Es ist viral…

Steckt Ihnen der Winter noch in den Knochen? Zwickt es bei den Frühlingsspaziergängen im Kreuz, wenn Sie sich bücken um die ersten Schlüsselblumen pflücken? Und läuft Ihnen ständig die Nase oder kratzt der Hals? Denken Sie sich nichts dabei, Sie waren wahrscheinlich nur ein bisschen unvorsichtig und haben die Wärme der ersten Sonnenstrahlen überschätzt. So mild, dass Sie schon draußen auf kalten Bänken sitzen können, ist es nämlich noch nicht. Ihr Rücken dankt es Ihnen, wenn Sie sich noch bis Mitte April ein Kissen ins Kreuz legen. Oder zieht es im Steiß? Das wäre nicht gut. Das kann schnell etwas ernstes sein. Ein Ziehen im Steiß kann sehr vieles sein – meistens nichts gutes. Ich tippe auf die Nieren, die Ihnen das Sitzen und Lehnen auf kühlen Bänken übel nehmen.  Vielleicht aber ist es auch etwas virales. Seit die Sanierung des Ruffinihauses unmittelbar bevor steht, werde ich Expertin für Zwicken, Zwacken und Ziehen diversester Körperteile. Weiterlesen

Jetz´samma beinand! U-Bahn Gedanken

Ich entschuldige mich gleich am Anfang bei Ihnen. Nicht für diesen Text. Der könnte noch etwas werden. Nein, für die grausame Einleitung, mit dem Lamenti, dass früher alles besser war.

Früher war es besser.

War es aber wirklich. Jedenfalls die Kampagnen der Münchner Verkehrsbetriebe. Die aus meiner Kindheit kann ich noch heute auswendig zitieren. Zum Beispiel: „Aus dem Walkman tönt es grell, dem Nachbarn juckts im Trommelfell“. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass mir dieser Satz auf den Lippen liegt obwohl es seit bestimmt zwanzig Jahren keine Walkmänner mehr gibt. Vor Augen habe ich dann die herrliche Zeichnung von Ernst Hürlimann, die jeder Münchner kennt. Aus der Abendzeitung wo sein Blasius allgegenwertig war, aus den Büchern Sigi Sommers oder eben aus den Kampagnen der Münchener Verkehrsbetriebe gegen den Krach aus Kopfhörern oder den damals noch nicht verbannten Rauchern auf den Bahnsteigen. Auch die Kampagnen in den Jahren danach waren ganz in Ordnung. Nicht mehr so charmant wie die Karikaturen aber doch noch ganz ok. Ich erinnere mich an die Plakate, auf denen die Fahrgäste Hand in Hand brav in Zweierreihen wartete, um geordnet einzusteigen. Oder das Bild eines Bahnsteiges der übersäht mit Schuhen war, da man diese vor dem Betreten – ganz wie zu Hause – auszieht. Freilich  hatte das auch schon nicht mehr viel mit München zu tun. Aber wenigstens die Texte hatten in ihrem Hochdeutsch einen Hauch von München. Stand da „Sauber!“ dann war nicht nur die Abwesenheit von Schmutz gemeint, sondern auch ein Ausruf, der in Bayern gleichbedeutend mit „Sehr gut!“ ist. Da warf man seinen Müll doch gleich viel lieber in die entsprechenden Tonnen.

In den letzten Jahren haben sich die Kampagnen verändert. Jetzt sind sie austauschbar und bleiben kaum im Gedächtnis.  Ich vermute, dass der Verantwortliche aus Norddeutschland kommt und ihm zu München nicht viel mehr einfiel als Brezen, Dackel und ein Liter Bier. Anders kann ich mich die Omnipräsenz dieser drei Dinge nicht erklären. Vor kurzen haben sie ihn wohl rausgeschmissen. Oder ist zurück nach Hamburg gezogen. Vielleicht auch in Rente gegangen. Jedenfalls kommen wir Fahrgäste seit Anfang Juni in den Genuss ganz neuer Kampagnen. Irgendeinem klugen Kopf ist wohl aufgefallen, dass der durchschnittliche Münchner in der Früh am Bahnsteig nur das liest was ihm gefällt. Der Blick ist in ein Buch, eine Zeitung oder auf ein Handydisplay gerichtet. Den Dackel, der uns darauf aufmerksam macht, dass man alten Leuten einen Platz anbieten soll, den ignoriert der Münchner. Er schaut auch nicht in die vielen Faltblätter die ausliegen. Wahrscheinlich denkt er, es geht ihn nichts an, weil ihn von da ja nur wieder der Dackel blöde angrinst und er gar keinen Hund hat. Würde er ihn lesen, dann wüsste er, dass die Münchner Verkehrsbetriebe darum bitten, den Müll in die Mülleimer zu werfen. Damit die 90 Prozent der Ignoranten wissen was Sache ist, werden sie nun schlicht und einfach angebrüllt. 

Montagmorgen stand ich am Harras am Bahnsteig in der Sonne und las mein Buch. Plötzlich brüllt es dicht neben meinem Ohr: „USCHIIIIIIIII!!!!!!“ Wäre mein Name Uschi, ich wäre vor Schreck ins Gleisbett gesprungen. Vor allem, weil man mich beschuldigte meinen Müll einfach auf den Bahnsteig geworfen zu haben. Eine Brigitte wies mich zurecht und ermahnte mich dafür zu sorgen, dass München sauber bleibt. Da sag ich nur: „Sauber!“ Diesmal im Sinn von „Sieh mal einer an“, und hoffe, dass die Uschis Münchens diesen Schreck unbeschadet überstanden haben. Wer vor Schreck nicht hinten über gekippt ist hat kapiert, dass es sich um eine Bandansage handelte. Eine, die alle zehn Minuten wiederholt und nach dem dritten Mal einfach überhört wird.

Einen Münchner, müssen Sie, wenn Sie ihm falsches Verhalten näher bringen wollen, entweder amüsieren oder personalisiert g´scheit anscheißen. So wie der eine MVG Mitarbeiter am Hauptbahnhof. Der lehnte zur Hauptverkehrszeit in seinem Glaskasten, presste seine Fingerspitzen gegen die Schläfen und wirkte sehr, sehr müde. Gebetsmühlenartig wiederholte er seine Aufforderung den Bahnsteig in seiner ganzen Länge auszunutzen, nicht zu drängeln und schließende Türen nicht gewaltsam offen zu halten. Wenn man so einen, Fingerspitzen an die Schläfen pressenden, MVG Mitarbeiter sieht, dann sollte man seine S-Bahn vorbei fahren lassen und warten. Meistens lohnt es sich. Ich setzte mich, wartete und bekam dann das große Kino, auf das ich hoffte. Plötzlich straffte sich sein Rücken, er rieb sich die Hände und beugte sich zum Mikrophon. Dann ging es los:

„So! Jetzt steigen wir alle nur noch an den mittleren drei Türen ein. Alle…auch Sie mit dem karierten Sakko und Sie mit den ausgefahrenen Ellbogen…alle pressen sich durch die mittleren Türen rein. Ja, genau…schieben´s die Aussteigenden einfach wieder in den Wagon…die kommen schon raus. Spätestens in Giesing…da will eh keiner hin. Pressen, meine Herrschaften, pressen. Jetzt sama beinand.
Benutzen Sie auf keinen Fall alle Türen zum Einsteigen. Schubsens grad die mit dem Gehwagerl, die leisten keinen Widerstand, und schieben Sie sich zur Mitte durch. Und immer schön weiter aufs Handy schauen…die Fallhöhe am Bahnsteig ist überschaubar….jawohl…“

Die Münchner lachten. Auch ein paar Sprachbegabte Hamburger schmunzelten und unser MVG Mitarbeiter strahlte. Bis er seine Ansage auf Englisch zu wiederholen versuchte. Das ging nach hinten los. Da fehlte die Ironie und etwa 30 Japaner stürzten, bereits halb eingestiegen, wieder aus der Bahn und suchten die angewiesene Tür. 

Ich fürchte der Mitarbeiter wird strafversetzt – ab morgen muss er runter zum Ballett. Das findet jetzt werktäglich zwischen 07:00 – und 09:00 Uhr statt und ist auch neu. Erzähl ich Ihnen morgen.

Was machen´S denn nächsten Samstag?

Die Lesereihe im Valentinhaus, München geht in die zweite Runde. Ich freu mich sehr, wieder dabei sein zu dürfen und freu mich bekannte und unbekannte Gesichter zu sehen.

München ist für viele vielleicht ein bisschen weit, aber wer weiß….vielleicht sind Sie ja gerade nächsten Samstag in der Stadt. Ich würde mich sehr freuen Sie kennen zu lernen.

Nähere Informationen gibt es unter suedsehen.de. Nicht nur über Lesungen sondern über das ganze Repertoire dieses schönen Schauspielensemle.

Und wenn Ihnen der Samstag ungelegen kommt….am Freitag darauf gibt es noch eine weitere Lesung. Da können wir uns dann gemeinsam in das Publikum setzen und zuhören. Was passt besser zum Frühling als ein Briefwechsel Liebender? Mir fällt nichts ein.

Ein schönes Wochenende wüscht Ihnen Mitzi

 

Unverschämter Frühling

Wenn mir noch einer mit dem ach so schönen Frühling an kommt, dann schlepp ich ihn mit zu mir. Nicht für ein Schäferstündchen sondern damit er den Wahnsinn, den diese Jahreszeit in meinem Haus anrichtet, am eigenen Leib erleben kann. Wenn er dann noch etwas von einem blauen Band und Neuanfang murmeln kann – Chapeau. In meiner Straße macht der Frühling gar nichts neu. Ganz im Gegenteil. Die blöde Jahreszeit weckt meine Nachbarn aus ihrem Winterschlaf und sorgt dafür, dass der Wahnsinn des alten Jahres mit neuem Elan beginnt und das Haus mit unveränderter Wucht umbrandet. Dabei war es im Winter so schön ruhig. Die Bierliebhaber verkrochen sich im warmen Bauch der Kneipe und kamen nur für eine kurze Zigarette nach draußen. Meine direkte Nachbarin Frau Obst war über Wochen mit einer hübschen Bronchitis beschäftigt und hatte keine Kraft spionierend vor meinem Küchenfenster zu stehen und aus dem Hinterhaus hörte man durch die wummernden Bässe der Studenten WG nur gedämpft durch die geschlossenen Fenster . Es war so schön, als alle schliefen und jeder sich um seinen eigenen Schmarrn gekümmert hat. Jetzt ist es vorbei mit der Ruhe. Der Frühling ist da und mein Haus erwacht. Im Waschkeller riecht es schon ganz ekelhaft nach Weichspüler mit Fliederaroma. Weiterlesen

Reclam beim Frisör bitte nur mit Termin

Nach der Beendigung eines Lebensabschnittes – vorzugsweise der traumatischen oder dramatischen Beendigung einer Beziehung – rennen Frauen zum Frisör. Ich vermute, wir tun das um wenigstens noch Gewalt über das Äußere unseres Kopfes zu haben. Das Innenleben des Kopfes entwickelt nach dramatischen Trennungen ja meist eine nur schwer zu steuernde Eigendynamik. Trotzdem ist es mir unverständlich wie man es in den ersten drei bis dreiunddreißig Monaten nach einer Trennung schafft zum Frisör zu rennen. Wenn ich leide, dann richtig. Wer noch die Kraft hat zum Frisör zu rennen, der leidet doch nicht ernsthaft. Als ich das vor Jahren meiner frisch geschiedenen Kollegin mit neuer Kurzhaarfrisur mitteilte, sprach sie zwei Wochen kein Wort mehr mit mir. Wer so stur ist, leidet übrigens auch nicht. Wer wirklich leidet, der muss beim Gehen alle paar hundert Meter eine Pause einlegen. Der Körper leidet so sehr, dass man gezwungen ist, immer wieder seufzend stehen zu bleiben und sich selbst zu versichern, dass man nie wieder glücklich sein wird. Wenn man dann zufällig vor einem Frisörsalon seufzt, dann ist das Schicksal. In meinem Fall nicht nur meines, sondern auch das von Julian, dem Frisör der in den kommenden Stunden ebenso litt wie ich. Weiterlesen

März Problem

Jedes Jahr Anfang März kehrt die Sonne auf meinen Balkon zurück. Den ganzen Winter über lässt sie sich nur wenige Stunden lang blicken. Ab März aber, ist sie in alter Pracht zurück. Von halb acht Uhr morgens bis etwa drei Uhr am Nachmittag, ist mein Balkon eine windgeschützte und zugleich sonnendurchflutete Oase, die ich sehr zu schätzen weiß. Und jedes Jahr Anfang März stöhne ich leise auf, wenn ich mit dicken Kissen unter den Achseln und Buch und Kaffeetasse in den Händen auf dieser Oase stehe und mich niederlassen möchte. Pünktlich zum ersten März fällt mir ein, dass ich meinen Christbaum ja noch nicht entsorgt habe und ein Drittel meiner Oase von einem 2,20 Meter großem Monstrum in Beschlag genommen wird. Ein bisschen stur quetsche ich mich dann neben das nadelnde Gerippe und rede mir ein, dass es so wenigstens angenehm frisch nach Wald riechen würde. Tut es aber nicht. Es riecht nach dem Holzschuppen unserer Hütte und der ist immer etwas feucht und modrig. Das sind die Reste meines Christbaumes auch. Erst gestern hat es ihn wieder ein wenig angeregnet. Weiterlesen

Als ungarische Prinzessin haben Sie nichts zu lachen

Als Münchnerin etwas über den Fasching schreiben zu wollen, ist eigentlich ein richtiger Schmarrn. Wer etwas über den Münchner Fasching wissen möchte, der soll sich die Serie „Monaco Franze“ ausleihen und die Folge 5 „Herr der sieben Meere“ anschauen. Damit ist alles gesagt. Besser geht es nicht. Auch nicht wenn fast 35 Jahre vergangen sind. Helmut Dietl hat München so perfekt und so auf den Punkt genau beschrieben, dass ein jeder der es versucht, nur scheitern kann. Ich natürlich auch, aber das ist mir egal. Ich mag den Fasching nämlich nicht und den Karneval noch viel weniger. Ich gehöre zu den Menschen, die sich viel zu oft aus versehen zum Affen machen, als das sie ein Kostüm bräuchten und auch zu denen, die nicht auf Kommando fröhlich sein könnenden. Die Aufforderung doch ein bisschen Spaß zu haben, funktioniert bei mir nicht. Wenn  mich einer bittet, zu lachen, dann frage ich ihn warum und erbitte ganz ernst eine Erklärung warum ich gerade jetzt denn  lachen solle. Jetzt, wo gerade die Polarkappen schmelzen und der Plastikmüll die Weltmeere verschmutzt. Wer mich kennt, bittet mich aus leidvoller Erfahrung gar nicht erst darum, zu lächeln oder lachen. Meine Freunde hoffen sogar, dass ich nicht  in schallendes Gelächter ausbreche. Das tue ich nämlich am liebsten dann, wenn es unangebracht ist. Weiterlesen

Besuchen´S doch mal das Literaturhaus. Dort finden Sie Sätze, wo Sie sie nicht vermuten.

Nie hätte die Überschrift der Gefundenen Sätze besser gepasst als zu den heutigen Fundstücken. Lese ich ein Buch, rechne ich damit den einen oder anderen schönen, unschönen oder interessanten Satz zu finden und halten die Augen offen. Obige Perlen überraschten mich. Diese Sätze habe ich nämlich  gefunden ohne sie überhaupt gesucht zu haben.

„Friß nur!
Mensch, friß und sauf!
Wir hängen sowieso schon halb am Galgen!“

Obig las ich nachdem ich die letzten Saucenreste der weltbesten Pasta aus dem Suppenteller in der Wohnung des besten meiner Freunde auskratzte. Weiterlesen

Blöde Kuh, denkt Paul

Er geht nicht, sagt Paul und deutet mit einer Kopfbewegung in Richtung des Lifts. Er ging gestern schon nicht, informiere ich ihn und sortiere die Werbung aus meinem Briefkasten. Das Sortieren dauert ein wenig, da mir immer besonders viel Werbung geliefert wird, seit ich einen Aufkleber angebracht habe, der darum bittet auf den Einwurf dieses Blödsinns zu verzichten. Ich klappe jedes einzelne Faltblatt auf. Es könnte ja sein, dass sich eine Karte oder ein Brief dazwischen geschmuggelt hat. Als ich fertig bin, steht Paul noch immer vor dem Lift und starrt auf die geschlossene Tür. Ich kann nur vermute, dass es sich bei diesem sturen Stehenbleiben um eine Art Armmuskel Training handelt, da er vor seinem nicht vorhandenen Bauch einen Kasten verschiedener Säfte festhält. KirschMango ist mir zu süß, informiere ich ihn und bleibe aus Solidarität ein wenig neben ihm stehen. Die Flasche sei ja auch nicht für mich, lässt er mich wissen und wir starren wie zwei Großstadtkälber auf die  Türen unseres Aufzugs. Weiterlesen

Herr Mu sagt danke

Wolln´s a Gutzerl, fragt Herr Mu an der Bushaltestelle und lächelt mich freundlich an. Sehr gerne, sage ich und setzte mich auf den freien Platz neben ihm. Es ist noch kalt, so früh morgens, aber neben Herrn Mu ist es immer ein paar Grad wärmer. Drei Bonbons fischt er aus seiner Hosentasche und drückt sie mir in die Hand. Auf einem Bein kann man nicht gut stehen, sagt er und verrät mir nicht, wofür das dritte steht. Im Winter wollte ich wieder mit er U-Bahn fahren. Dann, wenn Herr Mu nicht mehr an der Bushaltestelle sitzt. Weil er aber noch immer jeden Morgen dort sitzt und seine Guterzln verteilt, nehme ich weiter den Bus. Ich hab ihn lieb, den Herrn Mu. Und weil ich ihn lieb habe, lasse ich den Bus vorbei fahren und bleibe noch ein bisschen bei ihm sitzen. Weiterlesen