Etwas weniger Tiefgang

Er fragt mich, ob ich glücklich sei und leckt sich einen Rest Milchschaum aus dem Mundwinkel. So richtig glücklich. Irritiert stelle ich meine leere Tasse ab und sehe, angesichts der gestellten Frage, Stolz in seinen Augen. Eben waren wir noch beim zuletzt gelesenen Buch und plapperten uns ziellos durch den Nachmittag. Jetzt wird es ernst. Weiterlesen →

Achtung, heulende Frau

Es ist ganz still um mich herum. An die Alltagsgeräusche, die aus den anderen Wohnungen und von der Straße bis zu mir klingen, habe ich mich längst so gewöhnt, dass ich sie kaum noch als Geräusche wahrnehme. Es still, aber viel zu laut. Noch in Mantel und Stiefel laufe ich ins Wohnzimmer, knipse im vorbei gehen das Licht an und lasse mich mit Schal und Mütze auf das Sofa fallen. Meine Finger sind noch viel zu kalt um den Stift anständig zu führen und doch schreibe ich sofort los. Es ist still hier auf meinem Sofa und um mich herum. In meinem Kopf ist es nicht still. Er explodiert und etwas brüllt mich an. Etwas, dass ich eben aus dem Lift mit hier rein geschleppt habe und das nicht hier sein sollte. Weiterlesen →

Ich bin ich! Bin ich Ich? Was weiß denn ich!

Mira Lobe schrieb 1972 das Kinderbuch „Das kleine Ich bin ich“. Kennen Sie es? Nein? Das ist schade. Als ich klein war, wuchsen wir mit der Geschichte des kleinen bunten Tierchens auf. Es wollte in keine Gattung so recht passen und fragte sich traurig, wer oder was es denn eigentlich sei. Das Tierchen war glücklich, bis es eines Tages gefragt wurde, wer es denn sei. Weiterlesen →

Walnüsse von Herrn Meier

Seit einiger Zeit liegen in meinem Briefkasten regelmäßig ein paar Walnüsse. Meistens sind es nur zwei oder drei Stück. An guten Tagen auch einmal fünf. Da mein Briefkasten nur noch selten handgeschrieben Briefe oder Postkarten für mich bereit hält, sind diese Nüsse ein großes Glück. Herr Meier steckt sie durch den schmalen Schlitz und lässt sie zu den Rechnungen und den Broschüren meiner Krankenkasse fallen. Weiterlesen →

Lesen Sie das nicht!

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Windspiele an Balkonen in der Stadt aufgehängt werden? Möchte sich der Besitzer am zarten Klang erfreuen oder hat er eine diebische Freude daran, seine Nachbarn mit dem penetranten Geschepper in den Wahnsinn zu treiben? Ich habe mich das gestern Abend gefragt. Da schrieb ich auf der Heimfahrt in der Bahn „das dumme Windspiel, die ungeöffnete Flasche Wein, das bekloppte Eichhörnchen und Herr Meier  von nebenan“ in mein Notizbuch. Weiterlesen →

Kopfstürme

Eine strahlende Sonne passt am besten zu mir, sagt einer meiner Freunde und ich lächle über das schöne Kompliment. Ich lächle bis er mich nicht mehr ansieht und ich nicht mehr lächeln muss. Das erloschene Lächeln juckt  in meinen Mundwinkeln und ich schließe die Augen, weil ich lieber an dein Lächeln als an mein eigenes denken möchte. Es gelingt mir nicht. Vielleicht weil du so selten gelächelt hast. Weiterlesen →

Anna, geh ins Bett! U-Bahn Gedanken

„Ich hab dich lieb. Schlaf gut.“ Er sagt es ganz leise. Ich mag seine Stimme schon bei den ersten Worten. Sehr warm und weich unterstreicht sie die schönen Sätze. Ich habe dich lieb, das sagt man zu Kindern, wenn man sie in der früh verabschiedet. Man sagt es auch zu seinen Eltern, wenn sie ein Alter erreicht haben, in dem sich die Rollen langsam tauschen. Er sagte es zu keinem Kind und sicher nicht zu seiner Mutter. Seine Worte müssen seiner Frau oder Freundin gelten. Sie bedeutet ihm viel. Weiterlesen →

Als wir Robbie Williams in die Wüste schickten

So vieles wird geschrieben. Banales, Kluges, Nützliches und sehr viel Dummes. Fragt man diejenigen, die nur um des Schreibens willen schreiben, wie sie dazu gekommen sind und wann sie damit begonnen haben, erfährt man meist hübsche Anekdoten oder interessante Begebenheiten. Auch ein Blick ins Editorial oder die Rubrik „über mich“ eines Blogs lohnt. Häufig beantwortet er die Frage, wie es begonnen hat. Das Schreiben.
Bei mir nicht. Weiterlesen →