Manipulatives Biest

Dieses kleine manipulative Biest, dachte ich mir heute morgen in der U-Bahn, als eine junge Frau ihren Mann langsam und genüsslich um den Finger winkelte. Sie tat es so spielend und mit einer so hinreißenden Finesse, dass sie nicht nur mich beeindruckte sondern ein ganzes U-Bahn Abteil gebannt an ihren Lippen hing. Eingekuschelt in dicke Mäntel und tief versunken in die Polster der Bahn saßen sie neben einander und unterhielten sich. Die Finger ineinander verschlungen sahen sie sich verliebt an und man hörte sie von der ersten gemeinsamen Wohnung sprechen. Zwischen Marienplatz und Stachus konnte man den Grundriss erfahren und am Hauptbahnhof hatten die heimlichen Zuhörer bereits eine grobe Vorstellung vom Viertel in dem sie liegen musste.

Die Drei-Zimmer-Wohnung, in die das junge Paar Anfang März beziehen würde. -Die Einrichtung von Küche, Wohn- und Schlafzimmer wurden in vollkommener Harmonie geplant und das ältere Ehepaar neben mir war sicher schon genauso gespannt wie ich, was für das dritte Zimmer geplant war. Ich tippte auf ein Kinderzimmer und lag falsch. Es sollte ein Arbeitszimmer werden – für ihn. Die Doktorarbeit stand an und der Raum sollte ganz zu seiner Verfügung stehen. Ihr hatte man dafür das letzte Wort bei der Farb- und Stoffauswahl der anderen Räume überlassen und auch die Küche durfte sie aussuchen. Mehrfach betonte sie mir hinreißendem Augenaufschlag, dass der dritte Raum ihm, nur ihm ganz alleine gehören würde. Eine ältere Dame schmunzelte bereits und ahnte, dass dies auch nur dieser junge, naive Mann glauben konnte. Station für Station wurde ihm der Raum entrissen und er merkte es nicht einmal. Als ich umsteigen musste, war aus dem Raum eine Art begehbarer Kleiderschrank mit Gästebett geworden und als Schreibtisch würde der gusseiserne Nähmaschinentisch der Urgroßmutter dienen. Der junge Mann nickte begeistert. Ein paar Zugeständnisse zu machen, war er bereit. Schließlich bekam er einen Raum für sich. Das sagte zumindest sie, das kleine, bezaubernde Biest, dass ihm auch die letzte Entscheidung abgeschwatzt hatte.  

Auch ältere Frauen sind gut darin ein wenig zu manipulieren. Gestern schwärmte eine vom Schlemmen der Feiertage und erwähnte nebenbei, dass der Nachbar sei so rank und schlank seit er zwei Mal in der Woche schwimmen geht. Ihr Mann besah den eigenen Bauch und ich vermute er überlegte bereits wo die Badehose abgeblieben war. Mann und Frau wissen schon wie sie beim anderen Geschlecht ans Ziel kommen. Häufig mit charmanten kleinen Tricks und manchmal mit weiblicher Taktik, die einem an Verstand der Taktierenden zweifeln lässt. Vor Jahren bekam ich eine CD von Annette Louisan geschenkt. Ein Liedtext darauf lässt mich noch heute schmunzeln.

Ich tat sehr viel Stoff in mein Dekolleté,
pflegte meine Haut und mein Renommee.
Ich hab mich benommen, so als hätte ich Stil,
noch ein Schlückchen Sekt, ach bitte nich so viel.
Ich hab mich bemalt, damit du mich siehst
Ich hab mich geaalt, wie ein kleines biest
Ich war die blonde Elfe mit gesenktem blick,
doch das war nur ein Trick,
damit ich dich krieg‘.

Und jetzt möchte ich, dass du mich liebst
ganz genauso wie ich wirklich bin
und mir all‘ meine albernen Macken vergibst,
meine Fehler, jetzt verdammt,
nimm‘ sie hin.
Annette Louisan – Das große Erwachen

Wunderbar überzeichnet, mit einem kleinen Funken Wahrheit dessen Dummheit und Albernheit einem sehr bewusst ist. Schlimm wird es, wenn Manipulation und das Opfern des eigenen Wesens Mittel zum Zweck werden und Frau sich ernsthaft und dauerhaft zum dummen Weibchen degradiert. Zur Uschi werden, nennt es die Autorin des „Uschi Prinzips“ Meike Rensch-Bergner. Ein Satz des Klappentextes lautet: „Kurz: Keine intelligente Frau würde sich so verhalten, wie eine Uschi es tut.“ Für diese Ehrlichkeit hat Frau Rensch-Bernger einen Sympathiepunkt erhalten. Es ist der einzige. Die Anleitung zur Manipulation des männlichen Geschlechts und das Antrainieren eines hündisch dummen Verhaltens des weiblichen Geschlechts ist so weit von dem intelligenten Text Annette Louisans entfernt, dass ich es Ihnen überlasse den Inhalt des Buches zu googeln. Teile dessen was ich schreiben würde, könnte sie verstören. So wie einen meiner Freunde dem ich vom Tequilla Trick aus dem Uschi Buch berichtete.
Frau stelle sich in eine Bar, bestelle einen Tequilla und sagt zu einem (fremden) Kerl der neben ihr steht etwas in der Art von: „Hach, ich vergesse immer wie das mit dem Tequilla geht…“ Wenn der Mann ihr dann hilfsbereit das Prozedere des auf der angefeuchteten Haut haftenden Salzes erklärt, möge sie ihn von unten mit aufgerissenen Augen ansehen und ein „Lecken?“, hauchen. Mein Freund sah mich lange, sehr lange an und murmelte dann, dass ich ihm gerade Angst machen würde. Ich hatte wohl zu intensiv die Augen aufgerissen und etwas zu inbrünstig „Lecken?“, gehaucht. Um so etwas in einer Bar an einem fremden Mann auszuprobieren, müsste ich besagten Tequilla bereits getrunken haben. Etwa eine Flasche.

Wickeln Sie ruhig um den Finger, meine Damen. Und lassen Sie sich um den Finger wickeln, meine Herren. Es ist Teil des schönen Spiels. Gewickelt und eingewickelt wird abwechselnd. Am Ende gleicht es sich schon aus. Nur Dummstellen und Manipulation zu etwas Legitimen erhöhen, das sollten wir lieber lassen. Sonst hat man am Ende einen Kerl auf dem Sofa sitzen, dem auch die dümmste aller Frauen recht ist oder eine Frau in der Küche stehen, die stolz darauf ist sich ganz toll blöd stellen zu können. Wenigstens wissen beide wie man Tequilla trinkt. Am Ende ist das vielleicht ihre einzige Rettung. Prost.

 

36 Gedanken zu “Manipulatives Biest

  1. Liebe Mitzi,
    mein PC zeigt mir nach dem Einschalten immer irgendein Zitat. Oft muss ich schmunzeln, da diese Zitate häufig zu aktuellen Ereignissen passen. Ganz, ganz weit hergeholt passt das heutige Zitat von Esther Vilar zu Ihrem Blogartikel!


    Frauen, die materieller Vorteile wegen Ehen eingehen und dann zur Absicherung dieser Vorteile auch noch Kinder gebären, sind wie Kriegsschiffe, die sich als Lazarette tarnen, oder wie Soldaten, die die weiße Flagge hissen, bevor sie ihren Gegner in den Rücken schießen.

    Naja, sehr weit hergeholt….oder? 😉

    Gruß Heinrich

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      1. Ja, vielleicht haben sie sich gesucht und gefunden und sind glücklich. Oder zumindest bilden sie es sich sein, undrückt werden kann nicht wirklich glücklich machen, denke ich.
        Für mich wäre es der blanke Horror.

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  2. Ich glaube ja, dass es dem Typen völlig egal war. Im Gegenteil, er hätte sicher viel mehr Stress, wenn er die Wandfarbe oder die Sessel oder dieses oder jenes auswählen müsste.
    Er wird sich sicherlich nicht reinreden lassen, welcher Provider und welcher Computer, welches Smartphone etc. ins Haus kommt bzw. welches Auto vor der Tür steht.
    Kritisch wird’s sicher erst, wenn er nicht mehr mit den Kumpels zum Fußball darf.

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    1. Ich würde noch weiter gehen und fragen, wer hier wen um den Finger wickelt. Vielleicht denkt er sich ja auch: Lass sie nur mal träumen und fantasieren. Darin ist sie Weltmeisterin. Und was will ich am frühen Morgen schon mit ihr streiten. Gib ihr das Gefühl, etwas zu sagen zu haben. Die Tatsachen schaffe ich dann schon selber…

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      1. Auch sehr gut möglich. Ich sehe ja immer nur das, was ein Paar verbal preis gibt. Der Rest ist Interpretation und dein Gedanke ist so wie der von Conma durchaus möglich. Gefällt mir sogar. Sie werden eine Lösung finden und mit etwas Glück in ein paar Jahrzehnten feststellen, dass keine die Hosen an hat und sie wunderbare Kompromisse gefunden haben.

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  3. „Um so etwas in einer Bar an einem fremden Mann auszuprobieren, müsste ich besagten Tequilla bereits getrunken haben. Etwa eine Flasche. “ :))
    Deine Texte bringen einen sowohl zum Nachdenken als auch zum im Kaffeehaus lauthals auflachen! Cool!

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  4. Manchmal lassen sich Männer gern manipulieren, und zwar bei Dingen, die ihnen nicht viel bedeuten, vorausgesetzt, die Frau überlässt ihnen die Entscheidung über das, was ihnen wichtig ist. So kommt Harmonie zustande, wie du weißt, liebe Mitzi. Der Tequilla-Trick würde bei mir nicht gezogen haben, weil mich Frauen, die man in einer Bar aufgabeln kann, nie näher interessiert haben.

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    1. Dein Gesicht, bei einem solchen „Trick“ würde ich zu gerne sehen, lieber Jules. Er ist in meinen Augen an Blödheit kaum zu überbieten. Amüsant es sich vorzustellen, aber wenn man es live erlebt, läuft es einem wohl kalt den Rücken hinunter.

      Gefällt 2 Personen

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