Montags Einhorn

Heute hatte er keine Chance. Der Montag. Nicht den Hauch einer Chance gönnte ich ihm, als er gerade einmal sechs Stunden alt war. Unter normalen Umständen hätten wir – der Montag und ich – ein paar Minuten miteinander gerungen und uns dann damit abgefunden, den Rest des Tages miteinander zu verbringen. Die besten Freunde werden wir bis zur Rente nicht mehr, aber er steht mir näher als zum Beispiel der Dienstag. Der Dienstag ist ein unmöglicher Tag. Weiterlesen

Halogen und Schwein verträgt sich nicht 

Ich lebe in einer Wohnung, in der außer Küche und Bad, kein Raum vier Wände hat – fünf sind normal und mein Schlafzimmer hat sogar sechs. Das liegt daran, dass man meine Wohnung zwischen zwei Häuserzeilen quetschen musste um dem Verlauf der Straße zu folgen. Netterweise hat man mir und den Nachbarn über und unter mir, zum Ausgleich drei ineinander übergehende Flure zur Verfügung gestellt. Seit Jahren versuche ich mich mit Nachbar unten und Nachbar oben anzufreunden. Einzig mit dem Hintergedanken, ihren Flur Nr. 3 zu Gesicht zu bekommen. Weiterlesen

Was suchen Sie hier?

Wer sich über Google auf meine Seite verirrt, kann sich relativ sicher sein, dass mir nicht mitteilt wird, nach welchen Schlagwörtern gesucht wurde. Seit es Google mit dem Datenschutz etwas genauer nimmt oder seine Analyseprogramme verkaufen möchte steht da meistens nur „unbekannter Suchbegriff“. Es interessiert mich auch nicht, über welche Ecken der eine oder andere Besucher bei mir landet. Man muss ja nicht alles voneinander wissen und um ehrlich zu sein, es würde mich irritieren, von Ihnen zu hören, dass Sie eigentlich nach „literarischem Wahnsinn“ suchten. Einer der wenigen Suchbegriffe die angezeigt werden. Weiterlesen

Schlaflos hellwach

Es gibt wenige Dinge, in denen ich besser als andere Menschen bin. Schlafen gehört dazu. Ich schlafe effizienter als jeder andere, den ich kenne. An Wochenendtagen erkenne ich ohne die Augen zu öffnen, ob es sich lohnt die frühen Morgenstunden zu nutzen. Ist das Wetter schlecht, drehe ich mich um und schlafe noch einige Stunden weiter. Ist es gut, schlage ich die Decke zurück und bin sofort hellwach. Perfekt sind sieben dreiviertel Stunden Schlaf. Dann sehe ich morgens nur etwas zerzaust aus. Bekomme ich weniger, bin ich zwar hellwach und fühle mich fit, sehe aber nicht unbedingt so aus. Die Grenze der Vorzeigbarkeit liegt bei fünf einhalb Stunden. Weiterlesen

10.000 + 1 Dinge

Ab und zu stellen meine Freunde bei einem Besuch  ihre eigenen Bücher in meine Regale und erhöhen meinen Besitz von etwa 10.000 Dingen um einen weiteren Gegenstand. Meistens sind es alte Bände von jenen Autoren die als Klassiker gelten. Die würde ich doch mögen, sagen sie und zwängen eine weitere Effi Briest an Fontanes Seite. Oft leuchtet mir grell gelb eine Reclam Ausgabe des Schimmelreiters oder Goethes Faust dort entgegen, wo sie nun wirklich nichts zu suchen hat. Sie wurden schnell und heimlich Tolstoi an die Seite gestellt, weil bei den Deutschen längst kein Platz mehr ist. Weiterlesen

Furchtlos, wachsam und etwas verschroben

Wenn man mich fragt ob ich ein ängstlicher Mensch bin, schüttele ich vehement den Kopf. Mich kann man getrost im Wald aussetzen. Ich komme schon wieder zurück. Man könnte mich auch nachts über einen Friedhof laufen lassen. Dort  fühle ich mich sicherer als an einer ausgestorbenen, dunklen Bushaltestelle. In beiden Fällen gehe ich ganz rational und logisch an die Sache ran. Welcher potentielle Massenmörder ist denn so blöd und hockt sich auf einen Friedhof oder mitten in den Wald um auf ein Opfer zu warten? Womöglich kommt da monate- oder gar jahrelang nächtens niemand vorbei. Das Risiko in Aktenzeichen XY eine unfreiwillige Rolle zu bekommen, erscheint mir recht gering. Weiterlesen

40 Kilo Sanftmut

Manchmal bin ich etwas schräg. Zum Beispiel dann, wenn ich einen Text über einen kleine Hund geschrieben habe und mir am nächsten Tag vorstelle, dass ein weit größerer Hund deswegen eifersüchtig sein könnte. Es irritiert mich, da ich mir um Eifersuchtsgedanken menschlicher Protagonisten in meinen Texten nie Gedanken mache, während längst verstorbene Hunde in meinem Kopf  Zwiegespräche führen. Damit Sie mich nicht für völlig bekloppt halten – ich höre natürlich keine Stimmen. Aber ich bedaure es ein wenig, dass gestern für den zweiten Hundefreund in meinem Leben kein Platz gewesen ist. Weiterlesen

Bei Elvira sind die BH-Verschlüsse hinten!

Dass ich mir vor Jahren von einer Verkäuferin ein lindgrünes Schlauchkleid als passendes Outfit für eine Hochzeit aufschwatzen ließ, hat zwei Dinge in meinem Leben verändert. Zum einen bin ich misstrauisch geworden, wenn mir drei oder mehr Verkäuferinnen zu gleich versichern, dass ich in einem hoffnungslos überteuerten Kleid, umwerfend aussehe. Zum anderen besitze ich seit besagter Hochzeit einen großen Spiegel, der mehr als Gesicht und Schultern zeigt. Weiterlesen