Tante Ellas Yukata

Die Antwort auf meine Frage, wie ich aussehen würde, war ein tiefes Einatmen. Danach Stille. Die Dauer der Stille war der Maßstab für die Unzufriedenheit mit meinem Aussehen. Ballerinas, die ich in allen Farben und Ausprägungen besitze, wurden in der Regel mit einem kurzen Schnauben honoriert. Trug ich im Winter meine nierenwärmenden, ausgewaschenen  Wollstrumpfhosen in Kombination mit einem knielangen Kapuzenpullover ertönte vom Sofa ein schmerzvoll lang gedehnter Atemzug.  Weiterlesen

Brechendes Eis. U-Bahn Gedanken

Ich muss noch klein gewesen sein, als ich den Klang von zerbrechendem Eis das erste Mal gehört habe. Alt genug um alleine mit meinen Freunden auf dem zugefrorenen Weiher Schlittschuh zu laufen und klein genug, um im Blickfeld meiner Mutter bleiben zu müssen. Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, als ich hörte wie das Eis mit einem lauten Knacken einen Sprung bekam. Wir standen an der einzigen tiefen Stelle des kleinen Weihers, dort wo das Eis in der Nähe des Wehres dünn wurde. Es ist nichts passiert an diesem Nachmittag. Die Erinnerung daran ist längst verblasst. Nur das Geräusch brechenden Eises ist mir im Gedächtnis geblieben. Weiterlesen

Die Erotik von Hülsenfrüchten

Wie der Titel erahnen lässt, handelt dieser Text von Hülsenfrüchten. Ich bin Ihnen nicht böse, wenn Sie jetzt aufhören zu lesen. Im Gegenteil, ich verstehe Ihre berechtigte Sorge von Nährwerten und unerwünschten Nebenerscheinungen dieser Gemüsegattung lesen zu müssen. Ich kann Sie aber beruhigen – beides interessiert auch mich nur am Rande. Um Sie ein wenig zu locken, habe ich die Erotik in den Titel einfließen lassen. Dennoch ist es vielleicht ganz gut, wenn diesen Beitrag nicht allzu viele Personen lesen. Er wird nämlich nicht freiwillig, sondern unter Zwang geschrieben. Weiterlesen

Heute nur noch Birken

Die Stille hat mich angeschrien. Ich weiß nicht ob es ich war, die diesen Satz irgendwann gedacht habe, oder ob ich ihn gelesen und mir heimlich zu eigen machte. Es ist nicht wichtig. Dass Stille sehr laut werden kann, ist eine Erfahrung, die nicht nur einer Person gehört. Besonders laut war es an einem Nachmittag im März vor zwei Jahren, als ich fröstelnd in einem Birkenwäldchen stand und auf den breiten Rücken meines Vaters blickte.  Weiterlesen

Pflücken Sie ruhig mal dreiblättrige Kleeblätter

Auf die Frage, ob ich glücklich bin, antworte ich mit einem klaren Ja. Ja, klar! Bin ich! Es ist ja Pflicht geworden, glücklich zu sein. Wer es noch nicht ist, der soll sich gefälligst anstrengen danach zu streben. Bücher mit idiotischen Tipps gibt es schon für wenige Euro an jedem Kiosk zu kaufen. Ich antworte auf die Frage nach dem Glück nickend, weil es mir zu blöd ist, auf eine so dumme Frage ernsthaft einzugehen. Ihnen kann ich es ja sagen. Ich glaube nicht, dass ich glücklich bin. Weiterlesen

ENDE 2015

Ohne Happy End geht’s nicht. Flüstert er leise, während er auf meiner Bettkante sitzt und lächelt. Ich nicke und beobachte, wie der Rauch seiner Zigarette langsam zur Decke aufsteigt. Würde er wirklich auf der Bettkannte neben mir sitzen, hätte ich ihn längst gebeten die Zigarette draußen auf dem Balkon zu rauchen. Menschen die nicht real sind, dürfen auch im Schlafzimmer rauchen. Seltsamerweise riecht der nicht existente Rauch genauso wie der echte. Weiterlesen

Verschonen Sie mich mit Silvester-Vorfreude!

Freuen Sie sich auf den heutigen Silvester-Abend? Sind Sie schon gespannt was er bringen wird?  Laufen Sie aufgeregt und hibbelig durch die Wohnung und überlegen Sie, was Sie anziehen können? Dann laufen Sie mal schön weiter. Ich würde Ihnen die Laune verderben. Bei mir bekommen Sie heute nur ein Glas lauwarmen Weißwein. Nicht später. Später ist er kalt – gerade ist er noch lauwarm, aber ich brauche ihn jetzt. Wenn Sie bleiben, müssen Sie ein Glas davon mit mir trinken. Anders ist die Silvester-Euphorie nicht zu ertragen. Weiterlesen

Danke von Mitzi

Das ist doch eine schöne Gelegenheit, danke zu all jenen zu sagen, die diesen Blog zu dem machen, was er ist. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass mich hier so viele Menschen begleiten. Jeder einzelne von euch ist mir ans Herz gewachsen. Ich genieße die tiefsinnigen, emotionale und auch flapsigen und lustigen Kommentare. Es freut mich, rührt mich und macht mich auch ein wenig stolz, euch zum Lachen oder kurzem Innehalten zu bringe. Genauso schön ist es, eure Texte zu lesen, die tollen Fotos anzusehen und lachend, nachdenkend oder zustimmend nickend vor dem Rechner zu sitzen. Mein kleines Experiment  habe ich lieb gewonnen. Eigentlich sollte es zum Jahresende auslaufen. Ich habe mich dagegen entschieden und bleibe hier, weil ich mir momentan keinen schöneneren Ort zum Schreiben vorstellen kann. Ich habe euch lieb, ihr Lieben. Sagt man viel zu selten 😉 Kommt gut ins neue Jahr! 

 

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 8.600 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 3 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Nicht erinnern

Früher glaubte ich, dass meine Erinnerungen nur mir gehören. Ich alleine könne bestimmen welche Erlebnisse in den Schubladen meines Gedächtnisses aufbewahrt werden und nur ich würde entscheiden, wann darin gewühlt werden darf. Heute weiß ich, dass das Öffnen einer Penatencreme-Dose reicht, um hilflos von Erinnerungen überflutet zu werden. Ich weiß auch, dass man stundenlang ertrinken und dabei weiter atmen kann. Man kann bis ganz auf den Grund der Schublade sinken, sich im Seegras vergessener Gefühle verstricken und erst durch das Klingeln des Telefons wieder auftauchen. Es ist ganz einfach. Und ganz grässlich. Weiterlesen