Jules ist schuld oder Kramerladengeschichten

Ich habe meinen Eltern in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr offen ins Gesicht gesagt, wie enttäuscht ich von ihnen bin. Nicht weil ich es nicht mehr bin, sondern weil ich den Grund der Enttäuschung an den meisten Tagen schlicht vergesse. Vermutlich auch, weil ich mittlerweile erwachsen bin und eigentlich doch nicht mehr enttäuscht bin. Es fällt mir aber sehr leicht, mich wieder daran zu erinnern. Dann schiebe ich die Unterlippe nach vorne, ziehe die Nase kraus und kaue zutiefst beleidigt auf meiner Oberlippe herum. Weiterlesen

Montags Einhorn

Heute hatte er keine Chance. Der Montag. Nicht den Hauch einer Chance gönnte ich ihm, als er gerade einmal sechs Stunden alt war. Unter normalen Umständen hätten wir – der Montag und ich – ein paar Minuten miteinander gerungen und uns dann damit abgefunden, den Rest des Tages miteinander zu verbringen. Die besten Freunde werden wir bis zur Rente nicht mehr, aber er steht mir näher als zum Beispiel der Dienstag. Der Dienstag ist ein unmöglicher Tag. Weiterlesen

Dem Weiß Ferdl sein Lied über den Wagen von der Linie 8

Im gestrigen Text über den Münchner Nahverkehr (Zam Rucka! U-Bahn Gedanken. )schrieb ich noch, dass es schade ist, Ihnen kein Tondokument der bayerischen Trambahnschaffner mit an die Hand zu geben.  Sylvia hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es sehr wohl eines gibt. Und was für eines!

Der Weiß Ferdl (wir Bayern nennen den Familiennamen zuerst), ein deutscher Humorist (geboren 1883) hat mit seinem „Ein Wagen von der Linie 8“ eine herrliche Satrie auf die Münchner Trambahn geschaffen. Geändert hat sich dem Weiß Ferdl seiner Chaos-Fahrt quer durch München nicht viel. Der Schaffner grantelt und schimpft wie seine Nachfahren noch heute. Die Linie 8 gibt es nicht mehr. Aber das monatliche Infoheft der Münchner Verkehrsbetriebe nennt sich heute „Linie 8“. Vielleicht wegen dem Weiß Ferdl. Verdient hätte er es. Hören Sie selbst:

 

 

 

 

 

 

 

 

Zam Rucka! U-Bahn Gedanken. 

Ich mache mir keine Sorgen, dass mir für meinen Blog die Themen ausgehen. Nicht solange es den Münchner Nahverkehr und seine Fahrgäste gibt. Die Benutzung von U-Bahn, Bus und Tram ist ein Garant für täglich neuen Stoff. An manchen Tagen muss ich mich nicht einmal anstrengen, um die aufgeschnappten Gesprächsfetzen zu einer schönen Geschichte zu spinnen. Manchmal reicht es, sich in der Abendsonne an der Bushaltestelle zurück zu lehnen und den Dingen seinen Lauf lassen. Weiterlesen

Das Textduell

Herzlichen Dank an  den lieben Wortmischer der die Idee eines Textduells hatte und es binnen weniger Stunden promt umsetzte. Zwei Texter, schreiben über das gleiche, vorgegebene Szenario aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Vorgaben sind  in der Gedankenschmiede nachzulesen. Mit  Jules hat er mir einen Partner an die Hand gegeben, den ich sehr schätze und in dessen Teestübchen der Ursprung des Textduells zu finden ist. Das Wort „Duell“ behagte mir anfangs nicht. Nicht nur, dass ich mich einem solchen Wortduell mit Jules gar nicht erst stellen würde – das ist wie Keks und Krümel – ich empfand es auch nicht als Duell, da wir ja unabhängig voneinander an etwas gemeinsamen arbeiten. Letztendlich ist es das aber doch. Ein Kampf mit dem eigenen Text, der so geschrieben sein sollte, dass er dem anderen, unbekannten Text des Partners nicht im Weg steht. Ob mir das gelungen ist oder ob ich etwas fabriziert habe, das als Themaverfehlung gilt, wird sich  zeigen. Spaß und Freude hatte ich allemal. Weiterlesen

Halogen und Schwein verträgt sich nicht 

Ich lebe in einer Wohnung, in der außer Küche und Bad, kein Raum vier Wände hat – fünf sind normal und mein Schlafzimmer hat sogar sechs. Das liegt daran, dass man meine Wohnung zwischen zwei Häuserzeilen quetschen musste um dem Verlauf der Straße zu folgen. Netterweise hat man mir und den Nachbarn über und unter mir, zum Ausgleich drei ineinander übergehende Flure zur Verfügung gestellt. Seit Jahren versuche ich mich mit Nachbar unten und Nachbar oben anzufreunden. Einzig mit dem Hintergedanken, ihren Flur Nr. 3 zu Gesicht zu bekommen. Weiterlesen

Oh wie schön ist Panama. U-Bahn Gedanken

Was hat Panama auf der Titelseite der Bild zu suchen? Mein Panama! Ich bin entrüstet. Mein Panama hat nichts auf diesem elenden Schundblatt zu suchen. Unser Panama, höre ich dich flüstern. Ich nicke und rutsche tiefer in die Polster der U-Bahn Sitze. Panama und die Bild. Ein grausames Bild. Panama Papers – auf englisch wird die blöde Picture auch nicht besser. Ich mache mich breit, raube dem Bildleser Platz, indem ich meine Tasche zwischen ihn und mich wuchte. Weiterlesen