015 irgendwas 23

1412355 war die Telefonnummer meiner Großeltern. Seit 26 Jahren gehört der Anschluss jemand anderem und doch erinnere ich mich noch gut an die Tastenkombination aus meiner Kindheit. Die 661341 war die Nummer der Wohnung in der ich aufgewachsen bin und 66xxxx gehört den Eltern meiner ältesten Freundin. Während ich die ihre nicht auswendig kann,  ist die der Eltern für immer in meinem Kopf gespeichert. Ich kann mich nur an jene erinnern, die ich nie irgendwo gespeichert habe, weil man sie früher am besten im Kopf behielt. In meinem Kopf war auch die, die mit 23 endete. Weiterlesen

Jeden Tag schön hässlich

In meinem Wohnzimmer beginnt die blaue Stunde, der kurze Moment zwischen dem Untergehen der Sonne und dem Einbruch der Nacht, mit einem letzten Aufbäumen goldenen Lichts. Die letzten Sonnstrahlen leuchten über die Hausdächer genau in mein Küchenfenster. Sie tauchen meine hässlichen beigen Hängeschränke in ein strahlendes und funkelndes Licht. Als man irgendwann in den achtziger Jahren die Küche einbaute, hielt man noch nichts von Hochglanz-Flächen. Meine Schränke verzeihen Fingertappser und ihre raue Fläche ist nicht kaputt zu bekommen. Robust und praktisch musste es damals sein. Hässlich beschreiben es nachfolgende Generationen. Weiterlesen

Brechendes Eis. U-Bahn Gedanken

Ich muss noch klein gewesen sein, als ich den Klang von zerbrechendem Eis das erste Mal gehört habe. Alt genug um alleine mit meinen Freunden auf dem zugefrorenen Weiher Schlittschuh zu laufen und klein genug, um im Blickfeld meiner Mutter bleiben zu müssen. Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, als ich hörte wie das Eis mit einem lauten Knacken einen Sprung bekam. Wir standen an der einzigen tiefen Stelle des kleinen Weihers, dort wo das Eis in der Nähe des Wehres dünn wurde. Es ist nichts passiert an diesem Nachmittag. Die Erinnerung daran ist längst verblasst. Nur das Geräusch brechenden Eises ist mir im Gedächtnis geblieben. Weiterlesen

ENDE 2015

Ohne Happy End geht’s nicht. Flüstert er leise, während er auf meiner Bettkante sitzt und lächelt. Ich nicke und beobachte, wie der Rauch seiner Zigarette langsam zur Decke aufsteigt. Würde er wirklich auf der Bettkannte neben mir sitzen, hätte ich ihn längst gebeten die Zigarette draußen auf dem Balkon zu rauchen. Menschen die nicht real sind, dürfen auch im Schlafzimmer rauchen. Seltsamerweise riecht der nicht existente Rauch genauso wie der echte. Weiterlesen

Tanz!

Samstag sah ich den Tod. Ein weißes Gerippe unter einem schwarzen, langen Umhang. Die weite Kapuze tief über die knöcherne Stirn des blanken Schädels gezogen, schlich er sich langsam und ohne Eile heran. Er ist ein großer, schlanker Mann. Natürlich ist er schlank. Denn dort wo das Fleisch und das Fett des Körpers fehlen, ist ein jeder dünn. Dass pure Knochen schön sein können, wusste ich nicht. Aber er war schön. Der Tod war ein schöner Mann. Weiterlesen

Anna, geh ins Bett! U-Bahn Gedanken

„Ich hab dich lieb. Schlaf gut.“ Er sagt es ganz leise. Ich mag seine Stimme schon bei den ersten Worten. Sehr warm und weich unterstreicht sie die schönen Sätze. Ich habe dich lieb, das sagt man zu Kindern, wenn man sie in der früh verabschiedet. Man sagt es auch zu seinen Eltern, wenn sie ein Alter erreicht haben, in dem sich die Rollen langsam tauschen. Er sagte es zu keinem Kind und sicher nicht zu seiner Mutter. Seine Worte müssen seiner Frau oder Freundin gelten. Sie bedeutet ihm viel. Weiterlesen

So, bitte nicht!

Versucht sich ein Liebespaar darin, nach Beendigung der Liebe, ein Freundespaar zu werden, geht das meistens gründlich schief. Der klügste meiner Exfreunde und ich, können davon ein Lied singen. Wir trennten uns, blieben aber einfach weiter in der gemeinsamen Wohnung  hocken. Beide. Man ist ja erwachsen. Man hat sich ja noch sehr gerne. Man möchte ja Freunde bleiben. Ich weiß nicht wie er es sieht, aber der Entschluss nach einer Trennung die Wohnung nicht aufzulösen, ist die schnellste und wirkungsvollste Methode eine Freundschaft zu zerstören. Weiterlesen

Magenkrämpfe gegen Einsamkeit

Allen habe ich berichtet wie spannend und fantastisch meine Jahre in Italien waren. Nur zu gerne, erzähle ich die lustigen Anekdoten und die kleinen amüsanten Geschichten über neue Freundschaften und Erfahrungen und lasse dabei die eigenen Erinnerungen lebendig werden. Erzählend wird das längst vergangene wieder präsent und die bloßen Worte vermischen sich mit den damals empfundenen Gefühlen bis sie wieder greifbar und real werden. Weiterlesen

7 von 86.400 Sekunden

Im Büro meines Kollegen hängt ein Kalender mit einem kleinen, roten Plastikrahmen, den ich jeden morgen um ein paar Zentimeter, auf den aktuellen Tag verschiebe. An Montagen muss ich etwas weiter schieben, weil der Rahmen die Zeit des Wochenendes nachholen muss. Der Kalender hängt nicht in meinem Büro und doch fühle ich mich für ihn verantwortlich. Weiterlesen