Weihnachten ist Weihnachten ist Weihnachten

Weihnachten ist mir heilig. Da bin ich kompromisslos. Es ist mir schnuppe ob sich die ganze Welt über den Konsumrausch oder den fehlenden Schnee echauffiert. Ab dem ersten Advent bin ich in Weihnachtsstimmung. Keinen Tag eher und keinen Tag später. Weihnachten ist mir heilig. Der Wahnsinn drum herum ist mir egal. Von meinem Weihnachten habe ich eine klare Vorstellung. Keine Geschenke – egal. Kein Baum – undenkbar. Weihnachten ist angesichts des Elends der Welt scheinheilig? Ist es. Aber dann soll man nicht lamentieren sondern im Kleinen etwas gegen die Schlechtigkeit tun. Weiterlesen

16 Tage

Heute morgen ist es still bei mir. Kein Radio und keine Musik läuft. Nur ein bisschen Straßenlärm schwappt durch das gekippte Schlafzimmer-fenster. Ich schließe die Augen und rutsche tiefer unter die Decke. Heute ist Samstag und mein zweiwöchiger Urlaub beginnt.  Wenn man das Wochenende mitzählt sind es ganze sechzehn Tage. Natürlich zähle ich das Wochenende dazu. Zwei Wochen Urlaub über Weihnachten, das haben viele. Sechzehn Tage dagegen,  sind schon fast unverschämt lange.  Unter meiner Bettdecke ist es herrlich warm. Nur die Nasenspitze, die an der Luft ist, friert. Das mag ich. Nur warm wäre mir zu langweilig. Um die Wärme zu genießen und zu schätzen, muss ein kleiner Teil – zum Beispiel die Nase – kühl sein. Weiterlesen

Sanft und gelassen brüllend

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch. Da können Sie jeden fragen. Ich bin auch eine ausgesprochen gelassene und in sich ruhende Person. Auch hier können Sie sich gerne erkundigen. Man wird Ihnen bestätigen, dass ich das bin. Im größten Chaos bin ich der Fels in der Brandung. Im Jahresendspurt wissen das vor allem meine Kollegen zu schätzen. Ich sorge für den nötigen Weihnachtsfrieden im Büro. Weiterlesen

Tanz!

Samstag sah ich den Tod. Ein weißes Gerippe unter einem schwarzen, langen Umhang. Die weite Kapuze tief über die knöcherne Stirn des blanken Schädels gezogen, schlich er sich langsam und ohne Eile heran. Er ist ein großer, schlanker Mann. Natürlich ist er schlank. Denn dort wo das Fleisch und das Fett des Körpers fehlen, ist ein jeder dünn. Dass pure Knochen schön sein können, wusste ich nicht. Aber er war schön. Der Tod war ein schöner Mann. Weiterlesen

Etwas weniger Tiefgang

Er fragt mich, ob ich glücklich sei und leckt sich einen Rest Milchschaum aus dem Mundwinkel. So richtig glücklich. Irritiert stelle ich meine leere Tasse ab und sehe, angesichts der gestellten Frage, Stolz in seinen Augen. Eben waren wir noch beim zuletzt gelesenen Buch und plapperten uns ziellos durch den Nachmittag. Jetzt wird es ernst. Weiterlesen

Achtung, heulende Frau

Es ist ganz still um mich herum. An die Alltagsgeräusche, die aus den anderen Wohnungen und von der Straße bis zu mir klingen, habe ich mich längst so gewöhnt, dass ich sie kaum noch als Geräusche wahrnehme. Es still, aber viel zu laut. Noch in Mantel und Stiefel laufe ich ins Wohnzimmer, knipse im vorbei gehen das Licht an und lasse mich mit Schal und Mütze auf das Sofa fallen. Meine Finger sind noch viel zu kalt um den Stift anständig zu führen und doch schreibe ich sofort los. Es ist still hier auf meinem Sofa und um mich herum. In meinem Kopf ist es nicht still. Er explodiert und etwas brüllt mich an. Etwas, dass ich eben aus dem Lift mit hier rein geschleppt habe und das nicht hier sein sollte. Weiterlesen

Ich bin ich! Bin ich Ich? Was weiß denn ich!

Mira Lobe schrieb 1972 das Kinderbuch „Das kleine Ich bin ich“. Kennen Sie es? Nein? Das ist schade. Als ich klein war, wuchsen wir mit der Geschichte des kleinen bunten Tierchens auf. Es wollte in keine Gattung so recht passen und fragte sich traurig, wer oder was es denn eigentlich sei. Das Tierchen war glücklich, bis es eines Tages gefragt wurde, wer es denn sei. Weiterlesen

Walnüsse von Herrn Meier

Seit einiger Zeit liegen in meinem Briefkasten regelmäßig ein paar Walnüsse. Meistens sind es nur zwei oder drei Stück. An guten Tagen auch einmal fünf. Da mein Briefkasten nur noch selten handgeschrieben Briefe oder Postkarten für mich bereit hält, sind diese Nüsse ein großes Glück. Herr Meier steckt sie durch den schmalen Schlitz und lässt sie zu den Rechnungen und den Broschüren meiner Krankenkasse fallen. Weiterlesen

Lesen Sie das nicht!

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Windspiele an Balkonen in der Stadt aufgehängt werden? Möchte sich der Besitzer am zarten Klang erfreuen oder hat er eine diebische Freude daran, seine Nachbarn mit dem penetranten Geschepper in den Wahnsinn zu treiben? Ich habe mich das gestern Abend gefragt. Da schrieb ich auf der Heimfahrt in der Bahn „das dumme Windspiel, die ungeöffnete Flasche Wein, das bekloppte Eichhörnchen und Herr Meier  von nebenan“ in mein Notizbuch. Weiterlesen

Kopfstürme

Eine strahlende Sonne passt am besten zu mir, sagt einer meiner Freunde und ich lächle über das schöne Kompliment. Ich lächle bis er mich nicht mehr ansieht und ich nicht mehr lächeln muss. Das erloschene Lächeln juckt  in meinen Mundwinkeln und ich schließe die Augen, weil ich lieber an dein Lächeln als an mein eigenes denken möchte. Es gelingt mir nicht. Vielleicht weil du so selten gelächelt hast. Weiterlesen