Falentin nicht Walentin – Herrschaftszeiten!

Du, ich hab´s g´schafft, sagte ich gestern um viertel nach zehn und setzte mich im Schneidersitz auf den Mauervorsprung der Mariahilf Kirche, hinter der ich zur Schule gegangen bin. Der mutigste meiner Freunde lehnte vor der Kirche San Zeno in Verona und saß doch irgendwie neben mir. Ohne uns zu verabreden schaffen wir es oft, an ähnlichen Orten zu sein, wenn wir uns anrufen. Dann sitze ich am Starnberger See, während er gerade am Lago Maggiore einen Parkplatz sucht. Oder wir sitzen beide am Balkon. Ich in München und er in Genua oder Neapel. Der mutigste meiner Freunde gehört zu den Menschen, die ich anrufe, wenn ich eigentlich mit niemanden reden mag und doch einem etwas erzählen möchte. Weiterlesen

Wir sollten uns besser kennen lernen

Finden Sie nicht?

Gelegenheit hätten wir am 09.12.2016 um 19:00 Uhr im Karl-Valentin Haus in München.
Dort darf ich aus meinen Texten lesen und Sie können sehen wer hinter der großen Klappe und dem stillen Nachdenken steckt. Ich würde mich sehr freuen! Nehmen Sie mir aber bitte Hustenbonbons mit. Ich habe die Befürchtung das 60 Minuten plappern (das kann ich sehr gut) etwas anderes ist als 60 Minuten zu lesen.

Auf der Seite des Theaters Südsehen finden Sie näheres.

Ein herzliches Danke an Simone  , die mir das zutraut.

 

 

Iljana, die Sonne geht auf!

Iljana, komm raus, forderte der alte Säufer mit kratziger, aufgeregter Stimme. Iljana, die mazedonische Aushilfe unseres vietnamesischen Backshops lächelte nur und schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich hat sie den Alten nicht verstanden. Morgens ist er noch nüchtern, da versteht man ihn noch schlechter. Iljana sowieso. Die versteht nämlich kein Deutsch, braucht es bei der Selbstbedienung im Backshop auch nicht. Iljana, komm, fordert er mit Nachdruck durch die offene Tür und lässt sich dann auf das kleine Mäuerchen an der Tiefgarage sinken. Der Start in den Tag fällt ihm im Winter noch etwas schwerer als sonst. Zwischen den rauen Fingern eine Zigarette und der erste Schluck aus einer kleinen Flasche Jägermeister. Was man eben so braucht, um wach zu werden. Weiterlesen

Herr Meier und die Afd

Es muss viel passieren, damit Herr Meier im Nieselregen auf offener Straße stehen bleibt. Bei schlechtem Wetter verlässt er das Haus für gewöhnlich gar nicht und wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann eilt er grußlos und mit hochgeschlagenem Mantelkragen an seinen Mitmenschen vorbei. Dass er bei Wind und Regen zwischen Post und Telekomladen stehen bleibt und drei Männern beim Aufbau ihres Informationsstandes zusieht, ist mehr als ungewöhnlich. Sein Schal flattert in einer Böe, als ich vom einkaufen zurück komme und ihn noch immer an der gleichen Stelle stehen sehe. Mittlerweile erkennt man auch wer die Giesinger heute informieren möchte. Unter den durchnässten Sonnenschirmen steht ein drei Mann starkes Kompetenzteam der Afd. Weiterlesen

Frau Grüners Knie und ein Glasengel

Die Ludmillastraße in München kennen Sie sicher nicht. Vielleicht waren Sie einmal in der Nähe, in den Isarauen oder sind auf dem Weg zum Tierpark an ihr vorbei gefahren. Eingebogen in sind Sie in die kleine Straße aber sicher nicht. Es gibt nicht viel in dieser Straße. In die Ludmillastraße geht und ging man nur, wenn man dort wohnte oder jemanden besuchen wollten. Mich zum Beispiel. Dann bog man ein und klingelte am ersten Haus an der Nummer 13 rechts bei Irsaj. Wenn es draußen kühler und die Tage kürzer wurden, dann konnte es aber sein, dass ich gar nicht Zuhause sondern im Schreibwarenladen gegenüber war. Weiterlesen

Stadt Atem

Den Herzschlag eines geliebten Menschen spürt man nicht, wenn man neben ihm sitzt. Man hört seinen Atem nicht, wenn man sich angeregt unterhält und nimmt den feinen, ganz eigenen Duft von Haut und Haaren nicht mehr wahr, wenn man ihn zu oft schon gerochen hat. Auch den Puls einer geliebten Stadt spürt man nicht immer. Man nimmt den Herzschlag als gegeben hin und ähnlich wie bei einem Menschen, muss man sich manchmal ein Stück entfernen und zurück kommen, um es wieder zu spüren. Den Atem, das Schlagen des Herzens und den ganz  besonderen Duft, der nach Heimat riecht. Weiterlesen

Ein Ziel braucht es. U-Bahn Gedanken

München mag ein Dorf sein, aber für Einsame kann es der gleiche grausame Ort sein, wie jede andere Grossstadt auch. Einsame sollten sich möglichst in der Einsamkeit vergraben. Da fällt es ihnen weniger auf, dass kein anderer da ist. In mitten der tiefsten Einsamkeit lässt es sich gut behaupten, dass ein jeder an so einem Ort mit sich selbst zurecht kommen müsste. Meister der Einsamkeit, können die ungewollte Stille, dann zu etwas Schönem erhöhen und sind nach einer Weile nicht mehr einsam sondern in eine angenehme Stille gebettet, in der sie niemand stört. In einer Stadt ist das fast unmöglich. Da steht und geht an jeder Ecke einer mit dem man gleich nicht mehr einsam sondern zweisam wäre. Der, der da geht, weiß das aber nicht und lässt einen vorbei eilend alleine und einsamer als zuvor stehen.  Weiterlesen

Herr Meier muss gar nichts

„Ich muss gar nix!“, sagte Herr Meier Anfang der Woche und ließ sich mit einem Schnauben zurück auf die Bank vor der Kneipe meines Hauses fallen. Er wiederholte noch einige Male, dass er gar nix müsse und schnaubte unterstützend vor jedem Schluck Bier. Unser Hausmeister hätte sich denken können, dass Herr Meier auf ein „Sie müssen“ nicht reagieren würde. Er kennt ihn lange genug, um zu wissen, dass man einen alten Grantler, wie Herrn Meier nur mit psychologischer Finesse zu etwas bewegen kann. Leider interessiert sich unser Hausmeister nicht für Psychologie und steht Herrn Meier an schlechter Laune in nichts nach. Weiterlesen

Ein zweiter Blick

Er hätte jetzt ein Katze, teilte mir ein etwa siebzig jähriger Mann vor einigen Wochen mit. Ich kannte ihn nicht und stand nur zufällig morgens an der Bushaltestelle, auf deren Bank er saß. Neben sich ein Trolli zum transportieren von Einkäufen und in den Händen ein Smartphone, lächelte er mich freundlich an und deutete auf das Display auf dem wohl ein Foto der Katze zu sehen war. Weiterlesen

Seid´s narrisch?

Man sagt uns Bayern ja gerne nach, dass wir etwas langsam sind. Dass wir uns Dinge, die uns nicht direkt betreffen nur schwer vorstellen können und auf neuen, nicht alltäglichen Gedanken erst eine Zeit herum kauen müssen. Ein solches Beispiel für ungewöhnliche Gedanken ist die Vorstellung, dass die Wiesn (für nicht Münchner: das Oktoberfest) dieses Jahr eingezäunt wird. Damit der Bayer nicht zu lange nachdenken muss, gibt man ihm eine herausfordernde Rechenaufgabe und beschließt, dass man den Zaun nur mit Rucksäcken passieren darf, die maximal drei Liter fassen. Drei Liter sind drei Maß. Wie man die in einen Rucksack bekommt, erklärt Münchens zweiter Bürgermeister Josef Schmid. Weiterlesen