Das ist jetzt blöd…

Ich schreibe hier dauernd über Italien. Das ist doch so, oder? Hier geht es doch ständig um den mutigsten meiner Freund, mein Herzensland und die Erlebnisse die ich dort hatte. Das empfinden Sie doch auch so, nicht wahr? Sie  wissen doch alles über mein Leben dort unten, meinen Job und meine Freunde. Selbst vom Bürohund in Verona habe ich Ihnen schon berichten.

Soll ich Ihnen etwas verraten? Dieser Eindruck ist komplett falsch. Hier geht es anscheinend überhaupt nicht um Italien. Maximal eine kurze Randnotiz ist mir die Information, dass ich jahrelang in diesem Land gelebt habe, wert gewesen. Fünfzehn Randnotizen, um genau zu sein. Fünfzehn kleine Erzählungen, von denen eine nur halb so lang wie der Durchschnitt ist. Sagen Sie mir jetzt bitte nicht, dass diese Zahl doch egal ist, weil ich es anscheinend auch mit nur fünfzehn kleinen Texten geschafft habe eine ganze Unterseite dieses Blogs zu füllen. Eigentlich haben Sie, wenn Sie das anmerken wollten, recht und es ist völlig egal. Ist es aber nicht. Um genau zu sein, ist das jetzt richtig blöd. Saublöd sogar, weil ich ganz bequem so vierzig oder fünfzig Italienerzählungen aus den Tiefen dieser Seite auswählen und veröffentlich wollte.
Das war letztes Jahr unheimlich praktisch. Man darf´s ja keinem erzählen, aber ein Buch schreibt sich schon deutlich leichter, wenn man die Texte dazu schon fertig hat und unter etwa hundert Stück kritisch und gut durchdacht wählen kann.

Jetzt hab ich fünfzehn Erzählungen und drei davon haben eigentlich nicht viel mit Italien zu tun. Verstehen Sie wie blöd das ist? Ich will ein Buch veröffentlichen und merke jetzt, dass ich es erst noch schreiben muss. Grad im Moment kommt mir das äußerst ungelegen. Ich hab ja auch noch Sie hier und einen Job in dem man erwartet, dass ich anwesend bin.

Der einzige Vorteil ist, dass ich dann kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich es Ihnen im Sommer ans Herz lege. Diesmal kennen Sie den Inhalt dann noch nicht. Aber trotzdem…..ich muss das jetzt alles schreiben ohne das Sie mir vorher in den Kommentaren den Hinweis geben, ob´s gut ist.

Hilft ja nichts, aber blöd ist das schon.

Loslassen – buon viaggio, Mutiger.

Als ich eben die Tür aufsperrte, roch es nach Italien. Ein feiner Hauch nur, aber ganz eindeutig, hing der Duft des Landes, in dem ein Teil meines Herzens für immer wohnen bleibt, in der Luft. Im Bad ganz besonders. Da hängt ein noch feuchtes Handtuch zum Trocknen über der Türe und verströmt den ganz eigenen Geruch einer kleinen Mittelmeerinsel. Sie, die Insel, riecht ein wenig nach einem Boss After Shave, aber ich erkenne darin ganz eindeutig Italien. Auch am Duft des Sofa- und Kopfkissen erahne ich mein Sehnsuchtsland. Das Sofakissen verströmt Mailand, im Schlafzimmer riecht es nach Verona. Ich spinne, würde mir der mutigste meiner Freunde vermutlich attestieren und hat trotzdem nur kurz gegrinst als ich ihm mit dem Kissen im Arm nachlief und ihn bat, mir etwas von Italien da zu lassen. Jetzt hängt es hier zwischen den Nadeln meines Christbaums und flackert zwischen den Flammen des Adventkranzes. Am 25.12 eines jeden Jahres macht mich Italien ein wenig traurig, weil es mich an den Abschied erinnerte. Einen, den wir jedes Jahr haben und von dem man meinen könnte, dass man sich längst an ihn gewöhnt haben müsste. Wir verabschieden uns, seit wir uns kennen, ein halbes Leben lang, und müssten uns längst daran gewöhnt haben. Mir fällt es schwer und ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob der Preis in Form beständiger Abschiede nicht ein wenig zu hoch ist. Weiterlesen

Dante hätte gelacht

Ich mag den Mai nicht. Und weil ich nicht mag, bereite ich mich schon im April darauf vor ihm nicht zu mögen. Dann verabscheue ich den frühen Flieder, weil er schön ist, wo nichts schön zu sein hat. Das Erwachen der Natur ekelt mich an, weil es mich an das Vergängliche von allem Lebendigen erinnert. Und die ersten warmen Tage gehen mir auf die Nerven, weil ich wochenlang selbst in der Sonne friere. Auch damals mochte ich den Mai nicht, weil er der Monat des Abschieds war. Und auch damals habe ich schon im April getobt und gewütet. Im Mai hätte mir die Kraft gefehlt und ich konnte euch nicht ohne ein letztes Aufbäumen gehen lassen. Den einen, weil es unfair war, dass ihm das Leben einfach aus der Hand genommen wurde und dem anderen, weil er das seine sinnlos hinterher warf. Ihr musstet mir versprechen, nur Orte aufzusuchen, die mir nichts bedeuteten und die ich am besten gar nicht kenne. Weiterlesen

Mamertus lacht

Für unsere Fahrt nach Italien müsse ich mir bezüglich unserer Sicherheit keine Sorgen machen, teilte man mir Anfang der Woche mit. Die Winterreifen seien noch nicht abgenommen und mit ihnen würden wir problemlos jedem Schneesturm trotzen. Da wir unsere Reise bereits am 19. Mai antreten war ich sehr erleichtert das zu hören. Als Münchnerin weiß ich, dass ein Reifenwechsel vor Ende Juni ein überaus leichtsinniges und geradezu fahrlässiges Unterfangen ist. Dem Wetter zwischen Donau und Trient ist es nämlich völlig egal, wann der ADAC einen Reifenwechsel empfiehlt. Mehr noch – ich bin sogar fest davon überzeugt, dass die Eisheiligen irgendwo in den Alpen hocken und sich einen Spaß daraus machen auf die ersten Idioten mit Sommerreifen  zu warten. Allen voran die kalte Sophie, die jedes Jahr scheinheilig grinst, wenn sie hört wie Bauernregeln zitiert werden. Nur noch wenigen ist bewusst, dass ihr Gedenktag ohne dem Wechsel zum gregorianischen Kalender dieses Jahr zum Beispiel erst am 23. und nicht schon am 15. Mai liegen würde. Obwohl es ihr vermutlich auch herzlich egal ist. Sie kümmert sich nicht um den Kalender sondern wartet wie die anderen Eismänner auf den Reifenwechsel der Bayern und schlägt dann noch einmal genüsslich zu. Weiterlesen

Unverdautes Brioche

Es gibt zwei Sorten von Glück. Das eine, das einen urplötzlich und unvorbereitet trifft, und Körper und Geist mit solcher Wucht durchflutet, dass es eine wahre Freude ist und der getroffene nur strahlen und laut auflachen kann. Das sollte er auch, denn es ist flüchtig. Dieses mächtige Glücksgefühl, dass die Zeit für einen kurzen Moment anhält und keinen Raum für andere Empfindungen bietet, kann man nicht festhalten und sollte es gar nicht erst versuchen. Ich mag es. Noch lieber aber, mag ich das andere Glück. Das stille, leise, das einer tief empfundenen Zufriedenheit gleicht und sich wie eine warme Decke um die Schultern legt. Heute ist ein besonderer Tag, den ich habe beides. Weiterlesen

Zerschlagen und gekittet

Ein Hammer liegt auf meinem Tisch. Er passt nicht recht zwischen die Weingläser, Kaffeetassen und den Resten des Stollens, den wir zum Frühstück gegessen haben. Und doch passt er besser zu diesem Weihnachten als alle Christbaumkugeln, Geschenke und Weihnachtsbäume zusammen. Ich bin gleich da, schrieb ich dem Mann der in der gleichen Straße wie ich aufwuchs und zerschlug damit die Weihnachtsleere in meiner Wohnung. Ich wollte es nicht, aber der Hammer muss den ganzen Tag schon auf dem Tisch gelegen haben ohne das ich ihn bemerkt. Bratenduft in der Wohnung und eine leise Stimme die versicherte, das alles gut werden würde. Wie lächerlich, wenn sie von einem kommt, der wissen sollte, dass manchmal nichts wieder gut wird. Und wie unverschämt, wenn einer nickt, der Experte darin ist, das Grauen zu duplizieren. Es ist erstaunlich mit welcher Kraft man Stille und Leere zerschlagen kann, wenn man nur wütend genug ist. Der, der so oft auf meiner Bettkante sitzt und wortlos mit mir spricht ist klug genug den Mund zu halten. Der andere flüstert noch leise, dass es wieder wird und sieht erst im letzten Moment, dass ich wütend genug bin ihre flüchtigen Reste mit einer einzigen Handbewegung zu zerschmettern. Er verschwindet bevor ich ihn anschreien kann und ich fühle mich betrogen, weil ich brüllen und schreien möchte. Weiterlesen

Ob Sie wollen oder nicht – es schnuppt

Sie ahnen es, ja? Sie kennen mich gut genug um zu wissen, dass Ihnen ein Text über Sternschnuppen bevor steht. Da sie aber ein freier Mensch sind und jederzeit aufhören können weiter zu lesen, ignoriere ich Ihr Augenverdrehen. Ich wäre nicht Mitzi, wenn es mir egal wäre, dass über unseren Köpfen gerade die Perseiden hinweg sausen. Das ganze Jahr über sammle ich meine Wünsche, teile sie in Kategorien ein, priorisiere und konzentriere mich in den Augustnächten auf die richtige Formulierung, wenn es über mir blitzt und funkelt. Weiterlesen

Sommer mit Filter

Kennen Sie den Sommer Filter, der sich an manchen Tagen im Juli über die Welt legt? Wenn Sie jetzt im App Store nachsehen müssen, dann kennen Sie ihn nicht. Es ist kein Gadget für Ihre Kamera, sondern etwas ausgesprochen hübsches, dass Sie ganz umsonst bekommen. Achten Sie mal drauf, der Filter legt sich auch über Ihre Stadt. Falls Sie ihn nicht gleich erkennen und ein Kind im Haushalt haben, fragen Sie es! Weiterlesen

Sommer im Nacken

Auf meinen Schultern sind vier neue Sommersprossen. Auf der Nase drei, auf der Stirn sieben und gestern Abend habe ich am Knöchel und am Bauch jeweils eine neue entdeckt. Jedes Jahr im Juli kommen ein paar winzige, hellbraune Punkte dazu und obwohl ich sie schon lange nicht mehr zählen kann, glaube ich dass es noch immer etwa zwanzig Stück jährlich sind. Ich mag meine Sommersprossen. Besonders die eine, goldbraune, die ich im rechten Augen habe und von der ich weiß, dass es eigentlich keine ist. Weiterlesen

Frankenstein und die EM

Der klügste meiner Freunde meinte vor kurzem, dass man sich für ausnahmslos alle Themen begeistern könne, wenn sie nur mit Leidenschaft und Herzblut vorgetragen werden. Ich bezweifelte, dass dies auch auf mich zutreffen würde und nannte als Beispiel Fußball. Dafür würde ich mich nie begeistern können. Der Klügste grinste und sah es als persönliche Herausforderung. Wenige Tage später wurde ich mit Pasta geködert und musste mir mit ihm ein Champions League Spiel ansehen. 22 schwitzende Männer und ein Ball? Er würde es nicht schaffen, mich für diesen Blödsinn zu begeistern.  Weiterlesen