„Schatten!“, brüllt Frau Obst neben mir und ich zucke zusammen. Die letzten halbe Stunde hat sie nicht ein einziges Wort gesagt und ich fragte mich bereits ob ihre halb geschlossenen Augen womöglich auf einen Kreislaufkollaps zurück zu führen sind. Gewundert hätte es mich nicht. 33 Grad bereits am Vormittag und absolute Windstille. München erlebt gerade die ersten heißesten Tage des Jahres und meine Nachbarin Frau Obst ist nicht mehr die Jüngste. Unser Haus hat sich in den letzten Tagen in einen Glutofen verwandelt und besorgt um meine Nachbarin habe ich ihr vorgeschlagen sich mit mir ein wenig in den noch kühlen Laubengang zu setzten. Unter uns…ich habe nicht damit gerechnet, dass sie wirklich kommt. Aber jetzt ist sie da und die kühle Luft tut ihr gut. Ein bisschen wacklig auf den Beinen, aber erstaunlich schnell, springt sie auf und beugt sich über die Brüstung des Laubengangs. „Schatten, du bläda Hirsch! Fahr hoid in Schatten nüba bevor´s di von deim deppadn Woong obi haud.“ Mit einem Seufzen lässt sie sich wieder neben mich fallen, streckt die Beine von sich und hält mir ihre offen Hand hin. Ich lege zwei Himbeeren und eine Brommbeere hinein und Frau Obst schnauft. Das heißt wohl danke. Auch wenn die alte Dame mittlerweile ruhige und stiller geworden ist, höfflich ist sie deswegen noch lange nicht. Und kommandieren kann sie noch immer. Unser Hausmeister, den sie gerade liebevoll als „blöden Hirschen“ bezeichnet hat, ignoriert sie. Leider, denn ausnahmsweise hat sie Recht. Er sollte sich wirklich in den Schatten begeben – seine Gesichtsfarbe lässt nichts gutes erahnen. München ist in den Fängen eines extrem warmen Juniwochenendes und ich in denen von Frau Obst. Weiterlesen
Sonntag (glaube ich)




