Eine Freundschaft zählt keine Jahre, Monate oder Wochen. Meist ist sie weit geduldiger als die Freunde selbst, und weiß, dass es weniger auf die Summe, als auf die Qualität gemeinsam verbrachter Stunden ankommt. Und doch….eine Handvoll Stunden in einem Jahr sind zu wenig. Dann wird es irgendwann anstrengend. Dann, wenn man nicht mehr einschlafen möchte, weil es vor der nächsten Abreise noch zu viel zu erzählen gibt.
Dieses Jahr habe ich Zeit und kann schlafen. Vieles erzählte ich schon im Juni und manches im April. Jetzt im September bin ich, sind wir, so geduldig wie unsere Freundschaft es schon immer war. Was ich mache, fragt er und ich antworte entspannt, dass ich gar nichts mache, noch nicht angezogen bin und noch ein oder zwei Stunden das Meer anschauen möchte. Es kommt ihm gerade recht. Dann kann er noch schlafen. Bis halb vier. Hätte ich keine acht Tage, würde ich ihn fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Schlafen, wenn er und ich uns treffen können?!? Vermutlich hätte ich das nicht gesagt, sondern beleidigt gefaucht. Bei acht Tagen schlage ich halb fünf vor. Reicht ja auch und ich brauche noch etwas.
Am späten Abend sage ich: „Bis morgen.“ Ein kleiner, winziger Satz. Aber so viel schöner als: „Bis nächstes Jahr.“
