Ob Sie wollen oder nicht – es schnuppt
Sie ahnen es, ja? Sie kennen mich gut genug um zu wissen, dass Ihnen ein Text über Sternschnuppen bevor steht. Da sie aber ein freier Mensch sind und jederzeit aufhören können weiter zu lesen, ignoriere ich Ihr Augenverdrehen. Ich wäre nicht Mitzi, wenn es mir egal wäre, dass über unseren Köpfen gerade die Perseiden hinweg sausen. Das ganze Jahr über sammle ich meine Wünsche, teile sie in Kategorien ein, priorisiere und konzentriere mich in den Augustnächten auf die richtige Formulierung, wenn es über mir blitzt und funkelt. Weiterlesen
Laute(/r) Grattler – U-Bahn Gedanken
„Schnauze!“, darf man nicht laut sagen. Man darf es nur denken. Heute denke ich es seit morgens. Ich dachte es, als der Nachbar anmerkte, dass mein Fahrrad im Laubengang im Weg steht und ich dachte es als die drei Kinder im Bus in mein Ohr plärrten. Ich dachte es ganz leise im Büro bei einem Telefonat, dass mich an die Grenzen meiner Geduld brachte und ich empfand es mittags in der Kantine als die Besteckbehälter laut scheppernd aufgefüllt wurden. An manchen Tagen ist es mir zu laut. Dann möchte ich mir ein schalldichtes Schneckenhaus über den Kopf stülpen und nichts weiter hören, als den Regen, den ich zwar sehe, aber nicht höre. Weiterlesen
Gefundene Sätze #15
„Die Hölle, das sind die anderen.“
Jean Paul Sartre
Habe ich schon öfter mit meiner Leidenschaft für Sartre genervt? Sehen Sie es mir nach. Es geht nicht ohne. Zum Beispiel heute. Da wache ich aufgrund der Sonne schon vor sechs Uhr morgens auf. Zu müde zum denken, zu viel vor um ein dickes Buch zu lesen. Knappe 70 Seiten der „Geschlossenen Gesellschaft“ sind dann perfekt. Perfekt für diesen Grusel, der mich bei obigem Gedanken nie wieder los gelassen hat. Drei Menschen nur. Eingesperrt für die Ewigkeit in einem schmucklosen Raum. Was für eine grausame Vorstellung wenn die Konstellation auch nur ein Minimum an Konflikten birgt. Überhaupt die Ewigkeit – alleine das ist eine höllische Vorstellung.
Drei mal stark
Wer sich eine mit Ziegenfrischkäse gefüllte und mit Thymian gewürzte Dattel in den Mund schieben lässt und nur mit den Schultern zuckt, hat den feinen Geschmack nicht verdient. Die Datteln kommen aus Israel, sagte ich und nahm dir den Teller weg. Einen so weiten Weg legt man nicht zurück, um banalen Hunger zu stillen. Das hatten sie nicht verdient. Du würdest vor Hunger sterben, meintest du und ich überlegte ob der weite Weg durch einen Einsatz als Lebensretter gerechtfertigt werden würde. Ich lies es durchgehen und gab den Teller wieder frei. Weiterlesen
Personalisierter Spam
Facebook hat schon lange erkannt, dass ich ein unglaublich faules und bequemes Ding bin. Dass ich auch unglaublich stur bin, hat Facebook noch nicht begriffen. Sonst würde es mir nicht seit über einem Jahr mitteilen, dass meine Beliebtheit Gefahr läuft beständig zu sinken, wenn ich nicht endlich beginnen würde, meine Nachrichten schneller zu beantworten. Auch solle ich endlich meine Beiträge bewerben. Facebook maßregelt mich seit einem Jahr auf der zum Blog gehörenden Seite. Seine Penetranz bezeichnet es als hilfreiche Tipps um meine Beliebtheit zu steigern und meine Seite erfolgreich zu machen.
Ähnlich penetrant ist nur Herr A.R. aus H., der es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht hat, meinen Blog erfolgreich zu machen. Weiterlesen
Im Juli harmlos
Sind Sie schon im August? Ich noch gar nicht. Heute ist der 1. August behaupten die Kalender denen ich begegne. Sie alle sind sich einig, dass der Juli 2016 unwiederbringlich der Vergangenheit angehört. Die Kalender haben keine Ahnung. Ich bin nämlich noch nicht im August gelandet. Ich hänge noch im Juli fest und brauche noch ein paar Stunden, bis ich im August lande. Das hat nichts mit unterschiedlichen Zeitzonen zu tun, sondern nur mit meiner Sturheit. Ich lasse mich ungerne in einen neuen Monat schubsen, wenn ich mit dem alten noch nicht abgeschlossen habe. Weiterlesen
Sommer mit Filter
Kennen Sie den Sommer Filter, der sich an manchen Tagen im Juli über die Welt legt? Wenn Sie jetzt im App Store nachsehen müssen, dann kennen Sie ihn nicht. Es ist kein Gadget für Ihre Kamera, sondern etwas ausgesprochen hübsches, dass Sie ganz umsonst bekommen. Achten Sie mal drauf, der Filter legt sich auch über Ihre Stadt. Falls Sie ihn nicht gleich erkennen und ein Kind im Haushalt haben, fragen Sie es! Weiterlesen
Harmlos bescheuert
An einem Samstagmorgen, an dem es nichts mehr zu sagen gibt, was nicht schon gesagt wurde, müsse man etwas bescheuertes tun um sich wieder zu erden. Mein Nachbar Paul, der diese Meinung heute Morgen vertrat, war darin ganz gut. Ich jedenfalls fand es ziemlich bescheuert, neben ihm auf einer Bank im Innenhof zu sitzen und über seine Schulter auf das Display seines Handy zu starren. Als er etwas von Duftmarken setzen murmelte, wollte ich gehen. Ich setzte mich wieder, als er aufsah und auf die Kinder am Spielplatz deutete und mich bat zu bleiben. Es hätte einen seltsamen Beigeschmack wenn erwachsene Männer, auf einer Bank am Spielplatz säßen und kein Kind vorzuweisen hätten. Mindestens eine Alibifrau sei nötig, um nicht unangenehm auszufallen. Ich sparte mir den Kommentar, dass ein Pokémon spielender Vierzigjähriger sich wohl keine Gedanken mehr über seinen Ruf machen muss. Weiterlesen
Sommer im Nacken
Auf meinen Schultern sind vier neue Sommersprossen. Auf der Nase drei, auf der Stirn sieben und gestern Abend habe ich am Knöchel und am Bauch jeweils eine neue entdeckt. Jedes Jahr im Juli kommen ein paar winzige, hellbraune Punkte dazu und obwohl ich sie schon lange nicht mehr zählen kann, glaube ich dass es noch immer etwa zwanzig Stück jährlich sind. Ich mag meine Sommersprossen. Besonders die eine, goldbraune, die ich im rechten Augen habe und von der ich weiß, dass es eigentlich keine ist. Weiterlesen


