Mitzi aus dem Vorderhaus auf der Auer Dult.

Momentan ist wieder die Auer Dult – ein herrliches Stück München und für mich immer ganz besonders schön, weil sich dort meine Bücher recht wohl fühlen. Kein Wunder – da liegen sie zwischen so feinen Lokalgrößen, dass man – also ich – sich nur freuen kann. Falls Sie keine Gelegenheit für eine Bummel über den Jahrmarkt in der Au haben und trotzdem noch etwas Münchner Lesestoff zum Schmökern und Blättern brauchen – überall im Buchhandel und bei Amazon. 

img_4351

CoverBoD

Einen schönen Tag und liebe Grüße. Kommen Sie gut in den August.

 

Ein Schrank in einer Hütte im Wald (aus dem Archiv 11.11.2015)

Mein Großvater sagte einmal, dass die meisten Menschen zu dumm seien um sich vor den richtigen Dingen zu fürchten. Ihre Furcht sei zu oft unbegründet und fremdgesteuert. Trauen könne man nur der Angst die urplötzlich im Magen zu pochen beginnt und an unsere Instinkte appelliert. Er war kein belesener Mann, mein Großvater. Ihm fehlte die Zeit für Bücher. 1914 geboren gab es in seinem Leben keinen Raum dafür. Krieg, Flucht, Flüchtlingslager und wohl auch die zwei Frauen in seinem Leben die – nicht nacheinander sondern sich überschneidend –  für reichlich Konfliktpotential gesorgt haben. Aber er war ein kluger Mann, der gerne und viel nachdachte. Während meine Großmutter Geschichten erzählte, warf er mir nur  ab und an einen Brocken seiner Gedanken zu. Erklärt hat er sie mir nie. Er starb als ich zwölf und zu jung zum nachfragen war. Dass mich ein paar seiner Gedankenbrocken noch heute zum Nachdenken anregen, würde ich ihm nur allzu gerne sagen. Weiterlesen

Eine Hütte im Wald (aus dem Archiv 10.11.2015)

Wenn ich die Herbstsonne vor meinem Fenster auch um neun Uhr noch aussperre und ein Tag auf dem Sofa eine wenig verlockende Vorstellung ist, dann bin ich krank. Dann mag ich keine Bücher, keinen Radio und keine Ablenkung. Dann will ich nur schlafen. Kann ich es nicht, rolle ich mich wie ein kleines trotziges Kind ein und warte schmollend bis es besser wird. Am besten lässt man mich dann in Ruhe. Krank und nicht zu gleich ungeduldig und missmutig sein, kann ich nur an einem Ort. Einer kleinen Hütte in den Bergen. Auf ganz wundersame Weise dehnt und streckt sich dort die Zeit und lässt innere und äußere Uhren in einem viel gleichmäßigeren und langsameren Rhythmus ticken. Weiterlesen

Lassen Sie es! (Aus dem Archiv. Und von letztem Jahr. Und letztem Monat. Ach…immer aktuell)

Gehen Sie nie in einen Kiehl´s Store! Mehr Text braucht dieser Artikel im Grunde nicht. Lassen Sie es einfach. Sie werden mir dankbar sein. Oder auch nicht, nachdem Sie es doch getan haben und wissen worüber ich spreche. Dann sind wir Leidensgenossen. Sie und ich. Lassen wir das mit der Höflichkeitsform, ich schreibe ja doch mehr als die einleitenden Worte und es hört sowieso niemand auf mich. Am wenigsten ich selbst, spätestens wenn mein Powerful-Strength Line-Reducing Concentrate zur Neige geht. Nehmen Sie sich aber vielleicht wenigstens diesen Tipp zu Herzen: Betreten Sie den Laden nur, wenn er rappelvoll ist und die Verkäuferinnen genervt sind. Greifen Sie so viele Pröbchen wie möglich  ab (Nicht klauen, bitten Sie darum. Sie erhalten als Neukunde reichlich). Klatschen Sie sich zu Hause an einem verregneten Wochenende alles davon – nacheinander versteht sich –  ins Gesicht und genießen Sie das Gefühl sich etwas Gutes zu tun. Bei Versprechen der Kosmetikindustrie versetzt der Glaube schließlich Berge.  Fühlen Sie sich gepflegter, jünger und am besten gleich auch noch geliebter, nur weil Sie sich ein paar sauteure Seren und Cremes auf Wangen und Augen geschmiert haben. Ordern Sie anschließend das, was sich auf der Haut wunderbar anfühlt, online. Vorzugsweise ohne auf den Preis zu schauen oder unter zu Hilfenahme einer fremden Kreditkarte (auch diese vorzugsweise nicht geklaut). Dann geht es vielleicht. Dann können Sie einfach nur genießen. Ich bediene mich immer noch der Höflichkeitsformel. Wahrscheinlich um das penetrante „Du-Gesäusel“ der Kiehls-Damen aus dem Ohr zu bekommen. Weiterlesen

10.000 + 1 Dinge (Aus dem Archiv 19.03.2016)

Ab und zu stellen meine Freunde bei einem Besuch  ihre eigenen Bücher in meine Regale und erhöhen meinen Besitz von etwa 10.000 Dingen um einen weiteren Gegenstand. Meistens sind es alte Bände von jenen Autoren die als Klassiker gelten. Die würde ich doch mögen, sagen sie und zwängen eine weitere Effi Briest an Fontanes Seite. Oft leuchtet mir grell gelb eine Reclam Ausgabe des Schimmelreiters oder Goethes Faust dort entgegen, wo sie nun wirklich nichts zu suchen hat. Sie wurden schnell und heimlich Tolstoi an die Seite gestellt, weil bei den Deutschen längst kein Platz mehr ist. Man schenkt sie mir, weil man glaubt, sie würden zu den vielen anderen Büchern passen die dort bereits stehen. Die schöne neue Welt, könnte ich drei mal in Folge in der Badewanne versenken und hätte dank freigiebiger Spender noch immer eines ohne gewellte Seiten. Selten sind es schöne oder neue Ausgaben. Es sind die alten, vergilbten Pflichtlektüren aus der Schulzeit, die aus meinem Kämmerchen einen Friedhof für besonders ungeliebten Lesestoff machen. Ich bin mir nicht sicher woran es liegt, dass diese Bücher nicht im Altpapier landen. Vielleicht, weil ich zu oft erwähnt habe dass man geschriebene Seiten nicht einfach wegwirft, solange sie noch irgend jemand mit Freude lesen kann. Ich habe es so oft gesagt und ertappte mich nun selbst dabei, das eine oder andere zerfledderte Ding in den Müll zu werfen. Meistens reicht mir ein kurzer Blick im vorbeigehen um eines dieser Bücher zu entdecken. Kenne und besitze ich es bereits, sortiere ich es aus. Ist es mir unbekannt, bleibt es stehen, bis ich in der Stimmung bin, Zeit mit ihm zu verbringen. Weiterlesen

10.000 Dinge I (Aus dem Archiv 25.10.2015)

Sehen Sie mir nach, dass ich im Juli noch ein wenig weiter aus dem Archiv berichte. Der Sommer ist so herrlich und so vollgestopft mit abendlichen Aktivitäten, dass ich mir diesen Monat noch „frei“ nehmen werde. Ein Großteil kennt die Texte der Anfangstage hoffentlich nicht und ein weiterer Teil ist ebenso wie ich mit dem Sommer beschäftigt und kommt nicht zum Lesen. An meiner Seite das Notizbuch für neues…dann wenn die Temperaturen unter 30 Grad fallen und ich nicht mehr abendlich in die Isar springen muss/darf. 

Ich habe gelesen, dass der durchschnittliche Deutsche etwa 10.000 Dinge besitzt. Selbst wenn man jede Gabel und jeden Strumpf einzeln zählt, erscheint mir die Zahl sehr hoch. Angeblich ist es uns schier unmöglich, unseren Besitz zu reduzieren. Obwohl es mir eigentlich egal ist, möchte ich wissen wie viele Dinge ich tatsächlich besitze. Da ich weder Lust noch Muse habe mein Besteck oder meine Unterwäsche einer Inventur zu unterziehen, beginne ich mit dem größten Posten – Bücher. 1.018 Stück (eben gezählt) stehen in den Regalen meiner Wohnung, liegen auf den Tischen oder stapeln sich auf dem Boden. Vier davon sind ungelesen und zwei werde ich auf die Altpapiertonne im Keller legen.  Vielleicht mag sie ein anderer lesen.  Vom Rest will ich mich nicht trennen. Weiterlesen

Vier Minuten Gespräche (aus dem Archiv 01.10.2015)

Wikipedia definiert Routine, als eine Handlung, die durch mehrfaches Wiederholen zur Gewohnheit wird und beschreibt dadurch zutreffend eines meiner morgendlichen, werktäglichen Rituale. Pünktlich um 06:51 Uhr stehe ich am kleinen Kiosk im U-Bahn Untergeschoss und kaufe eine Tageszeitung und ein einzelnes Ferrero Roche. Der Duden definiert wie Routine dagegen als Ausführung einer Tätigkeit, die zur Gewohnheit geworden ist und jedes Engagement vermissen lässt. Wenn ich davon ausgehe, dass das aushändigen meiner Zeitung auch für die drei Kioskmitarbeiter längst zur Routine geworden ist, muss ich dieser Beschreibung widersprechen. Sie zeigen Engagement. Mehr noch – anstelle von Routine, wird mein täglicher Einkauf durch sie zur liebgewonnen Tradition. Weiterlesen

Rekonvaleszenz (Aus dem Archiv 07.08.2015)

Rekonvaleszenz ist ein hübsches Wort. Google und Wikipedia definieren es als eine Periode der Genesung nach Krankheiten, die besondere Schonung, gute Ernährung und Vorsicht wegen der Gefahr von Rückfällen erfordert. Krankheit wiederum wird als Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens beschrieben. Körperlich bin ich robust. Emotional eher anfällig, denn seelisches Gleichgewicht besitze ich leider nicht. Mir geht es entweder sehr gut oder richtig schlecht. Anstelle eines Gleichgewichts habe ich nur ein Gewicht, ähnlich einem Pendel, das mit schöner Regelmäßigkeit in die Randbereiche schwingt. In der Mitte verharrt es selten. Meistens hängt es im grünen Bereich fest, in dem ich schon fast penetrant glücklich und zufrieden bin, bis mich etwas – gerne Banales – aus der Bahn wirft. Dann knallt es mit voller Wucht in die rote Zone und ich in emotionales Grenzgebiet. Meine Mutter und ich zum Beispiel, landen gerne in diesem Bereich. Nie vorsätzlich, immer bedauernd und doch regelmäßig.
Mama bleibt da gerne etwas länger. Ich bemühe mich darum, schnellstens wieder rauszukommen. Mit besonderer Schonung (NICHT bügeln, NICHT putzen, KEINE körperliche Anstrengung in Form von z.B. Anti-Cellulite Training), guter Ernährung (Milka mit ganzen Nüssen) und extremer Vorsicht wegen der Gefahr von Rückfällen (zum Glück hat meine Mama das mit der Rufnummerunter-drückung noch nicht raus). Man könnte sagen, wenn es mir schlecht geht, dann handle ich vernünftig um eine schnelle Besserung herbeizuführen. Meistens. Weiterlesen

Natürliche Konfrontation (Aus dem Archiv 04.09.2015)

Ich töte Tiere. Einfach so. Damit ich meine Ruhe habe. Schlimm? Es wird noch schlimmer. Ich töte sie nicht, um sie zu essen. Ich töte grundlos. Nicht alle Tiere. Bei Schweinen, Rindern und Hühnern kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich nur das esse, was das Schwänzchen oder die Schnauze ausgiebig in die Sonne gestreckt hat. Oder – wenn es weder Schwänzchen, noch Schnauze besitzt – in den Wochen vor seinem Schlachttermin, im Gras scharren konnte. Dank der Landwirtschaft meines Onkels, ist mein Karma-Punktekonto diesbezüglich im grasgrünen Bereich. Dunkel- um nicht zu sagen blutrot wird es bei Tieren, die nicht unter die Gattung der Säugetiere fallen. Obwohl…mit Nacktschnecken und Würmern habe ich auch kein Problem. Eigentlich muss sich nur eine einzige Spezies vor mir fürchten. SPINNEN. Weiterlesen

Sommer-Erdbeer-Moos

Rutsch, sage ich noch, bevor ich mich neben meinen Nachbarn Paul auf den Boden fallen lasse. Weil er nicht schnell genug rutscht, falle ich in das weiche, moosige Gras unseres Innenhofes und lande erst nach einer 180 Grad Drehung auf seiner Decke. Rutsch, wiederholt er fragend und ob wir nun endlich soweit seien uns eine Decke zu teilen. Ich nicke. Ja, heute ist es soweit. Heute hat es 35 Grad und heute ist es ungefährlich sich eine Decke zu teilen. Mehr als atmen und liegen, passiert an solchen hochsommerlichen Tagen nicht. Nicht solang es hell ist. Nicht solang es hell ist, wiederholt er auch diesen Satz und ergänzt ihn mit einem grinsenden Fragezeichen. Matt nur boxe ich ihm in die Rippen und schließe die Augen. Heute ist es selbst mir zu warm. Seit Wochen steigen die Temperaturen und am heutigen Sonntag haben sie ihren Höhepunkt erreicht. Mehr als 35 Grad wird es nicht geben und mehr ist nicht zu ertragen. Ich will Meer, murmle ich und lache leise, als ich kein Meer, aber etwas Mineralwasser im Nacken spüre. Wo sind eigentlich die Nachbarskinder mit ihren Wasserpistolen, wenn man sie braucht? Mit deren Pistolen könnte man auch Frau Kubsch, den Neuzugang im Hinterhaus abschießen. Deren Blick spüre ich im Nacken ohne mich umzudrehen. Auf ihrem Balkon hält sie Wache. Dass sich auch wirklich jeder im Innenhof an die Kleiderordnung hält. Bis vor vier Wochen hatten wir keine. Dank Frau Kubsch jetzt schon. Jetzt ist es verboten sich im Hof auszuziehen. Das machten schon vorher nicht viele, aber ab und an lag eine der Studentinnen im Bikini unter den Kirschbäumen. Die sind jetzt in die Parkanlage umgezogen und das Verhältnis zwischen Paul und Frau Kubsch dauerhaft zerrüttet. Der hatte von seinem Balkon aus nämlich einen ziemlich guten Blick unter die Kirschbäume. Ich vermute, dass er nur deshalb jetzt selbst dort liegt. Zum Glück – für Frau Kubsch und mich – mehr oder wenig bekleidet. Weiterlesen