Corona Homeoffice XXVII

Was ich so blöd grinse, erkundigte sich mein Nachbar Paul als er vorhin bei mir vor der Tür stand. Ich korrigierte ihn, indem ich ihm mitteilte, dass ich nicht blöd, sondern selig grinsen würde. Mein Grinsen ist eines, das einer so tief empfundenen Zufriedenheit entspringt, dass es eigentlich vielmehr einem sanften und zärtlichem Lächeln gleichen müsste. Einem Lächeln das weder meinem Nachbarn gilt, noch der ausgesprochen guten Essenslieferung die wir uns teilten. Mein Lächeln ist einzig und alleine der Tatsache geschuldet, dass es seit mehreren Tagen durchschneit und ich zu Hause bleiben darf. Homeoffice…für S-Bahnfahrer im Winter klingt dieses Wort nach einem warmen Kaminfeuer und schmeckt nach heißer Schokolade (mit Karamell!)

Mit einer Tasse Milchkaffee in der Hand lese ich um sechs Uhr morgens auf dem Sofa lümmelnd, dass die S-Bahnen auch heute Verspätungen haben werden. 

Um sieben Uhr stehe ich am Fenster und beobachte während des Zähneputzens wie Paul seit gut 10 Minuten sein verschneites Auto freischaufelt. 

Um halb neun höre ich von Kollegen, dass sie später zu arbeiten beginnen, weil die S-Bahn nicht später sondern gar nicht kommt. 

Während ich um zehn Uhr die erste Kaffeepause in meiner warmen Küche mache und mir das Schneegestöber durch das Fenster ansehe, beantworte ich geduldig eine SMS nach der anderen und informiere Freunde und Bekannte wo in München die Schienenersatzverkehr Haltestellen sind. 

Um zwölf Uhr bestätigt sich meine Vermutung, die ich aus Gründen des von mir stets verbreiteten Optimismus bisher nicht laut geäußert habe – die Busse des Schienenersatzverkehrs kamen a) gar nicht oder b) ein kleiner Bus, für drei ausgefallene Bahnen. 

Um eins teile ich mir mit meinem Nachbarn Paul eine Falafel Bowl während erste Freunde auf Facebook mitteilen, dass sie mittlerweile in ihren jeweiligen Büros angekommen sind. 

Um zwei Uhr schreibe ich diesen Text und lächle versonnen. Ich bin im Homeoffice. Die Tatsache dass es in München – im Voralpenland – schneit, hat den öffentlichen Nahverkehr wieder einmal völlig zum Stillstand gebracht. Nix geht und mir…mir ist es einfach nur egal. Weder stehe ich frierend am Gleis, noch frage ich mich wie Schnee in München im Winter etwas überraschendes sein kann. Die Welt draußen dreht sich weiter und nichts ändert sich, solange Schnee in Bayern zu Verkehrschaos führt. Das ist beruhigend. 

Randnotiz für meine Vorgesetzten: Selbstverständlich ist dieser Text nicht heute um zwei entstanden. Da war ich ja arbeitend im Homeoffice. Und wenn er heute entstanden wäre, dann wäre die Kaffeepause um zehn nur ganz kurz gewesen. Großes Homeoffice-Winter-Ehrenwort!

24 Gedanken zu “Corona Homeoffice XXVII

  1. ich finde homeoffice auch prima. nicht nur im winter. ich mache das ja jetzt schon seit zehn monaten und erinnere mich (sehnsüchtig, wie ich zugebe) an den sommer, in dem ich mit kurzen hosen und offener balkontür am pc saß und zwischendurch bei den rauchpausen auf dem balkon wahlweise den bienen und vögeln zusah oder einfach nur in den himmel guckte. ich konnte da nahezu augenblicklich abschalten. und manchmal, bei längeren – dienstlichen – telefonaten, fragten mich die leute, ob ich dieses „komische“ geräusch (vogelzwitschern) auch höre. ich verneinte stets verhement.

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    1. Geht mir ganz genauso. Und seit ich so ein tolles Headset habe, hört mein Telefonpartner auch keine Hintergrundgeräusche mehr. Bei mir eher, die Altglasentleerung ;). Gegen Vogelgezwitscher kann man doch eigentlich gar nichts haben. Ich hoffe das Homeoffice für ein paar Tage bleibt auch künftig erhalten – es ist für mich tatsächlich ein Stück Lebensqualität.

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  2. Das Phänomen ist bekannt. Offensichtlich ist es den Angehörigen, egal in welcher Funktion, von Verkehrsbetrieben, insbesondere aber Straßenmeistereien streng untersagt, bestimmte Nachrichten, schon seit Jahrzehnten als Fake – News verschrien, zu verfolgen, darunter den Wetterbericht.
    So kam es auch, dass sie hierherum wieder einmal von dem völlig unvorhersehbar ausgerechnet im Januar auftretenden Wintereinbruch überrascht wurden. Wer hätte auch mit so was rechnen können!
    Aber sie waren nicht die Einzigen. „Heit kommet se aber schpät!“ Das war wohl das häufigste, was die mobilen Pflegekräfte heute morgen zu hören bekamen (na, hin und wieder so eine richtige Klatsche, das ist doch bekanntlich das Einzige, was derlei Gesindel verdient) Sie konntens aber an dem Tag mit aufgehängtem Humor, dem berühmten Galgenhumor nehmen: „Haben sie schon mal aus dem Fenster geschaut?“
    Zum Glück ist meine einzige, an diesen schneeräumdienstfreien Morgen auch nicht einfache Aufgabe, immer noch langsam durchs Dorf (das, sieht man gleich, gar nicht so klein ist) zur Krankengymnastin zu humpeln. Stöcke nicht vergessen, ja, ich gehöre auch der von mir noch vor kurzem mitleidig-herablassend belächelten Gattung der Stockenten an! Und ordentliche Bergstiefel an die Füße, au, der Rücken, das Bücken geht immer noch nicht gut, Rutschgefahr! So, wie es da draußen aussieht, sollte ich ja grad noch Gamaschen dranmachen, aber das ist mir zu umständlich.
    Und dann raus in die weiße Pracht! So schee der Schnee…

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    1. Der Wetterbericht scheint ebenso wie eine über die Jahre ansteigende Lernkurve tabu zu sein. Aber das kennt man ja von anderen Dingen. Als mobile Pflegekraft – so vermute ich – braucht es ganz oft ein dickes Fell. Galgenhumor hilft, wenn man sich durch den Schnee wühlt und dann so begrüßt wird.
      Nachdem ich regelmäßig durch den Schnee mehr rutsche als gehe halte ich die Stockenten für recht clever ;).
      Heute allerdings verkriech ich mich noch mal daheim und schau den scheena Schnee durchs Fenster an. Meine Ausrede ist, dass ich eh arbeiten muss und das auch heute von daheim.

      Viele Grüße

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      1. Ja, da bleib ich (allein schon, immer noch, krankheitsbedingt) auch. Außer der Dackel will raus! Aber ich bekomme regelmäßig Rückmeldung von den geplagten gering Bezahlten im Umfeld der Medizin… Und das sorgt dann oft für gemeinsame Lachanfälle, z.B. wenn nicht einmal die Impftermine bekommen und ich dann schulterzuckend darauf verweise, dass ich von vorneherein mal wieder Bedenken hatte, wenn da die gleichen Entscheidungsträger, die uns schon die raschen Immobiliengeschäfte, Grundstücksspekulationen beziehungsweise wohl geplanten, rasch durchgeführten Neubauten von Flughäfen, Philharmonien oder unterirdischen Bahnhöfen verkünden, wie gut das alles laufen wird. Und wenn der Pfleger dann erzählt, dass er seine Arbeit hinter seiner Maske kaum mehr machen kann, sich die Patienten aber weigern, derlei zu tragen (zum Beispiel mit der Begründung „mei Enkel schafft am Landratsamt, da gibts koi Corona.“ Aha.

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      2. Aha. Mehr fällt mir zu den letzten Sätzen dann auch nicht ein. Schön zu hören, dass der Galgenhumor (so vermute ich) wenigstens noch bleibt. Dir gute Besserung! Wollen wir hoffen, dass die Impfungen etwas besser in Schwung kommen als es bei den beispielhaften Bahnhöfen oder Flughäfen war 😉

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  3. hachja, das ist eine dieser ganz besonderen wien-münchen-parallelen. es fällt schnee und nix geht mehr. vor allem wenns mehr als 2 cm sind. schön, dass du die fallenden flocken in den kurzen arbeitspausen aus deinem fenster warm und in ruhe genießen konntest 🙂 (paleica, die postingprobleme hat)

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  4. In Hannover haben wir seit Montag nur eine dünne Schneedecke. Kinder kratzten gestern den Schnee für einen kümmerlichen Schneemann zusammen. Ich beneide dich, liebe Mitzi, auch um das schöne Gefühl, nicht frierend an Haltestellen zu stehen und kein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

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    1. Der Schnee ist wirklich schön – er steht einfach für den Winter und lässt die graue Stadt und die nackten Bäumen schöner erscheinen. Allerdings vermute ich, dass selbst eine dünne Schneedecke den öffentlichen Verkehr (zumindest bei uns) zum Erliegen gebracht hätten ;).

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