Herr Krüger wohnt bei Hasso

Im Aufzug steht ein Schäferhund. Ganz alleine steht er da, als ich im zweiten Stock zusteigen möchte. Er schaut und weil er saublöd im Weg rum steht, sage ich: „Steh um.“ Das ist die bayerische etwas ruppig Aufforderung, doch bitte zur Seite zu gehen. Sehr gängig ist sie nicht. Mein Vater zum Beispiel, nutzt sie nur, wenn ihm einer, den er gut kennt und bei dem Höfflichkeitsfloskeln nicht mehr nötig sind, im Weg herum steht. Eigentlich sagt er es nur zu meiner Mutter und mir. Der Schäferhund scheint es trotzdem zu verstehen und geht einen Schritt rückwärts nach hinten. Weil es nicht weit genug ist und ich einen Korb Wäsche in den Armen halte, schubse ich ihn sanft mit dem Oberschenkel weiter in den Lift und steige ein. Beim Schließen der Türen fällt mir ein, das ein deutscher Schäferhund auf der Liste als eine potentiell gefährliche Rasse geführt wird und überlege ob man dieses Exemplar womöglich aufgrund seiner Gefahr für die Hausgemeinschaft im Lift ausgesetzt hat. Da ich aber Aufzüge ebenfalls für potentiell gefährlich halte und die Türen bereits geschlossen sind, denke ich nicht weiter darüber nach. Trotzdem wünsche ich dem Hund ein schönes Wochenende als ich im Keller aussteige. Weiterlesen

Eine Giesinger Schande

Das Stehen fällt Herrn Mu schwer. Die Knie wollen seinen massigen Körper nicht mehr so recht halten und schmerzen bei längerem Stehen. Trotzdem steht er jetzt an diesem Samstagnachmittag schon eine ganze Weile bewegungslos vor einem Zaun und schaut auf einen Haufen Schutt. Einen Tag zuvor stand an dieser Stelle noch ein denkmalgeschütztes Haus. Dass man es abgerissen hat, wusste ich dank meines Nachbarn, Herrn Meier, schon seit Freitagabend. Nur glauben konnte ich es nicht. Ein denkmalgeschütztes Haus kann man ja nicht so einfach abreißen. Noch dazu nicht ein solches, dessen Geschichte ein Teil unseres Viertels ist. War, korrigiert mich Herr Meier und zuckte mit den Schultern. Weg sei es, sagte er und weiter, dass man so viel Dreistigkeit bewundern müsste, wenn es nicht gar so traurig wäre. Wie traurig es wirklich ist, wird mir erst bewusst, als ich am Samstagnachmittag neben Herrn Mu und einigen andern Nachbarn vor dem Schutthaufen stehe. Es ist nur schwer zu begreifen, dass eines der denkmalgeschützten Handwerkerhäuschen aus dem 19. Jahrhundert abgerissen wurde. Dabei sollte es doch eigentlich nur saniert werden.
Frau Obst, die neben mir wohnt, ist an diesem Nachmittag außergewöhnlich still. Nachdenklich blickt sie auf die Trümmer und murmelt unverständliches vor sich hin. Unverständlich ist die Dreistigkeit dieses Abrisses in der Tat. Schon am Donnerstagnachmittag rückten Arbeiter einer Baufirma mit einem Bagger an, rissen ein Loch in die Fassade und begannen das Dach abzudecken. Nur weil sich Anwohner aus den benachbarten Häusern in den Weg stellten und einer die Polizei rief, konnte der Abriss gestoppt werden. Die Giesinger atmeten auf. Liegt ihnen ihre Grasstraße, ein Teil der Feldmüllersiedlung, einer frühen Arbeitersiedlung für Tagelöhner und Handwerker, doch sehr am Herzen. Die kleinen Häuschen stehen dort dicht an dicht und die Straßen mit ihrem Kopfsteinpflaster sind schmal. Biegt man hinter der Kirche ab, ist man in einem Teil von Giesing, der sich über all die Jahrzehnte den dörflichen Charakter bewahrt hat. Und jetzt ist eines der Häuser weg. Weil mich das Gemurmel der alten Obst nervt, bitte ich sie, doch etwas deutlicher zu sprechen. Ungewöhnlich zahm, tut sie das dann auch und berichtet, dass am Freitagnachmittag eine Handvoll Arbeiter zur Baustelle zurück kehrten und das kleine Haus mit dem Bagger in nur 20 Minuten völlig zerstörten. Andere Anwohner schalten sich ein. Ein Witz sei es gewesen – wenn’s halt nicht so traurig wäre – als der Baggerführer nach getaner Arbeiter zu Fuß flüchtete und man zwei weitere Arbeiter an der Ecke „Schmiere“ stehen sah. Ob es zu Ermittlungen kommt weiß man nicht. Aber das Häuschen in der Grasstraße 1 ist weg. Anstelle der eingereichten Anträge zur Sanierung des Gebäudes wurde es einfach abgerissen. Frei nach dem Motto: Es ist zwar verboten, aber weg ist weg. Dann zahlt man halt eine Strafe. Weiterlesen

Susanne

Auf Facebook fragt man „wieso?“. Einer postet die Frage nach dem Warum. Ein anderer fragt, was passiert ist und man hat ein wenig Angst sich selbst die Frage zu stellen. Vielleicht ist der Hund gestorben. Das Sterben eines Hundes kann ein großes Leid sein. Nein, nicht der Hund. Da fragt man nicht nach dem Warum. Weiterlesen

12 Monate Rosen und Schornsteine – August

Es heißt, man solle sich regelmäßig die Hände waschen, um Keime von sich fern zu halten und Krankheitserregern keine Chance zu geben. Es sei leicht, durch gründliches und regelmäßiges Waschen der Hände ohne eine Erkältung durch den Winter zu kommen. Vielleicht noch ein bisschen Glück, gesundes Essen, keine Krankheitswelle im Büro und ausreichend Bewegung an der Luft. Man muss halt schauen, dass man sein Immunsystem stärkt und sich nicht anstecken lässt. Von Fröhlichkeit und Lachen dagegen, kann man sich ruhig anstecken lassen. Das tut gut und es lässt sich gar nicht vermeiden, dass gute Laune um sich greift, wenn ein paar damit beginnen. Von den Gefahren ansteckender Traurigkeit habe ich dagegen noch nie gelesen. Und das obwohl es sich hierbei um einen besonders heimtückischen und nur schwer behandelbaren Erreger handelt. Weiterlesen

Ferienpass für Paul

In unserem Haus ist es still geworden. Sommer still. Während der großen Ferien ist gut die Hälfte der Bewohner ausgeflogen. Die Studenten sind nach den Prüfungen in ihre Heimatstädte gefahren und die Familien haben Koffer und Kinder in das Auto gestopft und haben sich Richtung Süden aufgemacht. Auch ein Großteil derer, die nicht auf die Sommerferien angewiesen sind, nutzten die Hochsaison um zu verreisen. Sie machen es, weil sie schon als Kind mit ihren Eltern im August in den Urlaub gefahren sind und man sich nur schwer von langjährigen Traditionen trennen kann. Paul und ich nicht. Wir sind daheim geblieben und haben das Haus fast für uns. Ein Zustand der mehr als ungewöhnlich ist. Die Maschinen im Waschkeller sind nicht besetzt, die Altpapiertonne quillt nicht über und der Aufzug fährt in den vierten Stock, ohne auch nur einmal für andere Bewohner anzuhalten. Fast schon unheimlich, gestehe ich Paul, als wir uns im Waschkeller treffen und unsere Maschinen füllen. Er lacht mich aus, nickt aber. Viel zu still sei es, beschwert er sich. Für eine solche Ruhe sei er nicht in die Großstadt gezogen. Gegen plötzliche Ferienbedingte Einsamkeit in der Großstadt empfehle ich ihm einen Gang zur Post. Dort ist die Schlange nicht kürzer geworden. Um den Kunden ein Gefühl der Vertrautheit zu vermitteln, hat man drei der vier vorhandenen Schalter kurzerhand geschlossen und lässt den zuhause gebliebenen Rest in gewohnter Manier schön lange warten. Paul lacht nicht. Die ruhige Stadt nervt ihn. Weiterlesen

Giesinger Tauschgeschäfte

„Woin´S a Zwetschgnrohrnudel?“, ob ich eine Zwetschgen Rohrnudeln wollen würde, fragte mich Herr Mu heute morgen an der Bushaltestelle. Weil ich bei dreißig Grad schon am frühen Morgen bei solchen Angeboten etwas misstrauisch bin, erkundigte ich mich, wie lange er die Zwetschgenrohrnudeln schon in den Tiefen seiner Tasche mit sich herumschleppte. Herrn Mu kann man so etwas fragen. Herr Mu ist nie beleidigt und grinste auch heute morgen. Ohne zu antworten, beugte er sich über die große Plastiktasche und teilte mir mit, dass ich gleich schlecken und juchzen würde. Die Zwetschgenrohrnudeln sein nämlich von der alten Huber. Ich kenne die alte Huber nicht, aber Zwetschgenrohrnudeln von alten Frauen sind eigentlich immer besser, als die vom Bäcker. Als Herr Mu sich wieder aufrichtete, war ich mir sogar sicher, dass die Rohrnudeln etwas besonders feines waren. Sie waren nämlich in Pergamentpapier eingeschlagen und nicht in eine lieblose Plastikdose geworfen worden. Ich nickte. Ja, so eine Zwetschgenrohrnudel nahm ich gerne. Herr Mu reichte mir eines der Prachtstücke und ich bot ihm einen Tausch an. Da er für mein Mittagessen gesorgt hatte, konnte ich ihm leicht das meine abtreten. Rohrnudel gegen Kichererbsensalat. Herr Mu verzog den Mund und schüttelte den Kopf. So etwas gesundes würde er nicht essen. Einen Mann wie Herrn Mu muss man aber nur lange genug ansehen und er knickt ein. Nach zwei Atemzügen nahm er meine lieblose Plastikdose und versprach, den Salat wenigstens einmal zu probieren. Die Dose verschwand in seiner Plastiktüte und mir fiel ein, dass ich vergessen hatte beim vietnamesischen Backshops eine Pfandflasche zurück zu geben. Eine Entscheidung die ich schnell bereute. Weiterlesen

Das Kind hat sich schon übergeben

München ist bekannt für die vielen schönen Seen im Umland. Die Auswahl ist groß und gerade in den Sommermonaten zieht es ganz München gerne an ihre Ufer. Fast ganz München. Die Giesinger eher nicht. Seetechnisch gesehen, ist Giesing nämlich recht benachteiligt. Freilich könnte man sich auf das Radl schwingen und fröhlich pfeifend zum Deininger Weiher raus radeln. Bei über dreißig Grad vergeht einem das Pfeifen aber schnell. Das fröhliche. Das aus dem letzten Loch begleitet einen schon – es geht nämlich immer Isaraufwärts. Der Riemer See ist künstlich und scheußlich und zum Feringasee geht es zwar Isarabwärts, aber da denkt man ja schon an dem Heimweg und hat keine rechte Freude. Für Bewohner des Alpenvorlandes ist der Münchner im allgemeinen und der Giesinger im speziellen, nämlich recht faul. Mit der S-Bahn mag er auch nicht fahren und mit dem Auto steht man eh nur im Stau, weil ja ganz München die gleiche Idee hat und zu den Seen pilgert. Es verwundert also nicht, dass man den Giesingern schon 1847 das erste Freibad vor die Nase gesetzt hat. Vermutlich auch um ihr, in der ganzen Stadt verschrienes, hitziges Gemüt abzukühlen. Eiskalt soll es gewesen sein, erzählt man sich noch heute. Und das es anfangs herrlich ruhig war. Seit 1938 nicht mehr – ab da wurden die Gatter auch für die Frauen geöffnet. Weiterlesen

Zwölf Monate Rosen und Schornsteine – Juli

Mein Rosengarten zeigt sich von seiner schönsten Seite. Kein einziges Regenbild bisher. Schon im Mai und Juni stand ich schwitzend an der Stelle, von der aus ich an jedem letzten Sonntag im Monat das Foto mache – heute ist es noch heißer. So heiß, dass ich schnell und fast im vorbei gehen das Foto mache und mich dann in den Schatten setze. Die Bänke sind besetzt, aber das ist egal. In einem Anflug von Wahnsinn, bin ich heute morgen in eine enge Jeans geschlüpft. Sie verträgt es, dass man sich mit ihr in den Kies setzt. Heute ist es zu heiß für Oliven. Die Kerne schlummern tief im Boden und erinnern mich heute nicht an dich. Ich stehe nicht über ihnen im Gras, sondern sitze in der hintersten Ecke des Rosengartens unter einer der schönen Trauerweiden. Es ist sogar zu heiß, um zu der Stelle zu blicken, an der die Kerne vergraben sind.  Nicht, weil ich nicht an die Kerne denken möchte, sondern weil die Sonne dort zu grell scheint. Lieber schließe ich die Augen und höre der Hitze beim Flimmern und Flirren zu. An besonders heißen Tagen kann man sie nämlich hören – die Hitze. Hier im Rosengarten vermischt sie sich mit lautem Kinderlachen, weil das Freibad nur wenige Meter entfernt ist. Und hier, unter der Trauerweide, riecht der Sommer nach Chlor, Würstchen, Eis und verdorrtem Gras. Es ist das erste Ferienwochenende. Und es hat 33 Grad. Das ist mein Stichwort. Wenn ich nicht sofort ins Wasser komme, kollabiere ich. Morgen bekommen Sie die Erzählung, die ich eigentlich heute Abend schreiben wollte. Morgen. Jetzt muss ich ins Wasser.

 

Juni

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Mai

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April

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März
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Februar
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Das Zeilenende schrieb im Februar auf seinem Blog: „Zwölf Monate lang begleite ich ein Motiv. Es springt einmal im Monat vor die Kamera und lässt den Augenblick für die Ewigkeit gefrieren. Am letzten Sonntag im Monat werfe ich einen Blick auf das Bild: Was hat sich verändert, was bleibt gleich?“ und lädt zum  mitmachen ein.

Ich schulde einem, der es selbst nicht mehr sehen kann, die Fortsetzung einer Momentaufnahme.

Weiter Teilnehmer sind bei Zeilenende aufgelistet. Alles was ich bisher gesehen habe ist sehens-, lesens- und sogar hörenswert dank eingefügter Klangbilder.

 

 

Da hat er Recht, der Herr von Goethe

Was machen Sie gerade? Ich sitze auf meinem Balkon und habe eine Flasche Crémant vor mir stehen. Ungeöffnet. An einem bewölkten Dienstagabend macht man sich nicht einfach alleine eine Flasche Crémant auf. Nicht wenn einen, wie mich, ein Nachbar mit süffisanten Grinsen vom anderen Balkon aus beobachtet und am nächsten Tag im Waschkeller darauf ansprechen wird, wie verzweifelt man schon sei, wenn man unter der Woche alleine eine Pulle köpfen muss. Sie müssen sich, fernlesend, auch eine aufmachen. Oder Sie kommen vorbei. München, Giesing – fragen Sie sich einfach durch, man kennt mich. Alleine kann ich jedenfalls nicht trinken. Einen Grund brauchen wir nicht. Und falls Sie wider erwarten anderer Meinung sind, dann stoßen wir eben auf das zweijährige Bestehen, meines Blogs an. Sind Sie soweit?

Sie brauchen aber auch lange, ich fang schon mal an. Mit dem ersten Glas. Heute kann ich es wirklich brauchen, egal wie blöd der Nachbar grinst. Passend zu einem an sich schon blöden Dienstag erhielt ich heute drei Nachrichten diverser Singlebörsen. Nicht eine sondern drei! Alle mit einem fast identischen Inhalt. Man würde sich freuen, dass ich nach drei Jahren wohl den passenden Partner gefunden habe und ihre Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen würde. Die einen hatten ihre Nachricht mit Herzchen garniert, die anderen mit Bildern vom Prototypen des perfekten Paares. Im P.S. der freundliche Hinweis, dass ich mein altes Profil jederzeit wieder aktivieren könnte. Falls ich noch keinen Partner hätte und so verzweifelt sei, an einem Dienstagabend alleine eine Pulle zu köpfen. Letzteres habe ich zwischen den Zeilen herausgelesen.

Sind Sie schon bei mir? Beeilen Sie sich, bitte. So langsam kann ich nicht trinken. Der gute Schluck wird viel zu schnell warm, bei diesen Temperaturen. Ein Glas trink ich noch alleine, aber dann müssen Sie einsteigen. Heute vor drei Jahren habe ich mich wohl bei allen drei Single Börsen gleichzeitig abgemeldet und bin in die automatische Wiedervorlage gerutscht. Ich stellte fest, dass dieses Medium nicht zu mir passt. Ein Jahr online dating hatte nur einen positiven Effekt – ich habe am Ende mit diesem Blog begonnen. Die negativen Aspekte überwogen. So konnte ich mich zum Beispiel ein Jahr lang nicht mehr in meinem Lieblingscafe blicken lassen, nachdem ich einen ganzen Sommer lang jedes einzelne Date genau dorthin bestellt hatte. Ich fiel auf. Vermutlich auch, weil ich immer das Gleiche – mein liebstes Kleid – an hatte. Am Ende teilten mir die Kellner mit, dass sie sich besprochen haben und sich bereit erklärten mich auszuführen oder sich in ihrem Bekanntenkreis nach männlichen Singles erkundigen würden.  Dieses Elend sei nicht mehr mit anzusehen. Außerdem ist München ein Dorf. Wenn man sich auf nur drei Partnervermittlungsseiten gleichzeitig anmeldet, stößt man immer wieder auf die gleichen Personen und muss denen erklären, dass man nicht verzweifelt ist, sondern nur effizient vorgeht. Mein Nachbar grinst noch immer.

Vielleicht grinst er, weil sein Wein in einem Glas ist, während ich aus der Flasche trinke. Ich hab das Glas umgestoßen und zerbrochen, und bin zu faul aufzustehen. Wenn Sie noch vorbei kommen, mach ich natürlich auf. Das geht noch, aber läuten Sie vorsichtshalber zwei Mal. Jetzt antworte ich den Dating Agenturen und teile ihnen mit, dass ich Single bin. Glücklicher Single. Und das es mir unverständlich ist, warum sie mir mit ihren saublöden Nachfrage einen so schönen Dienstagabend versauen wollen.

Meine erster Blogbeitrag vor zwei Jahren lautete: „Das Leben erzählt die schönsten, traurigsten und seltsamsten Geschichten. Und manchmal kann ich nicht widerstehen, sie aufzuschreiben.
Google ist ein mieser Verräter. Zumindest wenn es um „Die Sache mit dem Internet, den Männern und dem was übrig bleibt“ geht.  Wie immer….alles Fiktion und doch real.“ Mehr stand da nicht. Wie passend, dass sich der Grundstock des Blogs gerade heute nach genau zwei Jahren per E-Mail zu Wort gemeldet hat. Wenn Sie sich noch nicht auf den Weg gemacht haben, dann bleiben Sie jetzt bitte zu Hause. Ich bin nämlich gleich weg. Passend zum Jubiläum mache ich mich mit den Resten des Crémants auf und besuche meinem Nachbarn Paul. Ein so dämliches Grinsen, ist doch im Grunde eine Art Einladung. Und schließlich hockt der auch alleine auf seinem Balkon. Meine Geste hat er wohl verstanden. Ein wenig hektisch deutete er an, dass er noch fünf Minuten braucht. Vermutlich um das größte Chaos in seiner Wohnung zu beseitigen. Warum er gerade das Bett frisch bezieht – ich sehe das vom Küchenfenster aus – ist mir ein Rätsel. Vielleicht stelle ich den Crémant besser in den Kühlschrank und bringe Apfelsaft mit.

Warum hatte ich eigentlich schlechte Laune? Wissen Sie es? Ich nicht mehr. Auch das passt zum Jubiläum. Denn neben des knappen ersten Artikels schrieb ich auf die über mich Seite:

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.
Johann Wolfgang von Goethe

Da hat er Recht, der Herr von Goethe.
Auch wenn es zu seiner Zeit noch kein Internet und kein Online-Dating gab, halte ich mich an dieses Zitat. Schreib´s auf, dann ist es halb so schlimm. Oder positiver: Schreib´s auf und du kannst darüber lachen.

In diesen Sinne. Ihnen einen schönen 11. Juli. Und wenn Sie Lust auf ein Gläschen haben…das kann man sehr wohl alleine trinken ;).

Herzlichst
Ihre Mitzi, die Sie nicht mehr los werden.

 

Die fette Taube

Letzte Woche fing mich Herr Meier vor dem Haus ab und drückte mir einen  Meisenknödel in die Hand. Normalerweise bekomme ich von Herrn Meier nur Nüsse geschenkt. Ich war irritiert. Herr Meier auch. Weil ich nichts sagte und das selten bei mir vorkommt. Für die Taube, erklärte er mir und ich sagte noch immer nichts. Für die Tauben, murmelte ich irgendwann und er schüttelte ungeduldig den Kopf. Nicht für die Tauben, sondern für die Taube. DIE Taube, verstehst?, fragte er mich und ich verstand ihn nicht. Er nahm meine Hand. Wir würden jetzt hoch gehen und er würde den Meisenknödel an meinem Balkon anbringen. Ein Brett hätte er schon im Treppenhaus stehen. Langsam erkannte ich die Zusammenhänge. Der alte Meier wurde senil.  Mitte der Woche hatte ich ihn schon dabei beobachtet, wie er ein Brett an der Brüstung seines Balkons angebracht hatte und mich gewundert, was er mit dem scheußlichen Ding bezweckte. Am nächsten Tag befestigte er einen Ast und garnierte ihn mit Meisenknödeln. Im Hochsommer. Der arme alte Mann. Ich sah ihn mitleidig an und tätschlte seine Hand, in der er immer noch die meine hielt. Unwirsch schob er meine Hand weg und schubste mich stattdessen Richtung Haustür. Hopp hopp, er hätte nicht den ganzen Tag Zeit. Auch bei den Iwanows müsse er die Landebahn noch anbringen, deren Balkon grenze schließlich an die Zweige des Ahorns. Ich nickte verständig obwohl ich nichts verstand, weil ihm das bestimmt gut tat. Ein solches verständiges Lächeln. Weiterlesen