Da müssen Sie durch I

Ich habe versprochen, Sie mit nach Italien zu nehmen. Für kurze Zeit gibt es hier mehr Bilder als Worte. Und weil Sie alle Italien sicher kennen, bekommen Sie von mir „mein“ Italien.

Typisch für mein Italien ist es, dass ich München bei strahlenden Sonnenschein und 25° verlasse, um dann in Italien im Wolkenbruch und bei 15° anzukommen. Schön ist es trotzdem. Nicht zuletzt, weil man nur dann Dutzende von Menschen in bunten Plastikumhängen sehen kann, die einem Regenschirm hinterher laufen.

Die Arena ist aber, ist bei jedem Wetter schön. Ein Foto von mir nach der Ankunft erspare ich Ihnen.

Versprechen

Es war kalt, als ich vor sechs Wochen in der Mittagspause telefonierte und hoffte, dass mich die Wintersonne ein wenig wärmen würde. Sie tat es nicht. Dass ich nicht fror, lag am warmen Lachen am anderen Ende der Leitung. Wirklich, fragte er und ich nickte bevor ich es in einem Satz bestätigte. Diesmal würde ich wirklich kommen und reichlich Zeit im Gepäck haben. Schön, sagte er und ich rechnete es ihm hoch an, dass er kein Wort darüber verlor, dass ich das einst gegebene Versprechen über ein Jahrzehnt lang nicht erfüllt hatte. Es ist erschreckend leicht, gegebene Versprechen aufzuschieben und es braucht einen guten Freund, der über Jahre hinweg geduldig wartet, nicht drängt und doch keinen Zweifel darüber lässt, dass er nicht aufgeben wird. Nächste Woche löse ich mein Versprechen ein und es ist vieles, aber sicher keine Verpflichtung. Es ist etwas schönes, etwas auf das man sich freut und etwas bei dem man sich fragt, warum es manchmal so schwierig ist, es einfach zu machen. Kommst du runter auf einen Kaffee? Die Frage verkam mit den Jahren zu einer Floskel und erst vor sechs Wochen wusste ich, dass irgendwann der Moment kommt, in dem sie auch der geduldigste Freund nicht mehr stellen wird.  Weiterlesen →

Sie fragen – ich lüge

Im Grunde bin ich ein sehr ehrlicher Mensch. Ich lüge nur äußerst ungerne und schwindle nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt oder für den Fragenden einfach besser ist, nicht alles zu wissen. Und doch gibt es ein Thema, bei dem ich fast immer lüge – Sport. Ich bin mir sicher, dass es kaum ein Thema gibt, bei dem mehr gelogen wird. Sogar unter guten Freunden. Wenn ich eine meiner Freundinnen am Samstag Vormittag in der U2 zufällig treffe, dann sieht sie nicht glücklich aus. Ihr Gesichtsausdruck schwankt zwischen genervt und unwillig und in ihren Mundwinkeln sehe ich die Abscheu gegenüber dem was kommt. Grüße ich sie aber, dann strahlt sie mich an. Hey, auch auf dem Weg ins Studio? Toll, gell? Mal wieder richtig auspowern. Wir lügen beide, dass sich die Balken biegen und versichern uns, dass es nichts schöneres gibt, als sich Samstagmorgen um kurz nach zehn von einem saublöd grinsenden Sadisten malträtieren zu lassen. Ne klar, macht Spaß wenn man feststellt, dass man auch nach Jahren des Trainings nach der zweiten (echten) Liegestütze einfach flach auf das Gesicht fällt. In meinen Augen eh eine völlig überbewertete Übung, da ich anscheinend zu den wenigen Menschen gehöre, deren Armmuskulatur für so etwas nicht gemacht ist. Meine Armmuskeln kann man nicht mit Liegestützen trainieren. Die können schwere Einkäufe durch die Gegend schleppen und bockige Dreijährige einen halben Tag lang durch die Stadt tragen. Das können die richtig gut. Was sie dagegen nicht können, ist mich selbst auch nur für dreißig Sekunden in der Luft halten. Das machen sie einfach nicht. Sie können mich auch nicht hochziehen. Hängt man mich an ein Reck, um einen Klimmzug zu machen, dann wird das nichts. Dann häng ich da, aber mehr auch nicht. Sollte ich jemals in den Bergen stürzen, einen Abhang runter rutschen und mich gerade noch an einem Felsvorsprung festhalten, dann wüsste ich was ich zu tun hätte. Einmal noch den Blick schweifen lassen, sehen wie schön wir es hier in Bayern haben und dann loslassen. Es wäre völlig sinnlos zu versuchen, mich hochzuziehen. Jahrelanges hängen an einer Reckstange hat mir bewiesen, dass meine Arme für so einen Mist nicht geschaffen sind. Lächeln, Ausblick genießen und fallen lassen – so würde es kommen. Da ich aber trittsicher und schwindelfrei bin, ist das unwahrscheinlich. Sollten sie dennoch mal in den Bergen eine kleine Blonde sehen, die gar nicht versucht wieder hoch zu kommen – das bin dann wahrscheinlich ich. Winken Sie, das würde mich sicher freuen.  Weiterlesen →

Alltag VI – Giesinger Traumwohnung

Lage, Lage, Lage – im Immobilien Jargon noch immer eines der Verkaufsargumente schlecht hin. Auch bei meiner Wohnung könnte man mit der Lage punkten. Ich könnte Ihnen jetzt viele Argumente nennen, die für mein Viertel, mein Haus und ganz besonders meine Wohnung im zweiten Stock des Vorderhauses sprechen. Die Lage, die Nachbarschaft, die wunderbare Ausrichtung der beiden Balkone die ganztägig abwechselnd Schatten und Sonne spenden und nicht zuletzt die fantastische Hellhörigkeit, die ein intensives Studium der Mitbewohner ermöglicht. Erstaunlicher Weise gilt meine Wohnung im Freundes- und Bekanntenkreis dennoch meist nicht als Kleinod. Obwohl ich es bedaure, dass viele meiner Freunde ihren Reiz nicht sofort erkennen, muss ich zugeben, dass meine vier Wände vielleicht ein kleines, ein ganz kleines bisschen nicht den gängigen Vorstellungen einer Traumwohnung entsprechen.  Weiterlesen →

Bus Freunde

Freundschaft bezeichnet ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympatie und Vertrauen auszeichnet. Schreibt Wikipedia, das meistens Recht hat und weiter, dass Freundschaften eine herausragende Bedeutung für Menschen haben. Das Online-Lexikon denkt dabei vermutlich nicht unbedingt an die kurzen, alltäglichen Begegnungen in Bus und Bahn. Das kann es auch nicht, es kennt ja Torben nicht. Etwas, das es sicher bedauern würde, wenn es denn ein Bewusstsein hätte. Weiterlesen →

Naher Abschied

Es ist dumm sein Herz an Gebrauchsgegenstände zu hängen. Weiß man doch, dass sie ein Verfallsdatum haben. Eines haben müssen, da sie ja wie der Name sagt, zum Gebrauch bestimmt sind. Noch dümmer wäre es, sie nicht zu gebrauchen, um ihren Verschleiß zu verhindern. Aufbewahrt in einer Schublade werden sie schnell vergessen und in einem Karton unter dem Bett schaffen es nur die wenigsten Dinge, Freude zu bereiten. Ein gutes, viel zu teures Parfüm kippt irgendwann um und ein herrliches Kleidungsstück gerät aus der Mode oder ändert sich nicht im gleichen Maße, wie es der eigene Körper tut. Gebrauchsgegenstände müssen mit großer Freude benutzt und  verschließen werden. Nur so erfüllen sie ihren Zweck. Besonders gilt dies für geschenkte Gebrauchsgegenstände. Diese müssen unbedingt noch viel intensiver genutzt werden. Weiterlesen →

1. April

Der 1. April und ich, das ist wie Fasching und ich. Beides funktioniert nicht. Die Freude am Fasching ist mir abhanden gekommen, als meine Mutter mich im „Ungarische Prinzessin“ Kostüm in den Kindergarten schickte und mich alle für eine oberbayerische Stallmagd hielten. Der 1. April hat eine Weile Spaß gemacht. Im Alter von drei bis acht konnte ich meinen Vater an diesen Tagen quer durch das Viertel jagen und behaupten, irgendjemand benötigt seine Hilfe. Klappte immer. Zumindest erzählte man mir das als Kind. Heute vermute ich, dass mein Vater in aller Ruhe irgendwo ein Bier trank und später seine Tochter aus lauter Gutmütigkeit zum gelungenen Aprilscherz gratulierte. Später wurde ich kreativer und in manchen Jahren war es ganz lustig. Ich bin schnell zu amüsieren und lache wirklich gerne über meine eigenen Witze. Die anderen meistens nicht. Vorbei war es mit den Aprilscherzen als ich meiner Mutter und meinem damaligen Freund erzählte ich sei schwanger. Damals lebte ich in Italien, hatte mein Studium noch nicht abgeschlossen und war so pleite, dass ich mir sicher war, dass beide erst aus den Wolken und dann, wenn ich das erlösende „April, April“ rufen würde – der eine live, die andere fernmündlich – mir um den Hals fallen würden, . Leider verschätzte ich mich ganz gewaltig. Mein Hals, war für meinen Freund zwar durchaus von Interesse, aber eher um ihn mir umzudrehen. Vor lauter Schreck provozierte er einen Auffahrunfall und mein Lachen trug nicht zur Deeskalation bei. Meine Mutter dagegen war so enttäuscht und traurig, dass ich mir schwor, sie nie wieder in den April zu schicken. Schließlich ist es einer Mama sehr hoch anzurechnen, wenn sie nur den Bruchteil einer Sekunde zögert und dann sofort und ohne Zweifel versichert, dass alles wundervoll werden wird und ich auf sie zählen könnte. Seit dem findet der 1. April ohne mich statt. Weiterlesen →

Nicht nichts

Ich mache heute nichts, sagt er. Selten hat er sich mehr geirrt. Ich beobachte eine Magnolie beim Erwachen. So etwas kann man über mehrere Stunden, ja Tage und Wochen hinweg machen.

Sie entschuldigen mich, ja? Ich mache gerade sehr viel mehr als nichts.

Bunte Fäden

Warum ohne Partner fragen sie mit strafendem Blick und erkundigen sich ob ich es mir nicht zu blöd wird, zwischen all den Paaren alleine am Tisch zu sitzen. Ich frage mich, wie es wohl einer geht, die wirklich niemanden hat und eine so blöde Frage gestellt bekommt. Was soll so eine sagen? Nicken, gehen und sich daheim aufhängen, weil es ihr zwischen all den Paaren zu blöd ist? Ich sage es laut, weil es auch mir schon jetzt zu blöd ist und ernte irritierte Blicke. So war es ja nicht gemeint. Ich sei ja nicht wirklich alleine, aber ich könne schon mal jemanden mitbringen. Jemanden den man kennt und an den man sich erinnert. Sicher bin ich kein Maßstab, aber an keinen der Partner die hier mitgebracht wurden, kann ich mich erinnern. Die erste Scheidungswelle ist durch und fast jeder Grundschulklassenkamerad hat ein gänzlich unbekanntes Gesicht an seiner Seite. Eines das repräsentativ und vorzeigbar ist, weil es nichts blöderes gibt, als alleine auf ein Klassentreffen zu gehen. Ich merke es auch und spiele mit dem Gedanken spontan meinen 22 jährigen Neffen für einen Unkostenbeitrag von 50 Euro für den Abend zu rekrutieren. Weitere Einladungen würden mir dann vermutlich erspart bleiben. Ich spare mir das Geld und ihm die Zeit und konzentriere mich ganz auf das hervorragende Essen, während die Erfolgsgeschichten der verschiedenen Leben über den Tisch geworfen werden. Weiterlesen →