Randnotiz – Home Office

So, jetzt ist es soweit. Ich bin, wie meine Kollegen, bis auf weiters im Home office. Gestern Abend ruckelte es gewaltig in Bayern. Wahlen vorbei und es ging los. Die Nachrichten müssen wir alle noch etwas verdauen, aber das Vorderhaus beginnt sich einzurichten.

Dank des traumhaften Wetters weiß ich, dass auch meine Nachbarn von zu Hause aus arbeiten. Oben klappert eine Tastatur, unter mir wird telefoniert und neben mir mit dem Handy am Ohr gewunken. Und weil wir nicht ändern können, was nicht zu ändern ist, machen wir alle – die Balkone haben Abstand – gemeinsam um 13:00 Uhr Mittagspause. Jeder auf seinem Balkon, aber keiner alleine. Gefällt mir. So ist es gleich ein wenig weniger gruselig. Nur Frau Obst schimpft, weil wir uns über die Brüstung brüllend verabredet haben. Sie wird aber wohl auch auf ihrem Balkon sitzen, damit sie nichts verpasst.

 

Es war toll!

Ernsthaft? Ok.

Also, Sie von Amazon können nichts dafür, aber wenn ich ehrlich bin, dann fand ich es nicht so toll. Mir fehlte bei dieser Zustellung das gewisse Etwas. Einwurf im Briefkasten…das ist einfach nichts besonders. Da sagt man beim Öffnen der Klappe nicht: „Ui ja, das war toll!“. Sie fragen ja nach der Zustellung und nicht dem Inhalt. Schlüssel rein, drehen, Klappe zu, Schlüssel raus und fertig. Daumen hoch, meinetwegen, aber wenn etwas toll sein soll, dann erwarte ich mir mehr.

Ich drück auch nicht den Daumen runter, so schlimm war es auch nicht. Es war ok. Ich finde keinen Punkt, den ich nicht gut gefunden habe. Und weil weder das eine noch das andere passt, schreib ich Ihnen. Damit Sie künftig vielleicht den Text ein bisschen ändern.

Wenn Sie aus der Zustellung ein Event machen wollen, dann suchen Sie entsprechendes Personal. Der hier, der war richtig gut. Ok, ist nicht Amazon, sondern DHL, aber der Mann hat es verstanden eine Zustellung zum Event zu machen. Mittlerweile spricht er nicht mehr mit mir und wirft mir Paket aus zwei Meter Entfernung vor die Tür, aber es gab eine Zeit, da hatten wir unseren Spaß. Er hörte auf, als er sich mit mir – via Abholkarte – zum Essen verabreden wollte, aber bis zu diesem Zeitpunkt war es echt nett. Daumen hoch. 

Nachdem ich gerade etwas nachdenken konnte, gebe ich Ihnen, Amazon, doch einen Daumen nach oben für die Zustellung. Ich muss Ihnen zu gute halten, dass sie überhaupt etwas zugestellt haben. Selbstverständlich ist das nicht. Nicht für mich, die ich regelmäßig Pakate nach Italien schicke. Bzw. es versuche. Wenn da was ankommt, dann drücken die bestimmt alle sofort auf „Es war toll“. Kommt ja nicht so oft vor. Also Rechnungen schon. Da hab ich noch nie Beschwerden meiner Freunde gehört. Aber Päckchen – puh, das ist reine Glückssache. Da traut sich selbst ein Optimist wie ich nicht mehr ran. Ende November habe ich es wider besseren wissen versucht. Zwei Flaschen meines liebsten Weines, den es in Italien nicht zu kaufen gibt. Eine Flasche – im Hinterhof einer kleinen Giesinger Fabrik hergestellten, Ingwerlikör und eine Flasche super special Weißbier. Dazu nur selten käuflichen Apfelsstollen, selbstgemachte Anisplätzchen, ein Buch und noch ein paar andere Dinge. Ein Dankeschön für meine Freunde, die mich und meine Freundin am Meer in Italien verwöhnten. Gut es ist saublöd ein so schweres Paket zu verschicken, wenn man das Porto bedenkt. Noch blöder aber ist es, etwas das selbst durch die Verpackung gut riecht mit der Post nach Italien zu schicken. Es kam nie an. Ein Zettel zur Abholung schon, aber als mein Freund den fand (war nicht im Briefkasten) war das Paket schon wieder zurück geschickt worden. Sagen sie. Ich vermute es wurde gegessen und getrunken. 

Daher – Daumen hoch. Es war toll, die Zustellung via meines Briefkastens.

 

 

18.04.2020 – Abgesagt

„Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische“, sagt Karl Valentin. 

Ein schönes Thema über das ich gerne am 18. April 2020 im Geburtshaus dieses großartigen Künstlers gelesen hätte. Aufgrund der aktuellen Situation und besonders weil die Lesungen im Valentinhaus vor oft älterem Publikum stattfinden, hat das Theater Südsehen die Termine für das Frühjahr jetzt aber abgesagt. Eine, wie ich meine, richtige Entscheidung. 

Wir sehen uns wenn der Spuk vorüber ist. Dafür lesen wir uns mehr – Sie mich hier und ich Sie auf allen anderen Kanälen. 

Nicht panisch, aber auch nicht gedankenlos werden wir das überstehen. Über die weiteren Termine ab Mai halte ich Sie auf dem Laufenden. 

Herzliche Grüße
Mitzi

 

…..ganz bald!

Reiß dich zusammen, sagt das Kind

Das Kind aus der Verwandtschaft, das längst kein Kind mehr ist erkundigt sich ob es Dienstag Nacht bei mir übernachten kann. Ich wohne so schön zentral, da bietet sich das – für das Kind – an. Da ich die 40 überschritten habe und meinen Schlaf brauche, passt es mir unter der Woche überhaupt nicht, weil man ja nicht weiß wann das Kind, das kein Kind mehr ist in die Wohnung torkelt und die Klingel benutzt weil die Suche nach dem Schlüssel in den Tiefen des Rucksacks zu anstrengend ist. Nein unter der Woche bitte nicht, da bin ich mittlerweile raus. Weiterlesen →

Gleisbett Versprechen

Aus Sturheit optimistisch, steht in meiner Selbstbeschreibung und ich schnaube verächtlich, weil Optimismus zu diesem Tag nicht passen will. Dabei wäre er gerade an diesem Freitag durchaus angebracht gewesen. Pessimistisch gestimmt hätte es keinen Sinn gemacht dreißig, selbst verfasste Bücher in einen Rucksack zu packen – wer soll sie kaufen? Und in pessimistischer Laune hätte ich den Schirm gleich zu Hause lassen können, weil der Wind ihn eh sinnlos macht und man sich mit dem Gedanken klatschnass zu werden, besser beizeiten anfreundet. Grantig, sei ich, schrieb ich dem mutigsten meiner Freunde und weil er mich kennt ignoriert er es und wünscht mir statt dessen einen schönen Tag und eine tolle Lesung. Es beschämt mich, weil grantig zu sein kindisch ist, wenn man doch eigentlich auf dem Weg zu etwas schönem ist. Ich bin nicht mehr grantig, schreib ich ihm und beschließe es auch nicht mehr zu sein. Das geht. Probieren Sie es. Beschließen Sie einfach Ihre Laune zu ändern und zwingen Sie sich zu behaupten gut gelaunt zu sein. Wenn man es drei bis fünf Mal gesagt oder geschrieben hat, dann ist man es – ein bisschen. Und das reicht meist. Ein bisschen gut gelaunt steige ich in den Zug und beschließe nur noch das Schöne zu sehen.  Weiterlesen →

Nachgerechnet

Das erwachsene menschliche Herz schlägt pro Minute etwa 66 Mal. Wenn es aufgeregt oder verliebt ist auch öfter. Deines vielleicht, sagt er und schafft es, mir eine Minute lang in die Augen zu sehen, ohne dass sich sein Puls erhöht. Mir gelingt es nicht. Nach 30 Sekunden bekomme ich Herzklopfen und weiche seinem Blick aus, weil ein aufgeregtes Herz nicht zu stoischer Gelassenheit passt. Noch immer, wundert er sich und streicht mit dem Daumen über die Innenseite meines Handgelenks. Nur wegen des ausgesprochen hübschen kleinen dunkelbraunen Fleck im Grün des linken Auges, erkläre ich und ziehe meine Hand zurück. Ein Herz schlägt durchschnittlich 4.000 Mal pro Stunde, meines in Stunden mit ihm vermutlich deutlich mehr. Später frage ich ihn, ob das auf Dauer gesundheitsschädlich ist und er schüttelt stumm den Kopf. Ein Herz schlägt gut und gerne 2,6 Milliarden Mal im Leben, ein paar hunderttausende Schläge mehr, würde es problemlos verkraften. Wieder liegt sein Finger an der Innenseite meines Handgelenks an meinem Puls und er lacht. Es ist dunkel und den hübschen kleinen dunkelbraunen Fleck in seinem Auge kann ich nicht sehen. Es muss an seinem Aftershave liegen, behaupte ich und wir lachen. Wir lachen, bis er mich in seine Arme zieht und meine Wange auf seiner Brust liegt. Ich mag sie, die Brust. Mag es, dass mich ein Haar an der Nase kitzelt und mag es, dass seine Haut dort unter dem braunen Flaum so warm wie ein Kachelofen ist und mag es besonders, dass sie leicht nach trockenem Holz riecht. Wahrscheinlich riecht sie anders. Nach Boss, Armani oder Paco Rabanne. Vielleicht auch nach billigem Duschgel, aber sicher nicht nach dem, das ich jetzt glaube zu riechen. Ich sag ihm, dass er nach altem, trockenem Holz riecht und spüre seine Hand in meinem Nacken, die mich kneift, weil es nach einem zweifelhaften Kompliment klingt. Ich mag altes Holz sage ich und rutsche ein Stück nach oben, um der unrasierten Wange einen Kuss zu geben und um das Herz in der Brust nicht klopfen zu hören. Altes Holz, murmelt er und schiebt mich wieder nach unten, weil „auf Augenhöhe“ geistig unabdingbar, bei unserem Größenunterschied, physisch aber unbequem ist. Weiterlesen →

Balz

Seit ein paar Tagen sitzt meine Freundin Nele auf meinem Sofa. Das ist schön, aber auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, da wir derzeit meist zu dritt darauf sitzen und sie sich den Platz zwischen mir und dem Mann an meiner Seite reserviert hat. Es ist ok, dass es derzeit der Mann an ihrer und nicht meiner Seite ist, und er und ich an den nicht von ihr besetzten Flanken eine noch winterkalte Wand zum anlehnen haben. Nele ist kälter als uns und ein bisschen Wärme kann sie gut gebrauchen. Ihr Winter war hart und ich habe ihr versprochen, dass sie sich bis zum Frühling, ein wenig bei mir aufwärmen kann. Neles Winter beinhaltete eine zwischenmenschliche Eiszeit. Eine solch frostige Klimaperiode führt ab und an dazu, dass ein Paar, den Frühling nicht mehr gemeinsam erlebt. Oft ist ein Teil des früheren Paares erleichtert und der andere erst einmal in Schockstarre. Tiefgefroren sozusagen. Nele taut langsam auf. Oder, wie eine andere Freundin gestern Abend meinte, sie erreicht langsam wieder ihre Betriebstemperatur. Wenn dem so ist, dann müssen wir dringend über die Platzverteilung auf meinem Sofa sprechen. Weiterlesen →

Deaktiviertes Sprachzentrum

So bequem habe ich es sonst nicht, sage ich und lasse mich genüsslich seufzend auf den dicken Teppich fallen. Im Schneidersitz am Boden lümmelnd eine Lesung zu halten, durfte ich bis jetzt noch nie. Um ehrlich zu sein, vielleicht hätte man mich gelassen, aber es wäre mir selbst ein wenig komisch vorgekommen, zwischen Stühlen so weit unten zu sitzen. Gestern nicht, gestern passte es und der Teppich war wirklich ausgesprochen schön, warm und weich. Ich mochte es. Außerdem hatten alle frische Socken an. Auch das ist mir normalerweise egal, wenn ich lese, weil die Zuhörer ihre Schuhe bisher immer angelassen haben. Zwei gestern nicht. Zwei saßen dicht bei mir und legten die Füße auf einen Hocker. Ein ausgesprochen gemütliches Ambiente. Gut, man kann darüber diskutieren ob es einem aus dem Takt bringt, wenn die sich kurz necken, wer seine Füße wo auf dem Hocker platziert, aber das war mir eigentlich egal. Dass einer der Füße im Glas Wasser der Autorin landete, war grenzwertig, aber das hab ich vergessen und weil die Socken frisch zu sein schienen, hat es mir auch nicht geschadet. Zielsicher habe ich mir den am weitesten von einer Lampe entfernten Platz gesucht – aber wie ich schon sagte, ich hatte den gemütlichsten überhaupt und konnte all die lieben Gesichter sehen und das war mir am allerwichtigsten.  Weiterlesen →

Wände und Schmetterlinge

An den Valentinstag dachte ich gestern erst, als vor mir ein etwa dreizehn Jahre altes Pärchen Händchenhaltend in der S-Bahn saß. Sie waren mir schon beim Einsteigen aufgefallen, weil es schön war diese zwei jungen Menschen zu beobachten. Selbst ihre Rücken, als ich hinter ihnen die Treppe zum Bahnsteig nach oben ging, strahlten eine Verliebtheit aus, die sich von den Zehen bis weit über die Ohren über sie legte. So eine erste Liebe ist besonders schön und Teenagerhände die sich halten wecken Erinnerungen an besonders heftiges, weil noch unbekanntes und wenig vertrautes Herzklopfen.  Weiterlesen →