Nix mit Amore

Auswandern ist etwas für Abenteurer. Menschen, die alles hinter sich lassen, um in einem fremden Land neu anzufangen, müssen mutig, unerschrocken und neugierig sein. Sie brechen auf, um die brennende Sehnsucht in ihren Herzen zu stillen. Das Unbekannte lockt sie und das Vertraute langweilt sie. Dort wo andere noch vorsichtig um die Ecke blicken, rennen sie getrieben vom Fernweh schon los. Sie gehören zu den Menschen, die Hindernisse als Herausforderungen bezeichnen und Stillstand als Zumutung empfinden.
Auswanderer vereinen so ziemlich alles in sich, was ich nicht habe. Sie sind wie mein Freund. Er hat mir gezeigt, dass es Momente im Leben gibt, in denen man einfach springen muss. Ins kalte Wasser, über den eigenen Schatten und über die Alpen. Dorthin, wo das Herz schneller schlägt.

Eine turbulente, humorvolle Erzählung über Freundschaft, Sehnsucht und dem Abenteuer eines neuen Lebens unter der Sonne Italiens.

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Alltag X – Ruhe jetzt

Man hat ihn mir aus der Hand genommen, meinen Alltag. Hat ihn in Kisten verpackt und zu Stapeln geschichtet. Hat ihn in den kleinsten meiner Räume gepackt und mich gebeten, auf dem letzten der Kartons Platz zu nehmen. Dort könne ich sitzen, bis alles vorbei sei. Nein, bitte nicht helfen, nichts anfassen und einfach warten. Warten bis meine fliederfarbenen Wände silberwiesengrau strahlen und warten bis alles wieder an seinem Platz stünde. Nichts reden, wenn ich es schaffen würde und einfach die machen lassen, die wissen wie man eine Wohnung renoviert.  Weiterlesen

Lotuseffekt

Beziehungen jedweder Art sind individuell. Keine Freundschaft gleicht der anderen und kein Mutter-Tochter-Verhältnis ist identisch. Selbstredend, dass dies auch und ganz besonders für die Beziehung zweier Liebender gilt. Selbst wenn man nach Jahren glaubt, schon alles erlebt zu haben, kommt einer daher und überrascht einen. Kennzeichnend für die feinen Unterschiede all dieser Beziehungen sind für mich die kleinen Schlüsselsätze. Jene Wortkombinationen, die nur und ausschließlich in eben dieser Beziehung fallen. „Wo kommt der den her?“ zum Beispiel. Ausgesprochen mit einem leicht süffisanten Tonfall, gehört zum mutigsten meiner Freunde. Übersetzen kann man es nur schwer. Man müsste dabei gewesen sein, als er und ich im Auto saßen und ich – wie ist mir ein Rätsel – auf einer der größten Kreuzungen Münchens versehentlich auf die Gegenfahrbahn und zugleich auf die Gleise der Trambahn gefahren bin. In jenem Moment stellte ich mir diese Frage und ich kann mich noch heute gut an den Blick meines Freundes erinnern. Für ihn war etwas schneller als für mich klar, dass mein Abbiegemanöver irgendwie schief gegangen war. Der Satz wurde zum Geflügelten Wort und er auf Lebenszeit zu einem wirklich sehr, sehr schlechten Beifahrer.  Weiterlesen

Mitzi aus dem Vorderhaus auf der Auer Dult.

Momentan ist wieder die Auer Dult – ein herrliches Stück München und für mich immer ganz besonders schön, weil sich dort meine Bücher recht wohl fühlen. Kein Wunder – da liegen sie zwischen so feinen Lokalgrößen, dass man – also ich – sich nur freuen kann. Falls Sie keine Gelegenheit für eine Bummel über den Jahrmarkt in der Au haben und trotzdem noch etwas Münchner Lesestoff zum Schmökern und Blättern brauchen – überall im Buchhandel und bei Amazon. 

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Einen schönen Tag und liebe Grüße. Kommen Sie gut in den August.

 

Ein Schrank in einer Hütte im Wald (aus dem Archiv 11.11.2015)

Mein Großvater sagte einmal, dass die meisten Menschen zu dumm seien um sich vor den richtigen Dingen zu fürchten. Ihre Furcht sei zu oft unbegründet und fremdgesteuert. Trauen könne man nur der Angst die urplötzlich im Magen zu pochen beginnt und an unsere Instinkte appelliert. Er war kein belesener Mann, mein Großvater. Ihm fehlte die Zeit für Bücher. 1914 geboren gab es in seinem Leben keinen Raum dafür. Krieg, Flucht, Flüchtlingslager und wohl auch die zwei Frauen in seinem Leben die – nicht nacheinander sondern sich überschneidend –  für reichlich Konfliktpotential gesorgt haben. Aber er war ein kluger Mann, der gerne und viel nachdachte. Während meine Großmutter Geschichten erzählte, warf er mir nur  ab und an einen Brocken seiner Gedanken zu. Erklärt hat er sie mir nie. Er starb als ich zwölf und zu jung zum nachfragen war. Dass mich ein paar seiner Gedankenbrocken noch heute zum Nachdenken anregen, würde ich ihm nur allzu gerne sagen. Weiterlesen

Eine Hütte im Wald (aus dem Archiv 10.11.2015)

Wenn ich die Herbstsonne vor meinem Fenster auch um neun Uhr noch aussperre und ein Tag auf dem Sofa eine wenig verlockende Vorstellung ist, dann bin ich krank. Dann mag ich keine Bücher, keinen Radio und keine Ablenkung. Dann will ich nur schlafen. Kann ich es nicht, rolle ich mich wie ein kleines trotziges Kind ein und warte schmollend bis es besser wird. Am besten lässt man mich dann in Ruhe. Krank und nicht zu gleich ungeduldig und missmutig sein, kann ich nur an einem Ort. Einer kleinen Hütte in den Bergen. Auf ganz wundersame Weise dehnt und streckt sich dort die Zeit und lässt innere und äußere Uhren in einem viel gleichmäßigeren und langsameren Rhythmus ticken. Weiterlesen

Lassen Sie es! (Aus dem Archiv. Und von letztem Jahr. Und letztem Monat. Ach…immer aktuell)

Gehen Sie nie in einen Kiehl´s Store! Mehr Text braucht dieser Artikel im Grunde nicht. Lassen Sie es einfach. Sie werden mir dankbar sein. Oder auch nicht, nachdem Sie es doch getan haben und wissen worüber ich spreche. Dann sind wir Leidensgenossen. Sie und ich. Lassen wir das mit der Höflichkeitsform, ich schreibe ja doch mehr als die einleitenden Worte und es hört sowieso niemand auf mich. Am wenigsten ich selbst, spätestens wenn mein Powerful-Strength Line-Reducing Concentrate zur Neige geht. Nehmen Sie sich aber vielleicht wenigstens diesen Tipp zu Herzen: Betreten Sie den Laden nur, wenn er rappelvoll ist und die Verkäuferinnen genervt sind. Greifen Sie so viele Pröbchen wie möglich  ab (Nicht klauen, bitten Sie darum. Sie erhalten als Neukunde reichlich). Klatschen Sie sich zu Hause an einem verregneten Wochenende alles davon – nacheinander versteht sich –  ins Gesicht und genießen Sie das Gefühl sich etwas Gutes zu tun. Bei Versprechen der Kosmetikindustrie versetzt der Glaube schließlich Berge.  Fühlen Sie sich gepflegter, jünger und am besten gleich auch noch geliebter, nur weil Sie sich ein paar sauteure Seren und Cremes auf Wangen und Augen geschmiert haben. Ordern Sie anschließend das, was sich auf der Haut wunderbar anfühlt, online. Vorzugsweise ohne auf den Preis zu schauen oder unter zu Hilfenahme einer fremden Kreditkarte (auch diese vorzugsweise nicht geklaut). Dann geht es vielleicht. Dann können Sie einfach nur genießen. Ich bediene mich immer noch der Höflichkeitsformel. Wahrscheinlich um das penetrante „Du-Gesäusel“ der Kiehls-Damen aus dem Ohr zu bekommen. Weiterlesen

10.000 + 1 Dinge (Aus dem Archiv 19.03.2016)

Ab und zu stellen meine Freunde bei einem Besuch  ihre eigenen Bücher in meine Regale und erhöhen meinen Besitz von etwa 10.000 Dingen um einen weiteren Gegenstand. Meistens sind es alte Bände von jenen Autoren die als Klassiker gelten. Die würde ich doch mögen, sagen sie und zwängen eine weitere Effi Briest an Fontanes Seite. Oft leuchtet mir grell gelb eine Reclam Ausgabe des Schimmelreiters oder Goethes Faust dort entgegen, wo sie nun wirklich nichts zu suchen hat. Sie wurden schnell und heimlich Tolstoi an die Seite gestellt, weil bei den Deutschen längst kein Platz mehr ist. Man schenkt sie mir, weil man glaubt, sie würden zu den vielen anderen Büchern passen die dort bereits stehen. Die schöne neue Welt, könnte ich drei mal in Folge in der Badewanne versenken und hätte dank freigiebiger Spender noch immer eines ohne gewellte Seiten. Selten sind es schöne oder neue Ausgaben. Es sind die alten, vergilbten Pflichtlektüren aus der Schulzeit, die aus meinem Kämmerchen einen Friedhof für besonders ungeliebten Lesestoff machen. Ich bin mir nicht sicher woran es liegt, dass diese Bücher nicht im Altpapier landen. Vielleicht, weil ich zu oft erwähnt habe dass man geschriebene Seiten nicht einfach wegwirft, solange sie noch irgend jemand mit Freude lesen kann. Ich habe es so oft gesagt und ertappte mich nun selbst dabei, das eine oder andere zerfledderte Ding in den Müll zu werfen. Meistens reicht mir ein kurzer Blick im vorbeigehen um eines dieser Bücher zu entdecken. Kenne und besitze ich es bereits, sortiere ich es aus. Ist es mir unbekannt, bleibt es stehen, bis ich in der Stimmung bin, Zeit mit ihm zu verbringen. Weiterlesen

10.000 Dinge I (Aus dem Archiv 25.10.2015)

Sehen Sie mir nach, dass ich im Juli noch ein wenig weiter aus dem Archiv berichte. Der Sommer ist so herrlich und so vollgestopft mit abendlichen Aktivitäten, dass ich mir diesen Monat noch „frei“ nehmen werde. Ein Großteil kennt die Texte der Anfangstage hoffentlich nicht und ein weiterer Teil ist ebenso wie ich mit dem Sommer beschäftigt und kommt nicht zum Lesen. An meiner Seite das Notizbuch für neues…dann wenn die Temperaturen unter 30 Grad fallen und ich nicht mehr abendlich in die Isar springen muss/darf. 

Ich habe gelesen, dass der durchschnittliche Deutsche etwa 10.000 Dinge besitzt. Selbst wenn man jede Gabel und jeden Strumpf einzeln zählt, erscheint mir die Zahl sehr hoch. Angeblich ist es uns schier unmöglich, unseren Besitz zu reduzieren. Obwohl es mir eigentlich egal ist, möchte ich wissen wie viele Dinge ich tatsächlich besitze. Da ich weder Lust noch Muse habe mein Besteck oder meine Unterwäsche einer Inventur zu unterziehen, beginne ich mit dem größten Posten – Bücher. 1.018 Stück (eben gezählt) stehen in den Regalen meiner Wohnung, liegen auf den Tischen oder stapeln sich auf dem Boden. Vier davon sind ungelesen und zwei werde ich auf die Altpapiertonne im Keller legen.  Vielleicht mag sie ein anderer lesen.  Vom Rest will ich mich nicht trennen. Weiterlesen

Vier Minuten Gespräche (aus dem Archiv 01.10.2015)

Wikipedia definiert Routine, als eine Handlung, die durch mehrfaches Wiederholen zur Gewohnheit wird und beschreibt dadurch zutreffend eines meiner morgendlichen, werktäglichen Rituale. Pünktlich um 06:51 Uhr stehe ich am kleinen Kiosk im U-Bahn Untergeschoss und kaufe eine Tageszeitung und ein einzelnes Ferrero Roche. Der Duden definiert wie Routine dagegen als Ausführung einer Tätigkeit, die zur Gewohnheit geworden ist und jedes Engagement vermissen lässt. Wenn ich davon ausgehe, dass das aushändigen meiner Zeitung auch für die drei Kioskmitarbeiter längst zur Routine geworden ist, muss ich dieser Beschreibung widersprechen. Sie zeigen Engagement. Mehr noch – anstelle von Routine, wird mein täglicher Einkauf durch sie zur liebgewonnen Tradition. Weiterlesen