Lächeln? Das sagen Sie so einfach.

Heute ist der internationale Tag des Lächelns. Das interessiert hier aber keinen. Meine Nachbarn und ich haben heute beschlossen, dass der regionale Tag der schlechten Laune ist. Ein Tag dessen Ursprung in meinem Haus zu finden ist. Wir sind jetzt nämlich Gerüstfrei. Sämtliche Bauarbeiten sind abgeschlossen und wir können unsere Balkone wieder nutzen. Sogar die Fenster haben wir nach Abschluss der Fasadenrenovierung noch geputzt bekommen. Bei so einem Service nimmt man es auch gerne in Kauf, dass das Gerüst an einem Samstag um 06:50 Uhr mit lautem Geschepper abgebaut wird. Die Handwerke wollen ja auch noch etwas vom Wochenende haben. Dachten wir. Weiterlesen

Herr Mu gibt einen Sprachkurs

Langsam wird es kalt. Morgens an der Bushaltestelle spürt man den Herbst schon deutlich und bald werde ich wieder auf die U-Bahn umsteigen. Dann, wenn Herr Mu morgens nicht mehr auf der Bank sitzt und sich einen anderen Ort sucht, um den Tag mit einem Gespräch zu beginnen. Noch sitzt er aber da und der Wind scheint ihm nichts anzuhaben. Die dünne Jacke ist offen und seine Hand ruhig still auf dem Griff des abgenutzten Einkaufswagens. Ob er ein Gutzel mag, fragte er heute morgen den  Jungen, der neu an der Bushaltestelle ist. Weiterlesen

Schafskälte

Mit drei Würfen hat er alle Dosen abgeräumt, der Klügste meiner Freunde und der, der mir von allen vielleicht am Wichtigsten ist. Er kennt mich noch ein kleines Stück besser, als die anderen und wusste, dass ich es ernst meinte, als ich ihn bat mir das größte der Stofftiere am Stand zu werfen. Manche Wünsche sind albern, aber sie brennen so heiß, dass sie erfüllt werden müssen. Auch wenn die Wünschende viel zu alt für ein 1,20 m großes Stofftier ist.  Zwei Mal in Folge müssen die Dosen mit drei Bällen abgeräumt werden. Der Klügste lacht und schüttelt den Kopf. Das würde nichts werden, murmelte er. Das muss, flüsterte ich. Unbedingt – ich brauche heute dieses Schaf. Mir ist zu kalt, als das ich ohne Schaf durch den Tag kommen würde. Weiterlesen

Herr Meier muss gar nichts

„Ich muss gar nix!“, sagte Herr Meier Anfang der Woche und ließ sich mit einem Schnauben zurück auf die Bank vor der Kneipe meines Hauses fallen. Er wiederholte noch einige Male, dass er gar nix müsse und schnaubte unterstützend vor jedem Schluck Bier. Unser Hausmeister hätte sich denken können, dass Herr Meier auf ein „Sie müssen“ nicht reagieren würde. Er kennt ihn lange genug, um zu wissen, dass man einen alten Grantler, wie Herrn Meier nur mit psychologischer Finesse zu etwas bewegen kann. Leider interessiert sich unser Hausmeister nicht für Psychologie und steht Herrn Meier an schlechter Laune in nichts nach. Weiterlesen

Koa G´schau* (*Schauen Sie doch nicht so) – U-Bahn Gedanken

Da sitzt er mir gegenüber und grinst blöd. Der blöde Papa von Laura. Grinst und wirkt recht fröhlich in seiner Tracht und seiner Wiesn Vorfreude. Er kann gut grinsen, Lauras Papa. Es geht ja raus. Raus, auf die Wiesn. Und er weiß nicht, dass er in der vollbesetzten S-Bahn einer gegenüber sitzt, die ihm schon lange etwas sagen möchte. Etwas, das zu seinem depperten Grinsen passt. Und weil er nicht weiß, dass ich ihn kenne und daher gar nicht erwartet, dass ich ihn freundlich grüße, fang ich ohne lange Umschweife an. Weiterlesen

Nicht nichts

Heute mache ich nichts. Darin bin ich gut. Ich bin die Meisterin im Nichtstun. Hier reicht mir keiner so leicht das Wasser. Es ist nämlich gar nicht so leicht, nichts zu tun und sich dabei nicht zu langweilen oder sich zu fragen ob niemand etwas mit einem machen möchte. Wer nichts tun kann oder nichts tun darf, kann das Nichtstun nicht genießen. Und wer nichts tun möchte, der muss das Nichts vehement verteidigen. Regen und ein Temperatursturz sind dabei unglaublich hilfreich. Weiterlesen

Alles im grünen Bereich

Ob ich ihm einen Besuch abstatten wolle, erkundigte sich Dr. X bei mir. Eine Frage, die durchaus ihre Berechtigung hatte, da ich vor seiner Haustür stand und es außer einem Besuch wenig Gründe gab, das zu tun. Da es aber nie auszuschließen ist, dass jemand einen sehr guten Grund hat in einem fremden Viertel, vor einer fremden Haustür zu stehen, schüttelte ich den Kopf und antwortete mit einem klaren Nein. Ein so klares Nein muss mit einer entsprechend klaren Körperhaltung unterstrichen werden. Kopf hoch, Brust raus, Bauch rein und Abgang. Ich bin gut in klaren Ansagen und noch besser in schnörkelosen, keine Fragen offen lassenden Abgängen. Theoretisch. Weiterlesen

Sehnsuchts Orte

Es gibt Orte, nach denen man sich ein Leben lang sehnt. Dabei ist es völlig egal, wie oft man sie besucht. Wann immer man an sie denkt, spürt man ein zartes Ziehen im Magen. Schön ist es, wenn die Orte nicht aus der Welt sind und immer die Möglichkeit einer Rückkehr besteht. Dann ist das Ziehen ein wohliges und die Sehnsucht etwas Schönes. Manchmal bezieht sich die Sehnsucht auf ein ganzes Land und wurde durch viele große und kleine Begebenheiten geprägt. Mein Sehnsuchts Ort ist natürlich Italien. Das Land habe ich mir ausgesucht. Ein zweites Land wurde mir schon bei der Geburt mit auf den Weg gegeben. Schuld daran ist Fritz. Weiterlesen