Herr Meier muss gar nichts

„Ich muss gar nix!“, sagte Herr Meier Anfang der Woche und ließ sich mit einem Schnauben zurück auf die Bank vor der Kneipe meines Hauses fallen. Er wiederholte noch einige Male, dass er gar nix müsse und schnaubte unterstützend vor jedem Schluck Bier. Unser Hausmeister hätte sich denken können, dass Herr Meier auf ein „Sie müssen“ nicht reagieren würde. Er kennt ihn lange genug, um zu wissen, dass man einen alten Grantler, wie Herrn Meier nur mit psychologischer Finesse zu etwas bewegen kann. Leider interessiert sich unser Hausmeister nicht für Psychologie und steht Herrn Meier an schlechter Laune in nichts nach. Weiterlesen

Alles im grünen Bereich

Ob ich ihm einen Besuch abstatten wolle, erkundigte sich Dr. X bei mir. Eine Frage, die durchaus ihre Berechtigung hatte, da ich vor seiner Haustür stand und es außer einem Besuch wenig Gründe gab, das zu tun. Da es aber nie auszuschließen ist, dass jemand einen sehr guten Grund hat in einem fremden Viertel, vor einer fremden Haustür zu stehen, schüttelte ich den Kopf und antwortete mit einem klaren Nein. Ein so klares Nein muss mit einer entsprechend klaren Körperhaltung unterstrichen werden. Kopf hoch, Brust raus, Bauch rein und Abgang. Ich bin gut in klaren Ansagen und noch besser in schnörkelosen, keine Fragen offen lassenden Abgängen. Theoretisch. Weiterlesen

Danzt hob i für mei Lebn gern

Meine Großmutter tanzte für ihr Leben gern. Das tat sie bis ins hohe Alter. Selten freilich, weil die Beine nicht mehr so wollten, aber manchmal hat es sie noch gepackt. Um genau zu sein packte sie ihr Enkel. Ein Brackel von einem Kerl. Kräftig genug um die winzige Frau in seinen Armen über das Parkett zu heben und ein so guter Tänzer, dass meine Großmutter nicht widerstehen konnte. Dann staunten die Urenkel und wenn sie erschöpft zurück auf den Stuhl sank. Verlegen hob sie dann die Hände und meinte, dass sie nun wirklich zu alt dafür sei. Aber sie strahlte und in ihren Augen spiegelte sich eine Jugend, die ich nur von Erzählungen kannte. Weiterlesen

Bei Elvira sind die BH-Verschlüsse hinten!

Dass ich mir vor Jahren von einer Verkäuferin ein lindgrünes Schlauchkleid als passendes Outfit für eine Hochzeit aufschwatzen ließ, hat zwei Dinge in meinem Leben verändert. Zum einen bin ich misstrauisch geworden, wenn mir drei oder mehr Verkäuferinnen zu gleich versichern, dass ich in einem hoffnungslos überteuerten Kleid, umwerfend aussehe. Zum anderen besitze ich seit besagter Hochzeit einen großen Spiegel, der mehr als Gesicht und Schultern zeigt. Weiterlesen

Wimpern zum Frühstück

Absolute Ehrlichkeit ist das wichtigste in jeder Form von zwischenmenschlichen Kontakt, sagt meine Freundin. Absoluter Blödsinn,  sage ich,  und schließe das online Profil von „verständnisvoller1977“. Die liebste meiner Single-Freundinnen, Lea oder „Kampflustiges Gänseblümchen“, wie sie sich auf Datingportalen nennt, verdreht die Augen und tippt gegen ihr leeres Glas. Weiterlesen

In gute Hände abzugeben

Ich habe eine Schublade mit Geschenken für Notfälle. Neben mehreren USB Sticks (meine Mama verschickt ihre Fotodateien gerne auf einem Stick gespeichert, mit der Post) und einem bezaubernden, gehäkelten Babymützchen (ich habe so eine Ahnung, dass ich es bald verschenken werde) ist sie mit  Amazongutscheine für die älteren Patenkinder und reichlich Schokolade bestückt. Das die Schublade auch einen Mann enthielt, wurde mir erst bewusst, als ich ihn ohne nachzudenken verschenkte. Weiterlesen

Spinnst Du?!?

Nur wenige Menschen dürfen mich sonntags kurz vor Mitternacht anrufen und das Gespräch mit „Spinnst du?!?“ einleiten, ohne das ich beleidigt bin und auf eine etwas freundlichere Einleitung bestehe.  Mein Exfreund gehört dazu. Es wäre auch sinnlos ihn darauf hinzuweisen, dass ich bereits geschlafen habe und er etwas freundlicher sein könnte. Ich kenne die Antwort und beschränkte mich auf ein „Warum?“ Weiterlesen

Frag mich…..lieber nicht.

Beim Ausfüllen von Fragebögen und Profiltexten bin ich gnadenlos ehrlich. Anonym oder nicht – wer mich fragt, weiß mehr als er wissen wollte. Der Kantinenbetreiber in meiner Firma weiß jetzt, dass sein Salatdressing meinem Vorhaben, drei Kilo abzunehmen, im Weg steht; die GEZ ist über die Radiofunktion meines iPods informiert und im letzten Beurteilungsgespräch hat mein Chef mich darauf hingewiesen, dass eine zusätzliche Zeichnung auf die Frage nach dem Fluchtweg nicht notwendig gewesen wäre. Weiterlesen

Die perfekt erste Nachricht

Noch heute, fast fünf Jahre später, nickt mein Umfeld verständnisvoll, wenn ich den Namen von Dr. X erwähne. Ich rechne es ihm hoch an, dass es nicht die Augen verdreht oder an meinem Verstand zweifelt. Weder meine Freunde, noch meine Kollegen haben X je zu Gesicht bekommen und doch gibt es keinen, der nicht mindestens einmal die ganze Geschichte von mir erzählt bekommen hat. Weiterlesen