Wenn man nach sieben (!) Wochen das erste Mal sein Viertel verlässt, um ins Büro zu fahren, dann ist es ein unheimlich beruhigendes Gefühl, wenn sich nicht allzu viel verändert hat. Auch außerhalb Giesings ist München tatsächlich noch bewohnt – ich hörte davon, konnte mich in letzter Zeit aber nicht selbst davon überzeugen. Fahrräder werden nach wie vor geklaut, Papiertüten vom Bäcker vor und nicht in den Mülleimer geworfen und irgendwer hat sich in der Nacht auf dem Bahnsteig übergeben. Back to life. Schön, dass es dich da draußen noch gibt.
Ok, man sieht dich nicht mehr ganz so gut, wegen der ganzen Masken, aber du bist noch da. Ich jetzt auch wieder. Den einen oder anderen Kollegen hab ich damit wohl überrascht. Warum die zum Teil vermuteten, dass ich in Italien bin und in der Büro-Toilette erst mal einen Meter zurück gesprungen bin, kann ich nur erahnen. Wahrscheinlich blickte keiner mehr so richtig durch, wann ich in diesem Frühjahr vor hatte über den Brenner zu fahren. Für mitlesende Kollegen – drei Mal und drei Mal habe ich das Ticket stornierte. Wäre es nach mir gegangen dann wäre ich durchaus gerne gefahren, aber die geschlossenen Grenzen sind ein Argument, dem sogar ich mich beugen musste. Sie werden mir jetzt also wieder öfter auf der Büro-Toilette begegnen. Nächste Woche allerdings eher nicht. Da bin ich nur einmal vor Ort. Die Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs gelten wohl als Keimschleudern und dürfen nach wie vor von zu Hause aus arbeiten. Nein, im Ernst, ich bin meinen engsten Kollegen wirklich dankbar, dass sie es mir ersparen mich täglich in den Wahnsinn des Münchner Nahverkehrs zu stürzen. So gern ich ihn mag – im Bus gestern war es mir ein wenig zu kuschelig. Klar, wenn einer ausfällt, dann wird es schon mal eng und eng ist im Frühling 2020 gleichbedeutend mit „bäh“. Aber auch das irgendwie schön. Es hat sich nichts geändert. Der Bus kommt noch immer wann er will und auch die S-Bahn hat mich nicht enttäuscht. Die ist nämlich gleich ganz ausgefallen.
Etwas hat sich doch geändert. Wenn man auf der Echtzeit-Livemap nachschaut, wie lange man sich die Beine in den Bauch stehen muss, dann sieht man, was sich geändert hat. Schauen Sie selbst….Die S-Bahn Symbole tragen jetzt Mundschutz.
