Zerschlagen und gekittet

Ein Hammer liegt auf meinem Tisch. Er passt nicht recht zwischen die Weingläser, Kaffeetassen und den Resten des Stollens, den wir zum Frühstück gegessen haben. Und doch passt er besser zu diesem Weihnachten als alle Christbaumkugeln, Geschenke und Weihnachtsbäume zusammen. Ich bin gleich da, schrieb ich dem Mann der in der gleichen Straße wie ich aufwuchs und zerschlug damit die Weihnachtsleere in meiner Wohnung. Ich wollte es nicht, aber der Hammer muss den ganzen Tag schon auf dem Tisch gelegen haben ohne das ich ihn bemerkt. Bratenduft in der Wohnung und eine leise Stimme die versicherte, das alles gut werden würde. Wie lächerlich, wenn sie von einem kommt, der wissen sollte, dass manchmal nichts wieder gut wird. Und wie unverschämt, wenn einer nickt, der Experte darin ist, das Grauen zu duplizieren. Es ist erstaunlich mit welcher Kraft man Stille und Leere zerschlagen kann, wenn man nur wütend genug ist. Der, der so oft auf meiner Bettkante sitzt und wortlos mit mir spricht ist klug genug den Mund zu halten. Der andere flüstert noch leise, dass es wieder wird und sieht erst im letzten Moment, dass ich wütend genug bin ihre flüchtigen Reste mit einer einzigen Handbewegung zu zerschmettern. Er verschwindet bevor ich ihn anschreien kann und ich fühle mich betrogen, weil ich brüllen und schreien möchte. Weiterlesen

Eben noch

Gerade eben noch, war das Innere des Autos vollgestopft mit Lachen und mit Worten. Nichts von dem was mir erzählt wurde, war belanglos. Nur angenehm schwerelos und fröhlich. Eben noch saßen sie neben mir und wir lachten über den dichten Nebel der über den Feldern lag. Gerade noch, gestanden wir uns, dass die Straße durch den Wald heute wirklich unheimlich ist und der Gedanke an einen Motorschaden Gänsehaut hervorruft. Wäre man alleine. Weiterlesen

Eine goldene Glocke und ein Esel

In meinem Keller steht ein Karton, der mir wichtiger und wertvoller ist als die meisten meiner Besitztümer. Obwohl er groß ist, wirkt er auf den ersten Blick unscheinbar und niemand weiß, dass er so kostbares beinhaltet. Die schönsten Dinge werden ja oft in unscheinbaren Behältnissen aufbewahrt. Früher war er weiß. Heute ist er grau und die Ecken des festen Kartons sind abgewetzt und der Deckel schließt nicht mehr richtig. Er muss nicht schön sein. Er steht ja das ganze Jahr im Keller. Solange er den Inhalt fest umschließt und die Schnüre, die als Griffe dienen, noch halten, ist es mir gleichgültig wie er aussieht. In ein paar Jahren werde ich ihn austauschen. Noch aber darf er bleiben, weil ich an ihm hänge und es mag zu wissen, dass dieser Karton an jedem Ort an dem ich lebte im Keller stand. Weiterlesen

Geschenkt – U-Bahn Gedanken

Können Sie sich noch an Anna erinnern? Anna, die ich nie gesehen habe, deren Freund aber regelmäßig mit mir in der S-Bahn fährt. Die Anna, zu der vor einigen Monaten der Satz „Ich dich nicht“ gesagt wurde? Es geht ihr gut. Anna. Zumindest glaube ich, dass es ihr gut geht. Das Rauschen ihrer Stimme klingt fröhlich. Ich verstehe nicht was sie sagt, weil ich neben ihrem Freund sitze und ihre Worte durch sein Handy nicht zu erkennen sind. Aber ich höre, das die Wellen des gesagten fröhlich klingen. Es freut mich, denn ich sorgte mich um sie. Ob das „ich dich nicht“ das Gegenstück zu einem „ich dich auch“ war, werde ich nicht erfahren und möchte lieber nicht spekulieren. Lieber freue ich mich über Annas aufgeregte Stimme. Weiterlesen

Der letzte Erste

Ich mag Dinge die zusammen gehören. Anfang und Ende zum Beispiel. Oder das Erste und das Letzte. Die erste und letzte Seite eines Buches oder die erste und letzte Praline aus einer Schachtel. Das was dazwischen liegt kann durchaus genussvolle Freude sein, aber nie Premiere oder Abschluss. Besonders gerne mag ich den ersten Christbaum des Jahres. Den ersten echten Baum. Nicht die Dekoration in den Schaufenstern. Der erste Baum steht plötzlich an einer Kreuzung, bei einem Nachbarn auf dem Balkon oder wie heute vor dem Eingang zu meiner Firma. Mit meiner Freude über diesen ersten Christbaum habe ich meine Kollegen heute in den Wahnsinn getrieben. Weiterlesen

Frau Grüners Knie und ein Glasengel

Die Ludmillastraße in München kennen Sie sicher nicht. Vielleicht waren Sie einmal in der Nähe, in den Isarauen oder sind auf dem Weg zum Tierpark an ihr vorbei gefahren. Eingebogen in sind Sie in die kleine Straße aber sicher nicht. Es gibt nicht viel in dieser Straße. In die Ludmillastraße geht und ging man nur, wenn man dort wohnte oder jemanden besuchen wollten. Mich zum Beispiel. Dann bog man ein und klingelte am ersten Haus an der Nummer 13 rechts bei Irsaj. Wenn es draußen kühler und die Tage kürzer wurden, dann konnte es aber sein, dass ich gar nicht Zuhause sondern im Schreibwarenladen gegenüber war. Weiterlesen

Misstrauen Sie Wikipedia (und mir…denn dieser Text hat eigentlich nichts mit Wikipedia zu tun)

Halleluja, endlich Juni! Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin! Der Mai steckt mir noch in den Knochen und ich bin noch etwas wacklig auf den Beinen. Aber es geht aufwärts. 01.06.2016 – sagt der Kalender und  erfahrungsgemäß habe ich jetzt für 11 Monate meine Ruhe. Sie sehen schon, ich habe es nicht so mit dem Mai. Frühling hin oder her, blaues Band, Fliederbusch-Duftattacken – alles schön und gut, aber als Gesamtpacket mag ich den Mai nicht. Mehr noch, er ist mir zutiefst zuwider. Statistisch gesehen passieren gut drei Viertel aller Dramen in meinem Leben im Mai. Weiterlesen