Pause…

Als ich zur Schule ging, waren Ferien noch echte Ferien. Am letzten Schultag wurde der Ranzen in die Ecke geschmissen und der vergessene Apfel erst am Vorabend des ersten Schultags wieder entdeckt. Soweit ich mich erinnern kann, musste ich in all den Jahren nur einmal während der Ferien lernen und das war sicher nicht meine Idee. Noch heute mag ich kurze oder lange Abschnitte in denen ich etwas (auch liebgewonnenes) in die Ecke schmeiße und für einige Zeit liegen lassen. All die Dinge an denen mein Herz wirklich hängt, geraten deswegen nicht in Vergessenheit. Sie schlummern nur ein wenig um dann mit großer Freude neu begonnen zu werden.
So werde ich es auch mit dem Blog machen. Heute und morgen noch ein paar E-Mails beantworten, die letzten Kommentare lesen und beantworten und ihn dann für ein paar Wochen ruhen lassen. Die letzten 18 Monate war er täglich präsent und ein fester Bestandteil meines Alltags. Im Februar wird mich mein Alltag kurzzeitig außer Gefecht setzen und ich mich ungewollt auf andere Dinge konzentrieren müssen. Es wäre sicher möglich trotzdem weiter zu schreiben und die Seite hier mit Leben zu füllen. Es gibt so vieles zu erzählen. Ich werde es nicht machen und mir eine Pause gönnen. Teils weil ich muss und teils weil ich die unfreiwillige Pause etwas verlängere und die Zeit davor und danach als Ferien vom Geschichten erzählen nutzen werde. Schon lange möchte ich wieder eine längere Erzählung schreiben und fange nicht an, weil ich Kurze und Lange zu gleich zeitlich nicht schaffe. Ich werde sie auch in den nächsten Wochen nicht schreiben, aber ich kann darüber nachdenken. Der Gedanke über eine Erzählung nachzudenken ohne sie gleich zu schreiben gefällt mir.

Spätestens Anfang März komme ich zurück. Dann sind Sie doch noch hier, ja? Bis dahin schleppe ich mein Notizbuch an Orte die mir fremd sind. Ich habe mir sagen lassen, dass man dort die erstaunlichsten Dinge erlebt. Sie schleppe ich auch mit. Lesen ist in allen Lebenslagen eine große Freude und die bereiten Sie mir seit über eineinhalb Jahren. Ich treffe Sie sicher – bis März, nur nicht hier.

Ihnen allen eine gute Zeit und herzliche Grüße
Ihre Mitzi

Bei leisem Schnurren gibt es nur eine richtige Antwort

Meine Nachbarin Judith kann Paul nicht ausstehen. Das weiß ich, weil sie es mir gesagt hat. Das ist kein großes Unglück, denn mein Nachbar Paul kann mit Judith auch recht wenig anfangen. Das wiederum weiß ich, weil er wenn sie am Lift steht, grundsätzlich die Treppen benutzt nur um nicht mit ihr sprechen zu müssen. Bei jeder Treppenbenutzung Pauls steigt Judiths Abneigung. Aktuell befindet sie sich auf dem Level eines missbilligen Schnaufens, wenn er an ihr vorbei läuft. Mitte des Jahres wird sie ihr Schnaufen durch ein Schnalzen der Zunge ersetzten. Dann fehlt nicht mehr viel und nächstes Jahr läuft Paul Gefahr, dass sie ihm im Vorbei gehen ein Bein stellt. Judith ist nachtragend. Seit sie mit Paul vor zwei Jahren anlässlich unseres Hinterhof Flohmarktes einen Kaffee getrunken hat und er sie fragte wann das Kleine den kommen würde, spricht sie nicht mehr mit ihm. Das Kleine war zu diesem Zeitpunkt bereits vier Monate alt und lag schlafend im Kinderwagen neben ihr. Weiterlesen

Zwei so gleich

Silvester feierten wir nie gemeinsam. Seltsam. Wir trafen uns immer erst in den frühen Morgenstunden. Wenn wir uns trafen, war das alte Jahr bereits vorbei und das neue hatte noch nicht wirklich begonnen. Um vier Uhr morgens ist der erste Januar noch aus der Zeit gefallen. Das alte Jahr ist vorbei und das neue hat noch nicht begonnen. Wenn wir uns trafen, steckten uns die letzten Stunden in den Knochen. Meine Schuhe flogen in die Ecke und ich auf das Sofa zwischen Euch. Es gibt nichts schöneres als das Gefühl, sehr hohe Schuhe nach sehr vielen Stunden abzustreifen. Noch schöner ist es, sie mit Schwung in die Ecke zu werfen und am aller schönsten ist es, zwischen zwei Menschen zum liegen zu kommen, denen die letzten Stunden genauso in den Knochen steckten. Sie wundern sich nicht, dass man grundlos lacht und sie fragen nicht wo Handschuhe und Schal geblieben sind. Der eine schmückt eine Straßenlaterne, die anderen liegen zum Trocknen auf dem Sitz eines Taxis. Ich habe mich von ihnen auf dem Weg zu euch verabschiedet. Sie richten Grüße aus, die ihr artig erwidert. Um vier Uhr morgens am ersten Januar wundert man sich über wenig. Am wenigsten über die Tatsache, dass ich euch  das erste Mal nur schlecht auseinander halten kann. Der Crémant ist unschuldig. Wer kann schon eineiige Zwillinge um vier Uhr morgens an Neujahr auseinander halten. Weiterlesen

Zwei so ähnlich

Ein Zwillingspaar sitzt mir im Bus gegenüber. Drei Jahre sagt die Mutter zu einer anderen und viele sehen sie an, weil es faszinierend ist, wie sehr sie sich ähneln und weil es hübsche Kinder sind. Hübsche Kinder wart ihr sicher auch, denke ich und sehe dich verschwommen hinter dem Pärchen mit den Schultern zucken und dann nicken. Wie Hanni und Nanni höre ich dich lachend flüstern und steige aus, bevor man sich über mein Lachen wundert. Wie Hanni und Nanni, war das erste das ich sagte, als ich deinen Bruder das erste Mal sah und mit das dämlichste, was man zu zwei erwachsenen Männern über dreißig sagen kann. Auch dämlich, weil ihr für mich von Anfang an nicht gleich ausgesehen habt. In einen von Euch hatte ich mich bereits Hals über Kopf verliebt, als ich den anderen kennen lernte. Ähnlich, ja. Aber gleich niemals. Nie habe ich euch verwechselt. Zu unterschiedlich waren Gestik und Mimik. Vielleicht auch sehr ähnlich, aber von einem der beiden Augenpaare kannte ich bereits jede Schattierung der Iris und zwei der Hände hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon viele Stunden in den meinen gehalten. Ich kannte von einem die kleinen Muttermale und den leichten Knubbel am Schlüsselbein, das einmal gebrochen war. Alle Emotionen hatte ich in diesem Gesicht genau studiert und nur einer von beiden sah mich so an, dass mir Luft weg blieb. Anfangs auch, wenn er nur um die Butter am Frühstückstisch bat. Weiterlesen

Besuchen´S doch mal das Literaturhaus. Dort finden Sie Sätze, wo Sie sie nicht vermuten.

Nie hätte die Überschrift der Gefundenen Sätze besser gepasst als zu den heutigen Fundstücken. Lese ich ein Buch, rechne ich damit den einen oder anderen schönen, unschönen oder interessanten Satz zu finden und halten die Augen offen. Obige Perlen überraschten mich. Diese Sätze habe ich nämlich  gefunden ohne sie überhaupt gesucht zu haben.

„Friß nur!
Mensch, friß und sauf!
Wir hängen sowieso schon halb am Galgen!“

Obig las ich nachdem ich die letzten Saucenreste der weltbesten Pasta aus dem Suppenteller in der Wohnung des besten meiner Freunde auskratzte. Weiterlesen

400…Euro Job? Ne, viel besser!

Eigentlich wollte ich heute ein paar besonders schöne Sätze von Oskar Maria Graf mit Ihnen teilen. Ich fand Sie unter einem Teller Pasta und in einer Tasse Cappuccino. Davon erzähle ich Ihnen morgen. Heute stolperte ich über einen anderen Satz. Ich fand ihn auf meiner Seite, die ich selten außerhalb des Admin-Bereichs aufrufe. Umso schöner, dass ich es heute tat und folgenden Satz darauf las: Es ist ein schmaler Grad zwischen peinlichem „Guck mal“ und unverfälschter Freude. Ich hoffe Sie nehmen mir letzteres ab. Womöglich sind 400 auch gar nicht so viele Abonnenten. Für mich ist es eine unglaublich große Anzahl, die mich sehr, sehr glücklich macht. Deshalb nutze ich die runde Zahl um mich bei Ihnen für das Lesen, das Kommentieren, das zur Kenntnis nehmen und das Begleiten zu bedanken.

Danke!!!

Blöde Kuh, denkt Paul

Er geht nicht, sagt Paul und deutet mit einer Kopfbewegung in Richtung des Lifts. Er ging gestern schon nicht, informiere ich ihn und sortiere die Werbung aus meinem Briefkasten. Das Sortieren dauert ein wenig, da mir immer besonders viel Werbung geliefert wird, seit ich einen Aufkleber angebracht habe, der darum bittet auf den Einwurf dieses Blödsinns zu verzichten. Ich klappe jedes einzelne Faltblatt auf. Es könnte ja sein, dass sich eine Karte oder ein Brief dazwischen geschmuggelt hat. Als ich fertig bin, steht Paul noch immer vor dem Lift und starrt auf die geschlossene Tür. Ich kann nur vermute, dass es sich bei diesem sturen Stehenbleiben um eine Art Armmuskel Training handelt, da er vor seinem nicht vorhandenen Bauch einen Kasten verschiedener Säfte festhält. KirschMango ist mir zu süß, informiere ich ihn und bleibe aus Solidarität ein wenig neben ihm stehen. Die Flasche sei ja auch nicht für mich, lässt er mich wissen und wir starren wie zwei Großstadtkälber auf die  Türen unseres Aufzugs. Weiterlesen

Kloß-Tag

Aufwachen mit einem Kloß im Hals. Vollmond, Neumond, PMS, Weltschmerz oder einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden. Auch solche Tage müssen durchlebt werden, weil es an Alternativen fehlt. Lästig sind solche Tage. Stets nur eine Haaresbreite vom Losheulen entfernt und sich bloß nichts fragen lassen. An Kloß-Tagen geht man anderen besser aus dem Weg. Sie sind selten, aber wenn sie da sind, dann kann ich nicht schlucken und muss mir die Decke über den Kopf ziehen. Wenn das nicht geht, wird es schwierig und ich bin untragbar. Für mein männliches Umfeld. Frauen scheinen sich mit Klößen auch jenseits der Küche besser auszukennen. Ein Buchhalter mit dem ich einmal zusammen arbeitete, ist nie darüber hinweggekommen. Über meinen Kloß-Tag. Weiterlesen