Eben noch

Gerade eben noch, war das Innere des Autos vollgestopft mit Lachen und mit Worten. Nichts von dem was mir erzählt wurde, war belanglos. Nur angenehm schwerelos und fröhlich. Eben noch saßen sie neben mir und wir lachten über den dichten Nebel der über den Feldern lag. Gerade noch, gestanden wir uns, dass die Straße durch den Wald heute wirklich unheimlich ist und der Gedanke an einen Motorschaden Gänsehaut hervorruft. Wäre man alleine. Weiterlesen

Betrogene Frau dank DHL

Die negativen Einflüsse des Online Shoppings auf den stationären Einzelhandel sind hinlänglich bekannt. Über die verheerenden Auswirkungen auf das harmonische Zusammenspiel einer Hausgemeinschaft wird dagegen kaum berichtet. Wer noch nicht erlebt hat, in welches Chaos ein einzelner DHL Bote ein ansonsten ruhiges Haus stoßen kann, der würde sich wundern. Soviel sei vorweg genommen – seit Amazon bis kurz vor Weihnachten noch versandkostenfrei liefert, ist es mit der besinnlichen Adventszeit vorbei . Bis vor kurzem gab es zwei in meinem häuslichen Umfeld zwei unerschütterliche Felsen, dank derer die stürmische Paketbrandung in Schach gehalten wurde. Hugo, den zuverlässigen DHL Boten und ein russisches Ehepaar aus dem zweiten Stock. Seit letzten Montag könnten wir uns auf beide nicht mehr verlassen und es herrscht Anarchie. Weiterlesen

Eine goldene Glocke und ein Esel

In meinem Keller steht ein Karton, der mir wichtiger und wertvoller ist als die meisten meiner Besitztümer. Obwohl er groß ist, wirkt er auf den ersten Blick unscheinbar und niemand weiß, dass er so kostbares beinhaltet. Die schönsten Dinge werden ja oft in unscheinbaren Behältnissen aufbewahrt. Früher war er weiß. Heute ist er grau und die Ecken des festen Kartons sind abgewetzt und der Deckel schließt nicht mehr richtig. Er muss nicht schön sein. Er steht ja das ganze Jahr im Keller. Solange er den Inhalt fest umschließt und die Schnüre, die als Griffe dienen, noch halten, ist es mir gleichgültig wie er aussieht. In ein paar Jahren werde ich ihn austauschen. Noch aber darf er bleiben, weil ich an ihm hänge und es mag zu wissen, dass dieser Karton an jedem Ort an dem ich lebte im Keller stand. Weiterlesen

München im Advent – grausam!

Als Münchnerin, die sich öffentlich im Internet zu Wort meldet, fühle ich mich verantwortlich für das Bild meiner Heimatstadt, das Nicht-Bayern vermittelt wird. Nicht-Bayern sind aus Münchner Sicht alle die, deren Wohnort sich außerhalb des Weißwurstäquators befindet. Und nein, über den Verlauf dieses Äquators lässt sich nicht diskutieren. Es ist die Donau und nur die Donau. Wäre sie es nicht, dann würde Nürnberg zum bayerischen Kernland gehören und das ist, mit Verlaub, schlicht nicht richtig. Man merkt es ja schon am Namen. Ober- und Niederbayern. Ende. Fast. Die Schwaben laufen so nebenbei. Aber dann ist Schluss. Die ganzen Frankenländer sind zweifellos wunderschön. Ebenso wie die Pfalz. Aber mit dem Bayern aus Münchner Sicht haben sie herzlich wenig zu tun. Einem Oberfranken, der von München keine Ahnung hat, fühle ich mich also ebenso verpflichtet, wie einem Ostfriesen.  Einen Nicht Bayern würde ich sofort bereitwillig Auskunft geben, wenn er wissen möchte, wo München am schönsten im weihnachtlichen Glanz erstrahlt. So schöne Ecken gäbe es. Aber….es bringt nichts. Egal wo ich den Hamburger, Nürnberger oder Chinesen hinschicken, die Münchner sind vor ihm da und die sind ein wirkungsvolles Mittel um jegliche Adventsstimmung zu vertreiben. Weiterlesen

Wider die doofen Pelzpuschel auf dem Kopf (wie Jules sagt) oder – es kotzt mich an (wie Mitzi traurig hinter her schiebt)

Sehen Sie den hübschen, flauschigen Puschel auf der Mütze. Hübsch von Jules animiert und hübsch anzusehen. Ein kleiner, hübscher Bommel den man in der Münchner Fußgängerzone alle 12 Sekunden an sich vorbei laufen sieht. Genauso hübsch und flauschig sind die wunderschönen Pelzbesätze an gefühlt jeder zweiten Jacke und Mantel. Soll ich Ihnen was sagen? Es widert mich an. Die meisten davon sind nämlich aus echtem Pelz.
Kaum einer in meinem Bekanntenkreis würde sich erdreisten echten Pelz zu tragen. Das macht man nicht. Meine Generation trägt keinen Pelz. Aber die Puschel und Besätze sind ok. Da finden wir duzende von Ausreden. Angefangen von „ach komm, das kleine Ding ist doch nicht Nerz, sondern Fuchs oder Waschbär“ über „echt? das wusste ich nicht“ bis hin zu „Waschbären sind ja mancherorts auch echte Plagen geworden“. Alle diese Aussagen sind dumm und unverschämt. Wenn im Etikette nicht Kunstfell steht, dann ist es von einem Tier, das mit Sicherheit nicht totgestreichelt wurde. Plage hin oder her. Es handelt sich auch nicht um Nebenprodukte beim Schlachten von Hasen. Das wäre viel zu aufwändig und ist aus Kostengründen in den meisten Fällen gar nicht machbar.  Am erbärmlichsten und traurigsten finde ich, dass Pelz wieder normal geworden wurde. Die Frechheit sich echten Pelz auf die Mütze zu klatschen und es noch nicht einmal zu hinterfragen…dafür fehlen mir die Worte. Und deshalb halte ich jetzt auch den Mund, denn eigentlich wollte ich nur Jules sehr guten Beitrag teilen. Der schafft das, was ich nicht kann. Mit ruhigen Worten eine Aussage gegen Pelz treffen.

Ein Naturgesetz unserer Moden: Je grotesker eine Erscheinung, desto hartnäckiger. Das war schon mit den unsäglichen Hüfthosen so. Nach jetzt gut 15 Jahren klingt diese visuelle Pest gerade ab. Nun ist es schon vier Jahre her, dass mich meine damalige Freundin auf die albernen Puschel aufmerksam machte, die manche Frauen auf den Mützen tragen, womit […]

über Wider die doofen Pelzpuschel auf dem Kopf —

Danke, lieber Jules, für die Erinnerung das ich mich schon lange darüber aufregen wollte.

Alles eine Frage der richtigen Zange

Wäre T.C. Boyle mein Vater, würde ich damit klar kommen. Auch die Vorstellung Philip Roth oder Thomas Bernhard als väterliches Vorbild zu haben gefällt mir. Mit Bernhard hätte ich vermutlich massive Probleme. Probleme, die sich aber wohl weniger um das Schreiben drehen würden. Da würden wir schon klar kommen. Er und ich. Obwohl….er wohl nicht, aber ich. Väter die ein großes Talent haben stören mich nicht. Im Gegenteil, ich würde das bewundern und mich über ihren Erfolg freuen. Man könnte mich auch in eine Schauspielerfamilie einpflanzen. Es wäre mir egal ob ich ein ähnliches Talent habe oder eine totale Niete wäre. Solche Dinge betrachte ich mit der nötigen Distanz. Um die Beispiele abzuschließen, wäre es für mich auch in Ordnung wenn meine ganze Familie aus Hochseilartisten bestehen würde. Ich könnte mich damit arrangieren, die einzige zu sein, die talentfrei am Boden bleibt. So richtig einschüchternd und belastend empfinde ich eigentlich nur einen Vater. Meinen. Weiterlesen

Falentin nicht Walentin – Herrschaftszeiten!

Du, ich hab´s g´schafft, sagte ich gestern um viertel nach zehn und setzte mich im Schneidersitz auf den Mauervorsprung der Mariahilf Kirche, hinter der ich zur Schule gegangen bin. Der mutigste meiner Freunde lehnte vor der Kirche San Zeno in Verona und saß doch irgendwie neben mir. Ohne uns zu verabreden schaffen wir es oft, an ähnlichen Orten zu sein, wenn wir uns anrufen. Dann sitze ich am Starnberger See, während er gerade am Lago Maggiore einen Parkplatz sucht. Oder wir sitzen beide am Balkon. Ich in München und er in Genua oder Neapel. Der mutigste meiner Freunde gehört zu den Menschen, die ich anrufe, wenn ich eigentlich mit niemanden reden mag und doch einem etwas erzählen möchte. Weiterlesen

Geschenkt – U-Bahn Gedanken

Können Sie sich noch an Anna erinnern? Anna, die ich nie gesehen habe, deren Freund aber regelmäßig mit mir in der S-Bahn fährt. Die Anna, zu der vor einigen Monaten der Satz „Ich dich nicht“ gesagt wurde? Es geht ihr gut. Anna. Zumindest glaube ich, dass es ihr gut geht. Das Rauschen ihrer Stimme klingt fröhlich. Ich verstehe nicht was sie sagt, weil ich neben ihrem Freund sitze und ihre Worte durch sein Handy nicht zu erkennen sind. Aber ich höre, das die Wellen des gesagten fröhlich klingen. Es freut mich, denn ich sorgte mich um sie. Ob das „ich dich nicht“ das Gegenstück zu einem „ich dich auch“ war, werde ich nicht erfahren und möchte lieber nicht spekulieren. Lieber freue ich mich über Annas aufgeregte Stimme. Weiterlesen