Ein Ziel braucht es. U-Bahn Gedanken

München mag ein Dorf sein, aber für Einsame kann es der gleiche grausame Ort sein, wie jede andere Grossstadt auch. Einsame sollten sich möglichst in der Einsamkeit vergraben. Da fällt es ihnen weniger auf, dass kein anderer da ist. In mitten der tiefsten Einsamkeit lässt es sich gut behaupten, dass ein jeder an so einem Ort mit sich selbst zurecht kommen müsste. Meister der Einsamkeit, können die ungewollte Stille, dann zu etwas Schönem erhöhen und sind nach einer Weile nicht mehr einsam sondern in eine angenehme Stille gebettet, in der sie niemand stört. In einer Stadt ist das fast unmöglich. Da steht und geht an jeder Ecke einer mit dem man gleich nicht mehr einsam sondern zweisam wäre. Der, der da geht, weiß das aber nicht und lässt einen vorbei eilend alleine und einsamer als zuvor stehen.  Weiterlesen →

Milchschnitten Heißhunger und der Liebste Award

Kennen Sie Veronika? Falls nicht, dann sollten Sie unbedingt einmal bei ihr vorbei schauen. Vro jongliert . Nicht mit Bällen sondern mit Kindern, Alltag, Familie, Haushalt und Job. Und am virtuosesten mit Worten. Vros Blog gehört zu den wenigsten, deren neue Artikel ich mir auf das Handy schicken lasse. Heute mag ich Veronika besonders, weil ihre Nominierung zum liebsten Award genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen ist. Ihr Blog hat es verdient und mich hält es davon ab einen gehässigen Artikel über eine Münchner Arztpraxis zu schreiben. Ich warte seit 30 Minuten und habe die dumpfe Ahnung, dass ich die Fragen des Awards beantwortet haben werde, bevor man mich aufruft. Danke, Veronika. Weiterlesen →

Gar nicht profane Wurzel

Was ist das unerotischste Wort, das Ihnen einfällt? Nein, sagen Sie es mir bitte nicht. Ich mag unerotische Wörter nicht. Natürlich haben sie ihre Daseinsberechtigung. Alles was existiert, muss benannt werden können. Aber manches nur im äußersten Notfall. Ich mag seinen Schleimlöser nicht, sage ich dem, der vor meiner Tür steht und erkläre ihm, dass dieses Wort schrecklich unerotisch ist. So unerotisch, wie meine röchelnde Stimme, erwidert er und schiebt sich an mir vorbei in die Wohnung. Weiterlesen →

Lächeln? Das sagen Sie so einfach.

Heute ist der internationale Tag des Lächelns. Das interessiert hier aber keinen. Meine Nachbarn und ich haben heute beschlossen, dass der regionale Tag der schlechten Laune ist. Ein Tag dessen Ursprung in meinem Haus zu finden ist. Wir sind jetzt nämlich Gerüstfrei. Sämtliche Bauarbeiten sind abgeschlossen und wir können unsere Balkone wieder nutzen. Sogar die Fenster haben wir nach Abschluss der Fasadenrenovierung noch geputzt bekommen. Bei so einem Service nimmt man es auch gerne in Kauf, dass das Gerüst an einem Samstag um 06:50 Uhr mit lautem Geschepper abgebaut wird. Die Handwerke wollen ja auch noch etwas vom Wochenende haben. Dachten wir. Weiterlesen →

Herr Mu gibt einen Sprachkurs

Langsam wird es kalt. Morgens an der Bushaltestelle spürt man den Herbst schon deutlich und bald werde ich wieder auf die U-Bahn umsteigen. Dann, wenn Herr Mu morgens nicht mehr auf der Bank sitzt und sich einen anderen Ort sucht, um den Tag mit einem Gespräch zu beginnen. Noch sitzt er aber da und der Wind scheint ihm nichts anzuhaben. Die dünne Jacke ist offen und seine Hand ruhig still auf dem Griff des abgenutzten Einkaufswagens. Ob er ein Gutzel mag, fragte er heute morgen den  Jungen, der neu an der Bushaltestelle ist. Weiterlesen →

Schafskälte

Mit drei Würfen hat er alle Dosen abgeräumt, der Klügste meiner Freunde und der, der mir von allen vielleicht am Wichtigsten ist. Er kennt mich noch ein kleines Stück besser, als die anderen und wusste, dass ich es ernst meinte, als ich ihn bat mir das größte der Stofftiere am Stand zu werfen. Manche Wünsche sind albern, aber sie brennen so heiß, dass sie erfüllt werden müssen. Auch wenn die Wünschende viel zu alt für ein 1,20 m großes Stofftier ist.  Zwei Mal in Folge müssen die Dosen mit drei Bällen abgeräumt werden. Der Klügste lacht und schüttelt den Kopf. Das würde nichts werden, murmelte er. Das muss, flüsterte ich. Unbedingt – ich brauche heute dieses Schaf. Mir ist zu kalt, als das ich ohne Schaf durch den Tag kommen würde. Weiterlesen →

Herr Meier muss gar nichts

„Ich muss gar nix!“, sagte Herr Meier Anfang der Woche und ließ sich mit einem Schnauben zurück auf die Bank vor der Kneipe meines Hauses fallen. Er wiederholte noch einige Male, dass er gar nix müsse und schnaubte unterstützend vor jedem Schluck Bier. Unser Hausmeister hätte sich denken können, dass Herr Meier auf ein „Sie müssen“ nicht reagieren würde. Er kennt ihn lange genug, um zu wissen, dass man einen alten Grantler, wie Herrn Meier nur mit psychologischer Finesse zu etwas bewegen kann. Leider interessiert sich unser Hausmeister nicht für Psychologie und steht Herrn Meier an schlechter Laune in nichts nach. Weiterlesen →

Koa G´schau* (*Schauen Sie doch nicht so) – U-Bahn Gedanken

Da sitzt er mir gegenüber und grinst blöd. Der blöde Papa von Laura. Grinst und wirkt recht fröhlich in seiner Tracht und seiner Wiesn Vorfreude. Er kann gut grinsen, Lauras Papa. Es geht ja raus. Raus, auf die Wiesn. Und er weiß nicht, dass er in der vollbesetzten S-Bahn einer gegenüber sitzt, die ihm schon lange etwas sagen möchte. Etwas, das zu seinem depperten Grinsen passt. Und weil er nicht weiß, dass ich ihn kenne und daher gar nicht erwartet, dass ich ihn freundlich grüße, fang ich ohne lange Umschweife an. Weiterlesen →