Ob Sie wollen oder nicht – es schnuppt

Sie ahnen es, ja? Sie kennen mich gut genug um zu wissen, dass Ihnen ein Text über Sternschnuppen bevor steht. Da sie aber ein freier Mensch sind und jederzeit aufhören können weiter zu lesen, ignoriere ich Ihr Augenverdrehen. Ich wäre nicht Mitzi, wenn es mir egal wäre, dass über unseren Köpfen gerade die Perseiden hinweg sausen. Das ganze Jahr über sammle ich meine Wünsche, teile sie in Kategorien ein, priorisiere und konzentriere mich in den Augustnächten auf die richtige Formulierung, wenn es über mir blitzt und funkelt.

Die diesjährige Wunschliste umfasst folgende Punkte:

  • Zehn Zentimeter wachsen und zehn Kilo verlieren
  • Zehntausend Euro mit einem Los gewinnen um die Garderobe dem neuen Körper anzupassen
  • Zehn mal zehntausend Euro im Lotto gewinnen, um die egoistischen Wünsche durch Spenden auszugleichen
  • Zehn zusätzliche Urlaubstage jährlich

Eigentlich beinhaltet sie noch sechs weitere Wünsche um zehn voll zu machen. Die sind aber so unverschämt egozentrisch, dass ich sie nicht einmal Ihnen verrate.

Leider war der Himmel heute Nacht Wolkenverhangen und ich unterhalte Sie hier weiter als Zwerg, den 10 Kilo von einer Elfe trennen. Ist der Himmel am Perseiden-Höhepunkt nicht klar, ändert sich meine Wunschliste. Bei 170 Sternschuppen-Wünschen pro Stunde kann man in die Vollen gehen. Wenn es in den darauffolgenden Nächten weniger Schnuppen und damit Wünsche werden, dann darf man sich nicht so einen Mist wünschen. Dann werden die Wünsche stiller und man braucht keine Liste mehr um sie vorzutragen. Wünsche werden dann nicht mehr eingefordert, sondern Hoffnungen unter einem nächtlichen Sommerhimmel formuliert und leise gemurmelt. Vielleicht vergisst man bei dem schönen Himmel auch gleich ganz sich etwas zu wünschen. Es wäre egal, weil tun und machen meistens besser hilft als bloßes wünschen. Ein paar Wünsche behalte ich für besonders klare Sternschnuppen trotzdem in der Hinterhand. Für mich benötige ich sie nicht, aber Frau Obst und ein mir am Herz liegender Mensch können sie gerade gut gebrauchen. Auch weite Teile der restlichen Welt haben sie nötig. Die einen um wieder klar zu denken, die anderen um überhaupt durch das Leben zu kommen. Mit Sternschnuppen können sie vermutlich nichts anfangen und ein Wunsch kann hier nur Taten unterstützen.

Auch wenn ich mit nichts mehr wünsche muss, sehen möchte ich sie trotzdem. Sie werden nicht so sein, wie vor 35 Jahren am Sandstrand von Milos. Meine Eltern und ihre Freunde spielten damals Hippies. Vielleicht waren sie es auch. Jedenfalls lebten wir in diesem Sommer an einem einsamen Strand. Mittags unter einem Brauerei Sonnenschirm und nachts unter gar nichts in Schlafsäcken. An die Sternschnuppen kann ich mich noch erinnern. Gewünscht habe ich mir damals nichts. Mit fünf Jahren am Strand und am Meer ist man wunschlos glücklich. Sie werden auch nicht so sein wie in Italien, wo mir mein Freund den Wunsch erfüllte und mit mir am Strand schlief. Da waren kaum Schnuppen, aber reichlich feuchter Sand und ein Schlafsack mit kaputtem Reisverschluss. Auch eine Weinflasche ohne Öffner und unsere knurrenden Mägen, weil Luft und Liebe doch nicht satt machten. Aber glücklich. Auch nicht wie letztes Jahr, als ich den besten meiner Freunde nötigte mit mir zu einem einsamen Parkplatz zu fahren um es in der Dunkelheit schnuppen zu sehen. Wenn ich jemals instinktiv spürte, dass es nicht gut war an einem Ort zu sein, dann in jener Nacht auf diesem Parkplatz. Halten Sie mich ruhig für verrückt, aber ich bin noch heute überzeugt, dass wir gerade noch rechtzeitig wieder gefahren sind. Wir landeten im Naturschutzgebiet hinter dem Haus meiner Eltern und saßen eine Stunde lang auf dem warmen Teer eines Weges. Instinktiv hatten wir den perfekten Platz gefunden. Da störte auch der Typ in Springerstiefeln und Glatze nicht. Muss ein Punk gewesen sein. Er strahlte ein Minimum an Intelligenz aus. Intelligenz mag ich ja. Und Menschen die Nachts unter Sternschnuppenhimmeln spazieren gehen auch. Da können sie dann anhaben was sie wollen.

Mir ist es übrigens auch herzlich egal ob sich die Wolken noch verziehen. Irgendwo da draußen sind meine Schnuppen und es mir egal ob sie sich sehen lassen oder nicht. Wie in jedem Jahr freut es mich einfach ein paar Wünsche platzieren zu können. Ihnen zum Beispiel wünsche ich ein schönes Wochenende. Und darüber hinaus all das was Sie brauchen um halbwegs glücklich durchs Leben gehen zu können.

 

 

50 Gedanken zu “Ob Sie wollen oder nicht – es schnuppt

  1. Danke liebe Mitzi, dass es schnuppt und du das nutzt, um uns etwas Gutes zu wünschen.

    Für mich schnuppt leider gar nichts. Einerseits ist der Himmel seit Tagen bewölkt. Andererseits mein Blick fiebrig verhangen. Ich träume mich zu den Perseiden und lotse die Sternschnuppen direkt dorthin, wo sie besonders ersehnt werden. Leider wissen die wenigsten etwas Ordentliches damit anzufangen.

    Und wegen der 10 kg weniger: ein schöner Körper braucht seinen Platz! Zumindest erkläre ich das immer so. 😉

    Ansonsten wünsche ich auch dir das allerbeste, was du gerade brauchst in deinem Leben.

    Veronika

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  2. Liebe Mitzi!
    Ihre oben genannten maßvollen 🙂 Punkte der Wunschliste dürften doch jetzt eigentlich gar nicht mehr in Erfüllung gehen, oder? Denn mir hat man als Kind einmal gesagt, dass man seine Sternschnuppenwünsche niemandem verraten darf, sonst gehen sie nicht in Erfüllung. Aber da Sie ja ohnehin noch weitere, nicht genannte Wünsche im Gepäck haben, wird sicherlich der ein oder andere erfüllbar bleiben.
    Ich entsinne mich wie Sie an schöne Sternschnuppennächte, wo ich nachts im Garten stand und mir etwas gewünscht habe. An drei Wünsche kann ich mich auch noch erinnern. Zwei davon sind in Erfüllung gegangen. Der dritte lässt noch auf sich warten. Es scheint zu funktionieren… naja, wenn man dran glaubt. Und da ich hoffnungslos romantisch bin, glaube ich einfach mal ganz naiv daran 🙂
    Ich wünsche Ihnen ebenfalls ein geruhsames Wochenende mit hoffentlich unzähligen Sternschnuppen! Mögen all Ihre Wünsche in Erfüllung gehen.
    Herzliche Grüße
    Mallybeau M. (Sternenhimmelliebhaberkuh)

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  3. In einer Nacht, ich war so ungefähr 17, da sah ich 11 Sternschnuppen in einer Nacht und da sind mir dann die spontanen Wünsche ausgegangen. Ich freue mich immer über jedes fallende Sternchen, liebe es in den Nachthimmel zu schauen, aber nie wieder sah ich so viele auf einmal..

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  4. Oh, eine professionelle Schnupperin! Liebe Mitzi, wie bekommt man es hin, sich rechtzeitig etwas zu wünschen? Wenn ich eine Sternschnuppe sehe, ist meine erste Reaktion „Woaaaah, eine Schnuppe!“ und schon ist sie wieder dahin. Das ist nicht so oft passiert, unter zehnmal. Was daran liegt, dass ich ebenso oft/selten überhaupt eine Sternschuppe gesehen habe. Sie verstecken sich vor mir und lassen mich meine Wünsche behalten. Was ja auch nicht schlecht ist. Richtig schlecht soll es einem ja erst gehen, wenn man keine Wünsche mehr hat.
    Von daher wünsche ich uns allen eine verhangene Nacht. Schmeißen wir eine handvoll Wünsche einfach so in den Himmel, ich denke, die Schnuppen wissen auch ohne unseren direkten Augenkontakt was damit anzufangen.

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  5. Ich mag Frauen, die sich auf zu erwartenden Sternschnuppen vorbereiten. Die Systematik deiner Wünsche ist beachtlich, liebe Mitzi. „Zehn Zentimeter wachsen“ ist natürlich purer Wunderglaube. Ich habe dich ja noch nicht gesehen, bin aber sicher, dass es gut so ist wie du bist. Zum Glück gehen offenbarte Wünsche nicht in Erfüllung. Wir wollten dich nämlich nicht gern an Germanys Next Topmodel verlieren.

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  6. Irgendwie geht mir so ein komisches Lied durch den Kopf:
    «Drah di net um, oh oh oh
    Die Sternenschnupperer geh’n um, oh oh oh»
    Wunschtechnisch kann es einem allerdings schnuppe sein, ob man die Schnuppen sieht – denn den Schnuppen ihrerseits ist es ja auch schnuppe, ob und was wir uns wünschen. Also können wir doch einfach auf Teufel komm raus draufloswünschen. Vielleicht geht sogar ein Wunsch in Erfüllung. Vielleicht kommt auch nur der Teufel raus. Vielleicht lässt sich am Ende das eine vom anderen nicht unterscheiden…
    Meine eigene Liste ist ja ellenlang. Es gibt doch sooo viele Dinge, von denen man dummerweise nicht weiß, dass man sie nicht braucht, weil man sie als Grattler eben noch nie hatte. 😉

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  7. Liebe Mitzi,
    da ich ja schon gefühlte 100 Jahre auf diesem Planeten wandele, sind mir schon sehr viele Menschen begegnet, die sich etwas wünschen. Durch diese überdurchschnittliche Erfahrung auf diesem Sektor, kann ich mich in aller Bescheidenheit als semiprofessionellen Beurteiler menschlicher Wünsche bezeichnen.
    Somit kann ich ihnen nach strenger aber objektiver Prüfung Ihrer ersten 4 Wünsche bescheinigen, dass diese Wünsche so bescheiden, ja gar fast selbstlos sind, dass Ihnen die restlichen 6 Wünsche unbesehen und ungeprüft zustehen! Nicht nur die Wünsche selbst, sondern auch die Erfüllung dieser.
    Ich werde umgehend alle Hebel in Bewegung setzen, mich mit der Logistikabteilung der Schnuppen dahingehend zu einigen, dass die entsprechenden Schnuppen, zur richtigen Zeit dort schnuppen, wo Sie sie sehen und Ihre Wünsche plazieren können!
    Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinkriegen!
    Gruß Heinrich

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    1. Ach, das ist fein lieber Heinrich. Ich weiß dass ihr Netzwerk unschlagbar ist und hoffte, dass sie ein gutes Wort für mich einlegen würden. Herzlichen Dank.
      Sie müssten sich nun allerdings darauf einstellen, Ihren Blog noch ein bis zwei Vierteljahrhunderte weiter zu führen. Ich bin ein gewohnheitstier und nutze meine Wünsche gerne dafür, dass sich möglichst wenig ändert. Ich denke, dass ist in ihrem Sinn.
      Einen schönen Samstag.
      Ihre Mitzi.

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  8. Ich falle auch eher in die Kategorie „boah! Da ist eine Sternschnuppe!!“ und vergesse das Wünschen. ein paar mal habe ich mir allerdings tatsächlich etwas gewünscht, was sogar in Erfüllung gegangen ist. Ich fürchte zwar, es was Zufall aber die Hoffnung bleibt bis zuletzt 😉 also hoffe ich heute Nacht auf wolkenfreien Himmel und habe sowieso nur einen bescheidenen Wunsch 😉 Verraten darf man die aber ja eh nicht,
    sonst gehen sie eh nicht in Erfüllung.. Auch dir ein wunderbares Wochenende!

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    1. Die kindliche Sternschnuppenfreude ist doch was feines. Ich finde es schön, wenn man sie als erwachsener noch beibehält :).
      Stimmt, verraten darf man nicht. Ich hoffe du konntest noch eine erhaschen. Mir ist es gestern, etwas außerhalb der Stadt gelungen.

      Ich drück die Daumen.

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  9. Ich habe mal nach einem Sternschnuppenfall völlig versehentlich „Kühlschrank“ gedacht, obwohl ich gar keinen brauchte. Der kam dann zum Glück auch nicht, was will man in einer winzigen Küche mit zweien. Ansonsten, ja, ich liege im Urlaub, wenn es da wärmer ist als hier gerade, manchmal lange nächtliche Stunden draußen, um in den Himmel zu gucken. Denn fast überall sieht man mehr Sterne als in einer Großstadt wie Berlin. Ein tolles Gefühl, wenn sie dann fallen, so als würden sie winken, oder einem ein anderes Zeichen geben. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg!

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    1. Zwei Kühlschränke in einer kleinen Küche…bei manchen, versehentlichen Wünschen ist es gut, dass sie dich nicht in Erfüllung gehen. Ich hatte gestern Glück, gewünscht hab ich mir aber nichts, sondern einfach die Nacht genossen.
      Schönen Urlaub – mit oder ohne Schnuppen!

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  10. Auch mir sind Schnuppen nicht schnuppe – nur fehlte es heute Nacht an lichtunverschmutzem Ort und wolkenfreiem Himmel. Und Wünsche – ja, da habe ich mehr als Sterne vom Himmel fallen könnten: ganz kleine, so wie: „Jetzt bitte keine geschlossenen Schranken!“ – etwas größere wie: Ich möchte mal wieder die Milchstraße sehen und ganz große Wünsche, die was mit Weltfrieden und Geldbeutel zu tun haben. Aber danke, dass ich dich bei deinen Sternschnuppenerlebnissen begleiten durfte. Weiterhin frohes Schnuppenwünschen – ein paar Nächte bleiben ja noch 🙂

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    1. Gestern konnte ich ein paar einfangen. Ich habe mich vor den Hühnerstall bei meiner Familie gelegt und gewartet. Zu wünschen habe ich tatsächlich zu vergessen. Meine Nichte lag neben mir und hat mir stundenlang erzählt. Der Wunsch stand nicht auf der Liste – das mit ihr liegen und reden – aber irgendwie genau richtig.

      Viel Glück beim Einfangen 🙂

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  11. Sternschnuppig feiner Edit & wünsche zu pflegen sollten wir nie verlernen / zuweilen entsteht daraus eine neue Leidenschaft & gibt oft langweilertagen eine neue Spannung.
    Herzlich lhz.

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  12. Heeeeerrrrrrlich!!!!

    Ich muss traurig gestehen, dass ich zwar schon über ein halbes Jahrhundert auf meinem zeitweisen schmerzenden Buckel habe, aber ich habe noch niiiiieeee eine Sternschnuppe gesehen, obwohl ich mir im August und im September Nacht für Nacht die Augen ausgucke 😦
    Dabei würde es mir an Wünschen nicht mangeln.

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    1. Das ist tut mir leid zu hören. Da verstecken sich die Schnuppen bei dir wirklich außergewöhnlich hartnäckig. Ich würde mir dennoch etwas wünschen. Sie sind ja da – die Schnuppen. Das klappt sicher auch so!
      Liebe Grüße

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      1. Ja, es ist immer ziemlich bewölkt.
        Aber ich gebe nicht auf, ich schaue immer wieder.

        Hast Recht, ich kann auch in den Himmel schauen und meine Wünsche hochschicken, die Schnuppen sind ja da, nur nicht sichtbar 🙂

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  13. Ich lese gerade einen wunderbaren Ratgeber mit dem Titel „Einen Scheiß muss ich“, der mir sagt, so wie ich gerade bin, bin ich perfekt, eine Verbesserung hätte ich gar nicht nötig und wäre auch gar nicht möglich. Ein wunderbares Buch …
    Einerseits. Andererseits sind ja diese Sternschnuppen so faszinierend, dass man sie sehen muss. Und wenn eine an mir vorüber saust, dann vergesse ich glatt, mir etwas zu wünschen. Ist egal, weil ich ja einen Scheiß muss. Das Wünschen kann also entfallen. Und so genieße ich einfach die Sternschnuppen. Der Rest ist mir schnuppe.
    Ich wünsche Ihnen ebenfalls ein schönes Wochenende … und das schon am Montag … 🙂

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    1. Nun der Dritte, der mir dieses Buch bereits ans Herz legt. Ich bin jetzt neugierig genug, es zu lesen. Der Titel ist ohne jeden Zweifel schon mal klasse.

      So ist es recht, Herr Ösi. Sie müssen sich einen Scheiß wünschen. Also nicht wörtlich. Bitte. Aber Sie müssen gar nix. Ich glaube da sind die Österreicher wie die Bayern. Müssen tun wir schon mal gar nix. Wollen schon eher. Und dürfen tun wir alles. Was wollte ich sagen…..ach, ja….auch Ihnen ein schönes Wochenende. Bei mir ist ja noch eines. Ein Feiertags-Langes.

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