Ein kleines, rotes Büchlein ist mein ständiger Begleiter. Morgens nach dem Aufwachen, stecke ich es in meine Tasche. Abends werfe ich es mit Einkaufszetteln, Haarspangen, Schal oder Schirm auf das Sofa und vor dem Schlafen gehen, lege ich es auf den Nachttisch. Meistens liegt es nur so rum. Aber immer wenn ich es brauche, habe ich es zur Hand. Seltsame Dinge stehen darin. Weiterlesen
Eine Wolke
Müsste ich ein einziges Ereignis meiner Kindheit benennen, das mir in Erinnerung geblieben ist und sich nicht im Mikrokosmos von Familie und Freunden abspielte, dann ist es die Katastrophe von Tschernobyl. Die pure Erwähnung dieses Wortes ruft noch heute, dreißig Jahre später, das gleiche, nicht greifbare Grauen hervor, wie damals als ich neun Jahre alt war. Weiterlesen
Der Hirschkopf bleibt!
Den Streit eines Paares mitzuerleben berührt mich unangenehm. Es widerstrebt mir zu sehen, wie dünn die Schicht an Liebe ist, die über den harten Bodensatz von Egoismus, Sturheit und Gleichgültigkeit gestreut wurde. Wenn die Diskussion der Farbe von Sofakissen zu verbalen Totalausfällen führt, dann sollten Paare zum Therapeuten. Der Streit, der mich unangenehm berührte, amüsierte dich. Warum eine Therapie, meintest du. Ein kurzer Ikea Besuch am Samstag Nachmittag würde ihnen doch sehr deutlich machen, dass ihre Beziehung Mist ist. Weiterlesen
Gefundene Sätze #6
Heute am 23.04.2016 kann hier nur ein Shakespeare Zitat stehen. Weniger ein gefundener, als ein geliebter Satz. Dicht gefolgt von „Schwachheit, dein Name ist Weib“ den einer, der mir sehr nahe steht vor 25 Jahren einmal vor sich hinmurmelte und mich dazu brachte, alle Hamlet Monologe auswendig zu lernen. Ich kann sie noch heute – leider bittet mich niemand, mal eben aus dem Stand eine halbe Stunde aus Hamlet vorzutragen….
Jules ist schuld oder Kramerladengeschichten
Ich habe meinen Eltern in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr offen ins Gesicht gesagt, wie enttäuscht ich von ihnen bin. Nicht weil ich es nicht mehr bin, sondern weil ich den Grund der Enttäuschung an den meisten Tagen schlicht vergesse. Vermutlich auch, weil ich mittlerweile erwachsen bin und eigentlich doch nicht mehr enttäuscht bin. Es fällt mir aber sehr leicht, mich wieder daran zu erinnern. Dann schiebe ich die Unterlippe nach vorne, ziehe die Nase kraus und kaue zutiefst beleidigt auf meiner Oberlippe herum. Weiterlesen
Montags Einhorn
Heute hatte er keine Chance. Der Montag. Nicht den Hauch einer Chance gönnte ich ihm, als er gerade einmal sechs Stunden alt war. Unter normalen Umständen hätten wir – der Montag und ich – ein paar Minuten miteinander gerungen und uns dann damit abgefunden, den Rest des Tages miteinander zu verbringen. Die besten Freunde werden wir bis zur Rente nicht mehr, aber er steht mir näher als zum Beispiel der Dienstag. Der Dienstag ist ein unmöglicher Tag. Weiterlesen
Gefundene Sätze #5
Dem Weiß Ferdl sein Lied über den Wagen von der Linie 8
Im gestrigen Text über den Münchner Nahverkehr (Zam Rucka! U-Bahn Gedanken. )schrieb ich noch, dass es schade ist, Ihnen kein Tondokument der bayerischen Trambahnschaffner mit an die Hand zu geben. Sylvia hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es sehr wohl eines gibt. Und was für eines!
Der Weiß Ferdl (wir Bayern nennen den Familiennamen zuerst), ein deutscher Humorist (geboren 1883) hat mit seinem „Ein Wagen von der Linie 8“ eine herrliche Satrie auf die Münchner Trambahn geschaffen. Geändert hat sich dem Weiß Ferdl seiner Chaos-Fahrt quer durch München nicht viel. Der Schaffner grantelt und schimpft wie seine Nachfahren noch heute. Die Linie 8 gibt es nicht mehr. Aber das monatliche Infoheft der Münchner Verkehrsbetriebe nennt sich heute „Linie 8“. Vielleicht wegen dem Weiß Ferdl. Verdient hätte er es. Hören Sie selbst:
Zam Rucka! U-Bahn Gedanken.
Ich mache mir keine Sorgen, dass mir für meinen Blog die Themen ausgehen. Nicht solange es den Münchner Nahverkehr und seine Fahrgäste gibt. Die Benutzung von U-Bahn, Bus und Tram ist ein Garant für täglich neuen Stoff. An manchen Tagen muss ich mich nicht einmal anstrengen, um die aufgeschnappten Gesprächsfetzen zu einer schönen Geschichte zu spinnen. Manchmal reicht es, sich in der Abendsonne an der Bushaltestelle zurück zu lehnen und den Dingen seinen Lauf lassen. Weiterlesen
Das Textduell
Herzlichen Dank an den lieben Wortmischer der die Idee eines Textduells hatte und es binnen weniger Stunden promt umsetzte. Zwei Texter, schreiben über das gleiche, vorgegebene Szenario aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Vorgaben sind in der Gedankenschmiede nachzulesen. Mit Jules hat er mir einen Partner an die Hand gegeben, den ich sehr schätze und in dessen Teestübchen der Ursprung des Textduells zu finden ist. Das Wort „Duell“ behagte mir anfangs nicht. Nicht nur, dass ich mich einem solchen Wortduell mit Jules gar nicht erst stellen würde – das ist wie Keks und Krümel – ich empfand es auch nicht als Duell, da wir ja unabhängig voneinander an etwas gemeinsamen arbeiten. Letztendlich ist es das aber doch. Ein Kampf mit dem eigenen Text, der so geschrieben sein sollte, dass er dem anderen, unbekannten Text des Partners nicht im Weg steht. Ob mir das gelungen ist oder ob ich etwas fabriziert habe, das als Themaverfehlung gilt, wird sich zeigen. Spaß und Freude hatte ich allemal. Weiterlesen

