Zwölf Monate Rosen und Schornsteine – Mai

Bei diesem fantastischen Wetter, war es eine große Freude schnell in den Rosengarten zu laufen und pünktlich zum letzten Sonntag im Monat das Foto für Zeilenendes Jahresprojekt zu schießen.

Den Text bleibe ich Ihnen bis morgen schuldig – bei 30 Grad im Schatten zieht es mich jetzt in den Biergarten und anschließend wird gegrillt. Frau Obst kann es ja nicht mehr verbieten ;).

Einen schönen Sonntag!

Mai

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Jetzt weiß es auch Paul

Ob ich noch ganz richtig ticken würde, wollte Paul gestern Abend am Aufzug von mir wissen. Selbst für meinen Nachbarn Paul, für den ein Schnalzen mit der Zunge als adäquate Begrüßung galt, war dieser Gesprächsauftakt ein wenig unfreundlich. Ich schob es auf ein zuviel an Sonneneinstrahlung und zuckte nur mit den Schultern.  Für mein Empfinden tickte ich durchaus richtig und noch dazu in einem überaus fröhlichem Rhythmus. Ohne auf den möglichen Sonnenstich meines Nachbarn Rücksicht zu nehmen, drückte ich ihm einen zwanzig Liter Sack Erde in die Arme und bat ihn diesen zu halten, um meine Post aus dem Kasten zu fischen. Mit einem gemurmelten „ihr spinnt doch“, erhielt ich meine Erde zurück und sah den vermeintlich Kranken ohne eine weitere Erklärung recht flott die Treppen nach oben sprinten. Wenn es nicht die Sonne war, dann war es sicher ein weibliches Wesen, das Paul die Laune verdorben hatte. Nachdem ich es nicht sein konnte, da ich die letzten Tage in Italien verbracht hatte, war es mir egal.
Als ich am Saftstand vor meiner Wohnung vorbei kam und brav 50 Cent für einen lauwarmen Becher abgestandenen Apfelsaft bezahlte, dämmerte mir, warum Paul an meinem Verstand zweifelte. Er sieht von seinem Fenster aus meinen Laubengang,  wohnt aber im Hinterhaus und bekommt die wirklichen wichtigen Dinge erst als einer der Letzten mit.   Weiterlesen →

Dante hätte gelacht

Ich mag den Mai nicht. Und weil ich nicht mag, bereite ich mich schon im April darauf vor ihm nicht zu mögen. Dann verabscheue ich den frühen Flieder, weil er schön ist, wo nichts schön zu sein hat. Das Erwachen der Natur ekelt mich an, weil es mich an das Vergängliche von allem Lebendigen erinnert. Und die ersten warmen Tage gehen mir auf die Nerven, weil ich wochenlang selbst in der Sonne friere. Auch damals mochte ich den Mai nicht, weil er der Monat des Abschieds war. Und auch damals habe ich schon im April getobt und gewütet. Im Mai hätte mir die Kraft gefehlt und ich konnte euch nicht ohne ein letztes Aufbäumen gehen lassen. Den einen, weil es unfair war, dass ihm das Leben einfach aus der Hand genommen wurde und dem anderen, weil er das seine sinnlos hinterher warf. Ihr musstet mir versprechen, nur Orte aufzusuchen, die mir nichts bedeuteten und die ich am besten gar nicht kenne. Weiterlesen →

Zum Abschied ein Winken

Bevor meine Großmutter starb, winkte sie mir ein letztes Mal zu. Ich war zwölf Jahre alt und besuchte sie mit meinen Eltern im Krankenhaus. Weder an diesen, noch an die vorangegangenen Besuche kann ich mich heute noch erinnern. Als sie in die Klinik eingeliefert wurde ging es ihr schlecht und die fahle, matte Gestalt in dem weißen Bett hatte nichts mit dem Menschen zu tun, den ich Oma nannte. Beim letzten Mal, das erzählte man mir, war sie nicht mehr ansprechbar.  Ich selbst erinnere mich nicht. Nur das aller letzte Bild von ihr ist in meiner Erinnerung haften geblieben. Zum Abschied drehte ich mich noch einmal um und sah durch den Spalt, der sich bereits schließenden Tür, dass sie die Hand hob, mir winkte und mich ansah. Ob sie lächelte weiß ich nicht. Es ist nicht wichtig. Meine Oma hat sich verabschiedet und meinem Mädchen-Ich ein schönes letztes Bild geschenkt. Es ist ein versöhnliches Bild. Eines, das man für den Rest seines Lebens im Herzen tragen kann und das mit den Jahren an Schönheit gewinnt. Weiterlesen →

Gefundene Sätze #34

 

„Wir nannten deine Tante das kranke Eichhörnchen.“
„Wie süß! Das kleine Eichhörnchen?“
„Das kranke, nicht kleine. Das mussten wir ihr sagen, weil sie nicht auf die Bäume hoch kam.“

Lieber großer Bruder, irgendwann in diesem Leben werden wir noch einmal vor diesem Baum stehen und dann……dann komm ich da hoch! Deine Töchter sind jetzt alt genug, um selbständig den Krankwagen zu rufen.

 

Männerelend

Ich könne froh sein, kein Mann zu sein, sagte der geduldigste meiner Freunde mit einem kaum merklichen Augenverdrehen und nahm mir einen Sack Blumenerde aus den Armen. Ächzend warf er ihn über seine Schulter und setzte sich in Bewegung. Wortlos stimmte ich ihm zu. Ich war in der Tat erleichtert. Weniger wegen der zwanzig Liter Erde. Die hätte ich auch alleine in den dritten Stock bekommen. Wirklich froh, kein Mann zu sein, war ich, weil mir so die Blödheit erspart blieb, den Ehrgeiz zu entwickeln alle Einkäufe auf einmal durch das Treppenhaus zu schleppen, um nur ja kein zweites Mal gehen zu müssen. Zufrieden mit der Zuteilung meines Geschlechtes trug ich den Rest – ein einzelnes, zartes Tomatenpflänzchen – nach oben und sorgte mich um den Puls des schnaubenden Mannes vor mir. Weiterlesen →

Mamertus lacht

Für unsere Fahrt nach Italien müsse ich mir bezüglich unserer Sicherheit keine Sorgen machen, teilte man mir Anfang der Woche mit. Die Winterreifen seien noch nicht abgenommen und mit ihnen würden wir problemlos jedem Schneesturm trotzen. Da wir unsere Reise bereits am 19. Mai antreten war ich sehr erleichtert das zu hören. Als Münchnerin weiß ich, dass ein Reifenwechsel vor Ende Juni ein überaus leichtsinniges und geradezu fahrlässiges Unterfangen ist. Dem Wetter zwischen Donau und Trient ist es nämlich völlig egal, wann der ADAC einen Reifenwechsel empfiehlt. Mehr noch – ich bin sogar fest davon überzeugt, dass die Eisheiligen irgendwo in den Alpen hocken und sich einen Spaß daraus machen auf die ersten Idioten mit Sommerreifen  zu warten. Allen voran die kalte Sophie, die jedes Jahr scheinheilig grinst, wenn sie hört wie Bauernregeln zitiert werden. Nur noch wenigen ist bewusst, dass ihr Gedenktag ohne dem Wechsel zum gregorianischen Kalender dieses Jahr zum Beispiel erst am 23. und nicht schon am 15. Mai liegen würde. Obwohl es ihr vermutlich auch herzlich egal ist. Sie kümmert sich nicht um den Kalender sondern wartet wie die anderen Eismänner auf den Reifenwechsel der Bayern und schlägt dann noch einmal genüsslich zu. Weiterlesen →

Mitzi aus dem Vorderhaus, 2. Stock

Vor einiger Zeit bat ich zwischen Taubennestern und Mettbrötchen um Hilfe. Wenn Sie sich noch daran erinnern, dann wissen Sie dass ich eher verzweifelt flehte als bat. Geschrien habe ich auch. Angeschrien. Aber nicht Sie. Angeschrien habe ich meinen altersschwachen Rechner, der sich einen Spaß daraus machte, immer dann abzustürzen, wenn ich gerade meine Texte umsortiert aber noch nicht gespeichert hatte. Unser Verhältnis kann man mittlerweile als dauerhaft zerrüttet beschreiben und nur weil ich gute Freunde mit technisch einwandfreien Equipment in der Hinterhand hatte, haben wir es bis heute geschafft.

Unser Verhältnis – das meine zu Ihnen – ist noch immer ein ganz besonderes. Ich muss Ihnen nicht sagen, wie wohl ich mich mit Ihnen fühle und dass meine anfängliche Arroganz dem Bloggen gegenüber, sich nach dem zweiten Beitrag in eine innige und leidenschaftliche Liebe verwandelt hat. Und den Geliebten kann man ruhig auch mal um Rat fragen. Zum Beispiel wenn es um den Titel geht. Sie erinnern sich. Und ähnlich wie bei einem Geliebten möchte man dann gerne eine Bestätigung hören. Alla „Steht mir das Kleid? Hervorragend!“ Und – um im Bild zu bleiben – zeigt sich schnell wie gefestigt eine Beziehung schon ist. Die oberflächliche Bekanntschaft bestätigt freundlich lächelnd ohne näher darauf einzugehen und würde Kritik kaum riskieren. Sie und ich aber, stehen uns schon so nahe, dass Ihre Kommentare wichtig und wertvoll waren. Jene, die mir sagten, dass sie es gut fanden und deren Urteil ich trauen konnte und vor allem auch jene, die verbal den Kopf schüttelten und mir erklärten, warum sie „Münchner Kuriositäten“ als nicht passend empfanden. An diesem Abend schüttelte auch ich den Kopf und sagte nur einem und nur ganz leise, dass Ehrlichkeit doch nun wirklich blöd ist. Er lachte, nahm mir das Weinglas weg und schubste mich zurück an den Tisch und mein Notizbuch. Zum Nachdenken, wie er sagte. Ich wusste ja selbst, dass sie, die Ehrlichkeit, nicht blöd sondern elementar, wichtig und verdammt nützlich sein kann. Und war. Die Kuriositäten sind zurück in ihrem Kabinett und ich bin das, was ich tatsächlich bin. Mitzi aus dem Vorderhaus, 2. Stock. Im echten Leben und jetzt auch gedruckt auf Papier oder als E-Book. Dafür danke ich Ihnen von Herzen.

Das Ergebnis sehen Sie unten. Und auch das habe ich gelernt. Eine Coveridee ist etwas feines. Noch feiner ist es aber, wenn Sie jemanden kennen, der Kreativität und Handwerk vereint und Ihnen viel mehr als eine bloße Idee zaubert. Mira Alexander hat meinen Erzählungen ein Bild gegeben, das für mich perfekt passt. Ein Klingelschild, eine Hauswand, der Bezug zum Blog durch die Beitragsbilder…..

Da ich Sie nun schon zu meinem Geliebten gemacht habe, bin ich zu Ihnen ähnlich ehrlich und direkt wie zu ihm.
Obwohl ich mich unbändig freue, wenn sich jemand das Büchlein kauft oder das E-Book herunter lädt….Sie kennen die meisten Texte bereits. Wenn Sie aber jemanden kennen, der nicht online ist, Blogs doof findet oder Lust haben eine Bewertung zu schreiben …… Und stopp. Das war es mit Werbung in eigener Sache. Drei Zeilen, mehr aber auch nicht. Denn das hier ist ein Blog. Hier geht es um das Schreiben, das Lesen und den werbefreien (soweit WordPress es zulässt) und kostenfreien Genuss von Worten, Bildern und Gedanken.

Es grüßt
Mitzi aus dem Vorderhaus, 2. Stock. Die weiter gerne von Herrn Meier, Paul und den anderen berichtet.

P.S. Ihre Elly Seidl Pralinen sind nicht vergessen. Ich habe eine lange Liste und wenn Sie nicht mehr damit rechnen bekommen Sie Post. Oder eine E-Mail, wenn Ihr Impressum vermuten lässt, dass ich dorthin lieber nichts schicke ;).