Randnotiz

Wenn Sie einem Autoren (mehrfach) versichern, dass die letzten seiner acht Bücher eine Breite von 13 cm haben. Der sich irgendwann erkundigt welche Spezialausgabe man denn da bitte im Regal stehen hätte und Sie dann feststellen, dass 7+5 schon immer 12 und noch nie 13 war.

Verdammtes Geodreieck!

Mama sagt nein – nix neues von der Klofrau in Nizza, aber ich arbeite daran.

Meine Mutter hat mir explizit verboten über sie zu schreiben. Sie hätte ich rauszulassen und sie würde ganz sicher nicht zum Thema irgendeiner meiner Erzählungen werden. Keine Bitte, eine Feststellung. Mein Vater hat das nicht. Vermutlich weil er lange Zeit von der Existenz meiner Homepage nichts mitbekam und es schlicht und einfach versäumt hatte, auf seine Persönlichkeitsrechte zu pochen. So wie meine Nachbarn, meine Bekannten und meine Freunde auch. Jetzt ist es zu spät und meine Mutter kann sich über ihre Weitsicht freuen. Von ihr findet sich nichts im Internet. Ok, sie hat sich vor Jahren versehentlich (fragen Sie nicht) bei Facebook angemeldet, aber auch dort kann man nichts über sie finden. Ihre Privatsphäre ist ihr wichtig und Dinge die ihr wichtig sind, die behütet und beschützt sie. Mich zum Beispiel. Weiterlesen

Guten Morgen, Giesing

Heute morgen um kurz nach sieben hat es auf meinem Balkon nach Italien gerochen. Es mag albern klingen, aber überall auf der Welt kann es unter bestimmten Umständen nach Italien riechen. Vermutlich gibt es Tage an denen es in Toronto nach München riecht und in Amsterdam nach Wien. So wie jede Stadt und jedes Land hat seine ganz eigene Geräuschkulisse hat, so hat sie auch ihren Geruch. Italien riecht man hier in München meist früh morgens und ausschließlich an Tagen, die versprechen besonders warm zu werden. Um kurz nach sieben ist die Luft noch frisch, aber man riecht bereits die Sonne, die gerade erst über die Hausdächer klettert. Damit es nach Italien riecht muss Kaffee auf dem Tisch stehen. Kein Filterkaffee versteht sich und es hilft wenn die Morgenluft vor dem Einatmen an der offen stehenden Tür einer Bäckerei vorbei gekommen ist. Heute morgen roch es nach Italien und klang nach München. So sehr ich die anfangs fast gespenstische Stille meines Viertels in den letzten Wochen genossen habe – der Klang der Stadt hat mir gefehlt. Heute nun beides. Mit geschlossenen Augen Italien riechen, München hören und den ersten Schluck Kaffee schmecken.  Weiterlesen

Alles beim Alten

Wenn man nach sieben (!) Wochen das erste Mal sein Viertel verlässt, um ins Büro zu fahren, dann ist es ein unheimlich beruhigendes Gefühl, wenn sich nicht allzu viel verändert hat. Auch außerhalb Giesings ist München tatsächlich noch bewohnt – ich hörte davon, konnte mich in letzter Zeit aber nicht selbst davon überzeugen. Fahrräder werden nach wie vor geklaut, Papiertüten vom Bäcker vor und nicht in den Mülleimer geworfen und irgendwer hat sich in der Nacht auf dem Bahnsteig übergeben. Back to life. Schön, dass es dich da draußen noch gibt. 

Ok, man sieht dich nicht mehr ganz so gut, wegen der ganzen Masken, aber du bist noch da. Ich jetzt auch wieder. Den einen oder anderen Kollegen hab ich damit wohl überrascht. Warum die zum Teil vermuteten, dass ich in Italien bin und in der Büro-Toilette erst mal einen Meter zurück gesprungen bin, kann ich nur erahnen. Wahrscheinlich blickte keiner mehr so richtig durch, wann ich in diesem Frühjahr vor hatte über den Brenner zu fahren. Für mitlesende Kollegen – drei Mal und drei Mal habe ich das Ticket stornierte. Wäre es nach mir gegangen dann wäre ich durchaus gerne gefahren, aber die geschlossenen Grenzen sind ein Argument, dem sogar ich mich beugen musste. Sie werden mir jetzt also wieder öfter auf der Büro-Toilette begegnen. Nächste Woche allerdings eher nicht. Da bin ich nur einmal vor Ort. Die Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs gelten wohl als Keimschleudern und dürfen nach wie vor von zu Hause aus arbeiten. Nein, im Ernst, ich bin meinen engsten Kollegen wirklich dankbar, dass sie es mir ersparen mich täglich in den Wahnsinn des Münchner Nahverkehrs zu stürzen. So gern ich ihn mag – im Bus gestern war es mir ein wenig zu kuschelig. Klar, wenn einer ausfällt, dann wird es schon mal eng und eng ist im Frühling 2020 gleichbedeutend mit „bäh“. Aber auch das irgendwie schön. Es hat sich nichts geändert. Der Bus kommt noch immer wann er will und auch die S-Bahn hat mich nicht enttäuscht. Die ist nämlich gleich ganz ausgefallen.

Etwas hat sich doch geändert. Wenn man auf der Echtzeit-Livemap nachschaut, wie lange man sich die Beine in den Bauch stehen muss, dann sieht man, was sich geändert hat. Schauen Sie selbst….Die S-Bahn Symbole tragen jetzt Mundschutz.

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Corona Home Office XXIII – Ende

Heute ein letztes Mal Corona Home Office – Zwischen Muse und Wahnsinn. Obwohl weder Muse noch Wahnsinn enden und ich für nicht absehbare Zeit weiter viel Zeit im Home Office verbringen werde, sind 23 Artikel erst einmal genug. Mitte März hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass das was mit einer kurzen E-Mail begann ganze sieben Wochen dauern würde. 

Keiner der Menschen, die mich die letzten sieben Wochen begleitet haben, weiß wie es in den nächsten Monaten weiter gehen wird. Paul arbeitet weiter von zu Hause, nachdem er seinem Chef gestern mitgeteilt hat, dass er die Notwendigkeit physischer Anwesenheit als nicht mehr gegeben sieht, und ist damit durchgekommen. Was auch immer kommt, Paul hat sich ein Stück Freiheit erkämpft. Und das in Zeiten, in denen uns genau jene auf so vielfältige Weise genommen wurde. Zwei aus dem Hinterhaus sind jetzt arbeitslos und eine Handvoll in Kurzarbeit. Gestern, bevor es zu regnen begann, haben wir mit einer großen Portion Galgenhumor auf unseren Balkonen darauf angestoßen. Prost! Auf die Arbeitslosigkeit, die Kurzarbeit und die Ungewissheit was uns in diesem Jahr noch erwarten wird. Cheers – wenn´s richtig eng wird, dann hilft nur noch Lachen. Auch wenn es schmerzt, das Lachen, das sich auf Höhe der unteren Rippen wie eine Prellung anfühlt und ein wenig arg rau klingt. Wir sind in den letzten Wochen zusammen gewachsen und ich werde noch weiter für Frau Angermeier und Frau Obst zum Einkaufen gehen. Virus hin oder her, die beiden sind zu alt um Taschen zu schleppen und sollen sich lieber auf eine Bank in die Sonne setzen. Dass sie das mit zwei Metern Abstand tun müssen, aber jetzt wieder können, ist ein Fortschritt der bitter schmeckt. In nur sieben Wochen ist es normal geworden, dass wir Abstand halten. In jedem Laden steht es an der Tür, im Supermarkt wird jedem Kunden an der Kasse mittels Bodenmarkierung gezeigt wo er zu stehen hat und manch einer wechselt freiwillig die Straßenseite wenn ihm einer entgegen kommt. Schönes neues Leben! Prost!  Weiterlesen

Corona Home Office XXI

Ab übermorgen also Mundschutzpflicht in allen Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Lassen wir dahingestellt, warum das jetzt nach sechs Wochen erst kommt oder warum es jetzt kommt, wo es doch lange als Schmarrn (bayerisch für Blödsinn) gegolten hat. Wenns hilft, sagt der Münchner und nimmt ihn halt schon jetzt um sich daran zu gewöhnen.

Nicht nur der Träger, sondern auch jene, die sie sehen. Ich zum Beispiel. Mich hätte vorhin fast der Schlag getroffen als ich einen meiner Nachbarn mit einem solchen Schutz im Keller begegnet bin. Davon erzähle ich Ihnen aber erst morgen. Auf den Schock hin, brauche ich jetzt ein Aperitif. Oder zwei. Außerdem legt mein Nachbar Jan heute wieder für den Hinterhof auf. Ich hab zwei Lieder eingereicht und will sie nicht verpassen. Viva la Mamma und Ponderosa von Tricky. Ihnen einen schönen Samstagabend. Und wenn Sie im schlecht beleuchteten Keller einen Mund-Nasen-Schutz Marke Eigenbau tragen, dann machen Sie sich bei den Nachbarn bemerkbar, sonst trifft die der Schlag.  

Corona Home Office XX

Vorletzter Tag der sechsten Woche im Home Office. Sechs Wochen in denen ich mein Viertel nicht ein einziges Mal verlassen habe. Seltsam, sage ich am Telefon zum besten meiner Freunde, der in einem anderen Stadtteil wohnt. Seltsam aber mittlerweile auch in Ordnung. Ich glaube, wenn man mir heute sagen würde, dass ich den Rest des Sommers in Giesing bleiben müsste, ich würde vermutlich nur mit den Schultern zucken und es hinnehmen. Eine Mischung aus Resignation und dem Gefühl des Vermissens, an das ich mich langsam gewöhne. Ungewohnt zahm ist meine Sehnsucht geworden und die Unruhe der dritten und vierten Woche ist verschwunden. Natürlich will ich raus. Selbstverständlich vermisse ich meine Freunde und meine Familie, aber in der sechsten Woche habe ich mich perfekt eingerichtet. Ich und all die anderen, die zu meinem engsten Umfeld geworden sind.  Weiterlesen

Graue Ferien

Vor heute genau fünf Wochen habe ich mich das letzte mal mit einem Freund getroffen. Wir aßen Blätterteigstrudel mit Spinat und Feta und tranken eine Flasche Weißwein, als – ungewöhnlich für einen Sonntagabend – die Firma mich und meine Kollegen bat, am nächsten Morgen nicht ins Büro zu kommen. Nicht für einen Tag, sondern bis auf Weiteres. Der beste meiner Freunde, saß neben mir und schnalzte leise mit der Zunge. Ach, sagte ich und schnalzte ebenfalls, weil ein Schnalzen der Zunge bei als Zeichen größter Verwunderung gilt. Bis auf Weiteres, das konnte alles heißen. Wir rechneten mit zwei Wochen und bekamen das, was ich heute fünf Wochen später vermutlich als die einzigen großen Ferien, die ich als Erwachsener hatte, in Erinnerung behalten werde. Andere nennen sie Sommerferien. Bei uns waren es immer die großen Ferien, weil sie sechs Wochen dauerten – eine gefühlte Ewigkeit. Und wie damals ist die letzte Woche, die sechste, auch diesmal schon im Zeichen des nahenden Schulbeginns. Irgendwann Ende nächster Woche oder auch erst übernächster, wird der Alltag langsam zurück kehren. Niemand weiß wie er sein wird. Keiner kann sagen, wann wir wieder alle und nicht streng eingeteilt im Büro sein werden und noch ist es ungewiss ob die Infektionszahlen auch wirklich dauerhaft nach unten gehen. Die großen Ferien aber, die gehen nun zu Ende.  Weiterlesen