40 Kilo Sanftmut

Manchmal bin ich etwas schräg. Zum Beispiel dann, wenn ich einen Text über einen kleine Hund geschrieben habe und mir am nächsten Tag vorstelle, dass ein weit größerer Hund deswegen eifersüchtig sein könnte. Es irritiert mich, da ich mir um Eifersuchtsgedanken menschlicher Protagonisten in meinen Texten nie Gedanken mache, während längst verstorbene Hunde in meinem Kopf  Zwiegespräche führen. Damit Sie mich nicht für völlig bekloppt halten – ich höre natürlich keine Stimmen. Aber ich bedaure es ein wenig, dass gestern für den zweiten Hundefreund in meinem Leben kein Platz gewesen ist. Weiterlesen

Bei Elvira sind die BH-Verschlüsse hinten!

Dass ich mir vor Jahren von einer Verkäuferin ein lindgrünes Schlauchkleid als passendes Outfit für eine Hochzeit aufschwatzen ließ, hat zwei Dinge in meinem Leben verändert. Zum einen bin ich misstrauisch geworden, wenn mir drei oder mehr Verkäuferinnen zu gleich versichern, dass ich in einem hoffnungslos überteuerten Kleid, umwerfend aussehe. Zum anderen besitze ich seit besagter Hochzeit einen großen Spiegel, der mehr als Gesicht und Schultern zeigt. Weiterlesen

Pizza Diavolo für das Kind

Sind Sie Eltern von Kleinkinder im Krabbelalter oder darunter? Spielen Sie mit dem Gedanken Ihr Goldstück am Wochenende erstmals einem kinderlosen Babysitter zu überlassen? Vielleicht sollten Sie diesen Text dann nicht lesen. Es ist besser, Sie heben sich den Beitrag auf, bis Ihr Kind ein robustes Alter von etwa 25 Jahren erreicht hat. Rückblickend können Sie sich dann für Ihren Mut auf die Schulter klopfen. So wie meine furchtlosen Schwestern, denen ich die Details dieses Erfahrungsberichtes erst heute zumute. Weiterlesen

Jeden Tag schön hässlich

In meinem Wohnzimmer beginnt die blaue Stunde, der kurze Moment zwischen dem Untergehen der Sonne und dem Einbruch der Nacht, mit einem letzten Aufbäumen goldenen Lichts. Die letzten Sonnstrahlen leuchten über die Hausdächer genau in mein Küchenfenster. Sie tauchen meine hässlichen beigen Hängeschränke in ein strahlendes und funkelndes Licht. Als man irgendwann in den achtziger Jahren die Küche einbaute, hielt man noch nichts von Hochglanz-Flächen. Meine Schränke verzeihen Fingertappser und ihre raue Fläche ist nicht kaputt zu bekommen. Robust und praktisch musste es damals sein. Hässlich beschreiben es nachfolgende Generationen. Weiterlesen

Bleiben Sie mir mit Fasching vom Hals!

Ich bin nicht zickig. Und nur ganz selten missmutig. Das können Sie mir ruhig glauben. Ich hab´s ja selbst nicht so mit zickigen Frauen und kenn mich gut mit solchen aus. Ich kenn die Sorte, die latent schlecht gelaunt in der Ecke steht und eine Schnute zieht, weil man ihnen nichts recht machen kann. Man fragt sich, warum sie nicht zu Hause geblieben sind. Wo es ihnen draußen, zwischen all den fröhlichen und gut gelaunten Menschen doch so gar nicht behagt. Man kennt solche Frauen. Schlimm, wie sie missmutig das Gesicht verziehen und anderen die Laune verderben.
Man muss aber differenzieren. Es gibt Ausnahmen. Es gibt ganz wundervolle Geschöpfe, die sich gänzlich unverschuldet in einer Situation wieder finden, in der sie hilflos und überfordert so lange um sich schlagen, bis sie missmutig verstummen. Diese Frauen können, ja müssen, einem leid tun. Es sind jene, die sich jahrelang mit Händen und Füßen dagegen gewehrt haben, am Faschingsdienstag die Innenstadt zu betreten und sich heute am Rosenmontag im Drogerie Markt vor einem Regal mit Hasenohren wieder finden. Frauen wie ich zum Beispiel. Weiterlesen

Spontan entschieden

Wichtige Entscheidungen treffe ich gerne spontan, aus dem Bauch heraus und unter Missachtung jeglicher Aspekte der Vernunft. Nicht alle. Aber etwa ein Drittel der wichtigen Entscheidungen wird von mir ohne vorheriges Nachdenken getroffen. Mit siebzehn zum Beispiel beschloss ich, dass ein ganz bestimmter Mann mein zukünftiger Seelenverwandter werden würde, obwohl ich noch kein Wort mit ihm gesprochen hatte. Drei kleine Muttermale auf der linken Wange erinnerten mich an den Gürtel Orions und waren mir Zeichen genug. Mir ein sonnig gelegenes Grab unter den Nagel zu reißen, war eine ebenso spontane Entscheidung, wie die, mir den Mann mit Orions Gürtel auf der Wange zu schnappen. Beide waren zum Zeitpunkt der jeweiligen Entschlussfassungen noch belegt. Der Mann hatte seine damalige Freundin noch nachts neben sich liegen und im Grab lagen zwei Verstorbene. Weiterlesen

Taubentod

Man kann doch mal wieder mit der Hand schreiben, schlägt Tikerscherk auf Kreuzberg Süd-Ost vor und bittet um etwas, was zu tun hat mit eigenhändig Hergestelltem oder eigenhändig Erledigtem Es darf auch jemand eigenhändig aus der Wohnung geworfen, durchgeschüttelt oder wiederbelebt werden…. Hauptsache händisch. Ich blieb am „wiederbeleben“ hängen.

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Sämtliche Rechtschreibfehler, die entdeckt werden, dürfen als grammatikalisches Suchspiel betrachtet werden – mein Tipp-Ex reichte nur noch für das scheußliche Firmenlogo.

Es überraschte mich, wie schwer es doch geworden ist, eine Erzählung so kurz zu halten, dass sie auf ein Blatt passt und sie in einem Rutsch durch zu schreiben. Hätte ich am Rechner getippt, wäre etwas ganz anderes daraus geworden. Bis auf den letzten, hätte ich jeden Satz noch einmal umformuliert und etwa 300 Worte hinzu gefügt.

 

Sie ticken doch nicht mehr richtig!

Ich bin die Ruhe selbst. Sie können mir gerne ungefragt Ihre Meinung um die Ohren hauen. Egal wie dumm sie mir erscheint, ich lächle freundlich und denke mir meinen Teil. Sie meinen es ja nur gut, mit Ihrer Meinung. Wenn Ihnen mein freundliches Lächeln nicht reicht, dann erklären Sie mir Ihre Meinung in aller Ausführlichkeit und widerlegen alles, was ich noch gar nicht gesagt habe. Sie rüsten sich für mögliche Erwiderungen meinerseits, indem Sie Beispiele von Frauen anführen, denen es genauso geht wie mir. Natürlich müssen Sie gar nicht erst fragen, wie es mir geht. Weiterlesen

Zettelwirtschaft in Büchern

Die kleine Karte ist unscheinbar. Kaum größer als ein Post it. Im Laufe der Jahre ist das rosa Papier dünn und grau geworden. Obwohl ich sie seit über zwanzig Jahren nicht mehr in der Hand hatte, erkenne ich sie sofort wieder. Sie liegt jetzt auf dem Boden vor meinen Füßen und ist aus Milan Kunderas Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ gefallen. Sofort schießen mir die Tränen in die Augen, weil es mir unmöglich ist, nicht an Karenin, den sterbenden Hund im Buch, zu denken. Die Erinnerung an Karenin verschwindet schnell, die Tränen bleiben. Wegen der Karte. Weiterlesen

Tante Ellas Yukata

Die Antwort auf meine Frage, wie ich aussehen würde, war ein tiefes Einatmen. Danach Stille. Die Dauer der Stille war der Maßstab für die Unzufriedenheit mit meinem Aussehen. Ballerinas, die ich in allen Farben und Ausprägungen besitze, wurden in der Regel mit einem kurzen Schnauben honoriert. Trug ich im Winter meine nierenwärmenden, ausgewaschenen  Wollstrumpfhosen in Kombination mit einem knielangen Kapuzenpullover ertönte vom Sofa ein schmerzvoll lang gedehnter Atemzug.  Weiterlesen