Gretchen fragt

 Hätte Gretchen nicht Faust, sondern mich gefragt, wie ich´s mit der Religion denn halte, hätte es sich auf einen langen Abend einstellen müssen. Am Ende hätte ich mit den Schultern gezuckt, verlegen gelächelt und gesagt: Leider kann ich nicht an Gott glauben, es widerspricht allem was man mich gelehrt hat. So antwortete ich mit 15 Jahren schon einmal, als Schwester Gundelindis, eine Nonne in meiner Schule, die gleiche Frage stellte. Meine Aussage lies sie lächeln und zufrieden nicken. Dann hätten meine Lehrer gute Arbeit geleistet, meinte sie und fuhr fort, dass ich mir den Rest selbst erarbeiten müsse. Denn denken könne man lehren, glauben nicht. Weiterlesen →

Es reicht, sagen meine Freunde. Sforza Italia, sage ich.

Dass Sportwetten ein ernstes Unterfangen sind, durfte ich in den letzten Tagen am eigenen Leib erfahren. Ich lächle jetzt nicht mehr, wenn ich meine Tipps abgebe, sondern kaue hoch konzentriert auf meiner Unterlippe. Auch dass es an der Spitze einsam ist, habe ich gemerkt. Meine Kollegen sagen mir nicht mehr, was sie getippt haben und die Gespräche verstummen, wenn ich das Büro betreten. Obwohl ich aktuell nur an Platz zwei liege, mag man mir nicht mehr verraten, was im Kollegenkreis getippt wurde. In den letzten Wochen begriff ich, dass man sich einem höchst komplexen Thema auch ohne einen Funken Ahnung nähern kann, wenn man nur die nötige Leidenschaft an den Tag legt und sich Hals über Kopf hineinstürzt. Wie gerne würde ich über meine neu erlangte Kompetenz sprechen und mich austauschen. Es gibt ja noch so vieles, was ich lernen kann. Leider geht es nicht. Über Fußball spricht man nicht mehr mit mir. Weiterlesen →

Herr Meier schimpft. Frau Obst auch.

Ich habe einen neuen Freund. Zugegeben es ist eine etwas einseitige Beziehung. Mein neuer Freund weiß nichts von mir. Hat keine Ahnung dass es mich gibt, und wenn er es wüsste oder zu denken fähig wäre, dann wäre es ihm egal. Mein neuer Freund ist der Mars, der jeden Abend von meinem Balkon aus zu sehen ist. Wie so oft, fallen einem die Dinge erst auf, wenn man über sie stolpert. Oder wenn man, wie in meinem Fall, nach 20 Jahren die Sehstärke kontrollieren lässt.  Weiterlesen →

Frankenstein und die EM

Der klügste meiner Freunde meinte vor kurzem, dass man sich für ausnahmslos alle Themen begeistern könne, wenn sie nur mit Leidenschaft und Herzblut vorgetragen werden. Ich bezweifelte, dass dies auch auf mich zutreffen würde und nannte als Beispiel Fußball. Dafür würde ich mich nie begeistern können. Der Klügste grinste und sah es als persönliche Herausforderung. Wenige Tage später wurde ich mit Pasta geködert und musste mir mit ihm ein Champions League Spiel ansehen. 22 schwitzende Männer und ein Ball? Er würde es nicht schaffen, mich für diesen Blödsinn zu begeistern.  Weiterlesen →

Misstrauen Sie Wikipedia (und mir…denn dieser Text hat eigentlich nichts mit Wikipedia zu tun)

Halleluja, endlich Juni! Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin! Der Mai steckt mir noch in den Knochen und ich bin noch etwas wacklig auf den Beinen. Aber es geht aufwärts. 01.06.2016 – sagt der Kalender und  erfahrungsgemäß habe ich jetzt für 11 Monate meine Ruhe. Sie sehen schon, ich habe es nicht so mit dem Mai. Frühling hin oder her, blaues Band, Fliederbusch-Duftattacken – alles schön und gut, aber als Gesamtpacket mag ich den Mai nicht. Mehr noch, er ist mir zutiefst zuwider. Statistisch gesehen passieren gut drei Viertel aller Dramen in meinem Leben im Mai. Weiterlesen →

Nur mal eben…

Auf die Frage ob ich schreiben kann, habe ich bisher immer mit einem klaren und eindeutigen Ja geantwortet. Ich hab´s mit sechs in der Grundschule gelernt und kann nach 33 Jahren noch immer den Stift halten, ohne dass er mir aus der Hand fällt. Selbst nach drei Gläsern Rotwein gelingt es mir, im Kneipenlicht meine Telefonnummer und meinen Namen fehlerfrei auf einen winzigen Kassenbon zu kritzeln. Weiterlesen →

Ein Höschen führte zum Eklat

Mein Nachbar Herr Meier, spricht nicht besonders viel, ist grantig, konstant schlecht gelaunt und wirkt immer etwas mürrisch. Dennoch würde ihn die Hausgemeinschaft nicht als unfreundlich beschreiben. Er ist schon in Ordnung, der Meier. Auf seine spezielle Art scheint er uns zu mögen. Die lauten Studenten aus dem Hinterhaus, das lesbische Pärchen aus dem ersten Stock und die netten Russen die die Pakete für das ganze Haus entgegen nehmen. Er mag auch die Vietnamesen, die seit einigen Monaten den Back-Shop betreiben. Das ist neu und wie ich erfahren habe, besucht Herr Meier den Back-Shop erst, seit er auf der Eigentümerversammlung erfahren hat, dass Frau Obst die Vietnamesen nicht ausstehen kann. Herr Meier mag alles was Frau Obst nicht mag. Schon aus Prinzip. Weiterlesen →

24 Stunden Burn-Out

Kennen Sie das Gefühl morgens aufzuwachen und schon vor dem Aufschlagen der Augen zu wissen, dass man es besser nicht täte? Das Augenaufschlagen und überhaupt das Aufwachen. Der Grund ist objektiv betrachtet klein, nichtig und ein regelmäßiger Gast. An manchen Tagen wird er über Nacht groß. Das sind die unangenehmen Tage.  Die Augen noch geschlossen hört man das fröhliche Zwitschern der Vögel, riecht den Frühling durch das offene Fenster und ahnt, dass es nur noch ein paar Minuten dauert, bis die ersten Sonnenstrahlen auf die Bettdecke treffen. Wenn man – oder ich – dann keine Lust hat mit Elan aus dem Bett zu springen, dann hat mich das 24 Stunden Burn-Out erwischt. Weiterlesen →

Chuckys Lächeln

Die meisten Menschen finde ich auf Anhieb nett, interessant oder sympathisch. Es fällt mir leicht auf andere zuzugehen und würde mich selbst als recht umgänglich bezeichnen. Wesenszüge die mir selbst fremd sind, empfinde ich häufig als interessant und mit einer großen Portion Kompromissbereitschaft gesegnet, gerate ich nur selten mit meinen Mitmenschen aneinander. Manche Menschen sind mir aber vom ersten Augenblick an zutiefst unsympathisch. Meistens jene, die objektiv betrachtet, nicht unsympathisch sind.  Weiterlesen →