Susanne

Auf Facebook fragt man „wieso?“. Einer postet die Frage nach dem Warum. Ein anderer fragt, was passiert ist und man hat ein wenig Angst sich selbst die Frage zu stellen. Vielleicht ist der Hund gestorben. Das Sterben eines Hundes kann ein großes Leid sein. Nein, nicht der Hund. Da fragt man nicht nach dem Warum. Weiterlesen

12 Monate Rosen und Schornsteine – August

Es heißt, man solle sich regelmäßig die Hände waschen, um Keime von sich fern zu halten und Krankheitserregern keine Chance zu geben. Es sei leicht, durch gründliches und regelmäßiges Waschen der Hände ohne eine Erkältung durch den Winter zu kommen. Vielleicht noch ein bisschen Glück, gesundes Essen, keine Krankheitswelle im Büro und ausreichend Bewegung an der Luft. Man muss halt schauen, dass man sein Immunsystem stärkt und sich nicht anstecken lässt. Von Fröhlichkeit und Lachen dagegen, kann man sich ruhig anstecken lassen. Das tut gut und es lässt sich gar nicht vermeiden, dass gute Laune um sich greift, wenn ein paar damit beginnen. Von den Gefahren ansteckender Traurigkeit habe ich dagegen noch nie gelesen. Und das obwohl es sich hierbei um einen besonders heimtückischen und nur schwer behandelbaren Erreger handelt. Weiterlesen

Kann ja keiner ahnen

Auf dem Gebiet Verabredungen mit dem anderen Geschlecht bin ich Experte. Obwohl meine Beziehungen immer recht lange sind und waren, liegt das an wohl daran, dass ich leicht zu haben bin. Leicht zu haben für eine Verabredung – nicht für den Rest. An dem scheitert ein Großteil der Kandidaten. Verabredungen habe ich in Beziehungsfreien Zeiten aber viele. Dem Glück muss man eine Chance geben und die Neugier will gestillt werden. So gelte ich  in meinem Freundes und Bekanntenkreis auch als kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen auf diesem Gebiet. Angefangen  vom richtigen Schuhwerk für einen Museumsbesuch über eine Auswahl unverfänglicher Gesprächsthemen bis hin zum Mienenfeld der Kinderfrage – ich gebe gerne und geduldig hilfreiche Tipps. Leider werden diese von einem Großteil meiner Freundinnen ignoriert. Von Claudia nicht. Die hatte mich bisher noch nie um Rat gefragt und ich freute mich sehr ihr zur Seite zu stehen. Weiterlesen

Ferienpass für Paul

In unserem Haus ist es still geworden. Sommer still. Während der großen Ferien ist gut die Hälfte der Bewohner ausgeflogen. Die Studenten sind nach den Prüfungen in ihre Heimatstädte gefahren und die Familien haben Koffer und Kinder in das Auto gestopft und haben sich Richtung Süden aufgemacht. Auch ein Großteil derer, die nicht auf die Sommerferien angewiesen sind, nutzten die Hochsaison um zu verreisen. Sie machen es, weil sie schon als Kind mit ihren Eltern im August in den Urlaub gefahren sind und man sich nur schwer von langjährigen Traditionen trennen kann. Paul und ich nicht. Wir sind daheim geblieben und haben das Haus fast für uns. Ein Zustand der mehr als ungewöhnlich ist. Die Maschinen im Waschkeller sind nicht besetzt, die Altpapiertonne quillt nicht über und der Aufzug fährt in den vierten Stock, ohne auch nur einmal für andere Bewohner anzuhalten. Fast schon unheimlich, gestehe ich Paul, als wir uns im Waschkeller treffen und unsere Maschinen füllen. Er lacht mich aus, nickt aber. Viel zu still sei es, beschwert er sich. Für eine solche Ruhe sei er nicht in die Großstadt gezogen. Gegen plötzliche Ferienbedingte Einsamkeit in der Großstadt empfehle ich ihm einen Gang zur Post. Dort ist die Schlange nicht kürzer geworden. Um den Kunden ein Gefühl der Vertrautheit zu vermitteln, hat man drei der vier vorhandenen Schalter kurzerhand geschlossen und lässt den zuhause gebliebenen Rest in gewohnter Manier schön lange warten. Paul lacht nicht. Die ruhige Stadt nervt ihn. Weiterlesen

Giesinger Tauschgeschäfte

„Woin´S a Zwetschgnrohrnudel?“, ob ich eine Zwetschgen Rohrnudeln wollen würde, fragte mich Herr Mu heute morgen an der Bushaltestelle. Weil ich bei dreißig Grad schon am frühen Morgen bei solchen Angeboten etwas misstrauisch bin, erkundigte ich mich, wie lange er die Zwetschgenrohrnudeln schon in den Tiefen seiner Tasche mit sich herumschleppte. Herrn Mu kann man so etwas fragen. Herr Mu ist nie beleidigt und grinste auch heute morgen. Ohne zu antworten, beugte er sich über die große Plastiktasche und teilte mir mit, dass ich gleich schlecken und juchzen würde. Die Zwetschgenrohrnudeln sein nämlich von der alten Huber. Ich kenne die alte Huber nicht, aber Zwetschgenrohrnudeln von alten Frauen sind eigentlich immer besser, als die vom Bäcker. Als Herr Mu sich wieder aufrichtete, war ich mir sogar sicher, dass die Rohrnudeln etwas besonders feines waren. Sie waren nämlich in Pergamentpapier eingeschlagen und nicht in eine lieblose Plastikdose geworfen worden. Ich nickte. Ja, so eine Zwetschgenrohrnudel nahm ich gerne. Herr Mu reichte mir eines der Prachtstücke und ich bot ihm einen Tausch an. Da er für mein Mittagessen gesorgt hatte, konnte ich ihm leicht das meine abtreten. Rohrnudel gegen Kichererbsensalat. Herr Mu verzog den Mund und schüttelte den Kopf. So etwas gesundes würde er nicht essen. Einen Mann wie Herrn Mu muss man aber nur lange genug ansehen und er knickt ein. Nach zwei Atemzügen nahm er meine lieblose Plastikdose und versprach, den Salat wenigstens einmal zu probieren. Die Dose verschwand in seiner Plastiktüte und mir fiel ein, dass ich vergessen hatte beim vietnamesischen Backshops eine Pfandflasche zurück zu geben. Eine Entscheidung die ich schnell bereute. Weiterlesen

Alter egal – U-Bahn Gedanken

Obwohl es gestern erst den ganzen Tag geregnet hat, ist es heute schon wieder angenehm heiß. Zu heiß würden viele behaupten; angenehm italienisch warm, sage ich. Obwohl es in München im Sommer recht warm wird, gibt es nur wenige italienische Woche. Solche Wochen zeichnen sich nicht nur durch die Temperatur aus. Vielmehr erinnert sich an diesen Tagen die ganze Stadt, dass sie sich tief im Herzen dem Süden häufig verbundener fühlt als dem Norden. An solchen Tagen gehen die Münchner langsamer, schlendern mehr und bleiben noch lieber für ein Schwätzchen stehen. Die Münchnerinnen tragen schönere Kleider, höhere Schuhe und ein bisschen mehr Rouge auf den Wangen. Sie tun es, weil die Münchner Männer in jenen Tagen ihren Charme zusammen kratzen und häufiger anerkennend lächeln, wenn ein schönes Kleid an ihnen vorbei läuft. Und wenn die Münchnerin ein besonders großes Glück hat, dann trifft sie auf einen Italiener, der das ganze noch ein bisschen besser als der Münchner kann. Weiterlesen

Fremde Männerknie – U-Bahn Gedanken

Wussten Sie, dass männliche Geschlechtsorgane gerade in der heißen Jahreszeit ordentlich viel Raum brauchen? Unter der Beinbekleidung und der hoffentlich vorhandenen Unterwäsche scheint es besonders im Sitzen schnell unangenehm warm zu werden. Hilfreich ist dann das weite Spreizen der Beine um den armen, arg eingeklemmten Organen wenigstens ein bisschen Frischluft zu gönnen. Besonders angenehm ist eine Sitzhaltung bei der Mann mit dem Hintern auch noch etwas nach vorne rutscht und so statt einem gleich dreieinhalb Plätze in Bus und Bahn in Beschlag nimmt.  Ist das so, frage ich den der nicht mehr bei mir ist in Gedanken und funkle sein Spiegelbild in der Scheibe angriffslustig an. Es verschwindet, so wie er grundsätzlich erst einmal verschwand, wenn ich angriffslustig zu funkeln begann. Zu diesem Zeitpunkt bin ich in der Regel bereits so wütend, dass jede Antwort falsch ist. Es kommt nicht oft vor, dass ich so funkelnd wütend werde. Wenn ich wütend bin, bin ich durchaus noch in der Lage ein Gespräch zu führen. Beginne ich aber angriffslustig zu funkeln, dann warte ich nur darauf, dass mein Gegenüber den Mund aufmacht. Egal was es sagt, das Donnerwetter entlädt sich. Und sagt er nichts, dann fange eben ich an. Weiterlesen