum einer meiner Freundinnen auffällt, wenn ich ihre Kopfhörer, Gläser oder Bücher im dreißig Minuten Rhythmus unauffällig über die imaginäre Linie des Tisches in den richtigen (IHREN) Bereich schiebe. Möglicherweise auch im zehn Minuten Rhythmus, aber das nur Anfangs, da ich im Laufe der Tage meist eh mit Kerzen, Salz- und Pfefferstreuer und Obstschalen ein kleines Mäuerchen baue. Neurotisch oder zwanghaft ist das übrigens nicht. Das behauptete nur eine und die ist abgereist, bevor ich mich erklären konnte.

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Trust the process

Nur ein guter, ein sehr guter Freund, darf ehrlich genug sein, mir ohne Umschweife ins Gesicht zu sagen, dass ich eindeutig nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Und nur einem wirklich guten Freund gegenüber, würde ich zugeben, dass mir das völlig bewusst und gleichzeitig komplett egal ist. Meinen anderen Freunden und Bekannten gegenüber, behaupte ich, alles im Griff zu haben. Das ist natürlich Blödsinn. Ich habe überhaupt nichts im Griff. Das hatte ich nicht mit 16, nicht mit 20 und an keinem der folgenden runden Geburtstage. Am Ende waren sie aber alle gut. Mehr als das. Meine Geburtstage oder besser gesagt, die Feste, waren fantastisch. Für mich und für neun Zehntel der Gäste. Das kleine Zehntel, das anderer Meinung war, hatte in der Regel zehn Jahre Zeit zu vergessen, dass es sich geschworen hatte, nie wieder mit mir auf der kleinen Lichtung im Wald zu feiern.

Der klügste meiner Freunde, der mir eben versichert hat, dass ich nicht alle Tassen im Schrank hätte, konkretisiert seine Aussage mit der Frage, ob ich im Juni ernsthaft 50 Personen eingeladen hätte. Ich bestätige nickend – pro Lebensjahr ein Gast – und weiß worauf er hinaus will, als er einwirft, dass diese „Regel“ seines Wissens nach, nur für Kindergeburtstage gilt. 50 Gäste und 31 Schlafplätze murmelt er und beweist wie klug er ist. Es sind eigentlich deutlich weniger Plätze, aber er ahnt, dass ich die Speisekammer und den freien Platz neben dem Waschbecken einkalkuliert habe. Der Klügste reserviert sich gedanklich das Bett hinten links unter der Dachschräge, das sehe ich an den Falten, die seine Stirn wirft und nicke, als er aufschaut. Na, dann – er grinst und nickt meine Planung ab. Das muss er, denn sein Geburtstag liegt so nah an meinem, dass er aus Bequemlichkeitsgründen seit etwa 30 Jahren meine Feiern auch als die seinen betrachtet. Trust the process, sagt er und schreibt es in die WhatsApp Gruppe mit 52 Mitgliedern, die er für die nächsten fünf Monate moderieren wird.

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BG, Santa Maria

Mein Kollege bittet mich, leise zu sein. Er wählt dabei die Worte „Halt den Mund!“. Für ein Büro in dem die elementarsten Regeln des Anstands gelten sollten, ist das etwas ruppig, um nicht zu sagen, unangebracht. So unangebracht, wie ihn darauf hin zu bitten, doch ins Homeoffice zu gehen und seine schlechte Laune dort mit den eigenen vier Wänden zu teilen. Er und ich, wir mögen uns, und entscheiden uns deshalb, erst einmal getrennte Wege zu gehen. Er zur Kaffeemaschine und ich zum Drucker. Unser Büro atmet erleichtert auf und die Birkenfeige in der Ecke bemüht sich, die dicke Luft zu reinigen. Erst im winzigen Technik-Kabuff stehend, wird mir klar, dass ich summe.
Unangenehm….den erstens summe ich vermutlich bereits seit einiger Zeit und zweitens kann ich nicht ausschließen, einzelne Teile meines Ohrwurms laut ausgesprochen zu haben. In diesem Fall wäre die Aufforderung den Mund zu halten durchaus berechtigt gewesen. Während ich Papier nachlege kontrolliere ich mich summend selbst. Mhm…ja…ich habe ganz sicher einzelne Worte laut gesagt bzw. gesungen. Mache ich gerade ja auch. Leise summend eine Melodie und dann (überraschend laut)….SANTA MARIA!!!!….melodisch summend….AUS TRÄUMEN GEBOREN!!!….summ, summ….DAS WIE FEUER BRENNT!!!!!
Ok, ich hätte mir vermutlich den Locher gegen den Kopf geworfen, wäre ich mir selbst gegenüber gesessen. Das „Halt den Mund“ war ok.

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Ankunft ungewiss. U-Bahn Gedanken

Gestern Abend um 19:18 Uhr schrieb mir einer, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht und selten die U-Bahn benutzt, folgende Nachricht: „Läuft jetzt doch. Ich bin in 10 Minuten da“. Kurz zuvor hatte er mir via Textnachricht mitgeteilt, dass es aufgrund von Sanierungsarbeiten auf der Strecke „einiges an Problemen gäbe“ und er sich verspäten würde. Naiv und doof wie ich bin, postete ich einen Screenshot seine Nachricht (unter anderem hier) und ergänzte sie mit dem humorigen Zusatz, dass ich bis zu seiner Ankunft dann ja noch locker Zeit für ein entspanntes Vollbad hätte.
Klüger wäre es gewesen, ihn nach dem Hinweis auf Bauarbeiten auf der Strecke sofort darum zu bitten, den U-Bahnhof zu verlassen und sich ins Taxi zu setzen. Auf keinen Fall hätte ich zulassen dürfen, dass er versucht mit den Öffentlichen zu mir zu kommen. Auf der Homepage der MVG stand: „Bitte achten Sie entlang der Bahnhöfe der U2 auf Ansagen im Fahrzeug sowie am Bahnsteig und an den direkt betroffenen Bahnhöfen auf die örtliche Beschilderung.“ Der Mann mit dem Wein, schafft das nicht. Auch wenn er sonst nicht blöd ist….örtliche Beschilderung? Keine Chance. Ein Mann wie er vertraut auf sein Gefühl und nicht auf Schilder. Leider geht das – ähnlich wie bei Bauanleitungen von Ikea – in der Regel schief. Auf der Seite der MVG stand auch: „Bitte weichen Sie – je nach Fahrtziel – auf die U3 oder die Tram 28 aus.“ Wenn der Mann, der auf dem Weg zu mir war, sich in die Tram 28 verläuft, dann landet er im Museumsviertel und nicht bei mir. Dieser ansonsten durchaus lebensfähige Mann, ist im Münchner Nahverkehr gefährdetet als ein Vierjähriger, der versehentlich von seiner Mutter getrennt wird. Steigt der versehentlich in die U3 ein, kommt er am Ende noch in Moosach raus und steigt dort in eine S-Bahn ein, die ihn dann endgültig ins Nirvana befördert. Kurz: Ich hätte verhindern müssen, dass er in eine U-Bahn steigt.
Sie denken, ich übertreibe? Dann lehnen Sie sich zurück und lesen Sie unseren Nachrichtenverlauf.

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Sommer – dank mir etwas anstrengend

Morgen machen wir uns einen ruhigen Tag, sage ich zu meiner Freundin und schnappe mir die letzte Nudel aus der Pfanne. Morgen, plane ich weiter, verabschieden wir uns in aller Ruhe vom Sommer – nur du und ich und ganz in ohne Stress. Die Temperatur an diesem Montag wird noch einmal fast hochsommerlich warm sein und keiner meiner Freunde ist hier. Sie haben den Sommer bereits beendet und der, der mir am wichtigten ist, ist gerade dort, wo ich sonst bin – in München. Auf der Wiesn. Klar, es ist Italienerwochenende. Das Wochenende an dem ich ans Meer flüchte und er, der seit vielen Jahren mehr Italiener als Münchner ist, in die alte Heimat zurück gekehrt ist. Blöde Planung, meint meine Freundin und ich zucke mit den Schultern. Vielleicht, andererseites haben wir einen ganz besonders schönen Tag vor uns. Den letzten richtigen Sommertag, bevor uns in München der Herbst erwartet und den wir ganz für uns haben. Morgen machen wir es uns gemütlich, sage ich zu meiner Freundin und verdrehe die Augen, als sie mit einem „abwarten“ antwortet und sich mit einem Glas Wein auf den Balkon setzt. Sie kennt mich. Und den mutigsten meiner Freunde auch. Vielleicht mittlerweile ein bisschen zu gut.

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Von grau zu bunt

An manchen Tagen ist meine Heimatstadt hässlich. Selten, aber wenn sie sich einen grauen Schleier umhängt, dann sieht sie scheußlich aus. Ein Hochsommerregen macht München noch nicht hässlich. Wenn der ganze Juli aber ins Wasser fällt, dann drückt das auf die Stimmung. Selbst auf meine. Dann nützt die größte Vorfreude nichts mehr und die Laune wird grau. Erste Reihe….so ein Schwachsinn. Jeder mit Verstand hat Sitzplatzkarten. Wenn überhaupt. Weit über 100 Euro für etwas, das man sich mit einem Glas Wein in der Hand und trocken auch ganz bequem als ältere Aufzeichnung auf Youtube ansehen kann. Irgendwie schon bescheuert, jetzt loszurennen. Noch bescheuerter die Bekannten, die das komplette Programm auffahren. Die eine hat im Status den Olympiaturm bei Sonnenaufgang. Wie dämlich kann man sein bei der Wetterprogonse um 06:47 Uhr in den Olympiapark zu gehen. Sehr, wenn Sie mich fragen. Ich lehne gegen 11.00 Uhr in der U-Bahn und habe schlechte Laune. Graue Laune. In eine solche kann ich mich gut reinsteigern. Obwohl das Bild der Bekannten wirklich schön ist. Auch das zweite. Da sitzt sie mit anderen unter einem Unterstand und wartet. Warten…stundenlang. Ja, früher waren das tolle Tage. Aber heute…was zum Henker haben wir in der Zeit früher gemacht? Ich bin grau. Grau und alt. Uralt. An einem Konzerttag ist das mehr als ungut.

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Teilchen – anspruchslos aber hartnäckig

Ich bin wieder da. In München. Finalmente (endlich) murmelt jetzt vielleicht meine Freundin mit der gemeinsam ich die letzten zwei Wochen in Ligurien am Meer war. Sicher nicht, weil ihr das Meer und der Urlaub zuviel geworden wäre. Eher, weil ich sie jetzt morgens nicht mehr mit der Yogamatte unter dem Arm anstrahle und an unsere Verabredung mit Gabi – der Trainerin auf YouTube – erinnere. Eine Verabredung die sowohl der Gabi, die von meiner Existenz nichts weiß, als auch meiner Freundin eigentlich völlig schnuppe sind. Schließlich bin ich die einzige, die sich vorgenommen hat, die zweite Lebenshälfte als sportlich motiviere Frau zu bestreiten. Ich bin aber ein Mensch, der gerne teilt. Alles. Emotionen, Gummibärchen und eben auch die Dinge, die mir Freude bereiten und Dinge, die mich im Urlaub reichlich Überwindung kosten. Wie zum Beispiel Sport am Morgen. Weil ich mir sicher bin, dass meine Freundin auch gerne teilt, habe ich mich gleich, wenn sie aufgewacht ist, mit der Matte unter dem Arm zwischen sie, ihren Morgenkaffee und die Fensterfront gestellt und motiviert angelächelt. Sie hat mitgemacht, ist aber vermutlich heilfroh, mich jetzt wieder los zu sein und nicht noch im Halbschlaf von so einer widerlich fröhlichen Frühaufsteherin abgefangen zu werden.

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Isar?

Isar? schreibt einer, den ich fast schon mein ganzes Leben lang kenne. Unbedingt, antworte ich und schalte die Kaffeemaschiene aus. Wenn man aus einem einzelnen Wort mit Satzzeichen genauso viel Information wie aus einer drei Minuten Sprachnachricht ziehen kann, dann kennt man sich nicht nur lange, sondern auch gut. „Isar?“ ist gleichbedeutend mit: „Meine Neujahrsvorsätze haben auch dieses Jahr nichts gebracht. Ich habe in diesem noch jungen Jahr jeglichen Schrei meines Körpers nach Bewegung so konsequent ignoriert, dass mir mein Rücken jetzt so weh tut, dass ich mich gezwungen sehe, ihm kurzfristig entgegen zu kommen. Alleine habe ich keine Lust und kenne dich gut genug, um zu wissen, dass es dich bei Sonnenschein eh raustreibt. Ich schreibe dir in letzter Zeit so selten, dass ein einziges Wort reichen wird und ich mir sämtliche Floskeln sparen kann, weil du mich sicher gerne sehen willst.“ Aus meinem „Unbedingt“ kann er im Gegenzug herauslesen, dass ich es so schäbig finde mir nur ein Wort und ein Satzzeichen aufs Display zu werfen, dass ich mir das eigentlich angebrachte Satzzeichen in Form eines Ausrufezeichens spare. Wir kennen uns vielleicht ein bisschen zu gut und eine halbe Stunde später, als er vor meiner Türe steht, sage ich ihm, dass wir uns bei noch weniger Worten aufs Gedankenlesen verlegen müssen.

Er sagt ok, und wir gehen an die Isar. Ok ist ein Wort mit nur zwei Buchstaben. Fügt man einem so kurzem Wort für die nächste Viertelstunde kein weiteres hinzu, sollte man sich besser in Gesellschaft einer wirklich guten Freundin befinden, um nicht als mundfaul und verstockt zu gelten. Einer Freundin, die nicht unbedingt Worte braucht, weil der Weg zur Isar auch so genug zu erzählen hat. Wir kommen an der Wohnung vorbei, in der ich aufgewachsen bin und schauen beide automatisch zum Küchenfenster, als würden wir erwarten, dort meine Mutter zu sehen. Erinnern uns wortlos an die Kneipe gegenüber in der wir vor einem halben Leben, im Sommer Eis gekauft haben und wundern uns über einen Zebrastreifen, den es noch nicht gab, als wir todesmutig die große Straße überquerten, die heute eigentlich recht klein und ruhig ist. Erreichen den Park und gehen den kleinen Trampelpfad um den Spielplatz herum um uns zu versichern, dass der kleine Weiher dahinter noch immer da ist. Für so etwas braucht es keine Worte. Wir machen das immer, wenn wir hier sind. Ohne dass es uns sonderlich interessiert, sonder vermutlich nur, weil wir es schon immer so gemacht haben. Alles gut, frage ich ihn und er antwortet mit auf meine Zwei-Wort-Frage mit einem Wort. Selbstverständlich. Also nicht. Wir gehen weiter. An den Tischtennisplatten vorbei. In einem Leben, das schon lange vorbei ist, stellten wir dort fest, dass Tischtennisbälle grüne Flammen schlagen, wenn man sie anzündet. Die Platten sind noch dieselben wie damals.

Auch die Buchen. Warum auch nicht. Buchen bleiben für gewöhnlich dort wo man sie das letzte Mal gesehen hat. Nicht ganz so gewöhnlich ist es, dass man unter ihnen auch dreißig Jahre später noch weiß, welche Sommernachmittage man unter ihnen verbracht hat. Wir setzen uns auf eine Bank in der Sonne. Die Bänke hier haben vielleicht andere Bretter bekommen – aber sie sind noch hier. Genauso wie die Grillplätze. Die Isarbrücken eh und die Kiesel darunter sind genauso warm, wie sie es in der Sonne immer waren. Der Kiosk steht dort wo er schon immer stand und wir setzen uns ans Wasser. Er hat hellbraune Augen und im rechten einen dunkelbraunen Fleck. Schon immer. Ich bitte ihn, nachzusehen ob in meinen Grünen noch der goldene Punkt ist. Er schüttelt den Kopf. Schlammbraun und nicht einer sondern zwei Punkte. Schon immer, sagt er und dass sich für seinen Geschmack gerade zu viele Dinge zu schnell ändern und verschwinden. Diesmal antworte ich mit nur einem Wort: Nein.

Nichts ändert sich. Weder unsere Ein-Wort-Gespräche, wenn es ihm nicht gut geht, noch unser liebster Ort, wenn einem von uns die Worte fehlen. „Isar?“ bedeutet seit über dreißig Jahren nämlich auch, dass gerade alles aus dem Ruder läuft und einer von uns dringend etwas vertrautes braucht.