Taubentod

Man kann doch mal wieder mit der Hand schreiben, schlägt Tikerscherk auf Kreuzberg Süd-Ost vor und bittet um etwas, was zu tun hat mit eigenhändig Hergestelltem oder eigenhändig Erledigtem Es darf auch jemand eigenhändig aus der Wohnung geworfen, durchgeschüttelt oder wiederbelebt werden…. Hauptsache händisch. Ich blieb am „wiederbeleben“ hängen.

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Sämtliche Rechtschreibfehler, die entdeckt werden, dürfen als grammatikalisches Suchspiel betrachtet werden – mein Tipp-Ex reichte nur noch für das scheußliche Firmenlogo.

Es überraschte mich, wie schwer es doch geworden ist, eine Erzählung so kurz zu halten, dass sie auf ein Blatt passt und sie in einem Rutsch durch zu schreiben. Hätte ich am Rechner getippt, wäre etwas ganz anderes daraus geworden. Bis auf den letzten, hätte ich jeden Satz noch einmal umformuliert und etwa 300 Worte hinzu gefügt.

 

Sie ticken doch nicht mehr richtig!

Ich bin die Ruhe selbst. Sie können mir gerne ungefragt Ihre Meinung um die Ohren hauen. Egal wie dumm sie mir erscheint, ich lächle freundlich und denke mir meinen Teil. Sie meinen es ja nur gut, mit Ihrer Meinung. Wenn Ihnen mein freundliches Lächeln nicht reicht, dann erklären Sie mir Ihre Meinung in aller Ausführlichkeit und widerlegen alles, was ich noch gar nicht gesagt habe. Sie rüsten sich für mögliche Erwiderungen meinerseits, indem Sie Beispiele von Frauen anführen, denen es genauso geht wie mir. Natürlich müssen Sie gar nicht erst fragen, wie es mir geht. Weiterlesen →

Zettelwirtschaft in Büchern

Die kleine Karte ist unscheinbar. Kaum größer als ein Post it. Im Laufe der Jahre ist das rosa Papier dünn und grau geworden. Obwohl ich sie seit über zwanzig Jahren nicht mehr in der Hand hatte, erkenne ich sie sofort wieder. Sie liegt jetzt auf dem Boden vor meinen Füßen und ist aus Milan Kunderas Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ gefallen. Sofort schießen mir die Tränen in die Augen, weil es mir unmöglich ist, nicht an Karenin, den sterbenden Hund im Buch, zu denken. Die Erinnerung an Karenin verschwindet schnell, die Tränen bleiben. Wegen der Karte. Weiterlesen →

Tante Ellas Yukata

Die Antwort auf meine Frage, wie ich aussehen würde, war ein tiefes Einatmen. Danach Stille. Die Dauer der Stille war der Maßstab für die Unzufriedenheit mit meinem Aussehen. Ballerinas, die ich in allen Farben und Ausprägungen besitze, wurden in der Regel mit einem kurzen Schnauben honoriert. Trug ich im Winter meine nierenwärmenden, ausgewaschenen  Wollstrumpfhosen in Kombination mit einem knielangen Kapuzenpullover ertönte vom Sofa ein schmerzvoll lang gedehnter Atemzug.  Weiterlesen →

Brechendes Eis. U-Bahn Gedanken

Ich muss noch klein gewesen sein, als ich den Klang von zerbrechendem Eis das erste Mal gehört habe. Alt genug um alleine mit meinen Freunden auf dem zugefrorenen Weiher Schlittschuh zu laufen und klein genug, um im Blickfeld meiner Mutter bleiben zu müssen. Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, als ich hörte wie das Eis mit einem lauten Knacken einen Sprung bekam. Wir standen an der einzigen tiefen Stelle des kleinen Weihers, dort wo das Eis in der Nähe des Wehres dünn wurde. Es ist nichts passiert an diesem Nachmittag. Die Erinnerung daran ist längst verblasst. Nur das Geräusch brechenden Eises ist mir im Gedächtnis geblieben. Weiterlesen →

Die Erotik von Hülsenfrüchten

Wie der Titel erahnen lässt, handelt dieser Text von Hülsenfrüchten. Ich bin Ihnen nicht böse, wenn Sie jetzt aufhören zu lesen. Im Gegenteil, ich verstehe Ihre berechtigte Sorge von Nährwerten und unerwünschten Nebenerscheinungen dieser Gemüsegattung lesen zu müssen. Ich kann Sie aber beruhigen – beides interessiert auch mich nur am Rande. Um Sie ein wenig zu locken, habe ich die Erotik in den Titel einfließen lassen. Dennoch ist es vielleicht ganz gut, wenn diesen Beitrag nicht allzu viele Personen lesen. Er wird nämlich nicht freiwillig, sondern unter Zwang geschrieben. Weiterlesen →

Heute nur noch Birken

Die Stille hat mich angeschrien. Ich weiß nicht ob es ich war, die diesen Satz irgendwann gedacht habe, oder ob ich ihn gelesen und mir heimlich zu eigen machte. Es ist nicht wichtig. Dass Stille sehr laut werden kann, ist eine Erfahrung, die nicht nur einer Person gehört. Besonders laut war es an einem Nachmittag im März vor zwei Jahren, als ich fröstelnd in einem Birkenwäldchen stand und auf den breiten Rücken meines Vaters blickte.  Weiterlesen →

Pflücken Sie ruhig mal dreiblättrige Kleeblätter

Auf die Frage, ob ich glücklich bin, antworte ich mit einem klaren Ja. Ja, klar! Bin ich! Es ist ja Pflicht geworden, glücklich zu sein. Wer es noch nicht ist, der soll sich gefälligst anstrengen danach zu streben. Bücher mit idiotischen Tipps gibt es schon für wenige Euro an jedem Kiosk zu kaufen. Ich antworte auf die Frage nach dem Glück nickend, weil es mir zu blöd ist, auf eine so dumme Frage ernsthaft einzugehen. Ihnen kann ich es ja sagen. Ich glaube nicht, dass ich glücklich bin. Weiterlesen →